Warum es keine alternat. GELDREFORMEN braucht

GeldreformER Bevor der Staat nicht verschwindet und wir endlich wieder zu kleinen Solidargemeinschaften zurückkehren (vgl. Martin van Creveld) ist eigentlich niemals Ruhe im Karton
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Warum es keine alternativen GELDREFORMEN braucht

Bevor der Staat nicht verschwindet und wir endlich wieder zu kleinen Solidargemeinschaften zurückkehren (vgl. dazu Martin van Creveld) ist eigentlich niemals Ruhe im Karton.
Denn der Staat ist eine a-menschliche Erscheinung, die vor ca. 5000 Jahren durch Waffenmachtausübung entstanden ist. Leider haben wir nichts anderes mehr, und da gibt es kein Zurück mehr.

Denn in kleinen Solidargemeinschaften zu produzieren, hieße autark zu produzieren (profitlos zu produzieren) mit allen Konsequenzen, vor allem einen niedrigen Lebensstandard, weil alles teurer wird. Denn ein autarkes Land kann nur ein begrenztes Güterangebot bereitstellen und steht laufend im Außenhandel, schon allein wegen der benötigten Rohstoffe und Vorleistungen. Es hätte auch keinen Zugriff mehr auf externe Investoren und somit wäre die interne Kreditschöpfung sehr begrenzt, der Wohlstand insgesamt ginge zurück.

Da wir aber heute arbeitsteilige Hyperkollektivgesellschaften sind, die überwiegend auf Basis von Privateigentum wirtschaften und alle auch irgendwo vom Kapitalmarkt abhängen, müsste Wirtschaft durch einen neuen Gesellschaftsvertrag „sozialistisch" bzw. kooperativ organisiert werden, um den Zwängen des Marktes und dessen Störungen zu entkommen.. Das gilt auch für die transnationale Wirtschaft/Produktion.
(Unter Kooperation meine ich nicht Kooperation zur Steigerung der Profite und Marktmacht im Wettbewerb).

Ob und wann sich der Kapitalismus zukünftig erneut in einen staatlichen Sozialismus umwandeln wird, aber in anderer Form als in der DDR, steht in den Sternen.
Ich will nur deutlich machen, dass jeder alternative Geldansatz mit freien Markt und Privatwirtschaft bzw. Kapitalismus nicht vereinbar ist und schon gar nicht in offenen globalen und anonymen Volkswirtschaften.

Terminloses Wirtschaften (ohne Zins) oder ohne Marktmacht und Akkumulation gibt es nur in Solidarstämmen-/Familien oder sozialistischen Kollektiven/Genossenschaften, wo kein Wettbewerb aber Vertrauen herrscht – Ich nenne das hier Produzieren im Gegensatz zum Wirtschaften. Aber selbst dort gibt es (allerdings gemeinsame) Erfüllungstermine.

Wenn es dann mal soweit ist, und die Wirtschaft sozialisiert wird, dann geschieht das sowieso aus systemischen Zwängen heraus bzw. durch politischen Konsens sprich einen neuen Gesellschaftsvertrag, weil alle kollektiv erkennen, dass Wirtschaft über Märkte nicht mehr funktioniert, und über diese Märkte nicht mehr Einkommen für alle gesichert werden können. Es kommt folglich zu immer mehr Verteilungskämpfen, was sich heute immer mehr andeutet, oder halt zu freiwilligen Verteilungen.

Doch wenn freie Märkte dann irgendwann nicht mehr funktionieren, schon deshalb, weil die privaten Nachschuldner ausgehen, dann braucht es die ganzen Mätzchen mit Negativzins etc. gar nicht. Dann braucht es noch nicht mal Geld und es gibt auch keinen Zins bzw. Profit.

Es braucht auch keine unzulässigen Simplifizierungen, dass unsere Schulden aber doch auch Guthaben haben und wenn wir alle irgend etwas erfinden würden, dass die Guthaben zu den Schulden treibt, dann sinkt die Verschuldung und die Wirtschaft wird wieder stabil. Dass das verkürzter Unsinn und reine Theorie ist, konnte ich in anderen Beiträgen schon schlüssig darstellen.
Private Schulden sind zudem immer eine Wette auf die Zukunft auf freien Märkten, sowohl für Kreditnehmer als auch für Gläubiger, die halt aufgehen kann oder nicht. So lange sie aufgeht, können beide profitieren, ob nun Unternehmen, Haushalt oder Staat. Und profitieren können alle solange, wie gewirtschaftet wird und laufend Neuverschuldungszwang/-drang geschaffen wird.

