Stimmen Obama, Putin"Shock and awe"überein?

Oliver Roy/Israel "Der falsche Krieg" die Irrtümer des Westens. Israel ist ein Verbündeter - des Westens- besonderer Art, autonom, scheinbar unantastbar und in Bedrängnis",
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Stimmen US- Präsident Barack Obama, der russische Präsident Wladimir Putin, kryptisch verschlüsselt "Shock and awe", überein?

Der Krisen neue Kleider. Kriege in neuen Gewändern
Jede Epoche stellt sich ihren Aufgaben in bestimmtem Gewande nach Art des "Kaisers neue Kleider"

1914 ersann die Epoche als Subjekt ihrer Geschichte, aufgeteilt in feindlich gesonnenen Bündnissen, in Wahrnehmung der Aufgabe, Mobilität, unter die Staatsvölker auf vier Rädern zu bringen. Das verlangte nach einem militärisch hochgerüstete Projekt "Kommandowirtschaft", wie die Luft zum Atmen und landete konsequent im Ersten Weltkrieg mit völkermordend "exekutivem Erfolg" bis 1918

>>Alle Räder der Vielen rollen, gleich ob Sieg, ob Niederlage für den Profit der Wenigen<<

Kurzum: 1914 verstanden Demokratien, Monarchien, Despoten, Kalifate sich darin, über alle Schützengräben hinweg, gleichermaßen, ihre regionalen Konfliktpotenziale nicht vor Ort, sondern, sozusagen woanders, global in Angriff zu nehmen.

Sie erfanden den "Vaterländischen Krieg", um ihr krisengeschwängertes Volk in alle Welt zu zerstreuen, damit dieses Volk heimgekehrt, kriegsversehrt mit so vielen Handicaps geschlagen ward, dass auf Jahrzehnte kein Pieps gegen jedwede Obrigkeit zu fürchten war. Selbst dann nicht, wenn es 1939 zu neuem "Vaterländischem Krieg" Sprung Auf! Marsch! Marsch! In den Orkus der Geschichte!".

fern der Heimat, zu Felde, im schussfreien Gelände in die Furchen der Todesacker ging.

Der Zweite Weltkrieg war 1943 voll im Gange, da erfanden die USA, UdSSR, Großbritannien in Teheran im Iran als Alliierte gegen die Achsenmächte Deutsches Reich, Italien, Japan und Kombattanten Mächte neue Kleider für kommende Krisen unter dem Dach von Interessenssphären der Großmächte.

In Interessenszonen, in denen aufbrechend brenzlig lodernd regionale Krisen eingefroren, im Keim erstickt werden sollten.

Gewebt waren die Neuen Kleider für kommende Krisen aus der vereint gesponnenen Idee, regionale Konflikte gemeinsam und sei es im kalten Interessensgegensatz eingegrenzt unter globaler Regie geführt, den einzelnen Großmächten zu überlassen, die in der 1946 gegründeten UNO als ständige Mitglieder im Sicherheitsrat mit Vetorecht in New York saßen und noch immer, verstärkt durch die neue Macht in Asien China, sitzen

Der Kalte Krieg war 1948 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 nicht wider Erwarten ausgebrochen, wie es bis heute gemeinhin falsch kolportiert wird, sondern in Washington, Moskau, London, Paris als "Käseglocke eigener Interessenssphäre" exekutiert, wie er 1943 in Teheran verkündet ward

Das Konzept der Globalsteuerung regionaler Krisen der Großmächte wurde im Wege atomarer Bewaffnung und scheinbarer Parität der Blöcke Ost und West mit dem Ergebnis eines Systems gegenseitiger Abschreckung durch diese Atommächte auf Jahrzehnte unter dem gemeinsamen propagierten Label

"Kalter Krieg"

aufwendig hochgerüstet, die Gründung der NATO, des Warschauer Vertrages 1949, monumental in Beton gegossen.

Damit war der Weltfrieden nicht wirklich gewonnen, aber zumindest ward, trotz und wg. der Berlin- Krise 1948, 1958, 1961, des Koreakrieges 1950- 1953, Kuba. Krise 1962 ein System gegenseitiger Konsultierung in Gefahrenlagen von Krisenzeiten aus der Taufe gehoben. Bekannt unter dem Begriff

"Rotes Telefon"

mit Standleitung von Washington, Brüssel, Hauptquartier der NATO, nach Moskau, Peking, London, Paris und zurück.

