Die Plattitüde mit dem „Geld aus dem Nichts".

Refinanzierung der Banken Viel Alarmismus und im Sachverhalt verkürzte Plattitüden von Seiten der Geldreformer, um uns vom Vollgeld zu überzeugen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Immer wieder hören wir von der Geld-aus-dem-Nichts-Fraktion bzw. Geldreformern, dass Banken Giralgeld „aus dem Nichts schöpfen“.

Mit diesem Alarmismus und diesen im Sachverhalt verkürzten Plattitüden – welche viele ökonomisch Gebildete mittlerweile langweilt – wollen Sie uns überzeugen, dass es nun unbedingt wieder ein staatliches 100% - Reservesystem braucht, wobei die private Zahlungsmittelschöpfung bzw. das zweistufige Bankensystem pauschal verurteilt werden soll, oder lehnen als Meister der Leichtfüßigkeit mit rosaroten Kontaktlinsen die Zentralbanken oder gar Geschäftsbanken ganz ab und meinen, dass sich damit gegenwärtig alle Probleme lösen lassen, ohne dass neue auftauchen würden.

Hier beruft man sich gerne auf Prof. Richard Werner.
Nun möchte ich nicht alles abstreiten, was R. Werner geschrieben hat, es ist aber alles in allem nur die Halbwahrheit und muss differenzierter dargestellt werden.

Zumal Krisen mit zunehmender Dauer erfahrungsgemäß auch zunehmend gewagte Theorien mit Weltverbesserungsanspruch aufblühen lassen.

Das Netz ist ja mittlerweile voll mit Selbstdarstellungskünstlern und Utopieverkäufern, die hemmungslos ihren pathologischen Narzissmus auf Kosten der Leser ausleben – und zwar aus allen ideologischen Lagern – und uns mit einer modernen folkloristischen Form von Regentanz und Knochenwerfen unterhalten. Das wäre ja generell nicht schlimm, wenn es dann zu etwas führen würde. Doch leider schaffen diese Leute oftmals nur mehr Verwirrung und Widersprüche statt Aufklärung.

Einige meinen sogar, Zentralbankgeld wäre unbedeutend, weil es kaum noch Bargeld gibt, oder weil die Geldmenge M0 in den Bilanzen nur gering ist ggü M1.

Eine griechische Bank z.B. kann nicht unbegrenzt M1 schöpfen, wenn immer mehr Reserven aus der Bank hinausfließen. Sie muss sich also notgedrungen verzinste Reserven leihen, entweder bei der Zentralbank oder am Kapitalmarkt. Oder sie sorgt dafür, dass über Banksparverträge (Festgelder, Tagesggelder u.ä.) die Reserven möglichst im eigenen Haus bleiben in dem sie nullfristige Giralguthaben mit Frist belegt.

Ganz abgesehen mal davon, dass die Summe der Ausleihungen von Zentralbankgeld viel höher ist, als z.B. die Grafik der Bundesnbank von Helmut Creutz darstellt, die uns immer wieder vor die Nase gehalten wird.

Die Grafik, welche die verschiedenen Geldaggregate nebeneinanderstellt, zeigt nämlich nicht die Frequenz der Tendergeschäfte (Schnelltender,Haupttender etc.) mit der Zentralbank, also wieviel Zentralbankgeld im Verlauf des Jahres in täglichen, wöchentlichen, monatlichen Ausleihungen entstanden und vernichtet wurden zwischen den jeweiligen Banken und Zentralbank im Rahmen der WPPG (Wertpapierpensionsgeschäfte) – sie zeigen lediglich den bilanziellen Endbestand.

Die Frequenz zwischen Geldentstehung und Vernichtung ist also im Interbankenmarkt viel höher als bei den Nichtbankenforderungen (Vgl. dazu die Tenderhistorie der EZB). Denn ZBGeld wird erst dann benötigt, wenn eine Transaktion von Giroguthaben zu einer Fremdbank stattfindet.

Die Grafik von H. Creutz zeigt ergo nicht die „Umlaufgeschwindigkeit" der ZBG-Reserven bei den gegenseitigen Ausleihungen im Interbankenmarkt sprich Geldmarktpapiere, Anleihen, Pfandbriefe u.v.a.
Ergo sind nicht die Summenverhältnisse entscheidend zwischen M0 und M1, die auch wenig Aussagekraft haben bzgl. der Abhängigkeit einer einzelnen Bank von Zentralbankgeld (was je nach Bankengröße stark schwankt) sondern wieviel Zentralbankgeld denn jeweils tatsächlich gebraucht wurde von den Banken bei den Transaktionen zwischen den Nichtbanken bzw. nach der Kreditschöpfung. (Dazu weiter unten).

Aber abgesehen davon geht es auch nicht darum, dass Banken nun höhere Reserven haben müssen, sondern darum, dass sie generell gezwungen werden, sich zu refinanzieren bei der Zentralbank, also stets auf das staatliche Geld angewiesen sind und ihren durchschnittlichen Mindestreserve-Soll (entweder Null oder 1%) erfüllen müssen, also nur sehr kurzfristig ihr Konto bei der ZB unterziehen dürfen.

Es geht auch um den ständigen Vermögensausgleich zwischen konkurrierenden Banken, denn Banken erzeugen nur Kredite (Giralgeld) bzw. Nichtbankengeld, was andere Banken aber nicht haben wollen bei einer Transaktion. Sie wollen ZBGeld sehen oder vergleichbare hochliquide Wertpapiere, die sie jederzeit schnell in ZBGeld umwandeln können.