Der Kreditnehmer profitiert beim Kredit sofort, weil er sofort Kaufkraft hat mit dem Kredit und er Zeit gekauft hat zum wirtschaften. Nun kann er sofort Umsätze machen und Einkommen erzielen, was es sonst nicht könnte. Er muss aber über den Wettbewerbsmarkt an die wertvollen Schuldentilgungssmittel herankommen, indem er sein Angebot interessant macht auf dem Markt und (künstliche) Nachfrage schafft, das gilt sowohl für ganze Staaten als auch für einzelne Unternehmer. Führt sein Kredit nicht zur Produktivitätssteigerung, muss es irgendwann auf Schuldner- und Gläubigerseite ausgebucht werden, was eigentlich kaum tragisch ist oder weniger dramatisch, würden nicht künstliche Kreditblasen geschaffen, zum Teil über den Finanzmarkt, der ganz neue Schatztruhen öffnet, also auch über Staaten, die sich zu leichtfertig verschulden. Dadurch kann die deflationäre Fallhöhe irgendwann heftiger ausfallen.

Der übermäßige Aufschuldungszwang bzw. die Kreditblasen hingegen entstehen nicht wegen der Guthaben, die verspätet konsumieren. Will man mehr allerdings mehr Stabilität, müsste man die spekulative Kreditschöpfung begrenzen und einen wirksamen fiskalischen Keynesianismus betreiben. Das gestaltet sich aber wegen der Globalisierung immer schwieriger. Keynesianismus funktioniert am wirkungsvollsten in geschlossenen Volkswirtschaften oder halt durch internationale Kooperation, was sich schwierig gestaltet, wenn Staaten selbst untereinander im Wettbewerb sind und um Profite und internationales Kapital ringen.

Auch „Vorratssparen" /Gutscheinsparen für das Alter, was ich schon alles gelesen habe, kann der Geldvermögensakkumulation (Ansparen von Forderungen) nicht aushebeln im Kapitalismus; es sind sozialistische Modelle, wo alle gemeinsam haften und kein Wettbewerb zwischen Unternehmen besteht.
Dann würden die Unternehmen (z. B. Infrastruktur wie Energie und Verkehr u. ä.) vergesellschaftet und alle könnten Anteile sparen an diesen Unternehmen, indem sie ihr Geld dorthin geben und Fahrscheine oder kwh ansparen. Natürlich ohne Dividenden und Zins. Alles andere wäre wieder kapitalistisch.
Doch dann bräuchte es eigentlich kein anonymes Geld mehr, sondern nur noch Bezugsscheine (wie das „Nichtgeld") in der DDR.

Geldreformer unterliegen nun dem Irrtum, man könnte den globalen Kapitalismus entweder „reparieren" oder gar aushebeln bzw. die Gesellschaft transformieren, indem man die Geldschöpfung verändert, entweder ohne Banken oder mit einer staatlichen Vollgeldbank.

Bei letzterer haben schon die Monetaristen schlechte Erfahrung gemacht, dass sie die Geldmenge bzw. Booms und Busts nie effektiv regulieren konnten. Schon gar nicht in großen und offenen Volkswirtschaften, wo Kapitalströme kaum noch zu regulieren sind. Und nun kommen tatsächlich einige daher und meinen, mit ein paar Stellschrauben (Negativzins und Kreditsteuer oder BGE) ginge das plötzlich und man könnte stets ohne Deflation und ohne Instabilität wirtschaften. Schade, dass das nur Gehirnmodelle sind, die zwar in sich tautologisch immer stimmen und auf den ersten Blick schlüssig erscheinen – ähnlich wie mit der mathematischen Neoklassik, die in sich ja auch schlüssig und stimmig ist – aber mit der Realität oftmals halt wenig zu tun hat.

Geschäftsbankenloses Geld hingegen unterliegt einem Vertrauens- bzw. Akzeptanzproblem, aber auch einem Kontrollproblem hinsichtlich der Geldschöpfer und der regelmäßigen Leistungserfüllung des Kreditnehmers. Von daher funktionieren diese Währungen auch nur komplementär in Anlehnung oder Parität an große staatliche Währungen.

Überall wo Kapitalismus und vor allem Anonymität und Konkurrenz herrscht, werden sich von daher auch Banken immer zwangsläufig mitentwickeln. Denn trotz Bankenkrisen sind Banken immer noch der sicherste Schuldner.

Die Banken finanzieren für die Wirtschaftenden illiquide Aktiven mit liquiden Passiven (ihre Schulden gegen sich selbst) Sie produzieren für die Wirtschaft Liquidität und sind damit eigentlich immer illiquid. Nur das Vertrauen der Einleger und anderer Geldgeber verhindert, dass eine Bank illiquid wird. Das Vertrauen wird zusätzlich gestärkt durch die Zentralbanken.

Geschäftsbanken sind ergo generell dazu da, private Schulden zu übernehmen in einer anonymen Wirtschaft! Ihre Hauptfunktion ist ja eben genau das Schuldenmanagment – das ist geradezu ihr Zweck, was die Privaten unter sich, die sich alle nicht kennen, halt nicht erfüllen können.
In einer anonymen Wirtschaft, welche auf Eigentum, Vertragsfreiheit und Schuldrecht basiert, bilden sich somit gezwungenermaßen auch immer Banken, welche für uns alle laufend Liquidität schafft, die wir sonst nicht hätten, da in einer anonymen Wirtschaft keiner dem anderen traut und kennt.
Und dadurch können sich die Wirtschaftenden Zeit erkaufen, wofür sie auch bereit sind, Zinsen zu zahlen.

