"Willkommenskultur" unter Anfangsverdacht

"Wir schaffen das" Ist die "Willkommenskultur", unabgestimmt, auf ein "Wir schaffen das" geschmackfreies Soufflé zusammen geschnurrt?, weil Merkel zu oft ratlos in den Backofen schaut?
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Willkommenskultur" unter anlaßlosem Anfangsverdacht.

Ist die "Willkommenskultur", europäisch unabgestimmt, auf ein unbestimmtes "Wir schaffen das" geschmackfreies Soufflé zusammen geschnurrt?, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel zu oft ratlos, die Klappe auf und zu haltend, in den Backofen schaut?

"Unsere Willkommenskultur steht unter Verdacht: Hilfe für Flüchtlinge, sagen konservative Kommentatoren, sei nur eine Form der Vergangenheitsbewältigung. Eine Sondermoral solle es aber auch nach Auschwitz nicht geben. Warum eigentlich nicht?", schreibt Jakob Augstein in seiner aktuellen SPIEGEL- Kolumne "Debatte über Willkommenskultur: Weil Opa für Adolf gekämpft hat"

Selbstverständlich macht es Sinn, wie Jakob Augstein insistiert, sich auf die deutsche Verantwortung, die sich aus der Geschichte Deutschlands seit 1914- 1945 so dunkelhell über alle Zeiten hinaus ergibt, zu besinnen, in denen millionenfache Zwangsarbeit, der Holocaust, die Vernichtung "unwerten Lebens", Angriffskriege im deutschen Namen europaweit Alltag waren.

Doch diese Verantwortung als rein urdeutsche und nicht europäische formuliert, trägt gerade einmal von Flensburg bis Füssen, Frankkfurt/Oder, Freiberg, Freiburg bis Aachen, Bad Bentheim, nicht einmal nach Österreich über Wien bis an die Grenze von Tirol als Beitrittsgebiet zum Dritten Reich 1938- 1945.

Ganz zu schweigen von der zwangsweisen über die stille bis proaktive Kooperation deutschbesetzter Länder Europas 1939- 1945 und über diese hinaus bis Luxemburg, Spanien, Portugal, die Schweiz, Schweden, in der Kooperation der Rekrutierung von Zwangsarbeitern, bei der Administrierung des Holocaust als gesamteuropäisch "identitätsstiftendes" Unternehmen.

Für mich steht die "Wilkommenskultur", von so vielen ehrenamtlichen Helfern in Flüchltingslagern, Kommunen und in wohlmeinenden Teilen der Medien, von Herzen aufrichtig gemeint, politisch unter einem ganz anderen Verdacht, neben dem, den Jakob Augstein zu recht kenntlich machen will.

Nämlich unter dem Verdacht, sich in einer Welt, die bisher einer wirklich global ausgerichteten Wirtschaft zum Wohl und Gedeih aller Regionen vergeblich harrt, mit der Beute von Heute, Gestern, mit den Handelsbilanzüberschüssen als Ergebnis einer asymmetrischen Währungswelt in Höhe von über 100 Milliarden € /anno einen schlanken Fuss zu machen, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel einsam auf weiter Flur, ungefragt, das Wort von dem "Wir schaffen das " hinausposaunt, ohne sich mit europäischen Partnern, entsprechend deren Bevölkerungszahl, Wirtschaftskraft und Lage zuvor abzustimmen, um, ja, um die Bringschuld Deutschlands, die aus den überbordenden Handelsbilanzüberschüssen bis zum Abwinken resultiert, vergessen zu machen.

Diese Art Blendwerk "Willkommenskultur", geschrumpft auf ein unbestimmtes "Wir schaffen das " aus dem Bundeskanzleramt, droht willentlich, unwillentlich noch etwas anders vergessen zu machen, nämlich das Schicksal von über 60 MIllionen Flüchtlingen inner- und außerhalb ihrer Heimatländer.

Von diesen über 60 Mllionen sollen etwa 1 Million Flüchtlinge 2015 nach Deutschland gekommen sein. Und nur über diese wird nun wetternd gegen das "Wir schaffen das" als Kernaussage deutscher "Wilkommenskultur" gesprochen und von seiten der CSU als Partner in der Großen Koalition rebelliert.

