Joachim Petrick
14.07.2011 | 17:51 10

Walter Kohls Mut zur Öffentlichkeit als Akt der Versöhnung!

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Joachim Petrick

CDU, dank Helmut Kohl, vom Kanzlerwahlverein zur Volkspartei per Echternacher Springprozession, zwei Schritte vor, drei Schritte zum Kanzlerwahlverein zurück.

War da was in der Helmut Kohl Ära und danach demokratisch in der CDU?, wenn ja, wo, wie lange, durch wen?

Der Parteispendenskandal des Jahres 2000 hatte einen Vorläufer, den Parteispendenskandal von 1984 als Flick Skandal medial kommuniziert, in dessen Verlauf letzendlich Graf Lambsdorff als Steuerbetrüger zu Gunsten der FDP infolge politscher Parteien Landschaftspflege per Bimbes
"wg. Graf" , "wg. H." u. u.
des Herrn von Brauchitsch als Vorstandsvositzender der Flick AG nicht nur seinen Hut als Wirtschaftsminister nehmen musste, sondern auch zu einer beachtlichen Geldstrafe verurteilt wurde und danach für fünf Jahre als vorbestraft, als vom Gesetz her nicht ministrabel galt.

Helmut Kohl war auch in zweifelhafter Weise mit dem Filmhändler und Medien Tycoon Leo Kirch, der heute am 14. Juli 2011 gestorben ist, verbunden, dem die Bayrische Landesbank, mutmaßlich auf Betreiben von Helmut Kohl, Franz Josef Strauss, Edmund Stoiber, Milliarden an DM Krediten bzw. Bürgschaften für seine Mediendeals als Teilhaber, neben Axel Caesar Springer, des im Aufbau befindlichen Privatsenders SAT 1, Pro Sieben u. a. überdiemensionierter Projekte, gewährt hat.

Damals im Jahre 1984 war der damalige CDU Generalsekretär, Heiner Geissler, Helmut Kohl in gefährlicher Schieflage eines fadenscheinig hirnrissigen Notlügenbündels vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) wg. des Flick- Spendenskandals mit dem vergifteten Geschenk, in den Medien ungefragt, zur Seite gesprungen
"Ach was!,
Helmut Kohl hat doch nicht vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuß (PUA) zum Flick Parteispedenskandal gelogen, der hatte nur ein "Blackout".
damit war das berühmteste "Blackout" der politischen Geschichte Deutschllands erkoren, in die Welt geboren.

Das Ergebnis war immerhin letzendlich die Verurteilung von Graf Lambsdorff und die indirekte
"Bloßstellung"
des alten Helmut Kohl Spezie Eberhard von Brauchitsch, weil es trotz brachialer Versuche zu keiner, schon gar keiner nachträglichen Amnestie der Steuersünder kam, was Eberhard Brauchitsch bis in seine Doppel- Selbsttötung mit seiner Gattin Helga nie verwunden hat.

Hatte Hans- Dietrich Genscher gar das Weite aus der sozialliberalen Koalition mit Bundeskanzler Helmut Schmidt 1982 gesucht, um das Pferd wechselnd, mit Helmut Kohl als politischem Ackergaul, als schwarzes Zugpferd die politische Landschaft parteiübergreifend bis in die Kohorten der SPD Richtung einer Amnestie der Steuersünder zu treiben?

Ein wirkliches Projekt hatte diese schwarzgelbe Koalition damals 1982 so wenig wie heute, auch wenn Helmut Kohl bei seiner Antrittsrede als Bundeskanzler im Deutschen Bundestag im Herbst 1982 von der nun anbrechenden geistigen Wende im Lande sprach.

Das Gelächter im bunten Blätterwald als Reaktion auf diese erste Rede Helmut Kohls als Bundeskanzler klang ganz anders, klang nach einer Epoche politisch dosiert, medial verabreichtem Valium fürs Publikum.

Helmut Schmidt empörte sich damals als Bundeskanzler in den Jahren 1978- 1982 wiederholt öffentlich, ziemlich trennungsscharf, neben der Gesetzesspur, als estaunlich ungehörig blaffende "Schmidtschnauze":

"Diese Staatsanwälte da aus Köln, Frankfurt/Main, Bonn- Bad Godesberg gehen in Sachen der sogenannten Parteispendenanklage ja wie Terroristen gegen aufrecht unbescholtene Bürger vor!"

