Der letzte Rapper

Nachruf Mit "Licensed To Ill" sicherten sich die Beastie Boys vor einem Vierteljahrhundert ihren Platz im Triumvirat des New School HipHop. Adam Yauch aka MCA starb nun mit 47 Jahren

„Get up and groove with the rhythm in your soul“, rappt Adam Yauch in Pass The Mic, es ist 1992 die erste Single zum dritten Album der Beastie Boys, schlicht nach dem Prinzip des Rap benannt, das Mikrofon nach den eigenen Reimen an den Nächsten weiterzureichen. Man hatte die Beastie Boys damals fast schon wieder abgeschrieben. Die erste große Welle des New School HipHop war gerade durch, zu dessen Triumvirat sie gehört hatten.

Run DMC waren die Kings Of Cool mit Lederjacken und Adidas-Sneakers, Public Enemy die martialisch-militanten Polit-Rapper und die Beastie Boys die White-Trash-Rüpel mit den herumfliegenden Budweiser-Dosen und den großbrüstigen Gogo-Tänzerinnen auf der Bühne. „Fight For Your Right To Party“ – es war ein Konzept, das HipHop überhaupt erst für eine auch weiße Mehrheit öffnete, aufgeladen mit wilden Gitarrensamples, auf Spaß-Randale gebürstet und so weit entfernt von „politisch korrekt“ wie man es sich nur vorstellen konnte. Licensed To Ill, ihr Debütalbum von 1986 hat bis heute keinen Staub angesetzt, es ist immer noch ein machtvolles Instrument, um Nachbarn zur Verzweiflung oder Partys zum Überkochen zu bringen.

Gegründet nach einem Konzert der Hardcore-Legende Black Flag, begannen die Beastie Boys als eine von unzähligen New-York-Hardcore-Bands, bis einfach der Gitarrist durch einen dritten Sänger ersetzt wurde. Die Band bestand fortan aus drei Rappern und traf mit Russell Simmons und Rick Rubin, den Gründern von DefJam, dem später einflussreichsten HipHop-Label der Welt, auf die richtigen Leute zur richtigen Zeit. Mit offenem Mund verfolgte die Musikszene den Triumphzug der drei, es gibt hinreißende Bilder aus dieser Ära, auf denen die Youngsters mit Billy Idol oder David Lee Roth posieren, irgendwie schienen sie da selbst noch nicht zu glauben, was mit ihnen passiert war.

Die Neunziger waren ihr Jahrzehnt

Der Bruch mit DefJam kam schnell, ihr Zweitling schockte mit einer Orgie an kunstvoll verdrechselten Samples und dem Verzicht auf den simplen Hit. Es war ein so radikaler Bruch mit dem Erfolgsrezept, dass ihn damals kaum jemand mitvollziehen wollte. Erst heute gilt Paul's Boutique als Meilenstein der Musikgeschichte. Dann kam Check Your Head mit seinem vereinnahmenden Funk- und Jazz-Verständnis, das bruchlos Flötensamples, Scratch-Einlagen, Hammond-Orgeln und Hardcore-Gitarren nebeneinander stellte, HipHop neu definierte und die Neunziger zum Jahrzehnt der Beastie Boys machte.

Adam Yauch, der auf der Bühne als MCA firmierte, wurde in Brooklyn geboren, bekannte sich zum Buddhismus, holte den „Free Tibet“-Gedanken in die Popkultur, drehte selbst Videos – das immer noch spektakulär gute „Sabotage“-Video seiner Beastie Boys stammt indes von Spike Jonze –, er hatte eine Firma, mit der er Independent-Filme produzierte, betrieb mit seiner Band das eigene Plattenlabel und die eigene Streetwear-Marke. Die Beastie Boys waren in den Neunzigern der Inbegriff von Style und Smartness, auf eine angenehm Art freilich, gleichzeitig intelligent und „street“, was man damals wie heute nicht nur im HipHop meist vergeblich sucht. Im neuen Jahrtausend wurde es ruhiger. Den 9/11-Schock arbeiteten sie mit dem anrührenden Oldschool-Album To The 5 Boroughs auf, das Spätwerk Hot Sauce Committee musste dann schon verschoben werden, weil man bei Yauch Krebs diagnostiziert hatte. „Don’t Play No Game That I Can’t Win“ heißt einer der Songs auf dem im letzten Jahr dann doch noch erschienenen Album der Beastie Boys, ein weiteres wird es wohl nicht mehr geben. Am 4. Mai starb Adam Yauch im Alter von 47 Jahren in einem Krankenhaus in Manhattan.

Jetzt schnell sein!

der Freitag digital im Probeabo - für kurze Zeit nur € 2 für 2 Monate!

Geschrieben von

Freitag-Abo mit dem neuen Roman von Jakob Augstein Jetzt Ihr handsigniertes Exemplar sichern

Print

Erhalten Sie die Printausgabe zum rabattierten Preis inkl. dem Roman „Die Farbe des Feuers“.

Zur Print-Aktion

Digital

Lesen Sie den digitalen Freitag zum Vorteilspreis und entdecken Sie „Die Farbe des Feuers“.

Zur Digital-Aktion

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen