Die Enteigner: Der größte Skandal Österreichs

Österreich Der investigative Publizist Johannes Schütz erzählt von seinem brisanten Thema: Sachwalterschaft und Enteignung. Er wurde im Laufe seiner Recherchen selbst bedroht.
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Johannes Schütz recherchiert an einer neuen Story. „Es wird der größte Skandal der 2. Republik“, erzählt er. Es geht um Unterschlagungen von Millionenwerten. Sachwalter kassieren ab. Sie übernehmen Vermögen und Verlassenschaften. Sie brechen Türen auf und tauschen Schlösser aus. Immobilien kommen in die Zwangsversteigerung. Der Gesamtbetrag der Unterschlagungen beläuft sich nach vorsichtigen Schätzungen auf mindestens 1 Milliarde Euro.

Eine Gruppe aus betrügerischen Sachwaltern, korrupten Bezirksrichtern und eingekauften Gutachtern agiert seit Jahrzehnten. Insbesondere in Wien. Die Gutachten werden in Abwesenheit der Betroffenen geschriebenen, nach einem vorgegebenen Schema.

Es gibt auch politische motivierte Fälle von Sachwalterschaft. Publizisten sind betroffen. Auch Beamte. So manche kritische Stimme verschwindet in der Psychiatrie. Das Vermögen wird enteignet. Im Buch von Johannes Schütz sollen zehn Fälle dargestellt werden.

„Man muss die Frage stellen, ob der Wirtschaftsstandort Republik Österreich zu empfehlen ist, wenn an diesem Standort Enteignungen in dieser Form stattfinden“, sagt Autor Johannes Schütz. Staatliche und politische Institutionen greifen nicht ein. Auch die Wirtschaftskammer versagt.

Bibliothek soll gestürmt werden

Johannes Schütz wurde im Laufe seiner aktuellen Recherchen selbst bedroht. Man kündigte auch an, dass seine Forschungsbibliothek: „Gestürmt und geräumt wird“.

Es handelt sich um 10.000 Bücher und unersetzbare Aufzeichnungen und Materialien aus zahlreichen Forscherjahren. Johannes Schütz musste aus Sicherheitsgründen Wien verlassen. Er hofft, dass seine Bibliothek noch gerettet wird.

Der Medienwissenschafter Johannes Schütz wirkte rund 15 Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Universität Wien. Seine Forschungsgebiete: Vermittlung von Medienkompetenz, Informationbroking und Recherchetechniken, Bürgermedien.

Johannes Schütz war Vorstand im Arbeitskreis Offene Fernsehkanäle Österreich – Zentrum für Medienkompetenz, der sich für die Durchsetzung von Community TV in Österreich einsetzte.

Er war Projektleiter bei der Einführung des Community-TV in Wien, das seit 2005 auf Sendung ist:
www.wien.gv.at/meu/fdb/pdf/offener-fernsehkanal-709-ma53.pdf

Danach konzipierte Johannes Schütz in Zusammenarbeit mit dem Institut für Journalistik der
Universität Bratislava ein Twin-City-TV Wien-Bratislava als eine Form von mitteleuropäischen ARTE:
www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/133527_Zwei-Laender-ein-Sender.html

Mit seinen genauen Investigationen über die Vergabe der wertvollen .eu Domains löste er 2006 einen europäischen Skandal aus. Es wurden Millionenwerte unkorrekt verschoben. Seither zählt Johannes Schütz zu den wichtigsten Enthüllungsjournalisten des Landes. Seine Beiträge wurden in mehreren Medien zitiert und auch als Grundlage für Entscheidungen des Schiedsgerichts für .eu Domainstreitigkeiten verwendet. Die .eu Domain muss übergeben werden:
http://eu.adr.eu/adr/decisions/decision.php?dispute_id=910

Ein Jahr später deckte Johannes Schütz einen ähnlichen Skandal bei der erstmaligen Vergabe der Zifferndomains durch die österreichische Registry nic.at auf. Ein Mitarbeiter von nic.at kassierte die wertvollsten Domains für sich selbst ab. Er wurde aufgrund des Vorfalls fristlos entlassen:
www.wienerzeitung.at/themen_channel/wz_digital/digital_news/281381_Land-der-Umlaute.html
Manipulationen bei Nic.at
www.wienerzeitung.at/themen_channel/wz_digital/digital_news/281998_Manipulationen-bei-Nic.at.html

Jetzt bereitet Johannes Schütz eine Buchpublikation vor:
Die Enteigner: Der größte Skandal der Republik Österreich.

Das Buch soll nach Alfred Worm (AKH-Skandal) und Hans Pretterebner (Der Fall Lucona) die große investigative Enthüllung des Landes werden.

17:31 15.11.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Johannes Schuetz

Medienwissenschafter und Publizist, war Lehrbeauftragter Universität Wien (Recherche, Medienkompetenz), Projektleiter Konzeption Community-TV-Wien
Johannes Schuetz