Mode als Statussymbol

Marken Designermode wird von großen Teilen der Gesellschaft geschätzt. Internationale Marken bestimmen häufig das Straßenbild und erschweren es den Newcomern sich zu etablieren
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Marken regieren die Welt. Das zieht sich durch alle Branchen. Auch wenn keine Industrie gleich ist, ist zu beobachten, dass Menschen Marken schätzen. In der Mode ist das nichts anderes. Ein Großteil der Menschen hat sicher in der Vergangenheit von Chanel, Louis Vuitton oder Michael Kors gehört. Namen und deren Entwürfe man in vielen Gegenden von Großstädten sieht. Lange Zeit bestimmten Taschen des Labels Louis Vuitton das Straßenbild. Nicht nur bei reiferen Damen, sondern auch bei Teenagern. Die Tasche als Aushängeschild. Und das generationsübergreifend. Braune-beige Farbkombinationen und die Letter LV groß und deutlich zu lesen. Ob all diese Modelle wirklich aus dem Haus des Labels stammen oder Fälschungen waren, ist schwer zu sagen. Die Plagiatsindustrie boomte durch solch einen Hype. Was vor einigen Jahren die Tasche des französischen Traditionshauses war ist heute das amerikanische Label Michael Kors.

Schaut man sich z.B. im Zentrum von Berlin mal um, dominiert dieses Label bei Damen aller Altersklassen. Hier ist unschwer zu erkennen, dass Label prangt in großen Buchstaben auf den Modellen. Oft sind die Taschen zudem gespickt mit einem vergoldeten Anhänger. Natürlich mit den Initialen der Marke. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und aus welchen Gründen diese Taschen gekauft werden kann man nicht verallgemeinern. Eine Vermutung könnte sein, dass diese Objekte getragen werden um zu suggerieren: Ja, ich kann es mir leisten.

Design oder Prestige?

Insider erkennen Designerhandtaschen so oder so. Oft haben sie ein unverkennbares Design und es ist unwichtig, ob sofort zu lesen ist, von wem sie stammt. Aber nicht nur Taschen stellen Lustobjekte dar. Auch allerhand andere Accessoires und Stücke aus dem Bereich der Oberbekleidung werden mit dicken Buchstaben versehen. Die Labels werden gerne zur Schau gestellt. Dabei stellt sich die Frage: Geht es um Optik oder um den Namen? Will jeder ein kleines Stück vom Designer-Kuchen?

In den 90ern war das sogenannte Branding ein absoluter Trend. Nicht selten setzten die Labels darauf, ihre Entwürfe groß zu beschriften. So konnte jeder sofort erkennen, was man trug. Zwar ist dieser Trend wieder etwas abgeebbt, aber man sieht ihn heute noch. Schaut man sich die aktuellen Entwürfe an, scheint es den meisten Designern wichtiger zu sein, dass die Mode durch Funktionalität und Schnittkonstruktion besticht und nicht wie üppig diese mit Buchstaben verziert ist. Keine schlechte Idee, schließlich gibt es überall auf der Welt gute Designs und fähige Leute. Allerdings haben es die kleinen und aufstrebenden Labels oft schwer. Nicht, weil sie nicht gut sind, sondern weil niemand sie kennt. Sie sind eben nicht Chanel und somit kann man mit ihnen nicht in die reine Prestige-Schublade gesteckt werden.

Konkurrenz mit den Großen

Dennoch stellt es ein Problem für viele junge Designer dar, gegen die führenden Marken anzutreten. Sie verfügen über mehr finanzielle Mittel, was Entwicklung und Werbung angeht. Somit können sie abseits des Laufstegs einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Sei es durch Werbeanzeigen oder auf Preisverleihungen. Alle paar Jahre gibt es Modemacher, die auf dem Weg dorthin sind, in der Liga der „Großen“ mitzuspielen. Labels wie Erdem oder Proenza Schouler haben inzwischen eine feste Fangemeinde sowie eine große Anzahl an Käufern.

Oft schafften sie diesen Startschuss nicht ganz ohne fremde Hilfe. Das amerikanische Vogue Magazine unterstützt Nachwuchsdesigner seit Jahren. Hierzulande ist Christiane Arp von der Deutschen Vogue bestrebt, dem Nachwuchs unter die Arme zu greifen. Neben ihrer Arbeit setzte sie sich für die Gründung des German Fashion Council ein. Dieser unterstützt junge Designer in Bereichen wie Marketing und Finanzen.

Trotz der Unterstützung von Erfahrenen der Branche ist es schwer, Fuß zu fassen. Das Angebot und die damit verbundenen Preisspannen sind enorm. Viele der weltweit führenden Modefirmen existieren seit Jahrzehnten und nutzen diese Zeit ein Image zu erarbeiten und die Identität eines jeden Hauses weiterzuentwickeln. Oft sind die Macher selbst Institutionen. Karl Lagerfeld als öffentliche Person ist mindestens genauso bekannt wie die Firma Chanel, bei der er arbeitet. Was für den einen der Trenchcoat oder der Pelz eines bestimmten Labels ist, ist bei dem anderen das Auto oder das Haus. Statussymbole und deren Kult scheinen einigen Menschen wichtig zu sein. Die Schuld, dass wir führende Marken zu dem machen, was sie sind, liegt oft allein an uns.

16:14 30.01.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Johannes Paul Doebler

Freier Journalist im Bereich Mode. Fashionstylist für Fotoshootings.
Johannes Paul Doebler

Kommentare