Wie wir also auch an diesem Beispiel sehen, wird nur Verwirrung gestiftet anstatt Klarheit. Es geht nur um Ideologie aber niemals um korrekte und differenzierte Darstellung von Sachverhalten. (Mehr dazu weiter unten im Artikel).

Und besonders nach der Krise, wo die Schwächen des globalen privaten Bankensystem in Kombination mit deregulierten Finanzmärkte zum Vorschein kamen – wobei auch die Immobilienkrise oder generell globale Krisen von den Ursachen her vielschichtiger sind und nicht nur auf die „Geld aus dem Nichts"-These reduziert werden können – witterten Ideologen und neue „Experten“ („Neu--Gesellianer" wie z. B. Global Change, Andreas Popp, aber auch Vertreter der Österreichischen Schule wie Pregetter, Hörmann et al) natürlich erneut ihre Chance, und machten sich auf den Weg, ihre Ideologien hoffähig zu machen, dass wir nun unbedingt den Banken die Geldschöpfung entziehen müssten, um zum Heil zu gelangen.

Dabei unterliegen Geldreformer mWn generell dem Irrtum, dass man nur das Geldsystem ändern müsste (weg vom zweistufigen Bankensystem) bzw. den Fokus unbedingt darauf legen müsste, und man es irgendwie schaffen könnte, dass die Guthaben schneller zu den Schuldnern gelangen, um unsere Wirtschaft „solidarischer", „nachhaltiger", krisenfester zu machen und der „Rationalitätenfalle" zu entgehen und wieder zu einer „Marktwirtschaft" zu verwandeln. Dabei nehmen sie an, Marktstörungen entstehen überwiegend kausal am Geldmarkt bzw. durch den positiven Sparerzins, der nicht unter Null fallen kann und dass bei einem nominal negativen Zins der Markt in Gleichgewicht kommen könnte. Also der alte gesellianische Wein in neue Schläuche.

Sie verkennen dabei, dass die heutigen ökonomischen und sozialen „Probleme“ nicht p r i n z i p i e l l durch die Geldschöpfung der Banken bzw. das zweistufige Bankensystem zustande kommen, welche auch nur Mitspieler im Kapitalismus sind und notwendigerweise aus dem Kapitalismus hervorgingen – denn Probleme wie z. B. starke Ungleichverteilung des Reichtums oder Krisen gab es historisch betrachtet immer, schon seitdem „akephale“ solidarisch produzierende Gemeinschaften sich zu arbeitsteiligen und großen anonymen und „von der Arbeit entfremdeten" Gesellschaften verwandelten oder besser verwandelt wurden, und Ressourcen nur noch über Märkte und Preise gehandelt wurden, und zwar unabhängig davon, wie Geld geschöpft wurde, ob nun durch den Staat, durch Free Banking, durch private Wechsel/Schuldscheine oder durch Münz- oder Feudalherren. Erst aus der anonymen Zession (anonymer Gläubigerwechsel) als Grundform multilateraler Clearing-Beziehungen sind historisch ja Banken entstanden.

In einer Welt bzw. in komplexen und offenen Volkswirtschaften, welche überwiegend durch (privaten und transnationalen) Wettbewerb, Marktvermachtung, Ungleichverteilung des kreditierenden Eigentums, überwiegende Leistungs-, Effizienz- und Profitorientierung, Technikdominanz und Anonymität (und damit einhergehend Vertrauensmangel) beherrscht wird, sind Marktstörungen und Ungleichgewichte aber auch soziale Verwerfungen schon inhärent, egal ob nun der Staat Geld emittiert oder private Banken – wobei die Probleme aber auch Fehlallokation und die Verstärkung von boom und bust-Zyklen nicht n u r durch die „Märkte" entstehen, sondern auch erheblich durch staatliches politisches Handeln und dadurch, dass auch Staaten untereinander im Wettbewerb sind, was leider oftmals ausgeblendet wird. Da nützen auch keine freien Wechselkurse, weil internationaler Wettbewerb nicht nur über freie elastische Preise stattfindet.

Wobei dann fälschlicherweise behauptet wird, der Staat oder Kommunen würden erpresst werden und wären nur das Opfer der bösen Guthabenhalter. Dabei haben sich Staaten selbst als Verursacher der Marktstörungen herausgestellt.
Es ist doch immer wieder die gleiche Leier. Man muss erst global den vollkommenden Markt schaffen, indem es keine Machtgefälle mehr gibt, bevor die gesellianischen Geldsysteme funktionieren.

Bei all dem hier genannten ist es unerheblich, ob nun die Bank im Auftrag der Bürger das private Geld schöpft in Kombination mit der Zentralbank, so wie es heute praktiziert wird, oder ob der Staat das allein macht und die Sparer ihre Einlagen zur jeweiligen Bank tragen. Schon die Fokussierung darauf ist rein ideologisch, ja gar fetischistisch.

Solange die globale Ressourcenallokation nur auf dieser o.g. Basis stattfindet, würde ein „alternatives Geld“ zu keinen entscheidenen Vorteilen führen. Dazu braucht man kein Ökonomiestudium, um das nachvollziehen zu können.

Anders gesagt, um Geld zu einer „Allmende" zu machen, wo Geld „der Allgemeinheit dient“ (auch eine typische Floskel, denn dienen können nur die Verwender des geschöpften Geldes, unabhängig, wie es geschöpft wird, ob als staatliches oder Geschäftsbankengeld), muss man die Wirtschaft selbst erst zu einer Allmende machen, welcher der Allgemeinheit dient – in der einfachsten Form eine vertrauenswürdige für sich produzierende Selbstorganisation. Letzteres schließt aber Wettbewerb und Profit aus. Beides ist nun mal ein Widerspruch.