Für diese Duftmarkung der "Schmidtschnauze" konnten sich die ertappten Steuersünder in der Wirtschaft, den Verbänden, Gewerkschaften, Parteien, voran in der FDP, nichts kaufen, schon gar nicht das Recht auf Amnestie ihrer Steuersünden.

Für Helmut Schmidt hatte seine öffentliche Staastanwaltschafts- Schelte den Gewinn, dass er sich nun, demonstrativ wie heute, eine Zigarette im Mund, seine Hände in scheinbarer Unschuld waschen konnte.

Nur die Flicks konnten damals nachhaltig frohlocken, waren doch die Veräußerungsgewinne für den Verkauf der Flick AG, wie Eberhard von Brauchitisch erfolgversessen mit allen verfügbaren Finanzmitteln aus seiner Kriegskasse angestrebt, weder von der sozialliberalen, der folgenden schwarzgelben, wie späteren rotgrünen Bundesregierung nachversteuert worden.
Im Gegenteil!
Die rotgrüne Bundesregierung hat die klammheimliche
"Lex Flick AG"
per vorsätzlichem Verjährungsfristversäumnis von Amtswegen zum allgemeinen Gesetz deregulierter Finanzmärkte gemacht, Veräußerungsgewinne grundsätzlich von Unternehmen nicht zu versteuern, was die dann entstandene Spekulationsblase seit der Ronald Reagan/Maggie Thatscher Ära an den Weltfinanzmärkten zusätzlich ungeheuer befeuert hat..

Weil Helmut Kohl nicht nur ein Merker ist, sondern das Gedächtnis eines Elefanten hat, hat er das Wort vom "Kohlschen Blackout" Heiner Geisler , trotz dessen besten Absichten als Helmut Kohl Entlastungszeuge von 1984, bis heute nicht verziehen.

Hinzu kam, dass Heiner Geissler, die Ministerpräsidenten Lothar Späth (Baden- Württemberg), Ernst Albrecht (Niedersachsen), Bundestagspräsidentin Jutta Süssmuth, Kurt Biedenkopf als UNI- Präsident von Kassel, im Jahre 1988 auf dem Bremer CDU- Parteitag die dringliche, wie legitme Abwahl Helmut Kohls als Parteivorsitzender und Kanzler planten.
Das alles und noch viel mehr, während Helmut Kohl tierisch, wie ein Straßenköter, mit Katheter, samt Urinadenbeutel in der weiten Hose, unter einem entsetzlich schmerzhaften Harnblasenröhrenverschluss litt, trotzdem, ganz Parteitags- Kämpfer, im CDU- Parteitag zu Bremen, unermüdlich eisern lächelnd, auf dem Podium saß.

Damals im Jahre 1988 hat wiederum nur Helmut Kohls
"Bimbes Politik" ,
aus bis heute ungeklärt "dunklen" Kanälen,
Richtung Deligierte/innen auf der mittleren Parteiebene in den Ländern, Kommunen, Wahlbezirken in Vorbereitung des Bremer CDU Parteitages 1988 zur Vereitelung dieses treuwidrig infamen
"Viererbanden- Komplotts" verholfen,
wie Helmut Kohl diesen Vorgang selber gerne bis heute benennt, auch wenn das ein innerparteilich demokratisch legitimer Vorgang war.

Von den Medien konnte Helmut Kohl 1988 durch die Bank keine Unterstützung mehr erwarten, auch wenn der Springer Verlag ihm bei Antritt seiner Kanzlerschaft im Jahre 1982/83 seinen vormaligen BILD- Chefedakteur, Peter Boehnisch, als Regierungssprecher, als wohlgesonnen gleichgesinnten Kontrolleur,
"Frei Haus",
"Free On Bord" (FOB)
ins Kanzleramt zur Verfügung gestellt,

Wiederum immerhin hat ja die Gründung der Springer Verlags Privatfernsehsender
SAT 1,
Pro Sieben
in den Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, dank Helmut Kohls tätiger Hilfe, wie eine Leo Kirch Tür geklappt.

Helmut Kohl hat bis zu seiner Kanzlerschaft im Jahre 1982 aus dem Kanzlerwahlverein CDU vedienstvoll eine Volkspartei gemacht, um diese CDU danach, von Wahlperiode zu Wahlperiode, mehr und mehr, über die mittlere CDU- Delegiertenebene, dank seiner
"Bimbes Landschaftspflege",

demokratisch pflichtvergessen, wieder zu einem Kanzlerwahlverein mit Helmut Kohl als Idol für dessen Lebenszeit zu machen.

