Um seines Lebens Willen, jäher Tod?

Frank Schirrmacher liebte Überraschungen Dabei war Frank Schirrmacher von seinem inneren Naturell seit Kindesbeinen womöglich ganz anders gestrickt, er kam nur nicht dazu, es zu zeigen:
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Hat Frank Schirrmacher wirklich von Überraschungen gelebt, oft gar sich selber überrascht, wie Martin Walser es in seinem Nachruf zu dessen jäher Tod in der faz nahelegt?

Selber gehetzt hat sich Frank Schirrmacher sehr wohl. Das ist aus der Ferne auch ein Eindruck, den ich mit Martin Walser teile.

Nur kam das Gehetzte bei Frank Schirrmacher nicht als Leiden an sich daher, sondern als Ausdruck spontan plötzlicher Erregbarkeit, bis hin zu intellektuellem Alarmismus, was sich von der Natur der Wissenschaften her eigentlich ausschließt, aber bei Frank Schrirrmacher auf öffentlichen Bühnen segensreich entzündliche Urständ feierte.

Jedermann bis Biedermann wollte nicht nur angesteckt sein, sondern, enthusiastisch, im Für und Wider Keime, einmal fundierter, dann blitzgescheit steiler Thesen Frank Schrirrmachers, in frank und freier Entzündlichkeit, wie ein Lauf- und Leuchtfeuer, in verbindlich blühende Landschaften, unverbindliche Bekanntschaften weitertragen.

Juli Zeh legt da in ihrem Nachruf

"Erinnerung an Frank Schirrmacher "Unser Leuchtfeuer"

auf Frank Schirrmacher in der faz, zutiefst berührt, orgiastisch entzündet, lichterloh brennend Zeugnis ab.

"Vielleicht hat er sich selbst zu sehr gehetzt. Hätte ich ihn öfter gesehen, ich hätte versucht, ihn zu bremsen", schreibt Martin Walser weiter.

"Es ist mehr als eine Gewohnheit, es ist eine Erfahrung: Menschen, die ich nicht andauernd sehe, bleiben mir dann so in Erinnerung, wie ich sie zuerst sah. Am Anfang einer Bekanntschaft. Und was auch immer noch an neuer Erfahrung dazukommt, die am Anfang erlebten Eindrücke sind durch keine spätere Erfahrung zu löschen.

Frank Schirrmacher wurde im Dezember 1986 beauftragt, mich von der Klettenbergstraße (Frankfurt/Main), vom Haus Unseld, abzuholen, mich nach Kronberg zu bringen. In meinem Tagebuch lese ich: Abends bei Fest. Mit dem jungen Talent, Fests Assistent, hinausgefahren.

Meine Erinnerung weiß es genauer. Mit Schirrmachers Auto. Da es sich um ein sehr kleines Auto handelte, wirkte der, der es fuhr, riesig. Geblieben ist mir vor allem sein Gesicht. Ich hatte damals keinen beruflichen Kontakt zu ihm. Er musste mich fahren, und ich sah, dass ich von einem Kind kutschiert wurde."

Martin Walser erläutert, dass es ihm längst zur Gewohnhenheit geworden ist, bei Begegnungen in seinem Gegenüber das Kindergesicht von einst als Ansprechpartner zu suchen.

Bei Frank Schirrmacher musste Martin Walser nicht suchen. Für ihn ist Frank Schirrmmacher das Kindergesicht von 1986 geblieben. Da war Frank Schirmmacher immerhin über 27 Jahre alt.

Neben der damaligen Suhrkamp- Kultur, gibt es bis heute eine "FAZ"- Herausgeber- Kultur jener Jahre, die nicht gerade davon geprägt war, von Kindergsichtern definiert, kommuniziert zu sein.

Joachim Fest, "Nomen est Omen", seine Seelenpanzerung im Namen auf dem Schilde führend, taugte zum glühend, jeder Zeit, erregbaren "Kindergesicht" mitnichten. Marcel Reich- Ranicki, dem Förder von Frank Schirmmacher bei der FAZ ebenso wenig. Das hätte man beiden nicht einmal andichten können.