Diesen Irrtum können einige Geldreformer sich natürlich nicht eingestehen, was ja einen Gesichtsverlust bedeuten würde, haben sie doch schon viel Mühe reingesteckt, um sich mit ihren Thesen und ihrer einseitigen Fokussierung auf das Geldsystem irgendwie hervorzutun und einen Namen zu machen.(Vor allem wenn man Bücher geschrieben hat über das böse Geld aus dem Nichts). Das gleiche gilt hier übrigens auch für die Vertreter der neoklassischen Geldtheorie, die nicht von ihrem „neutralen Geld" abkommen wollen.

Nebenbei:
Auch die Vollgelder unterliegen fälschlicherweise der monetaristischen Geldtheorie, indem sie meinen, man könnte die Geldmenge optimal steuern, wenn der Staat allein die Geldschöpfung übernimmt. Doch letztlich können auch Vollgeldbanken nur private Schuldtitel monetisieren, da Geld kein Tauschding ist, wo Leistung gegen Leistung ohne Termin getauscht wird, sondern wo Leistungsverprechen gegen Vorleistung getauscht werden.

Denn ein Kreditnehmer braucht sofort Liquidität, kann aber erst über die Zeit seine Rückleistung am Markt erbringen. Zum Beispiel, weil seine Kapazitäten nicht reichen, um den Umsatz so hoch zu steigern, dass er neben anderen Kosten und Gewinnen sofort tilgen kann. Oder seine Produkte unterliegen dem Wettbewerb und werden weniger schnell nachgefragt.

Geldschöpfung heißt also Zeitgewinn, Zeit die stets vergeht zwischen Angebot und Nachfrage. Insofern ist Geld immer „aus dem Nichts“, egal wo es her kommt, ob von der Zentralbank, die ja ebenfalls die privaten Kreditverträge monetisieren muss, oder von den Bürgern mit Hilfe der Banken; ob es als „Warengeld“ emittiert wird oder als Kreditgeld.

Neu-Gesellianer (im Gewande der Saldenmechanik) meinen hingegen, man könne den Monetarismus neu beleben, durch einen zentralen nominalen Negativzins und einer Kreditsteuer, und somit Rezessionen vermeiden und große Volkswirtschaften stabilisieren, indem man diese Zeit zwischen Kreditaufnahme und Erfüllung verkürzen will und die Guthaben ganz schnell zu den Schuldner kommen sollen. (Wo der Haken dabei ist, dazu unten der verlinkte Beitrag: „Guthabenkrise ist ein Oxymoron“).

Oder noch abstruser: Ein Computeralgorithmus des Finanzamtes errechnet die Kreditwürdigkeit bzw. indirekt die Geldmenge anhand der vergangenen Steuererklärungen (Gotthalmseder). Das nennt sich dann „bürgergeschöpfte Währung“, obwohl der Bürger doch zentral dem Diktat des staatlichen Finanzamtes und dem Computer ausgeliefert ist

. Doch Geld ist nicht n u r eine gemeinsame „Aufzeichnung von Über- und Unterkonsum“, wie einige es platt verkürzen.

Doch entscheidend ist das Wirtschaftssystem dahinter, also ob kooperativ gewirtschaftet wird oder in Konkurrenz. Zumal haben einige immer noch nicht begriffen, warum es zwei Geldkreisläufe gibt, also dass staatliche und das Geschäftsbankengeld. Dazu gleich mehr.

All diese alternativen Modelle sind reine Kopfgeburten und wenig tauglich in der Realität bzw. allgemeinen Praxis, wo Unternehmer und Staaten weltweit im Wettbewerb stehen unter den oben genannten Bedingungen. Es sei denn, man müsste ex ante das ganze Wirtschaftssystem ändern.

Da man den Kapitalismus aber nicht einfach so abschaffen kann bzw. man anonyme offene Volkswirtschaften nicht einfach umwandeln kann in kleine überschaubare Solidarökonomien, bringen uns diese alternativen Geldideen keinen Schritt weiter, da sie in offenen und anonymen Volkswirtschaften, welche auf Konkurrenz und privaten Profit basieren, nicht wirklich funktionabel sind und nur wieder neue Probleme schaffen würden, ohne tatsächlich die strukturellen Probleme des globalen Kapitalismus zu lösen. Sie können auch nicht in Konkurrenz treten. Allein schon der Negativzins ist ein undenkbar schlechtes Instrument, um Nachfragepläne wirksam und effektiv zu lenken auf dem globalen Markt.

Das mussten auch die Regionalgelder schmerzlich spüren, die nur komplementär funktionieren, auf das heutige Geldsystem aufgesetzt, und dessen Teilnehmer im kapitalistischen Prozess und Alltagsleben voll eingebunden sind und ebenfalls direkt oder indirekt vom „fiat-money" profitieren. Von daher dümpeln diese alternativen Spielgelder vor sich hin und geben nur den Anschein einer Alternative. Sie schaffen weder mehr Arbeitsplätze noch mehr Wohlstand noch mehr Unabhängigkeit. Und Gutes tun kann man auch mit dem heutigen Geld und viel effektiver als mit dem Regionalgeld.

Bleibender Erfolg des Monetarismus ist allerdings, dass viele Länder die Kontrolle über die Geldschöpfung einer politisch unabhängigen Notenbank übertragen haben - und dass die Notenbanken Entstehung und Verwendung des geschöpften Geldes nun genau analysieren können.

