Liberale Medien gefragt

Medien und Demokratie. Grundrechte werden von den Medien nicht ernsthaft verteidigt. Das Thema fehlt in der öffentlichen Debatte.. Entsprechende Erfahrungen können nicht organisiert werden.
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Es werden interessante Fragen gestellt. Im Internet. Ich wurde mit einer solchen Frage auf Quora konfrontiert:
Haben die Medien eine liberale Voreingenommenheit?

Das ist ein Thema, bei dem man doch eine Antwort geben möchte.


Liberale Medien gefährdet

Tatsächlich kann man erkennen, dass liberale Medien zunehmend am Rückzug sind. Es wurde schwierig, gesellschaftlich relevante Themen in den Medien zu setzen. Dies kann insbesondere am Beispiel der Grundrechte beschrieben werden.

Es gibt in Deutschland nur wenige Medien, die über die Verletzung von Grundrechten ernsthaft berichten. In österreichischen Medien kann selbst über Verletzungen des Eigentumsrechts durch richterliche Willkür kein Beitrag veröffentlicht werden. Grundrechte sind damit ein Mediendesiderata.

Dabei sollten Grundrechte von liberalen Kräften und von konservativen Kräften verteidigt und geschützt werden. Dennoch kann in den Medien ein Desinteresse an den Grundrechten konstatiert werden. Die Grundrechte werden nicht mehr klar verteidigt. Das bedeutet eine Gefährdung demokratischer Werte.


Erfahrung braucht Öffentlichkeit


Der Austausch über die Erfahrungen mit Verletzungen von Grundrechten ist nur schwer öffentlich organisierbar. Es sind Mängel in der Dokumentation solcher Erfahrungen deutlich erkennbar. Die dafür erforderlichen Strukturen fehlen oder sind zusammengebrochen. Führende Medienkonzerne lehnen es ab, solche Erfahrungswerte in die öffentliche Debatte zu bringen.

In einer pluralistischen Gesellschaft sollten die Medien breit aufgestellt sein. Damit könnte optimal auf die Herausforderungen unserer Epoche reagiert werden. Indem innovative Lösungen und Vorschläge nicht verloren gehen können.

Die Kommunikations- und Medienforschung in Deutschland ist seit Jahrzehnten sich bewusst, dass eine solche Organisation von Erfahrung wesentlich ist für das Funktionieren der demokratischen Gesellschaft und das rechtzeitige Erkennen erforderlicher Innovationen, Korrekturen und Verbesserungen. Oskar Negt und Alexander Kluge boten dazu eine ausführliche Analyse mit ihrem wichtigen Werk „Öffentlichkeit und Erfahrung“, das erstmals 1972 im Suhrkamp-Verlag erschien.


Liberales Medienprojekt beendet


Arianna Huffington konzipierte die Huffington Post als ein liberales Medium. Beiträge über Verletzungen der Grundrechte wurden von der deutschen Redaktion der Huffington Post ausführlich in die öffentliche Debatte gebracht. Auch als dringend erforderlicher Erfahrungsaustausch.

Das Projekt von Arianna Huffingtron begann in Deutschland hoffnungsvoll:
“Die HuffPost Deutschland wird schonungslos aus der Politik und dem deutschen Nachrichtengeschehen berichten. Und das in dieser hochinteressanten Zeit in der Deutschlands Rolle in Europa stetig wächst“ , erklärte Arianna Huffington noch im Oktober 2013.

Doch das liberale Medienprojekt von Arianna Huffington wurde in Deutschland Ende März 2019 eingestellt. Alle Beiträge wurden sofort gelöscht. Am 29. März erschien nur noch ein kühler Abschiedsbrief der Redaktion an die Leser:
„Denn zum 31. März ist Schluss. Die deutsche Ausgabe der Huffpost geht offline”.


Beiträge über Grundrechte gelöscht

Johannes Schütz schrieb 60 Beiträge für die Huffington Post. Inhaltlicher Schwerpunkt war die Verletzung von Grundrechten.

Zu den Beiträgen, die Johannes Schütz für Huffington verfasste, zählte die Serie „Ich decke auf: Justizskandal in Österreich“, die Investigation über die Verletzung des Eigentumsrechts („Roy Bean regiert in Wien“) und die Verfolgung der Publizistin Alexandra Bader. Im Februar 2018 konnte Johannes Schütz eine Bilderserie veröffentlichen, die den Polizeiübergriff auf die ukrainische Aktionskünstlerin Alisa Vinogradova dokumentierte, die beim Wiener Opernball im Februar 2018 am Red Carpet von 10 Polizisten niedergeschlagen und weggeschliffen wurde.

Das sind Berichte, die in österreichischen Medien, die seit Jahren wie gleichgeschaltet wirken, nicht veröffentlicht werden können. Seit 31. März sind diese Beiträge auch auf Huff Post Deutschland nicht mehr erreichbar. Die Website wurde aus dem Netz genommen.


Links:

Kritische Inhalte gelöscht (Quora, 14. 5. 2019)

Sachwalterschaft kann nicht abgewehrt werden: Gefährliches Mobbing-Instrument in Österreich
(Quora, 14. 5. 2019)

Autorenprofil Johannes Schütz (Quora): Blog über Grundrechte


© Autor: Johannes Schütz, 2019


Johannes Schütz bereitet eine Buchpublikation vor:

„Die Enteigner: Der größte Skandal der Republik Österreich".

Johannes Schütz, Medienwissenschafter und Publizist, war Lehrbeauftragter an der Universität Wien (Informationbroking, Recherchetechniken, Medienkompetenz), Vorstand des Zentrums für Medienkompetenz, Projektleiter bei der Konzeption des Wiener Community-TV, Projektleiter Twin-City-TV Wien-Bratislava, investigative Publikationen (Vergabe der .eu Domains).
Veröffentlichungen u. a. The European, Tabula Rasa.

12:02 15.05.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Johannes Schuetz

Medienwissenschafter und Publizist, war Lehrbeauftragter Universität Wien (Recherche, Medienkompetenz), Projektleiter Konzeption Community-TV-Wien
Johannes Schuetz

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