Nicht zu vergessen, Helmut Kohls unseliger Auftritt mit US- Präsident Ronald Reagan auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg 1985 als Gegengewicht zur Kriegsverbrechen bekennenden Versöhnungs- Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 08. Mai 1985 im Deutschen Bundestag.

Das Gegengewicht bestand darin, dass auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg, neben gefallenen US- GIs auch gefallenen Angehörigen berüchtigter SS- Verbände durch Helmut Kohl und Ronald Reagan gedacht wurde.
Dass Helmut Kohl das Talent zum Verzeihen fehlt, zeigt sich an seinem Umgang mit dem Wochenmagazin
Der Spiegel,
das ihn bereits 1976, trotz seines Fast Bundestgswahlsieges mit einem Stimmenanteil der CDU/CSU von
48 %, als
"Birne"
titulierte, die nichts außer "faule" Birnen Kompromis Zauber ohne Bestand zu bieten hat.

Helmut Kohl hat dem Meinungsmedium
Der Spiegel
seitdem beharrlich jedes Interview verweigert.

Selbst den Aufmacher von Rudolf Augstein zur gelungenen Einheit Deutschlands im Wege der Wendezeit 1989/90
"Glückwunsch Kanzler"
hat Helmut Kohl stumm wie eine
"gekränkte Leberwurst"
sentimental bis über den Kragen in die Haarspitzen ignoriert, als sei ausgerechnet ihm dem
"Einheitskanzler"
im persönlichen Bereich Trennungsschärfe, gar Trennung in Ewigkeit auf Lebenszeit "Amen" wichtiger als Versöhnung.

Klang da nicht auch eine unausgesprochen geschichtsvergessene Häme des studiert, promovierten Historikers Helmut Kohl gegenüber dem Spiegel Herausgeber Rudolf Augstein an
"Der historische Zug ist abgefahren, Herr Augstein und Sie sitzen nicht drinnen!"

Diesen Mangel des Talents zum Verzeiehen, Versöhnens Helmut Kohls in historischer Stunde, wie persönlicher Runde, beschreibt auch Helmut Kohls ältester Sohn, Walter Kohl, in seinem im Februar 2011 erschienen Buch
"„Leben oder gelebt werden“.
Schritte auf dem Weg zur Versöhnung. Integral Verlag, München 2011. 273 S., geb., 18,90 €.

Walter Kohl im Orginalton als geladener Gast in der ARD- Beckmann Talkrunde:

Sendung vom Montag, 07.02.2011

www.daserste.de/beckmann/sendung_dyn~uid,d3llt9qfrggg50vasu9rr3ap~cm.asp

Gäste:
Walter Kohl, Joachim und Christian Gauck

„Mein Vater hat sich inzwischen vollständig von mir losgesagt. Auf meine direkte Frage: Willst du die Trennung? antwortete er mir nur knapp: Ja.“
Bis heute dauert die Trennung an.

Auch wenn sich jetzt der Boulevard mit seinen Gesetzmäßigkeiten der Ära Helmut Kohls von 1976- 1998 heillos zu bemächtigen sucht, ist es allgemein historisch, politisch- kulturell, wie familengeschichtlich gar nicht hoch genug einzuschätzen, dass der älteste Sohn Helmut Kohls, Walter Kohl, statt seinen erklärtermaßen vorhandenen Tendenzen zur Selbsttötung weiter, wie seine Mutter Hannelore Kohl, in Phasen tiefer Depression folgend nachzugeben, den befreienden wie versöhnend gemeinten Mut aufbringt, den hermetisch geschlossenen Kommunikationskreis
"Dieser Kohls"
aufzbrechen und nicht nur mit seinem Buch, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen.

Danke Walter Kohl!