Weder die BUNDESBANK noch die BoE o.a. sprechen übrigens vom Geld „aus dem Nichts", wie uns einige Geldreformer immer wieder plakativ auftischen wollen. Sie sagen lediglich, dass Geldguthaben uno acto von den Geschäftsbanken per Kredit geschöpft werden, auch
o h n e vorherige Bargeldeinlage bzw. Banken nicht das Geld der Sparer verleihen und dass es keine „multiple Geldschöpfung" gibt, was heißt, das in normalen Zeiten die Zentralbank weder die im Umlauf befindliche Menge an Geld nicht fest vorgibt, noch multipliziert sich das Zentralbankgeld in immer mehr Kredite und Einlagen.

Auch von Seiten der Piraten wird nun durch vereinzelte Stimmen propagiert, dass für Kreditvergabe der Geschäftsbanken der Sparer keine zwingende Bedingung ist, was aber falsch ist, solange internationaler Bankenwettbewerb herrscht und Banken stets illiquid sind und das Liquiditätsrisiko immer noch ein Faktor ist, der für viele Banken eine Rolle spielt – für kleinere Banken mehr als für Großbanken.

Die weltweite sozialistische Einheitsbank haben wir (noch) nicht. Da nützen uns ergo auch keine endogenen „Target 3-Modelle“, wie ich schon bei den Piraten gelesen habe.

Alles in allem herrscht entweder tatsächlich ein Mangel an Wissen über die tatsächlichen Vorgänge im Interbankenhandel und bzgl. der Refinanzierung von Banken, oder es findet eine b e w u s s t e Täuschung statt, indem man Sachverhalte einfach verkürzt wiedergibt, um möglichst viele Laien auf seine Seite zu ziehen. Das kennen wir ja aus der Politik.

Es geht also nicht um Rationalität und ehrliche Analyse sondern um Ideologienstreit. Auch in Geldreformerkreisen haben sich verschiedene Ideologien herausgebildet, die alle ihre speziellen Theorien auch untereinander verteidigen, egal wieviel Widerspruch sie enthalten, Hauptsache irgendwie alternativ.

Und auch viele Dozenten und Professoren aus den konventionellen Wirtschaftswissenschaften verteidigen natürlich ihre Ideologie der multiplen Geldschöpfung bzw. ignorieren die Geldschöpfung der Geschäftsbanken, ansonsten müssten sie die ganzen einfachen Gleichgewichtsgleichnisse in den Lehrbüchern neu formulieren.

Denn dann ist staatliches Geld nicht mehr neutral oder hat nicht n u r Auswirkung auf die Preise, sondern das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität hängt nunmehr von den Kreditvergabeentscheidungen der Banken bzw. von den Neuverschuldungsentscheidungen und den Rückzahlungsentscheidungen der Kreditnehmer ab. Tilgen sie mehr als sie sich neuverschulden, sinkt die Geldmenge und umgekehrt, in credit boom Perioden wird mehr neuverschuldet als getilgt. Daraus ergibt sich dann ex post die Zentralbankgeldmenge bzw. die Menge der Schuldtitel und damit die Geldnachfrage bei den Zentralbanken im Rahmen der Pensionsgeschäfte/Offenmarktgeschäfte.

Mit der plakativen Geld-aus-dem-Nichts-Parole soll aber eigentlich nur suggeriert werden, dass der Staat oder bzw. die Zentralbanken den Geschäftsbanken
v ö l l i g ausgeliefert sind, also dass Banken sich prinzipiell kaum noch refinanzieren müssen oder gar völlig unabhängig von Sparern oder der Zentralbank agieren könnten (was aber die Bank of England oder die Bundesbank im Zusammenhang so gar nicht behaupten).

Lassen wir und also von einigen Populisten nicht vernebeln und schauen uns die Vorgänge genauer an. Ökonomen und Studenten kennen natürlich die Vorgänge der Kreditschöpfung bzw. des fraktionalen Reservesystems und auch dessen Vor- und Nachteile.

Auch dabei herrscht immer wieder ein pauschalisierte Diffamierung seitens der heterodoxen Kreisen dass nun alle Ökonomen die Kreditmechanik z. B. von Wilhelm Lautenbach nicht verstanden hätten oder alle Professoren nicht wüssten, woher unser Geld stammt.

Fakt ist aber, dass die Mehrheit der Ökonomen sehr wohl wissen, dass
a) Zentralbanken gesetzliche Zahlungsmittel (ZM) schöpfen können, welche die einzigen endgültig schuldentilgenden ZM im Interbankenmarkt sind und
b) Geschäftsbanken hingegen privates Geld schöpfen, wobei Geschäftsbanken illiquide Aktiven (Forderungen) durch Passiven (Giralgeld) liquid machen.


Banken machen also Nichtbanken liquid, sind dabei aber selbst stets illiquid, weil Giralgeld für die Banken stets Verbindlichkeiten sind und bleiben. Ob das aus ideologischen Gründen allerdings in den Lehrbüchern nur am Rande erwähnt wird, sei mal dahin gestellt.

Das Schuldenmanagment und das Risikomanagement bzw. „die Geldschöpfung aus dem Nichts" ist die prinzipielle Dienstleistung einer Geschäftsbank, um uns Privaten über die Kredtierung von Eigentum liquide Mittel zu schaffen, welche wir uns selbst nicht so einfach willkürlich schaffen können in einer anonymen Wirtschaft.