Spätestens nach dem atomaren GAU von Tschernobyl am 26. April 1986 lagen, mit Aufkommen von Glasnost, Perestroika in der UdSSR unter Führung des Staatspräsidenten Michail Gorbatschow und Generalsekretärs der KPdSU, in den Hauptsädten der Supermächte in Moskau, Washington die Schniitmuster für neue Kleider kommender Krisen vor und wurden im Rahmen von "Non Paper" Gesprächen verhandelt.

Die bisherige kostenintensive Globalsteuerung regionaler Krisenherde durch die Supermächte USA, UdSSR (Breschnew Doktrin 1968 Niederwerfung des Prager Frühlings, 1979 Invasion Afghanistans) sollte beendet, stattdessen sollten nun, unterhalb der Schwelle des bisherigen Systems atomarer Abschreckung, regionale Krisen, Konflikte, Kriege ohne hegemoniale Einrede der Supermächte sich selber überlassen bleiben.

Während die atomaren Supermächte, jeder für sich, im Wege von Umstruktierungen ihrer Sicheheitskonzepte, Verteidigung zu Lande, zu Wasser, in der Luft, in der Einheit von Wirtschaft, Ressourcenpolitik und Vörwätrsverteidigung "out of area" ein neues Modell ausgesucht schutzbefohlener Regionen, Staaten anstreben.

Exemplarisch lässt sich dieses neue Modell mit neuem Kleid für Krisen unter der Regie der USA, Russlands als Rechtsnachfolger der UdSSR, neben dem Dauerkrisenherd Naher Osten, Israel- Palästina/Libanon, an der Schnittstelle des Kosovo- Krieges 1999 ohne UNO- Mandat verfolgen.

In dessen Verlauf und Folge sich ein fliegender Wechsel von der bis dato noch wirksamen Doktrin des Nation- und State- Building der US- Präsident Bill Clinton Administration nach dem Berliner Mauerfall 1989, der Deutschen Einheit 1990, zur Ära US- Präsident George W. Bush 2001 hin zur "Nichteinrede", gepaart mit dem Konzept "Shock and awe" vollzog.

"Israel ist ein Verbündeter - des Westens- besonderer Art, autonom, scheinbar unantastbar und in Bedrängnis",

schreibt Oliver Roy, Forschungsdirektor des Centre National de la Recherche Scientifique, in seinem Buch "Der falsche Krieg" -Islamisten, Terroristen und die Irrtümer des Westens- , deutsche Übersetzung Siedler Verlag 2008, S. 31

>> Grundpfeiler der amerikanischen Politik im Mittleren osten ist die bedingungslose verteidigung Israels . Aber sie geht noch über diesen Imperativ hinaus. Die Bush- Administration hat Israel mehr unterstützt als die Vorgängerregierungen, allerdings weniger durch das, waqs sie getan hat, als druch das, was sie unterlassen hat:

Washington hat, nach der Clinton Ära kenerlei Druck mehr auf Israel ausgeübt,, den Ausgleich mit dessen nachbarn Palästina , wie Libanon zu suchen , . Sich nicht in den friedensprozess einzubringen , bedeutet jedoch, die Isrealische regierung in völliger Verkennung der Gefahrenlage in der Region ungehindet gewähren zu lassen.

Präsident Bush Israel Poltik hat zwei Bestandteile . Der erstere entstammt einer vision der Neokonservativen , zugrundegelegt in einem Bericht 1996 - Adressat des Berichts war der damalige Chef des Likus- Blocks Benjamin Netanjahu- wie in Ergebnissen und Veröffentlichungen der 1997 gegründeten Denkfabrik

>>Porjekt for the New American Century>>

In diesem Bericht wird eine eindeutige Gegenposition zum Osloer Friedensprozess 1992 sowie zur Politik des damals amtierenden US- Präsidenten Bill Clinton eingenommen: Israel muss vollkommen freie Hand haben, wenn es darum geht, seine Sicherheit zu gewährleisten, seine strategischen Interessen zu definieren und zu realsieren. Es ist undenkbar, über Land gegen Frieden zu verhandeln, wie es im Osloer Friedensprozess angelegt ist, sondern es muss ein bewaffneteter Frieden hergestellt werden. Die Israelis sollen mit den Palästinensern, Libanesen verfahren können, wie sie wollen, denn sie haben sie noch nicht ausreichend besiegt.<<