JP

siehe:

www.freitag.de/wochenthema/1128-wir-hatten-ein-idol

Helmut | 14.07.2011 07:00 | Georg Seeßlen
Diese Kohls
Der Abschied vom Überkanzler ist eingeläutet. Doch die Deutschen ­weiden sich lieber am Zerfall seiner Familie, als die Folgen seiner Regentschaft zu hinterfragen

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (10)

apatit 15.07.2011 | 02:17

Da fällt mir nur das ein...
Faust I
"Es irrt der Mensch, solang' er strebt.
Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich alles wissen.
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein.
Der Geist, der stets verneint!
Dummes Zeug kann man viel reden
Kann es auch schreiben.
Wird weder Leib noch Seele töten.
Es wird alles beim Alten bleiben.
Dummes aber vors Auge gestellt
Hat ein magisches Recht.
Weil es die Sinne gefesselt hält,
bleibt der Geist ein Knecht." Und die Gäste,
Walter Kohl, Joachim und Christian Gauck - der Gauck mit den Akten, der schon wieder.

Joachim Petrick 15.07.2011 | 03:54

@apatit

Herrlich ergänzter Gauckel Text.
Danke!

Hier ausgegebenem Anlass Dir zu Ehren, mein gelieferter Gauckel Text:

Faust 2011

Es strebt der Mensch, solang er wirrend irrt
Zwar weiss ich nichts, doch will ich vor allem
von allem auch nichts wissen
Hier bin ich unbehaust im 32 Stock
Meiner in meiner Seele
den Menschen fern, dem Himmel nah
hier darf ich s sein.
Der Geist, der sich stets im Ungeist erst bejaht

Kluges Zeug kann man selten reden
kann es weniger noch schreiben
wird weder Leib noch Seele heilen
es wird nichts beim Alten bleiben

Rätselhaft Dunkles aber vors Auge gestellt
fordert ein magisches Recht
indem es die Sinne gefesselt hält
bleibt der Geist ein dreister Dealer.
Und die Gäste in der Nacht
Walter Kohl hier,
Joachim und Christian Gauck da-
gauckeln ihre wackere Rechenschaft
als kommode Menschen Postkarten Pracht (PP)

bis zu guter Letzt
sie uns auf einen Beckmann
adrenalingesteuert feist
bescheuert und belämmert
um den Schlaf gebracht.

Hab Acht, wenn Du nach Rom kommst
oder war es Hannover, Hamburg, gar Berlin?
Warte nur ein Weilchen,
Dann kommt der Harnack
Mein Gott Walter!
mit seinem Hackebeilchen auch zu Dir

Aufstehen!,
der Kohldampf fordert seinen ungestümen Ausgang
dann raumfüllend
seinen stinkenden Tribut

poor on ruhr 15.07.2011 | 14:24

@JP

Danke. Großartiger Text. Gerne gelesen!

"Nur die Flicks konnten damals nachhaltig frohlocken, waren doch die Veräußerungsgewinne für den Verkauf der Flick AG, wie Eberhard von Brauchitisch erfolgversessen mit allen verfügbaren Finanzmitteln aus seiner Kriegskasse angestrebt, weder von der sozialliberalen, der folgenden schwarzgelben, wie späteren rotgrünen Bundesregierung nachversteuert worden."

Danke an das Erinnern!

Da wurde bei der Industrie schon für die Ära Schröder geübt. ;)

"Doch die Deutschen ­weiden sich lieber am Zerfall seiner Familie, als die Folgen seiner Regentschaft zu hinterfragen."

Wie wahr.

Herzliche Grüße

por

Joachim Petrick 15.07.2011 | 17:52

ergänzt:

Nicht zu vergessen, Helmut Kohls unseliger Auftritt mit US- Präsident Ronald Reagan auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg 1985 als Gegengewicht zur Kriegsverbrechen bekennenden Versöhnungs- Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 08. Mai 1985 im Deutschen Bundestag.

Das Gegengewicht bestand darin, dass auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg, neben gefallenen US- GIs auch gefallenen Angehörigen berüchtigter SS- Verbände durch Helmut Kohl und Ronald Reagan gedacht wurde.

apatit 15.07.2011 | 19:40

... das war auch Kohl und zwar ganz peinlich, aber sagte damals nicht auch ein Mann "Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal": Mit diesen Worten verteidigte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse den Rücktritt Franz Münteferings. Unionspolitiker sind schockiert und verlangen damals den Rücktritt Thierses. War das so falsch, wenn nun der Sohn von seinen Vater fast nichts mehr wissen will?

Joachim Petrick 15.07.2011 | 19:53

@apatit

""Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal": Mit diesen Worten verteidigte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse den Rücktritt Franz Münteferings"

Das hatte, neben dem Tabubruch, ein ziemlich übergriffiges Geschmäckle, auch wenn Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sich dabei recht kühn mutig fand