Um also gedecktes Geld zu schöpfen, braucht es immer Gläubiger- und Schuldnergemeinschaften, bzw. Haftungsgemeinschaften, welche sich in der Institution einer Bank repräsentieren, welche die Deckung kontrolliert.
Eine Bank besteht also nicht nur aus Aktionären sondern auch aus Gläubigern
(wozu alle gehören, die ein Spar-/Sicht-Guthaben bei der Bank haben oder Bankanleihen u.a. Schuldverschreibungen halten), und „Banken retten" heißt nicht nur Eigner zu retten.

Von daher kann auch nicht jede Nichtbank ohne Bank beliebig sein Eigentum belasten und willkürlich „Zettel" als liquide Mittel emittieren. Die würden kaum große Akzeptanz erhalten in der anonymen Wirtschaft. Von daher sind z. B.diese ganzen Bitcoin-Veranstaltungen u.ä. für die Tonne, weil die das Geldsystem nicht verstanden haben und Geld nur als Funktion betrachten aber die Entstehungseite zu sehr ausblenden, also die systemischen Bedingungen, um Geld im Kapitalismus zu emittieren.

Und da wir im privaten Kapitalismus und im globalen Wettbewerb wirtschaften, werden sich auch immer private Banken bilden, die um die knappen staatlichen Zahlungsmittel, welche nur die Zentralbanken schöpfen können, konkurrieren.
Keine Bank könnte sich also im Wettbewerb z. B. Nullzinskredite leisten, schon wegen der Kosten nicht (Bankmarge, Refinanzierungskosten etc.).

Zudem müsste sich die Bank um Einleger bemühen, welche diese Bank dann auch kostenlos oder freiwillig zu nominalen Nullzinsen refinanziert. Nominale Nullzinskredite existieren praktisch nur im Sozialismus, indem sich alle gemeinsam Kredit geben und gemeinsam das BIP produzieren, wobei dann eine Staatsbank die Zettel zum Tauschen der Güter ausgibt (ähnlich wie in der DDR).
Oder halt unter Verwandtschaften und Bekanntschaften, wo jeder dem anderen traut und keine win/lose-Situation erkennt.

Wenn dem n i c h t so wäre, wie die Geld-aus-dem-Nichts-Fraktion ja behauptet – denn die implizieren ja, dass Banken keine Refinanzierung brauchen, indem sie sagen, es braucht keine Sparer – dann bräuchten Banken sich über ihre Passivgeschäfte ja keine Sorgen machen.

Es bräuchte auch kein Liquiditätsrisikomanagment und Banken könnten dieses abschaffen und sich damit erhebliche Kosten sparen. Es bräuchte auch keine tragfähige Fristenstruktur mehr und auch kein Liquiditätsrisikoprofil. Refinanzierungskosten gäbe es auch nicht mehr - Halleluja und im Himmel ist Jahrmarkt.

Doch nur Avalkredite müssen nicht refinanziert werden. Die Gewährung von Geldkrediten ist mehr oder weniger immer mit einem Liquiditätsabfluss verbunden. Allerdings erlaubt die „Bodensatztheorie" im Rahmen der Fristentransformation auch die Refinanzierung langfristiger Bankkredite durch kurz- und mittelfristige Geldanlagen.

Das kommt aber überwiegend nur für große Universalbanken in Frage, und durch die neuen Bandenregulierungen ist auch die Fristentransformation beschränkt worden. Ab 2015 ist zunächst die sog. „Liquidity Coverage Ratio" einzuhalten.


Sie bestimmt, dass kurzfristige, innerhalb der nächsten 30 Tage fällige Zahlungsverpflichtungen der Bank durch das Vorhalten liquider Vermögenswerte – insbesondere Bargeld, Zentralbankguthaben und Staatspapiere – zu sichern sind. Ab 2018 kommt noch die sog. „Net Stable Funding Ratio" hinzu, die die Fristentransformation der Banken einschränken wird.

Eine andere Möglichkeit, die Refinanzierung zu umgehen, ist das untertägige Clearing, welches auch auch in nationalen Giroverbünden stattfindet, mittels denen die Zu- und Abtransferierungen von ZBGeld aufgerechnet werden und zum Ende des Banktages nur noch der Saldo transferiert wird.

Beim Clearing werden multilaterale Verrechnungen von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen den Teilnehmerbanken von Clearinggesellschaften vorgenommen wie CLS Bank, CHAPS, CHIPS, SIC, Clearstream u.v.m.

Diese haben eine besonders hohe Bedeutung beim Wertpapier- oder Devisenhandel an den Finanzmärkten. Wobei hier Sicherheiten / assets „hinterlegt" werden müssen von den Teilnehmerbanken (z. B. erstklassige Wertpapiere).

Aber auch diese Art der Überweisung räumt nicht den Bedarf des Zentralbankguthabens gänzlich aus dem Weg. Es braucht aufrechenbare Zu- und Abtransferierungen von ZBGeld. Da reichen keine aufrechenbare Annahmen, dass im Laufe des Banktages noch ZBGeld zufliesst. Aus diesem Grunde ist die Teilnahme an solchen Verfahren mit dauerhaften, scharfen Bonitäts- und Liquiditätsprüfungen verbunden; d. h. der Bedarf an Zentralbankguthaben wird so oder so berührt.

Geschäftsbankengeld kann also durchaus - keine Frage - auch unabhängig von der Nachfrage nach Zentralbankgeld bei der Zentralbank die gesamtwirtschaftliche Nachfrage erhöhen, allein schon dadurch, indem Banken sich

a) bi-/multilateral ihre Verbindlichkeiten aus Zentralbankgeld saldieren oder
b) Interbankenverbindlichkeiten aufbauen, sich also bereits vorhandenes knappes Zentralbankgeld im System gegenseitig verleihen (auch zu niedrigeren ZInsen als den Leitzins), was die Abhängigkeit von Wertpapierpensionsgeschäften (WPPG) mit der Zentralbank und somit dessen Einfluss auch über den Leitzins verkleinert.

