Wer trägt die Lasten und Kosten einer atomwaffenfreien Welt?

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Wer trägt die Lasten und Kosten einer atomwaffenfreien Welt?

Ziviler und militärischer Atom- Müll als gesellschaftlicher Lasten- und Kostenfaktor, lokal und global,im Endlager ewigvereint?

Gerne wird in bestimmten interessierten Kreisen seit den Ostermärschen des Kalten Krieges der Blocksysteme in Ost und West der Fünfziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts, gleichermaßen, im Hüben wie Drüben,die strikte Unterscheidung der zivilen und militärischen Nutzung der Atomkraft als politisch korrekte Errungenschaft, als Nonplusultra des Fortschritts, gepriesen.

Für Iljitsch Wladimir Lenin war der Sozialismus die gelungene Verbindung vom Massenorganisation und Elektrizität.

Da war es klar, dass der revolutionstheoretische Philosoph Ernst Bloch sein „Prinzip Hoffnung“ mit der erfolgreich weltweiten Verbreitung der Entwicklung der friedlichen Nutzung Kernenergie verband, die es allen Menschen weltweit, in Land, Dorf, Städten ermöglichen sollte, billig Strom zu beziehen.

Gerade unter fortschrittlich eingestellten Politikern/innen in Ost wie West, galt es als Ei des Kolumbus, die friedliche Nutzung der Kernenergie zu fordern und u fördern, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, einmal den Aufbau einer zentral regulierbaren Stromwirtschaft als gemeinsam wegweisendes Projekt zu organisieren, einmal, ganz nebenbei, die horrenden Kosten für die Forschung, Konstruktion und Produktionvon Atomwaffen durch die friedliche Nutzung der Kernenergie über die Verbraucher/innen mit zu finanzieren.

Dieser vorstellbare Zusammenhang der Finanzierung der atomaren Bewaffnung der neun Atomstaaten über die globale Verbreitung des Know Hows der friedlichen Nutzung der Kernenergie istbis heute kaum erhellt.

Bei der Frage der Entsorgung von zivilem wie militärischem Atom Müll erscheint dieser Zusammenhang der Finanzierung von Zwischen- und Endlagern aber unabweisbar af die Gesellschaften, Staaten zuzukommen.

proformer schreibt dazu, siehe:

Ziviler und militärischer Atom- Müll im Endlager ewig vereint?

www.zdf.de/ZDFforum/foren/sendungen/frontal21/F1238/msg2518236.php

www.zdf.de/ZDFforum/foren/sendungen/frontal21/F1238/msg2518423.php

„Dass Wissenschaftler auch heute in Deutschland an der Atombombe forschen, wird offiziell geleugnet. Dennoch gibt es eine Vielzahl ernst zu nehmender Hinweise, dass eine solche Forschung seit Beginn der Bundesrepublik bis heute nicht nur geduldet, sondern mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. So wurde bekannt, dass am IPP Garching bei München mit atomwaffenfähigem Uran hantiert wird.
Selbst ein Protest der USA an die deutsche Bundesregierung, in dem von einem Bruch des Non-Proliferations- Abkommens die Rede ist, blieb wirkungslos.

Dass Deutschland bis in die jüngste Vergangenheit Ambitionen zeigte, die in Folge des Zweiten Weltkriegs auferlegte Beschränkung in der Atomwaffen-Forschung zu beseitigen, zeigt sich nicht nur am Beispiel Garching. Auf der Ebene internationaler Verträge werden beachtliche Verschiebungen deutlich. Seit 1990 das Kriegswaffenkontrollgesetz geändert wurde, ist es der Bundesrepublik nunmehr erlaubt, im "Rahmen der NATO" Atomwaffen-Forschung zu betreiben.
Wo überall in Deutschlands Forschungszentren an der Atombombe geforscht wird, ist selbst vielen Wissenschaftlern nicht bekannt.

Am 12. September 1986 wurde bei einem Brand auf dem Gelände der GKSS in Geesthacht radioaktives Material freigesetzt. Immer mehr Fakten deuten darauf hin, dass es sich um einen Unfall bei Experimenten zur Entwicklung von Mini-Atombomen ("Mini-Nukes") handelte. Über Jahre hin wurde von der Atom-Lobby wie auch von Behörden und Politik versucht, diesen Unfall zu vertuschen.
Nach der für Leukämie typischen Latenzzeit von vier Jahren musste ab 1990 in einem engen Kreis um die Atom-Anlagen eine eklatante Häufung von Leukämie-Erkrankungen überwiegend bei kleinen Kindern registriert werden. Eine Häufung von Seite 1/5 Leukämie-Fällen in dieser Konzentration ist bisher weltweit sonst „.

