Sturm im Wasserglas?, oder Linke entdeckt die Kultur des Verbrechens?

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Sturm im Wasserglas?, oder die Linke entdeckt die Kultur des Verbrechens?
Nicht Flucht aus Afghanistan vor den Taliban, sondern vor dem eigenen Unvermögen!?

Warum rennen wir argumentativ „um Fassung ringend“ durch die Wand, wo Thierry Chervel vor lauter und unlauter glühenden Interventionsabsichten ungewollt Türen wie Scheunentore öffnet.
( www.perlentaucher.de/blog/60_islam_ist_nicht_islamismuswww.perlentaucher.de/blog/60_islam_ist_nicht_islamismus
Im Ententeich – Redaktionsblog )
Islam ist nicht Islamismus
Von Thierry Chervel, 15.09.2009, 07:09
Selbstverständlich stimmt:
"Der Gegner in Afghanistan ist wie anderswo in einer asymmetrisch entwickelten Welt keine Armee, sondern eine Kultur", nämlich nicht die regionale Kultur der Taliban, der Islamisten, geschweige denn des Islam, sondern die universale Kultur des organisierten Verbrechens bis in die Hochfinanz der asymmetrischen Wirtschafts- , Währungs- und Geldmengenpolitik, der Korruption, der Abgeordnetenbestechung, die mit jeder militärischen Intervention, jedem erklärten wie unerklärten Krieg mit und ohne UNO- Mandat kolossal kollateral parasitär einhergeht.

In Wirklichkeit ist sich die Linke mit der Rechten eben gerade nicht einig, wenn die Linke von Kultur spricht, die in sich den Kern der Unkultur als grenzüberschreitendes Imperium sui generis birgt.
Nicht zuletzt, dank des Meinungsmediums der Freitag sind wir heute in der Lage, diesen Unterschied in der kritischen Wahrnehmung des Begriffs Kultur durch die Linke gegenüber der Wahrnehmung des Begriffs Kultur durch die Rechte nicht nur zu träumen, im stillen zu denken, sondern lauthals politisch zur Sprache zu bringen.
Einem Teil der Unterzeichner/innen des Freitags Aufrufs „für einen Abzug“ mag diese Debatte fremd erscheinen.
Da mag Jakob Augsteins Anregung, die Debatte in die Richtung eines gefühlten Streites der anderen, der philosophischen Art im ersten Moment verheißungsvoll erscheinen, um offene Rechnungen zu begleichen.
( Debatte | 15.09.2009 11:50 | Jakob Augstein
[ 11 ] www.freitag.de/positionen/0937-afghanistan-abzug-freitag-chervel-augsteinwww.freitag.de/positionen/0937-afghanistan-abzug-freitag-chervel-augstein - commentshttp://www.freitag.de/positionen/0937-afghanistan-abzug-freitag-chervel-augstein - comments )
Abzug aus Afghanistan: Replik auf den Perlentaucher
:
„Das ist, wie Bloch sagen würde, Aufkläricht. Wenn man sich die Früchte westlicher Arbeit in Afghanistan ansieht, dann kommt in der alten Gegenüberstellung Herder gegen Voltaire, Kultur gegen Universalismus, der einst als deutschtümelnder Prä-Nationalist missverstandene Weimarer inzwischen ziemlich gut weg“.

Beim zweiten Moment wird klar, dass uns hier die Koordinatensysteme nicht abhanden, aber doch so geweitet sind, dass sowohl Herder als auch Voltaire in Gefahr geraten, samt ihren Werken und Intentionen, im Orkus eines schwarzen Energielochs zu verschwinden.
Warum?.
Weil es bei der Identifikation von Kultur als schützendes Element FlicFlac einen Paradigmenwechsel gibt.
Bis in unsere Tage galt der Linken, in der regionalen Kultur bodenlos formiert, die universale Kultur als der Fluchtort für Geborgenheit, als des Glückes Pfand und Sicherheit, wie in einem Elysium des Internationalismus in seinem gelungenen Endstadium des Kommunismus.

Die Linke hat, spätestens seit der Implosion des real existierenden Sozialismus, leidvoll wie selbstkritisch erfahren müssen, dass die universale Kultur ungeahnte Gefahren heraufbeschwört, während die regionale Kultur zu Lasten aller Gefahr läuft, dass diese, wie ein umweltvergiftetes Biotop kippend, gleichzeitig zu Schanden geht.

Der Antagonismus in der Debatte zwischen Herder und Voltaire, der in einer Korrespondenz mit dem dänischen König Christian VII (s. sein Leibarzt Dr. Struensee/Altona) tatsächlich gegen die regionale Abschaffung der Sklaverei argumentierte, hat, auf den weit zu deutenden Grundlagen beider, heute eine andere, eine fundiertere Richtung erfahren, weg von der Gegenüberstellung eurozentrischer Kultur und Universalismus hin zu regionaler Kultur hier und in allem universal globaler Kultur da.

Revolutionen wie militärische Interventionen, mit und ohne UNO- Mandat, die der zivilen Aufgabe des Aufbaus und Erhalts regionaler Kultur, systemrelevanter Strukturen nicht im Einklang mit ihrem universalen Bestreben gerecht werden, fehlt insbesondere dann die historische Legitimation, wenn mit diesen die prekär entfesselte Seite des Universalismus, die Unkultur des organsierten Verbrechens, der Korruption und Abgeordnetenbestechung zerstörerisch Nahrung findet.

Ist überhaupt bekannt, dass im Schatten der von der UNO mandatierten NATO- Mission in Afghanistan Globalplayer aus dem Agrarbereich, wie die Firma Monsanto „außer Kontrolle“ großlächig Anbauflächen in Afghanistan für den Anbau gen- veränderter Saat- Sorten aufkaufen, pachten bzw. verpachten?

Der real- existierende Sozialismus hat 1989/91 gorbi et orbi, besipielgebend nahezu weltweit bedingungslos vor der universal hochorganisierten Kultur des Verbechens, der Korruption, der Abgeordnetenbestechung kapituliert, um an alten verschüttet geglaubten Kulturen rudimentären Sozialismus in den Regionen rekonstruierend anzuknüpfen.

Ein Abzug der NATO- Truppen aus Afghanistan wäre kein Eingeständnis der bedingungslosen Kapitulation vor der Taliban Kultur, sondern vor dem eigenen politischen Unvermögen, sich der universalen Kultur des Verbrechens, der Korruption, des Missbrauchs, Raubbaus von Ressourcen mit militärischen Mitteln erfolgreich entgegen stemmen zu können, bis hin zu den heraufbeschworenen Gefahren für den Bestand der eigenen Demokratien bei Fortsetzung dieses interventionistischen Abenteuers im Kaukasus.

JP

03:12 16.09.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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