Ob man das nun radikal ändern muss, indem man den Banken die Geldschöpfung ganz aus der Hand nimmt und man wieder zur zentralen „monetaristischen" Geldmengensteuerung übergeht und dann alles besser wird, oder ob es reicht, die Geldschöpfung der Banken und vor allem die Schattenbanken und den Finanzmarkt mehr zu regulieren, da streiten sich die Lager.

Bei der realen Umsetzung wurden die Nachteile des Monetarismus in der Vergangenheit ja stets deutlich, weil zentrale Institute niemals genau wussten, welche Geldmenge angemessen ist.
Einer der Nachteile des klassischen Monetarismus ist der, dass er hinsichtlich der Zunahme der Geldmenge nicht differenziert, wofür Kredite verwendet werden. Dies ist jedoch, wie die jüngste Vergangenheit zeigt, wichtig. Doch das können nur die Privaten am besten entscheiden alles andere wäre wieder Planwirtschaft
Egal ob die Institution nun Zentralbank heißt oder „Monetative“ oder als jüngsten abstrusen Vorschlag sich in einem Computeralgorithmus vom Finanzamt verbirgt, der unsere Geldmenge bestimmt.

Die Geldmenge ergibt sich aber aus der Summe der Neuverschuldungspläne bzw. aus der individuellen unterschiedlichen Bonität der Kreditnehmer und aus den Tilgungsplänen.

Wieviel Bonität allerdings der individuelle Kreditnehmer auf dem Markt hat, und wie hoch das jeweilige Kreditrisiko ist, welches sich aus dem Marktänderungsrisiko oder Zinsänderungsrisiko ergibt („externe Schocks“ mal außen vor), dass kann keine zentrale geldpolitische Einrichtung effektiv bestimmen. Es geht präventiv betrachtet bei der Geldschöpfung letztlich nur darum, dass private oder staatliche Kreditausfälle nicht „systemrelevant“ werden, welche gar einen Bail-out erzwingen. Jeder Schuldner haftet also selbst für seine Eigenkapitalverluste.

Obwohl selbst Milton Friedman sich allerdings von einer zu extremen Geldmengensteuerung distanziert hatte, gibt es dennoch immer noch Monetaristen, die eine strikte jährliche oder gar monatliche prozentuale Zunahme der Geldmenge fordern.

Wir müssen also im Auge behalten müssen, dass eine ZBGeld-unabhängige Kreditschöpfung seitens der Banken auch heute nur sehr begrenzt möglich ist und sich daraus keine Geld-aus-dem Nichts-Theorie stricken lässt. Es zeigt lediglich, dass Geschäftsbanken, wie eben ausgeführt, sich teilweise auch unabhängig von der ZBGeld-Nachfrage Schuldtitel bzw. Forderungen mit verschiedenen Risikoprofilen erzeugen können.

Von „Nichts" kann man aber erst reden, wenn es Banken nicht mehr gelingt, sich zu refinanzieren oder b) hinter den Kredittiteln tatsächlich „nichts" ist.

Wobei mit „nichts" gemeint ist, dass hinter den Kredittitel ein insolventer Schuldner steht, der nicht rechtzeitig zum Erfüllungstermin bedienen kann bzw. keine ausreichenden Risikorücklagen hat.
Ob der Schuldner dabei nun aus dem Finanzmarkt kommt oder aus der Realwirtschaft, ist völlig unerheblich dabei und wäre eine ideologische Debatte. Zumal viele Finanzmarkttitel (z. B. Zinsswaps etc.) mitunter weniger Risiko tragen können, als reale Investitionen.

Geld kommt wie schon gesagt, immer aus dem Nichts, egal wer es schöpft. Würde der Leistungstausch zeitlich aufeinander fallen, bräuchte es ja kein Geld.

Der Interbankenhandel zur Minimierung der ZBGeldnachfrage bei der Zentralbank funktioniert allerdings nur, wenn vollständiges Vertrauen herrscht unter den Banken, was nach der Krise kaum noch der Fall ist. Insofern vergrößert sich die Abhängigkeit der Banken von den Zentralbanken.

Ein anderes Problem für Banken sind die Fristen bei der Refinanzierung. Banken verleihen ZBGeld untereinander nur kurzfristig, z. B. zum „Eonia Zinssatz". Und auch die Erfüllungsfristen bei der Zentralbanken und im Interbankenmarkt sind begrenzt.

Für langfristige Kreditvergaben müssen sich Banken ergo überwiegend langfristig gebundene Finanzierungsmittel beschaffen, indem sie z. B. am Kapitalmarkt Hypothekenpfandbriefe und öffentliche Pfandbriefe ausgeben (meist von privaten Rentensparern gehalten). Dadurch steht der langfristigen Kreditvergabe zu festen Zinssätzen grundsätzlich eine ebenso langfristige Mittelbeschaffung gegenüber.

Oder sie werben um Festgeldverträge/Tagesgeldverträge etc., refinanzieren sich also mit ihrem eigenen Geschäftsbankengeld.