In Deutschland waren die Kanzler der damalig fortschrittlich kommunizierten Atomindustriedie Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt.

Es gab in Deutschland einen Bürgermeister der diesem atomaren Fortschrittsglauben Ende der Siebziger Jahre das Zwanzigsten Jahrhunderts durch seine Rücktritt als Regierender Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg beherzt entschieden Paroli bot, dieser SPD- Politiker war Hans- Ulrich Klose.

Wenn die atomaren Superstaaten, USA, Russland, voran US- Präsident Barack Obama die Vision einer atomwaffenfreien Welt an die Wand malen, ist kaum jemand vor Begeisterung geneigt, die Folgen einer atomwaffenfreien Welt für die Frage der Findung von Endlagern zu ermessen.

Heute führen die neun Atomstaaten zum Teil schrottreife atomare Waffensysteme weiter in ihren Rüstungs- Bilanzen als taktische bis strategische Atomwaffen, weil sie für die Entsorgung, die Endlagerung ihres militärisch atomaren Schrotts, zu Lande, zu Wasser in der Luft, nach wie vor, weder gemeinsam, noch für sich national,eine Lösung entwickelt haben.

Soll da die Renaissance der Verbreitung der friedlichen Nutzung der Kernenergiein vielen Schwellenländern, gar Entwicklungsländern, vorfinanziert von den Kernenergiesystem anbietenden Staaten, Konzernen, eine Lösung der Frage der Endlagerung am Freien Markt des Handels mit atomarem Schrott und Müll nach dem Gefälligkeitsprinzip herbeizwingen?:

„Wir finanzieren euch preiswert AKWs voraus, dafür entsorgt ihr auf eurem Hoheitsgebiet unseren zivilen wie militärisch atomaren Müll!“?

Durch das Ausstiegsszenarioaus der Atomindustrie der rotgrünen Bundesregierung im Jahre 2001, vertraglich mit der Atomwirtschaft in Deutschland vereinbart, wurde eher medial nachrangig registriert, dass den AKW- Betreibern die Möglichkeit des Baus von Zwischenlagern neben ihren AKWs mit finanziellen Anreizen nahe legt wurde.

Dass dadurch das Controlling von Differenzen in den Atom- MüllBilanzen über die Zwischenlagerung des atomaren Mülls, von der staatlichen, mehr oder weniger, ganz in die Hände der privaten AKW- Betreiber, verlagert wurde, hat ganz neue Gefahrenlagen heraufbeschworen. die da sind, einmal die Gefahr von Terroranschlägen auf viele kleineZwischenlager atomaren Mülls mit der Entfaltung der Wirkung „Schmutziger Bomben“ vor Ort, sowiedie Verlockung der AKW- Betreiber über einen regen, verdeckten wie unkontrollierten Handel mit ihrem atomaren Müll, im In- und Ausland, ihr Endlagerungsproblem zu Lasten Dritter, zu Lasten anderer Regionen in unserer Einen Welt, voran in Krisengebieten, in „Failed States“ , auf wilden, halblegalen, illegalenMüll- Deponien verbrecherisch entsorgt, auf Sicht scheinbar in den Bilanzenzu minimieren.

Gleichzeitig ist die Internationale Atomwirtschaft mit ihrem einstigen Flair der Globalsteuerung der Energiewirtschaft über nationale Grenzen, ja Blockgrenzen hinaus,bis heute nicht in der Lage, noch finanziell willens, den am 26. April 1986 havarierten Block III des AKWs Tschernobyl verantwortlich mit einem dauerhaft haltbaren Sarkophag zu versehen, die dortigen Schäden in der Umwelt, in den Organismen der Menschen, Tiere, Pflanzen auch nur hinreichendzu dokumentieren.

Die International hoch organisierteAtomwirtschaft hat sich, wie die UdSSR durch Auflösung im Jahre 1991, aus der Verantwortung für die Folgen des GAU des AKW von Tschernobyl am 26. April 1986 gestohlen und die Ukraine und deren Bevölkerung als NGO durch Organisationsverschulden alleine gelassen.

Von diesem globalen Versagen der Atomwirtschafteinmal abgesehen, passt die Atomtechnik der friedlichen Nutzung der Kernenergie nicht mehr in die intelligenten Systeme der heraufdämmernden erneuerbaren Energieanlagen und deren Vernetzung, weil AKWs außerstande sind, regelmäßig den Grundbedarf bedienend, der Grundlast folgend,herauf bzw., heruntergefahren zu werden, ohne eine vorzeitige Werkstoffermüdung hervorzurufen.

JP

03:14 28.04.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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