Syrien- Kladderadatsch wird europäisch

Bundeswehreinsatz vs IS Kladderadatsch ist eine Berliner Sprachschöpfung, die in etwa bedeutet „etwas fällt herunter und bricht am Boden mit lautem Krach irreversibel zu Scherben
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Kladderadatsch europäischer Sicherheitsarchtektur

Kladderadatsch ist eine lautmalerisch Berliner Wortschöpfung, die in etwa bedeutet „etwas fällt aus allen Wolken, Rechtssysteme, Bauten stürzen zusammen oder etwas rutscht vom Tisch herunter und bricht am Boden mit lautem Krach irreversibel zu Tausend Scherben“.

Der Zeitschriftentitel "Kladderadatsch" macht den Ausdruck von 1848- 1944 im Volksmund so präsent, dass er zum politischen Schlagwort wurde, das ironisch gebraucht, bismarckfreundlich, ohne preussisch zu sein, vor allem vom SPD. Vorsitzenden August Bebel im Deutschen Reichstag und in der SPD Mitglieder- Zeitung "Vorwärts" zum Einsatz gebracht, den vorweggenommenen Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft von 1918 charakterisierte. https://de.wikipedia.org/wiki/Kladderadatsch

Zum Einstieg in das Verständnis des gegenwärtigen Kladderadatsch europäischer Sicherheitsarchtektur, die ihre Tradtionen nicht in den Lehren aus dem KSZE- Prozess von Helsinki 1975 unter der Prämisse kollektiver Sicherheitssysteme, sondern im Vabanquespiel der Großmächte Russland, Deutschland, k. u. k. Donaumonarchie, Frankreich, England, Osmannisches Reich, Italien, Kriegseintritt 1915, den USA, Kriegseintritt 1917 zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914- 1918 sucht, sich, auf Deubel komme heraus, bei höchstem Aufwand an Ressurcen, gegenseitig schwächend, unter jedweden Möglichkeiten etwaiger Fähigkeiten der Menschlichkeit, der Friedensstiftung unter den Völkern zu halten.

Karl Marx wusste diesen gegenwärtig politisch widerwärtigen Kladderadatsch europäischer Sicherheitsarchtektur bzw. deren Abwesenheit, wider besseres Wissen bereits 1851- 1852 ungefragt auf den Punkt zu bringen:

Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, Band 8, "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte", S. 115-123
Dietz Verlag, Berlin/DDR 1972

Zitat Vorrede zur dritten Auflage | Inhalt | II

I

<115> Hegel bemerkte irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Caussidière für Danton, Louis Blanc für Robespierre, die Montagne von 1848-1851 für die Montagne von 1793-1795, der Neffe für den Onkel. Und dieselbe Karikatur in den Umständen, unter denen die zweite Auflage des achtzehnten Brumaire herausgegeben wird!

Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neuen Weltgeschichtsszene aufzuführen. So maskierte sich Luther als Apostel Paulus, die Revolution von 1789-1814 drapierte sich abwechselnd als römische Republik und als römisches Kaisertum, und die Revolution von 1848 wußte nichts besseres zu tun, als hier 1789, dort die revolutionäre Überlieferung von 1793-1795 zu parodieren. So übersetzt der Anfänger, der eine neue Sprache erlernt hat, sie immer zurück in seine Muttersprache, aber den Geist der neuen Sprache hat er sich nur angeeignet, und frei in ihr zu produzieren vermag er nur, sobald er sich ohne Rückerinnerung in ihr bewegt und die ihm angestammte Sprache in ihr vergißt. ( Quelle http://www.mlwerke.de/me/me08/me08_115.htm (Zitat Ende)

Wenn wir dieser Vorstellung von historischer Wirklichkeit folgen, bedeutet das, daß sich die geschichtliche Tragik der Mächtekonstellation von 1914/1915 an dem Interventionspunkt "Auslandseinsatz der Bundeswehr mit sechs Aufklärungs- Tornados, - Satelliten, einem Kampfjet, einer Fregatte, 1200 Soldaten/innen im Syrienkrieg ohne UNO- Mandat in den Köpfen der Bundestagsabgeordneten gestern durch mehrheitliche Zustimmung zu einer eiligen Allianz von Frankreich, Deutschland, England, Russland, USA Türkei, Syrien, Irak als Farce wiederholt.

Farce deshalb, weil dieses Mal, anders als 1914, keines dieser beteiligten Länder im Syrienkrieg wirklich von einer völkerrechtlich anerkannt fremdem Macht, auch wenn sich der IS selber vergeblich als solcher proklamiert, angegriffen wurde und wird.

