INTELLIGENZ macht unfruchtbar

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Intelligenz, die große Unbekannte, umgibt sich gerne mit Großbuchstaben, und neuerdings ist wieder viel von ihr von die Rede. Intelligenz ist wie SEX – jeder fühlt sich automatisch angesprochen.

Intelligenz sells, egal, ob es um Partnerwahl, Kinderspielzeug, so genannte Integration oder Bewerbungsunterlagen geht. Was kauft man davon ab? Ich habe mich von Dr. S. anregen lassen und ein bisschen über Intelligenz nachgedacht:

Intelligenz kann man messen, glauben viele; zuRecht sei sie ungerecht verteilt – aus biologischen, mithin unanfechtbaren Gründen –, und daran könne man auch nichts ändern, denn neuerdings hat sie auch wieder gaaanz viel mit Blut zu tun:

„Egal, wie durchlässig ein Bildungssystem ist, immer und überall gilt die Logik: Je durchlässiger das System, desto schneller und eher blutet die Unterschicht intellektuell aus.“ (Thilo Sarrazin, Deutschland schafft sich ab, S. 84)

Der ungleichen Verteilung der Intelligenz auf verschiedene Regionen, Religionen und soziale Schichten müsse man Rechenschaft tragen, indem man gezielt hegt und pflegt – und Unkraut „auswachsen“ lässt.

Intelligenz ist nach Dr. S. ein gar störungsanfälliges und gefährdetes Pflänzchen: Zu viel Dummheit erdrückt sie, erstickt sie, und dann kann sie nicht mehr wachsen, geht einfach unter in der Unterschicht:

„Die qualitativen Verschiebungen in der Geburtenentwicklung in Deutschland und deren langfristige Folgen, nämlich

-Relative Zunahme bildungsferner Schichten

-Starke Abnahme der Nachfahren bildungsnaher Schichten

-Homogame Partnerwahl der bildungsnahen Schichten

bewirken, dass der Anteil wie auch die Anzahl der intelligenten Glieder in der deutschen Gesellschaft abnehmen wird, während der Anteil der nach heutigen Maßstäben unterdurchschnittlichen Intelligenz wächst.“ (ebd, S. 353)

Den Survival oft he fittest hat die Intelligenz noch nicht verstanden:

„… die Herstellung von Chancengleichheit muss jedoch dort Grenzen finden, wo sie in eine Benachteiligung der Kinder mit bildungsnaher Herkunft umschlagen würde…“ (ebd, S. 224)

Die Bildungsnahen sind intelligent genug, sich für intelligent genug zu halten, um als intelligent zu gelten, denn: „Bildungsnähe“ und Intelligenz sind nahezu identisch:

„Dass in Deutschland überdurchschnittlich viele Kinder in sogenannten bildungsfernen Schichten mit häufig unterdurchschnittlicher Intelligenz aufwachsen, lässt uns schon aus rein demographischen Gründen durchschnittlich dümmer werden.“ (ebd, S. 100 – man beachte das interessant verwendete uns!)

Besonders intelligent ist die Argumentation, die die Begründung von Dummheit mit Dummheit begründet:

„Es kommt hinzu, dass die Abhängigkeit der Intelligenz vom sozioökonomischen Status mit dem Intelligenzgrad zunimmt. Je ausgeprägter die Hochbegabung, desto höher also der Herkunftsanteil der Oberschicht und der oberen Mittelschicht.“ (ebd, S. 226)

Intelligenz kann man auch testen wie Waschmittel oder Spülmaschinen: Es gibt Kriterien! Aber mittlerweile hat sie sich selbst überholt: Früher hatte Intelligenz mal mit lesen zu tun, mit wählen und mit irgendwas dazwischen.

Neuerdings hat Intelligenz ausschließlich mit rechnen zu tun, mit Zahlen. Intelligent ist, wer es in der Berechnung so weit bringt, dass er für Argumente, die außerhalb dieser Disziplin und mithin außerhalb der Wahrnehmung des Rechenschiebers liegen, unempfänglich wird. Eine Prämie in Höhe von 50.000 Euro für Akademikerinnen im gebärfähigen Alter, also

„für jene Gruppen, bei denen eine höhere Fruchtbarkeit zur Verbesserung der sozioökonomischen Qualität der Geburtenstruktur besonders erwünscht ist“ (ebd, S. 390)

wäre deshalb fehlinvestiert: Der Schoß bleibt trocken. Sie ziert sich halt gern, diese Zierpflanze.

Intelligenz – die Geheimnisvolle… Uh! Ohne die nichts geht und nichts kommt. Ohne die wir verkümmern. Man müsse sie fördern, erzeugen, vererben und gebären. So spricht eine erlesene Elite von Auslese, als wären Menschen Gemüse und betreibt dabei ihre Erbsenzählerei für ein schrumpfendes Land.

Das Dumme dabei: Leben - rechnet sich nie.

17:11 07.10.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Katharina Körting

„Die Welt ist voll von Sachen, und es ist wirklich nötig, dass sie jemand findet.“ (Pippi L.)
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