Das Bankensystem incl. Zentralbank als oberste Kontrollinstanz liefert dazu Prüfungs- und Besicherungsmechanismen, um die Schulden der anonymen Kaufüberschüssler (vor allem auch international) übertragbar zu machen und auch das Thema TERMIN darzustellen, ohne dass jede Schuld ein Geschenk ist.

Gerade deshalb, weil das aus der Schuld empor gehobene Geldsystem (Machtsystem) nur mittels dem „Vertrauen in das Geld", d. h. in das Recht aus dem Inhaberpapier, funktioniert, bedarf es einer kontinuierlichen Besicherung der Geldauszahlungen und Zession von Guthaben über gesetzliches Zentralbankgeld (das Hinterlegungsprozedere von Staatspapieren / Kredititeln inkls. für die Haftung tauglichen Sicherheiten). Wären die öffentlichen Haushalte nur zum Ende einer Steuerperiode zur Besicherung verpflichtet, dann würde dieses Grundfundament des zweistufigen Zentralbanksystems zerbrechen. Denen, die Ansprüche gegen das EURO-Währungsgebiet halten, wäre jegliches Vertrauen in die Haftbarkeit der Schuldner innerhalb der EURO-Zone genommen.

Die Masse giert heute nach dem dreifach besicherten Monopolgeld, um sich entschulden zu können.
Waren und Dienstleistungen erbringt niemand ohne sich zu verschulden, in Vorleistung zu treten. So rollt die ganze Nummer an. Ein ständiges Versprechen, dass morgen mehr da ist, als gestern. Und siehe da, das Gehalt kommt am Monatsende. Nicht wegen der Waren und Dienstleistungen, auch wohnte es nicht in einer Maschine oder einer Kuh, sondern weil die Produktions- und Dienstleistungsketten unserer Weltwirtschaft sich vorfinanzieren (bei anderen verschulden) konnten und dieses gültige Versprechen (Geldschuld) an dich abgeben.

Und weil nicht jeder jedem seinen Glauben schenkt, gibt es Geld, welches nichts anderes ist als umgewandelte bzw. gespiegelte Schuld. Wer in diesen Spiegel blickt, wer Geld in seiner Hand hält, der hat das Vertrauen, der hat „Sicherheit" zumindest weitgehend und auch erst mal in der Zukunft. Denn letzteres wird von höchster Stelle und durch die Masse der Haftenden besichert, dadurch, dass wir alle unsere „Anrechte am Eigentum" abtreten und Kreditinstitute diese bei den Zentralbanken hinterlegen.

Unser System ist insofern alternativlos, als dass wir nicht fähig sind, einen gemeinsamen Gesellschaftsvertrag zu bilden bzgl. der Ressourcenverteilung.

Indem man hingegen das Geld ändert, ändert man nicht die grundlegenden Probleme, welches sich aus dem globalisierten Kapitalismus und der (trans-) nationalen Konkurrenz ergeben bzw. dem Misstrauen unter den anonymen
Wirtschaftenden und die Unfähigkeit zur Autarkie. Zumal Menschen von Kind an das heutige System mit all den Verheißungen konditioniert werden. Durch eine Geldänderung wird die Konditionierung jedenfalls nicht aufgehoben.

Insofern sind diese ganzen Geldreformmodelle für mich nur folkloristische Augsburger Puppenkiste, welche vor allem Selbstdarstellern eine Bühne bieten, aber keine praktischen Lösungsansätze bieten.
Zumal jeder sein eigenes Süppchen unter diesen Grüppchen kocht und seine eigene Ideologie hat.

Eine Transformation der Gesellschaft von unten her halte ich sowieso immer mehr für fragwürdig. Die großen Weichenstellungen und gesellschaftlichen Veränderungen werden doch eher politisch gefällt werden müssen und die Überwindung des Kapitalismus wird sich doch eher, wie schon gesagt, durch externe Zwänge ergeben, wenn alle merken, es geht nicht mehr.

Meine Prognose:
Solange die Mehrheit noch materiellen Wohlstand hat, und solange es noch Wachstum und Märkte gibt, wird das ganze Spiel noch ein paar ordentliche Runden machen.
Die Transformation wird nicht durch neue Geldmodelle eingeleitet, welches uns nur neue Probleme bereiten würden, sondern u.a. durch neue Technologien, welche die systemischen Zwänge zur gesellschaftlichen Transformation herstellen werden, wenn die Geldmenge immer knapper wird und immer mehr Befreiung aus dem ersten Arbeitsmarkt stattfinden wird, was zu vermehrten Nachfrageausfällen führt. Der Staat wird mit immer mehr staatlich unterstütze Arbeitsplätze alimentieren oder steigende Sozialleistungen und Renten zahlen müssen.

Die Staaten werden irgendwann gezwungen sein, fiskalisch aber auch geldpolitisch zu kooperieren, was sich jetzt schon ansatzweise andeutet.

Gruß

10:31 14.08.2015
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