Dass Frankreich Deutschland und andere europäische Länder nach EU- Vertrag Artikel 42/ Absatz 7 um kollektiven Beistand ersucht, ohne wirklich gegenwärtig noch andauernden von einer fremden Macht auf seinem Territoium angegriffen zu sein, geschweige denn vom Staat Syrien gegen den IS um Beistand gebeten zu sein, ist vom Völkerrecht, unbegründet eingestuft, nicht gedeckt.

Soldaten/innen dieser Beistandsländer und Frankreichs selber setzen sich, anders als Russlands Soldaten, die das Assad Regime um Beistand gegen Terroristen in Syrien ersucht hat, ; der Gefahr aus, als Kriegsgefangene rechtlich ungeschützt durch ihre Regierungen, die Haager Kriegsrechtsordnung, im günstigsten Fall als Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu landen. oder gleich von einer gegnerischen Kriegspartei als Terrorist, "Partisan" eingestuft, hingerichtet zu werden..

Genau wie damals 1914/1915 auf Gebieten in Frankreich, Belgien, Luxemburg, Russland, des Osmannisches Reiches, auf dem Balkan, geht es heute auf dem Kriegsschauplatz Syrien nicht um das Ziel, den Krieg vor Ort durch Sieg oder Niederlage in die eine oder andere Richtung zu beenden, sondern, weil kein Kriegsbeteiligter dem anderen das Schwarze unter den Nägeln gönnt, "War on Demand" alles zu tun, sich gegenseitig fiskalisch, gesundheitspolitishc, sozial schwächend, vor der Weltöffentlichkeit in einem monströsen Schauspiel täglichen Mordens aller Fähigkeiten zu Menschlichkeit, zu achtsamen Umgang mit der Zivilbevölkerung, Flüchtlingen, zu Friedensstiftung in der Region unter höchstem Aufwand an Ressourcen innen. und außenpolitisch zu berauben.

Von "Luftbrücken für Flüchltinge in Not", die Hilfsgüter in die hiellos unterfianzierten Massenlager für geflüchtete Menschen rings um Syrien in den Libanon, Jordanien, den Irak, die Türkei bringt, Flüchltinge in Not von dort nach Europa holt, ist, trotz und wg. des obskuren Geredes von Flüchltingskontingenten bisher nichts zu hören. geschweige denn zu sehen.

Auch wenn die regierungsamtlichen Verlautbarungen, Sprachregelungen, menschliche Tragödien, Schicksale eingedampft, entgegengesetzt klingen

Was wir gegenwärtig erleben ist kein Krieg, sondern

"War on Demand"

"Credit Spending"

durch militärische Interventionen verstetigt sich eine Verschuldungsmaschine aller beteiligten Staaten, Wehretats werden aufgestockt, um damit den Vorstellungen der Zentralbanken der G- 20 Staaten, voran der EZB, FED, der britischen Zentralbank, als manipulierbarer "Garant" zum Geleit, die Weltbörsen im Auf und Ab volatil nervös zu halten, damit. über fremdfinanzierte Investitionen von Staaten, Akiteuren an den Weltbürsen, voran Staatsfonds. Pensionsfonds nicht nur erdölexportierender Länder, das Kreditvolumen zur Vermeidung von Deflation insbesondere in der Schweiz mit angeschlossenen G- 7 Staaten, Dollar- , Sterling Pfund- , Yen- , Eurozone eine immense Ausweitung Richtung 2 % durchschnittlicher Inflation erfährt.

Deflationstendenzen entstehen als Indiz verdeckt anschwellender Gefahrenlagen einer Hyperinflation, bis hin zu Bürsencrashs, einer Währungsreform, wie 1919 bis 1929, wenn, wie damals, entwickelte Vorlkswirtschaften, die USA, Deutschland, Frankreich, England, Itlaien, ihre Produktivität um über 49 % steigern, die Lohnzuwächse dagegen stagnieren, wenn nicht gar, inflationsbereinigt, Lohnsenkungen gegen Gewerkschaftswillen durchgesetzt werden. (Quelle Ulrike Hermanns Buch "Warum der Kapitalismus nicht zu retten ist")

Taz Redakteuerin Ulrike Hermann erkärte unlängst auf einer ihrer Veranstaltungen in Hamburg, die deutsche Rüstungsindustrie bechäftige, wenn es hoch komme 2.500 - 25.000 Mitarbeiter, deren industrielle Bedeutung sei für Deutschlands Wirtschaft marginal. Mein Hinweis, dass diese Waffen, erworden von vielen Ländern in der Welt, zu deren Verschuldung führe, wollte Ulrike Hermann der Rüstungsindustrie hierzulande nicht als Verschulden ankreiden, das sei eine andere Baustelle.