"Ich Nicht"

heißt sozusagen gemäß, Joachims Fests letzte "Zeile" über seine eigene Person.

Und doch tat der "FAZ"- Herausgeber- Kultur" als "Alter Ego" ein "Kindergesicht" der Nach- 68er , wie die Faust aufs Auge des Betrachters, als Retter Not.

Ist die Not am größten, naht auch schon die Rettung (Friedrich Hölderlin 1770- 1843).

Der Retter in der Not war das, zu jedem Moment erregbar, glühende "Kindergesicht" Frank Schirrmacher, der weniger von Überraschungen lebte, denn selber für Überaschungen bürgte und Sorge tragen sollte, damit die "FAZ"- Herausgeber- Kultur" endlich der Suhrkamp- Kultur nacheilend, öffentlich Kontakt mit ihrem "Inneren Kinde" kommunizierte.

Frank Schirrmacher war nicht jenem Menschenschlag verwandt, der um der unendlichen Geschichte des Abenteuers seines "Kinderglaubens" Willen sprunghaft bei seiner Themenfindung daher kam, wie Martin Walser mutmaßt, sondern n. m. E. , sprunghaft zu jedem Thema aufgelegt war, um seismografisch, festgefahren gesellschaftliche und kulturelle Fronten hier, Lethargie in Redaktionsstuben da, Talk- Shows schnittig mittig, aufspürend, Lockerungsübungen aufzuerlegen

Heiliger "BIM- BAM" Eifer, samt "Großer Glocke" beim Finden, Erfinden von Themen, Problemen, dem raschen Verfertigen ungestümer Gedanken auf dem schmalen Pfad von kühn geatmeten Lösungswegen, zu jedem Spagat über gesellschaftliche, kulturelle Gräben, Abgeründe, parat

Nun könnte manncher Leser hier vermeinen, die Quelle allen Ideen- und Themenreichtums weist bei Frank Schirrmacher unverkennbar Richtung dessen "Inneres Kind".

Das ohne Zweifel auch.

Aber sehr viel mehr weist der Weg bei Frank Schirrmacher lebenslang zu dessen

"Inneren Bären",

der aus allem und jedem, Freude, schöner Götterfunke, Leid, Vorzeit-, Endzeit- Stimmung, Krisen, Krieg, Katastrophen, Börsencrashs, Alltag, überbordend, reichhaltig seinen Honig zieht und öffentlich gerne, frank und frei, von diesem abgibt.

Dabei trug Frank Schirrmacher all sein Lebtag, sichtlich, im Auge des Orkans seiner angezettelten Themenwahl, in Sicherheit bebend, hocherregt, manche hielten das irrtümlich für seine parteiliche Weltschmerz- Leidensmiene, öffentlich ein Bären- Kümmerergesicht zur Schau, als wolle er. der Antwort gewiss, fragen:

"Na!, hab ich nicht an Honig genug für euch alle gesorgt?"

Dabei war Frank Schirrmacher von seinem inneren Naturell seit Kindesbeinen womöglich ganz anders gestrickt, er kam nur nicht dazu, es mit dem Humor des hell und mutig gewitzten Erich Kästners zu zeigen:

"Es leckt der Bär, der Braune, den Honig!

An der Angel hängt der Barsch!

Und ihr, all meine bekannten, unbekannten Freunde.allerorten......................................................

"Lebt wohll. Lebt wohl!"

JP

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/frank-schirrmacher/martin-walser-ueber-frank-schirrmacher-12988843.html
Martin Walser über Frank Schirrmacher
Jähes Leben, jäher Tod

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/frank-schirrmacher/erinnerung-an-frank-schirrmacher-unser-leuchtfeuer-12991783.html
Erinnerung an Frank Schirrmacher
Unser Leuchtfeuer
Frank Schirrmachers Tod ist auch eine politische Katastrophe. Wie ist der Kampf um die Selbstbestimmtheit in der digitalen Revolution ohne ihn zu gewinnen? Halten wir uns an seine Devise.
16.06.2014, von JULI ZEH

15:35 19.06.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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