Von den 500 000 Flüchtlingen aus der Ukraine, die seit 2014 in Polen aufgrund des dortigen Krieges in der Ostukraine Asyl gesucht haben, u. a., um nicht als rekrutiertes Kanonenfutter für Kriege der russisch- ukrainischen Oilgarchen und deren Soldateska zu dienen, spricht man hierzulande nicht.

In dieser emotional aufgeladenen Situation hierzulande drohen Petitionen wie die meiner "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not", in den Treibsand "unterbliebener Nachrichten" zu geraten:

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http://www.thepetitionsite.com/de-de/536/777/682/luftbr%C3%BCcke-f%C3%BCr-fl%C3%BCchtlinge-in-not/
Luftbrücke für Flüchtlinge in Not
49 UNTERSTÜTZER/INNEN
VON: Joachim Petrick
ZIEL: Mitglieder des Deutschen Bundestages
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Gewiss, es gibt nachwievor weltweit vorherrschend ein undiffenziertes Verhältnis zu Wirtschaftsphilosophie und Politik, das durch die Medien tranportiert, in Handelsbilanzüberschüssen bestimmter Länder unvermindert so etwas wie eine "legitime " Beute identifiziert, andere Länder ermuntert, über die Exportschiene

"Ihr habt keine Chance, aber nutzt sie",

ebenfalls und sei es subventioniert, u. a. durch vorsätzliches Abwerten der eigenen Währung, Kürzung der Sozialetats, Renten, Ausgaben für Gesundheit, Bildung, Ausbildung, Familien. , Jugend- , Altenhilfe, Studium, Kultur, Lohnabsenkung, prekäre Arbeitsverhältnisse, Handelsbilanzüberschüsse zu generieren

In einer Medienwelt tagtäglicher "Breaking News" in Ton und Bild von der Not, dem Elend, der Versehrtheit, Hunger, früher Tod in Kriegsgebieten, Elendsquartieren in heillos unterfinanzierten UNHCR (UNO Welthungerhilfe) unzureichend ausgestatteten Flüchtlingslagern allein rings um den Kriegsschauplatz Syrien, in Jordanien, Libanon, der Türkei, passiert der geltenden Währungs- und Wirtschaftspolitik vorauseilend, in den Köpfen der Menschen etwas Unvorhergesehenes an Bewusstheit.

Die Mehrheit der Deutschen beginnt zu ahnen, dass sie zumindest Mittel haben, wenigstens einigen von den vielen Menschen weltweit in Not zu helfen, beginnt die Mehrhheit, entgegen unseligen Unkenrufen, zu spüren, dass es uns Deutschen, relativ gesehen, mehrheitlich aus dunklem Grund besser geht, weil eben gerade in anschwellenden Handelsbilanzüberschüssen der wirtschaftlichen Großmacht Deutschland seit Jahrzehnten eine Bringschuld gegenüber allen Europäern, Juden, Sinti, Roma in historisch herausgehobener Weise, dazu in allen Regionen in der Welt liegt, mit denen Deutschland auf Handel, Wandel, Verkehr als ein "Geben und Nehmen" auf Augenhöhe angewiesen bleibt.

Was bisher fehlt, ist ein mehrheitlich eindeutiger Wille, diese geopolitisch- ökonomischen Zusammenhänge von über 60 Millionen Flüchtlingen in der Welt mit Blick auf die deutsche "Willkommenskultur" auf die nationale, europäischer, internationale Agenda zu setzen
JP

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlinge-debatte-ueber-willkommenskultur-augstein-kolumne-a-1072524.html
Debatte über Willkommenskultur: Weil Opa für Adolf gekämpft hat
Montag, 18.01.2016 – 14:27 Uhr
Eine Kolumne von Jakob Augstein

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/nord-sued-in-ost-westkonflikt-gewendet
JOACHIM PETRICK 16.01.2016 | 12:13
Nord- Süd- in Ost- Westkonflikt gewendet?

20:37 18.01.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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