Das hat den Sinn, Abflüsse von ZBGeld durch Giro- Überweisungen zu verhindern und der Bank dadurch mehr Zu- als Abflüsse an Zentralbankgeld zu bescheren. Überweist der Kunde außerhalb des Systems, hat die Bank Abflüsse an ZBGeld. Je mehr Zuflüsse sie hat, also Überschussreserven bilden kann, desto mehr Kredite kann sie vergeben, ohne fristige verzinste Verbindlichkeiten aufbauen zu müssen.
Die Refinanzierung bei den eigenen Kunden (Fest-/Termin- Tagesgeld etc.) ist die beste Variante für eine Bank.

Zudem müssen Banken darauf achten, dass sie jederzeit einen Vorrat an hochliquiden Wertpapiere mit hoher Bonität im Portfolio bereithalten, um Refinanzierungen im Rahmen von WPPG zu ermöglichen. Greifen Banken auf Refinanzierung bei ihren eigenen Kunden zurück, bleiben diese allerdings unangetastet und stehen im vollem Umfang zur Verfügung für weitere Refinanzierungen.

Solange es also Konkurrenz unter Banken gibt, solange gibt es also auch Liquiditätsrisiken und somit Refinanzierungszwang für Banken, was die „Geldschöpfung aus dem Nichts" ebenfalls relativiert. Das heißt, je mehr Kredite Banken schöpfen, desto höher das Liquiditätsrisiko.

Bei allen Abwägungen von Pros und Cons komme ich allerdings zu dem Schluss, dass das zweistufige Bankensystem dennoch das beste ist in einem globalisierten arbeitsteiligen und anonymen Wirtschaftssystem, aber reformbedürftig.

Zum Geschäftsbankengeld mit dem dahinter liegenden staatlichem Geld gibt es mMn erst mal keine Alternative in einer kapitalistischen Eigentumsökonomie (wo die Ressourcenallokation über anonyme Märkte stattfindet), ohne noch alles schlimmer zu machen, wie es ist.

Es sei denn, es würde politisch gelingen, eine gänzlich neue kooperative auf solidarische Ökonomie basierende Wirtschaftsordnung zu implementieren. Nur so ließen sich Angebot und Nachfrage in Übereinstimmung bringen.

Dann gäbe es auch keinen Termin- bzw. Erfüllungsdruck für Schuldner und auch keinen Risikozinsen und keine Akkumulation von Vermögen, da kein Wettbewerb besteht.

Wer sich im Kapitalismus verschuldet, unterliegt hingegen immer dem Marktänderungsrisiko und hat keine Garantie, dass seine Produkte auch rechtzeitig zum Termin nachgefragt werden. Das Risiko vergrößert sich mit der Expansion der Märkte.


Denn je größer und komplexer die Märkte sind und je mehr konkurrierende Teilnehmer (Unternehmer, Haushalte, Staaten) es gibt mit unterschiedlicher Marktmacht und unterschiedlichen Nutzenpräferenzen, und desto mehr monetäres Ungleichgewicht gibt es. Kein Monetarismus oder „Gesellianismus“ oder österreichische Schule kann das ändern, denn es gibt niemals die Situation, dass sämtliche Nachfrage und Angebot zeitlich immer optimal zusammenfallen.

Wobei es eigentlich generell unwichtig ist, w a n n die Guthaben zu den Schuldnern kommen, also entweder nach und nach (Amortisation) oder etwas schneller. Entscheidend ist, dass der Schuldner sich nicht überschuldet hat und solvent bleibt bzw. seine Leistungen über die Zeit nachgefragt werden.
Solange seine Produkte dem Markt entsprechen, gibt es immer auch ein Guthaben, was auftaucht, um sein Produkt nachzufragen, entweder von den Guthabenhaltern /ENTsparern selbst oder irgendwo von einem Neuschuldner.
Wird nicht mehr nachgefragt, gehört er nicht auf den Markt und muss Platz machen für neues oder es bestand ein Produktionsüberangebot („Schumpter’sche Zerstörung“).

Letztlich kann profitorientierte Wirtschaft so oder so nicht ohne Nachschuldner auskommen. Die Länge der Kreditlaufzeit bestimmt letztlich nur die Zinsverteilung. Nun bleibt der Profit nicht mehr allein bei den nichtfinanziellen Unternehmen sondern verteilt sich auf die privaten Sparer und finanziellen Unternehmen.


Es ist also Unsinn, herbeizufabulieren, man müsse den Guthaben Beine machen (Zwangskonsum) bzw. aus buchhalterischen Identitäten ein vermeintlich wasserdichtes Welt- und Geschichtsbild und eine Kausalität zusammenzuphantasieren.

Und wenn Staaten sich verschulden, retten sie im Prinzip a) nur die Profite und Einkommen ihrer Unternehmen und deren Angestellten, was eigentlich zwar legitim ist aber von Keynes eigentlich nur antizyklisch gedacht war und b) ermöglichen den Sparern risikoloses Sparen.


Staaten verschulden sich aber überwiegend prozyklisch, auch aus politischen Machtinteressen, und erhöhen dadurch die monetären Ungleichgewichte. Wenn Banken sich mit diesen Staatsanleihen unbegrenzt frisches Geld von der Zentralbank besorgen können, verstärkt das die Boom-Zyklen noch zusätzlich.

Wobei man sich natürlich bewusst sein muss, dass es in einer modernen globalen Geldwirtschaft und in einem zweistufigen Bankensystem prinzipiell Grenzen gibt für eine nationale Zentralbank und ihrer Geldpolitik bzgl.. Steuerung der Geldmenge M3. Deshalb ist man ja auch vom Monetarismus abgekehrt.
Und je größer, offener und komplexer eine VoWi ist, und je größer vor allem die Finanzmärkte sind, um so schwieriger lassen sich private Geldmengen zentral regeln bzw. Geldströme analysieren.


