Frauenrechtsaktivistin Amira Osman ist frei

Sudan Die Aktivistin Amira Osman wehrte sich gegen das autoritäre Regime und landete dafür oft im Gefängnis. Diesen Februar kam sie auf internationalen Druck hin frei. Weniger prominente Mitstreiterinnen haben nicht so viel Glück
Amira Osman
Amira Osman

Foto: Ashraf Shazly/AFP/Getty Images

Es ist jetzt drei Jahre her: Im April 2019 wurde der autoritär regierende sudanesische Staatschef Umar al-Baschir nach fast 30 Jahren Amtszeit gestürzt. Nach seinem Sturz hatten sich Militär und zivile Organisationen auf eine Übergangsregierung geeinigt, doch Ende Oktober 2021 übernahm das Militär, geleitet von General Abdel Fattah Burhan, die alleinige Macht und verhängte den Ausnahmezustand über die ehemalige britische Kolonie.

Es gibt weiterhin zivilgesellschaftliche Proteste gegen die Militärregierung, die viele für eine Fortführung des Regimes von al-Baschir halten. Sie fordern eine tatsächliche Demokratisierung des Landes. Auch die durch den Krieg in der Ukraine gestiegenen Brotpreise sind ein Thema. Zivilgesellschaftliche Proteste enden oft blutig. Seit dem Putsch im Oktober sollen Sicherheitskräfte laut Al Jazeera 94 Protestierende getötet und Tausende verletzt haben. Auf besondere Weise verletzlich sind Frauen, die sich an den Protesten beteiligen. Es gibt Berichte von Massenvergewaltigungen und sexuellen Übergriffen seitens staatlicher Truppen. Vermutet wird, dass außerdem viele Übergriffe nicht zur Anzeige gebracht werden.

Die komplexe politische Situation im Sudan erfährt nicht viel internationale Medienaufmerksamkeit. Dabei wäre diese wichtig, insbesondere um Frauen und Frauenrechtsaktivistinnen im Sudan zu unterstützen. Frauen spielten eine große Rolle bei den Demonstrationen, die 2019 zum Sturz al-Baschirs führten, heute sind sie für die Proteste gegen die Militärregierung wichtig und werden gerade deswegen gezielt verfolgt. Eine von ihnen ist Amira Osman.

Ende Januar wurde die bekannte Frauenrechtsaktivistin willkürlich verhaftet, nachdem sie sich an Demonstrationen beteiligt hatte. Dreißig bewaffnete Männer in Zivil, wahrscheinlich vom Geheimdienst, stürmten nachts ihr Haus und nahmen sie fest.

Osman ist gelernte Ingenieurin und Mitglied der Sudanesischen Kommunistischen Partei. Als Aktivistin hat sie bereits einige Erfahrung – auch mit Repression. 2013 wurde sie festgenommen, weil sie sich weigerte, Kopftuch zu tragen. 2002 wurde sie verurteilt, weil sie Hosen trug. Das Gesetz, das regelt, welche Kleidung Frauen tragen müssen, wurde von der inzwischen wieder gestürzten Übergangsregierung zwar abgeschafft, andere restriktive Gesetze bleiben aber bestehen.

Glücklicherweise kam Osman Anfang Februar bereits nach zwei Wochen wieder frei. Internationale Organisationen wie die UN und Amnesty hatten Druck gemacht. Doch nicht alle Aktivistinnen sind so bekannt wie Osman.

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