Luxus bleibt!

Haute Couture Entgegen des Trends nach "Fast-Fashion" erlebt die Haute Couture einen Aufschwung. Der Wunsch nach Luxusgütern bleibt bestehen
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Vor einigen Wochen stand Paris erneut im Zeichen der Haute Couture. Der hohen Schneiderkunst. Zweimal im Jahr wird diese vorgestellt. Nach dem Auftakt der internationalen Modewochen mit den Männermodenschauen in Mailand und der Fashion Week in Berlin richtete die weltweite Modewelt den Blick auf die Hauptstadt Frankreichs. Eine Stadt, die wie kaum eine andere schon so viele Jahrzehnte mit Modekultur in Verbindung gebracht wird.

Große Modemacher wie Christian Dior, Pierre Balmain oder Christóbal Balenciaga etablierten sich dort und machten sich einen Namen über die Grenzen der Stadt hinaus. Auch wenn die Gründer längst verstorben sind, die Marken existieren weiterhin. Anders als bei allen anderen Austragungsorten bilden die Haute Couture Schauen noch immer das Herzstück der Modewelt. Das Chambre Syndicale de la Haute Couture ist dafür zuständig, wer seine Entwürfe präsentieren darf. Unter Einhaltung bestimmter Kriterien. Eines davon ist z. B. ein Maßatelier mit 15 Vollzeit-Angestellten. Dadurch werden die Modehäuser offiziell berechtigt, den Begriff Haute Couture für ihre Kreationen zu verwenden.

Investieren trotz großem Angebot?

Nicht selten kosten die in Handarbeit gefertigten Stücke so viel wie ein Einfamilienhaus. Utopisch, dass es Kleidung zu solchen Preisen gibt, könnte man meinen. Vorbei scheinen allerdings die Zeiten, in denen die Kleider einen vermeintlich eigenen Raum zur Aufbewahrung benötigten, weil sie so üppig und extravagant erarbeitet wurden. Maßgeschneiderte und individuell angepasste Damenmode in einer Zeit, in der an vielerorts gespart wird und Mode durch Understatement und Purismus besticht.

Schon vor einigen Jahren wurde der Haute Couture prophezeit sie sei nicht mehr zeitgemäß und nicht rentabel. Mode ist ein schnelllebiges Geschäft, bei dem ständig um Neuerungen geht. Die Einkäufer von den aktuellsten Entwürfen zu überzeugen, ist nicht einfach. Das Angebot ist groß. Gerade deshalb stellt sich die Frage, ob Kunden bereit sind mehrere Zehntausend Euro in ein Kleidungsstück zu investieren? Sie sind bereit. Die steigenden Besucherzahlen auf den Shows sprechen dafür. Ebenso die Kaufkraft der Geladenen.

Für weniger gut situierte Modebegeisterte bieten günstige Modeketten wie Zara und Primark ihren Kunden zeitgemäße Kollektionen. Inspiriert von den Internationalen Modehäusern. Zu einem kleinen Preis. Nicht zu vergessen sind dabei die Kollaborationen großer Modefirmen mit dem schwedischen Modegiganten H&M. Sicher, dass ist alles keine Couture, aber die bleibt ohnehin für den Großteil unerreicht.

Purismus als Luxus im Alltag

Anderenorts sind die Designer bestrebt, die Fachpresse und die Käufer von ihren Ideen zu überzeugen. Haute Couture in Paris ist anders. Einkäufer bilden nur einen sehr geringen Anteil beim Publikum. Es sind die privaten Käuferinnen, die sich in den vordersten Reihen aufhalten. Im Vergleich zur Vergangenheit häufen sich die Zahlen der Kundinnen wieder. Haute Couture meint nicht mehr nur große Roben, für die es an Veranstaltungen mangelt. Sie ist praktischer und zeitgemäßer geworden. Schließlich haben sie die Anforderungen in Hinblick auf das alltägliche Leben verändert. Luxus darf eben im Alltag Einzug halten.

Natürlich war allerhand Presse vor Ort. Schließlich gilt die Haute Couture oft als Aushängeschild einer Marke. Nicht nur wegen der Entwürfe, sondern auch den prominenten Gästen und Models, um die sich die Designer scharren. Diese Schauen eben auch gute PR.

Das sich das zu lohnen scheint, kann man bei Jean Paul Gaultier und den Designern Viktor&Rolf feststellen. Diese haben sich komplett aus dem Bereich der Ready-to-wear zurückgezogen. Sie präsentieren ausschließlich Haute Couture. Kleidung für den freien Handel entwerfen sie nicht mehr.

Haute Couture kann viel

Generell schmückt sich dieser exklusive Kreis mit großen Namen. Karl Lagerfeld macht Handgefertigtes für Chanel. Inklusive bombastischer Kulisse. Ebenso der libanesische Designer Elie Saab oder das Traditionshaus Christian Dior. Letzteres muss nach dem Weggang von Raf Simons immer noch ohne offiziellen Nachfolger auskommen. Allesamt kommerziell erfolgreiche Labels, die über Ressourcen einer großen Marke verfügen. Und über ein breit gefächertes Portfolio. Neben Bekleidung gibt es Taschen, Schmuck und auch Parfum.

Auch als Neuanfang kann die Haute Couture dienen. Maison Martin Margiela präsentierte seine Entwürfe erneut unter der kreativen Leitung von John Galliano. Dieser fiel vor einigen Jahren durch verbale, antisemitische Äußerungen in Ungnade.

Haute Couture scheint vieles zu sein. Kapitalanlage oder einfach nur gute Werbung. Entgegen des aktuellen Trends scheint diese nicht mehr in die schnelllebige Welt zu passen. Der Wunsch nach Luxus und Exklusivität hat trotzdem Bestand.

17:28 14.02.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Johannes Paul Doebler

Freier Journalist im Bereich Mode. Fashionstylist für Fotoshootings.
Johannes Paul Doebler

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