Denn es ist stets offen, wie Konsumenten und Anleger mit der aufgebauten privaten Bankenliquidität umgehen, also wieweit sie in geldnahen Anlageformen (M3) bleiben oder in Aktien, Immobilien und Anleihen umschichten, was M3 wieder sinken lässt.

Durch diese Tatsache werden aber weder eine Zentralbank oder gar eine Geschäftsbank obsolet. Also die Beibehaltung beider Geldformen macht durchaus auch weiterhin Sinn im heutigen kapitalistischen System und zwar

a) aus Sicht der Zentralbanken, dass der Staat nicht gänzlich die Kontrolle über das Geld abgibt an die Privaten, insofern als dass die Zentralbank jederzeit allein bestimmen kann, welche Deckung sie hinter den gesetzlichen Zahlungsmitteln akzeptiert und die Banken zwingt, sich zu refinanzieren.

Die Zentralbank behält dabei überwiegend die Kontrolle über die gesetzliche Geldmenge, indem sie bestimmt, wie lange die Laufzeiten der eingereichten Schuldtitel sind und welche Qualität diese haben dürfen im Rahmen der Tenderauktionen.


Dabei haften die Zentralbanken als Währungshüter im internationalen Zahlungsverkehr auf höchster Ebene und garantieren, dass dieses Geld eine Währung ist, welche einem Wirtschaftsraum bzw. einer bestimmten Kaufkraft und breiten internationalen Akzeptanz zugeordnet werden kann, so dass ich mit dem Geld sämtliche Optionen auf dem Weltmarkt habe. Eine Währung spiegelt also immer die Wirtschaftskraft und Deckung eines Währungsraumes wieder.

Rein privates nichtstaatliches Geld wird von anonymen Privaten überwiegend nur innerstaatlich akzeptiert, solange Geschäftsbanken dazwischengeschaltet sind, welche i.d.R. die Deckung dieses privat geschöpften Geldes garantieren, indem sie selbst zusätzlich haften – also immer noch als der sicherste Schuldner gelten auf dem anonymen Markt – und zudem regelmäßig die Bonität der Unternehmen prüfen, indem sie z. B. den Markt analysieren und die Kreditwürdigkeit einschätzen und sich das Kreditrisiko zusätzlich mit Pfändern /Bürgschaften absichern lassen.

Dabei belasten Banken zusätzlich ihr Eigenkapital, was dann anderweitig nicht mehr verwendbar/belastbar ist.
Überall wo also anonym und privat gewirtschaftet wird, werden Banken gebraucht und auch Bankenliquidität nachgefragt, auch wenn diese verzinst ist.

b) aus Sicht der Geschäftsbanken, dass die Privaten nicht vollständig den Zentralbanken bzgl. der Kreditschöpfung ausgeliefert sind, also einer zentralen Steuerung der Kreditvergabe über die Priorisierung von „produktiven Krediten". Denn dann müsste die Zentralbank allein bestimmen, was „produktive Kredite" sind. (Der Staat weiß es besser als die Privaten, was wir aus dem Sozialismus kennen).


Die ZB würde dan allein die einzig relevante Geldmenge festlegen, wo wir wieder beim Monetarismus wären.
Doch je mehr Spielräume die Privaten für eigene Kreditpläne mit verschiedenen Risikoprofilen haben, ohne dass eine Zentralinstanz hier geldpolitisch zu sehr „reinpfuscht", desto optimaler gestaltet sich die Liquiditätsverteilung auf dem freien Markt und desto dynamischer und effektiver die Wirtschaft.
Denn die Privaten wissen i.d.R. am besten, wieviel Kredit sie schöpfen wollen und somit, wieviel Geld sie brauchen, um ihre Investitionspläne umzusetzen.

Hier hatten wir allerdings die Gefahr, dass Kreditrisiken bilanziell verschleiert wurden bzw. die private Kreditschöpfung zu überoptimistisch war
(Leveraging) und die Zentralbanken die Kontrolle zu sehr verloren haben. Das hat auch im Zusammenhang mit den globalen Finanzmärkten und der Ausweitung der überwiegend noch deregulierten Schattenbanken zu tun. Hier wurde schon einiges auf den Weg gebracht, besteht aber noch weiterer Handlungsbedarf.

Alles in allem können wir festhalten, dass Banken letztlich doch stets auf Zentralbankgeld angewiesen sind und sich halt nicht gegenseitig anschreiben lassen, ohne dass ZBGeld fließt, oder dass die Clearingsalden stets „um die Mindestreserve schwanken" bei den Banken, wie einige behaupten.

Wie hoch also die Geldmenge M1 relativ zu M0 ist in den Endbilanzen, ist wenig aussagekräftig. Entscheidend ist, dass sobald M1 durch Überweisungen im inner- /außereuropäischen Raum transferiert wird, überwiegend auch ZBGeld nachgefragt wird, entweder bei der ZB bzw. Interbankenmarkt oder am Kapitalmarkt.

Besonders durch die neue Bankenreform wird die Abhängigkeit der Geschäftsbanken von den Zentralbanken wieder vergrößert.
Es ist also stets ein Zusammenspiel zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken, welches zwar nicht immer optimal verläuft, gerade weil die Märkte heute sehr komplex sind und Geldströme international sind, aber jegliche Alternativen haben mich bis jetzt nicht überzeugt, als dass sie in der Praxis taugen würden.

Gruß

12:07 13.09.2015
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