Angriff auf die Medienfreiheit

Österreich Die Journalistin Alexandra Bader recherchierte über Korruption. Ein Sachwalter räumte ihre Wohnung. Sie kann ihr Arbeitsarchiv nicht mehr benutzen.
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Eklatanter Angriff auf die Medienfreiheit in Österreich. Die Wohnung von Alexandra Bader wurde von einem Sachwalter geräumt. Ihre beliebte Website Ceiberweiber ist nicht mehr im Netz abrufbar (www.ceiberweiber.at).

Vor zehn Jahren wurde die Journalistin Alexandra Bader mit der Medienlöwin ausgezeichnet. Der Preis ist eine Ehrung für mutigen Journalismus.


Medienlöwin Alexandra Bader

Der Titel Medienlöwin wird verliehen vom österreichischen Journalistinnenkongress. In der hochrangigen Jury sitzen Herausgeberinnen und Chefredakteurinnen wichtiger österreichischer Medien. Die Jury begründete in der Laudatio ihre Entscheidung für Alexandra Bader:

"Kein Thema ist ihr zu heikel, kein Gegner ist ihr zu groß und kein Konflikt ist ihr zu heiß. Was die Preisträgerin auszeichnet ist Durchhaltevermögen und Löwinnenmut. Die Anerkennung der Jury soll Sie genau darin bestätigen."
(www.journalistinnenkongress.at/Kongress/Details/9.joko.2007).

Alexandra Bader, 1963 in der Steiermark geboren, setzte ihre mutigen Recherchen fort. Über Korruption in einem österreichischen Ministerium. Da kann man brisantes Material finden. Die weitere Entwicklung zeigte, dass solche Recherchen mit Gefahren verbunden sind.


Wohnung geräumt

Weitere Veröffentlichungen der Medienlöwin Alexandra Bader sollten verhindert werden.

Die Wohnung von Alexandra Bader wurde vom berüchtigtsten Sachwalter der Stadt geräumt. Mit Bescheid des Bezirksgerichtes Favoriten. Das bedeutet eine Verletzung wesentlicher Grundrechte der Charta der Europäischen Union.

Durch die Räumung ihrer Wohnung wurde die Journalistin Alexandra Bader wesentlich von ihren Produktionsmitteln abgetrennt. Sie kann ihr Archivmaterial und ihre Unterlagen nicht in der erforderlichen Weise nutzen. Das zerstört auch mögliche Buchprojekte.

Es war eine Eigentumswohnung. Die Wohnung wurde vom Sachwalter bereits verkauft. Vom Erlös bekam Alexandra Bader gar nichts.

Alexandra Bader kann über ihre Gelder nicht mehr selbst verfügen. Die Sachwalterschaft teilte der Publizistin mit, dass sie ab jetzt von 200 Euro im Monat leben wird.

Alexandra Bader wirkt im persönlichen Gespräch aufgrund der Vorfälle verunsichert. Aber sie ist in der Lage, ihren Angelegenheiten in jeder Weise nachzukommen. Der Sachwalter kann deshalb nur einen Zweck erfüllen: Ihre Recherchen zu überwachen und zu behindern.

Alexandra Bader gibt ein klares Bekenntnis ab: "Ich will weiterarbeiten, ich will weiter publizieren".


© Autor: Johannes Schütz, 2017

Zum Autor:
Johannes Schütz bereitet eine Buchpublikation vor:
„Die Enteigner: Der größte Skandal der Republik Österreich".
Johannes Schütz, Medienwissenschafter und Publizist, war Lehrbeauftragter an der Universität Wien (Informationbroking, Recherchetechniken, Medienkompetenz), Vorstand des Zentrums für Medienkompetenz, Projektleiter bei der Konzeption des Wiener Community-TV, Projektleiter Twin-City-TV Wien-Bratislava, investigative Publikationen (Vergabe der .eu Domains).
Veröffentlichungen u. a. The European, Tabula Rasa.

13:01 04.12.2017
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Geschrieben von

Johannes Schuetz

Medienwissenschafter und Publizist, war Lehrbeauftragter Universität Wien (Recherche, Medienkompetenz), Projektleiter Konzeption Community-TV-Wien
Johannes Schuetz

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