Nun gut. Teil weltweiter Verschuldungsmaschine ist die Rüstungsindustrie der entwickelten Länder allemal für unterentwickelte Regionen in der Welt mit anschwellendem Sicherheitsbedarf.

Der IS verfügt selber über keinerlei eigene Waffenproduktionsstätten, bleibt täglich auf Lieferung von Waffen, Munition aus anderen Ländern angewiesen, erläuterte Oskar Lafontaine gestern in einem Deutschlandfunk- Interview.

http://www.deutschlandfunk.de/oskar-lafontaine-zum-syrien-einsatz-wir-koennen-das-morden.694.de.html?dram:article_id=338767
"Wir können das Morden nicht beenden, indem wir selbst morden"04.12.2015
Oskar Lafontaine zum Syrien-Einsatz

1914- 1918. 1939- 1945 ging es in beiden Weltkriegen vor allem um die gegenseitge Erschöpfung und Zerstörung von Rüstungspotenzialen. Das war bereits im Vietnamkrieg 1962- 1975 anders, dort u. in Angola, Mosambique, Nigeria/Biafra, Kongo, Somalia, Sudan, Mali, Eritrea, Indonesien, Kambodscha, Afghanistan wandelte sich der symmetrische Krieg zwischen Staaten in einen asymmetrischen Krieg von Ländern, die selber Waffen herstellen und jenen Ländern, die auf Waffenlieferungen angewiesen bleiben.

Dopplung der Farce

Die Farce in der Farce liegt zusätzlich darin, dass europäische Länder, von Frankreich innerhalb der EU nach Artikel 42/Absatz 7 EU- Vertrag aufgefordert, in dieselbe Interventionsfalle uneingeschränkter Solidarität nach Art 5 NATO- Statut nach NIne Eleven 2001 den USA gegenüber nun gegenüber Frankreich in ausgweiteter Form auf juristisch dünnem Eis gegen "Unbekannt" in Syrien tappen.

- Artikel 42/Absatz 7 EU- Vertrag begründet die Pflicht und das Recht eines EU- Mitglied auf Beistand nur dann, wenn gleichzeitig ein UN-Mandat angestrebt und erteilt wird. -

Während die US zunehmend in aller Welt als interventionsmüde gelten, ihren Kriegseintritt 1917 an der Seite der Entente gegen das Deutsche Kaiserreich, das Osmanische Reich, die k. u. k. Donaumonarchie in den Ersten Weltkrieg nach 1918 mit einer "Splended Isolationspolitik" beantworteten, suchen die USA sich jetzt aus den Konflikten im Mittleren Osten, im Kaukasus, die sie selber gestiftet haben, unmerklich herauszuschleichen, den europäischen Ländern den Kladderadatsch zu "treuen "Händen zu überlassen, ohne ihren weltwirtschaftlich hegemonialen Anspruch aufgeben zu wollen.

Auch darin steckt eine Farce, weil die USA die europäischen Länder nun 2015 endgültig in den vorherigen Stand von 1914- 1918 mit Angeboten versetzen, die sich nicht ablehnen wollen, noch können, damit sie endlich in Nahost, Mittleren Osten, im Kaukasus, Afrika dort weitermachen, wo sie 1914 - 1918 und danach bis heute so heillos versagten.

Eine besondere Tragik besteht n. m. E. darin, dass der russische Präsident Wladimir Putin, der mit Hinweis auf die desaströsen Folgen des Kosovokrieges 1999 ohne UNO- Mandat für die gesamte Region des Balkans in seinen Reden die Fahne kollektiver Sicherheitssysteme in der Welt hochhielt, erst mit seiner Krim- Annexion 2014, nun mit dem Einsatz der russischen Armee zu Lande, zu Wasser, in der Luft, vom syrischen Präsidenten Assad gerufen, an dessen Seite in den Syrienkrieg eingestiegen, Nerven zeigt und von der Fahne ging, seine Haltung ändert, wie andere ihre Westen.
JP

https://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/falsche-gefolgschaft
MICHAEL JÄGER 04.12.2015 | 16:30 7
Falsche Gefolgschaft

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/sxhwarzer-rauch-habemus-mamam
JOACHIM PETRICK 02.12.2015 | 17:46 4
Schwarzer Rauch "Habemus Mamam"

http://www.thepetitionsite.com/de-de/536/777/682/luftbr%C3%BCcke-f%C3%BCr-fl%C3%BCchtlinge-in-not/

Luftbrücke für Flüchtlinge in Not

43 UnterstützerInnen
VON: Joachim Petrick
ZIEL: Mitglieder des Deutschen Bundestages

01:49 05.12.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

Kommentare 1