Der andere Bestandteil des US- Präsident George W. Bush Konzeptes ist, sich grundlegend von der Bill Clinton- Administation abzugrenzen, zu distanzieren und jedwede Beteiligung an Vermittlungsgesprächen zwischen Israelis, Palästinensern, Libanesen bereits im Vorwege zu vermeiden.

Gleichzeitig wird die US- Army unter der Regie von Verteidigungsminister Donald Rumsfield von einer Verteidigungsmacht mit relativer Offensivkraft auf extreme Offensivkraft durch technologische Hochrüstung umgestellt, damit das neue Konzept

"Shock and awe",
("Schock und Ensetzen")

asymmetrisch überlgene Feuerkraft überall in der Welt greift. Im Konfliktfall die totale und unmittelbare Vernichtung des Gegners, wie im Irakkrieg 2003 garantiert.

Während dem russischen Präsidenten Wladimir Putin dieses Verfahren "Shock and awe" asymmtrischen Krieges 1999, damals noch Ministerpräsident im russischen Präsidenten- Wahlkampf, nach einem Terroranschlag, angeblich durch tschetschenische Terroristen, in einer russischen Millionenstadt mit über 300 Toten, in Tschetschenien vollkommen entglitt, wusste Putin das gleiche Verfahren bis zur Vollendung im März 2014 am Beispiel der Annexion der Krim als Teilrepublik der GUS zum erblassenden Erstaunen der Weltöffentlichkeit, ohne jedes Butvergießen, gelungen vorzuführen.

US- Präsident Barack Obmas erste Einlassung war, gemäß neuen Krisen Kleidern, die USA sind im Konflikt Russland- Ukraine nicht Konfliktpartei, das sei eine regionales Ereignis, Russland eine Regionalmacht.

Damit signalisierte Washington, kryptisch verschlüsselt, Moskau, trotz alle Androhung von Sanktionen:

"Wir haben verstanden!
Wir sind, gemäß neuen Krisen Kleidern, einverstanden. Russland agiert in der Ukraine nicht als Super- , sondern als Regionalmacht unter der Schwelle atomarer Bedrohung."

Nun konnte man meinen, es herrsche mit Beginn der Bush Ära 2001 eitel Sonnenschein zwischen Tel Aviv und Washington. Mitnichten!

Tel Aviv begrüsst "zähneknirschend" mit großen Bedenken das Ende der säkularen Saddam Hussein Despotie 2003 im Irak durch den Zweiten Golfkrieg im Rahmen einer Koalition der Willigen mit den USA an der Spitze.

Tel Aviv fürchtet zweierlei, das Erstarken klerikaler Mächte im Mittleren Osten, auch wenn mit dem Ende der Ära Muammar Gaddafi (1942- 2011) in Libyen, der gefürchtet säkulare

"Panarabismus"

beendet scheint, und, dass die Existenzgarantie des neuen Irak als Schützling der USA die Neutralität des Iran als Regionalmacht, neben Israel, Saudiarabien zur Vorraussetzung hat, eine Intervention gegen den Iran durch die USA nicht mehr ins Konzept des Weissen Hauses/Washington D. C., des Pentagon passt.

Bei aller durch die USA gewährten "Beinfreiheit" Israels gegenüber seinen Nachbarstaaten, vollzieht sich für Isreal unmerklich ein verhängnisvoller Prozess in der Region.

Aus einer panarabischen Frontstellung gegenüber Israel, 1948, 1967, 1973, wird ein rein israelisch- palästinensischer Dauer- Krisenherd, auf den Israel, weder mental, noch matieriell, militärisch hochgerüstet, als Staat im In- und im Ausland hochverschuldet, wirtschaftlich unter dem Dach des "Zweistaaten- Modells", eingestellt ist.

