Alles so schön bunt hier

Google-Manifest Der Tech-Riese gibt sich progressiv, doch auch er muss sich mit Sexismus und Rassismus auseinander setzen
Johanna Montanari | Ausgabe 34/2017
Alles so schön bunt hier
Außen hui, innen pfui?

Foto: Tibrina Hobson/Getty Images

Was hier aufeinandertrifft, sind Politik, die sich Diversität zum Ziel gesetzt hat, und rechte Positionen, die sich mainstreamtauglich in die Debatte einbringen. Ein Angestellter von Google ließ ein zehnseitiges Manifest intern zirkulieren, das er in beinahe wissenschaftlichem Ton mit großem Ernst verfasst hatte. Darin erklärte er das Fehlen von Frauen in Technik-Jobs mit unterschiedlichen Vorlieben und Fähigkeiten von Männern und Frauen, die er auf biologische Unterschiede zurückführte. Außerdem beklagte er, dass Konservative im Unternehmen nicht offen zu ihren Meinungen stehen könnten. Anfang dieses Monats wurde das Dokument geleakt und zog weitreichende Empörung nach sich. Googles Leitung reagierte schnell. Das Dokument spiegele nicht die Ansichten des Unternehmens wider.

Google gibt sich besonders familienfreundlich und wirbt mit seinen progressiven Idealen. Doch die Vorwürfe gegen den Tech-Riesen gehen über das geleakte Manifest hinaus. Schon im April hatte das US-amerikanische Arbeitsministerium festgestellt, dass Frauen bei Google schlechter bezahlt werden. Die Diskriminierung sei extrem. Mehr als sechzig momentane und ehemalige Mitarbeiterinnen überlegen momentan, Google zu verklagen. Nun wird auch der Rassismus bei Google diskutiert. Mehrere nicht-weiße Frauen gaben an, deswegen gekündigt zu haben.

Das alles ist wenig überraschend. Wie die meisten der Silicon-Valley-Unternehmen sind die Mitarbeiter bei Google zu großer Mehrheit männlich und weiß oder asiatisch. Nur 20 Prozent sind Frauen, nur zwei Prozent afroamerikanisch.

Inzwischen hat Google den Autor des Manifests gefeuert. Von der Alt-Right-Bewegung wird er als Held gefeiert. Bei Breitbart spricht man von einer „Hexenjagd“ der „politisch Korrekten“ gegen ihn. Es ist die bekannte „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“-Manier, die Sprechverbote behauptet, um die Konfrontation mit Sexismus und Rassismus zu vermeiden.

Besonders bezeichnend ist ein Punkt im Manifest. In dem fordert der Autor, Empathie doch bitte weniger zu betonen. Sich in die Schmerzen des Gegenübers einzufühlen, sei nicht förderlich dafür, vernünftig über Fakten zu diskutieren. Offensichtlich eine Position, die sich nicht vorstellen kann, betroffen zu sein. Menschen, die Diskriminierung ansprechen, Gefühlsbetontheit vorzuwerfen, ist auch eine klassische Strategie, um sich nicht konfrontieren zu müssen.

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