Tel Aviv verlegt sich nach dem Mord des israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin am 4. November 1995 durch einen israelischen Extremisten, in Abkehr vom Osloer Friedensprozess, hinter sechs Meter hohen Mauern Richtung Palästina zur Festung ausgebaut, ganz darauf, durch eine aggressiv provozierende Siedlungspolitik, entgegen gedämpften Empfehlungen in Washington, Brüssel, alles zu versuchen, demonstrativ jede Administration in Palästina ihrer Bevölkerung gegenüber "regierungsunfähig" wirken zu lassen und unglaubwürdig zu machen.

>>Israel nimmt seine Sicherheit wichtiger als einen politischen Ausgleich und lässt zu, das der Siedlungsbau ohne einen Gesamtplan weitergeht. Damit hat es die Autorität jeder amtierenden Palästinenserverwaltung systematisch ausgehöhlt und verhindert, dass Bedingungen enstehen konnten, in denen eine Palästinenserregierung stabil, glaubwürdig und zuverlässig hätte erscheinen können. So sahen sich die extremsten Elemente beider Lager bestätigt <<, schreibt Oliver Roy (S. 35).bereits 2006, in Kenntnis der zweiten Intifada 2000, in Unkenntnis der wochenlangen Intervention israels im Gaza- Striefen 2014 mit verheerender Zerstörung der gesamten Infrastruktur durch wahlloses Flächenbombardement.

In Renzensionen dieses fulminant schlüssig geschriebenen Buches ist viel davon die Rede, dass Oliver Roy von falsch geführten Kriegen schreibt. Ich meine, davon abweichend, Oliver Roy will mit seinem Buch verdeutlichen, dass es gar nicht um die Art der Kriegsführung an sich geht, sondern um die neuen Krisen Kleider, die, fern jeder Globalsteuerung durch UNO, die Supermächte in regionalen Kriegen von den USA, Russland, Israel, demnächst China, Japan, der EU angeprobt werden?

Ein anderer Gedankenstrang in Oliver Roys Buch verweist auf erstaunliche Übereinstimmungen der Neokonservativen in den USA und der Linken in Europa, dass die Ursachen des Terrorismus in Rückständgikeit von despotisch geführten Ländern, im

"Bad Goverment"

zu suchen ist und eine Besserung nur durch die Stärkung der Zivilgesellschaften, siehe Arabellion, arabischer Frühling 2011, Majidan in der Ukraine 2013/2014. vonstatten gehen kann.

Der Dissenz zwischen Neokonservativen in den USA und der Linken in Europa setzt bei der Frage an, wer sind die gestaltenden Akteure dieser Zivilgesellschaften?

Für die Linke in Europa sind es, entgegen der Regierungspolitik in Berlin, London, Paris, Rom, Athen, Dublin, Lissabon, Kiew, Warschau, Madrid, Amsterdam Kopenhagen, Stockholm Helsinki, Prag, Bratislava, Wien, der Kommission in Brüssel, Gemeinwesen, Sharing- Ökonomie, gesellschaftlich garantierte Teilhabe, betriebliche Mitbestimmung, gesetzliche Renten- und Krankenkasse, für die Neokonservativen in den USA, in Russland sind es Unternehmertum schlechthin und sonst Niemand, an gesetzliche Renten- und Krankenkasse nicht zu denken.
JP

http://www.sueddeutsche.de/kultur/oliver-roy-der-falsche-krieg-die-grautoene-ausleuchten-1.624222
Oliver Roy: "Der falsche Krieg"
Die Grautöne ausleuchten

13. Mai 2010, 4.25 Uhr

OLIVIER ROY
"Der falsche Krieg"
Islamisten, Terroristen und die Irrtümer des Westens
192 Seiten
Originaltitel: Le croissant et le chaos
Originalverlag: Hachette
Aus dem Französischen von Ursel Schäfer
ISBN: 978-3-641-04757-3
€ 9,99 [D] | CHF 13,00 * (* empf. VK-Preis)


Verlag: Siedler
Erscheinungstermin: 17. August 2010

Der falsche Krieg. Islamisten, Terroristen und die Irrtümer des Westens. Oliver Roy, 188 Seiten, 19.95 Euro
Siedler, München 2008, ISBN 978-3-88680-884-7

17:43 22.12.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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