Polizisten als Hooligans

Polizei-Übergriff Die Aktionskünstlerin Alisa Vinogradova wurde in Wien angegriffen. Stellungnahme der Wiener Landespolizeidirektion. Hofrat Jedelsky ist Experte für Fußballhooligans.
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Die ukrainische Aktionskünstlerin Alisa Vinogradova (Алиса Виноградова) wurde beim Wiener Opernball von 10 Polizisten angegriffen.. Alisa Vinogradova zeigte eine friedliche Performance am Red Carpet.

Eine Stellungnahme des österreichischen Innenministeriums zum Übergriff der Polizei beim Wiener Opernball wurde jetzt auf Huffington veröffentlicht:

Über Polizisten und Hooligans (Huffington, 5. 4. 2018)

Experte für Hooliganismus

Die Antwort kam von Hofrat Dr. Peter Jedelsky, der in der Landespolizeidirektion Wien für Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist.

Jedelsky wurde in der Öffentlichkeit bekannt als Experte für Gewaltprävention bei Fußballhooligans. Er leitete auch die Vorbereitungen der Polizei für die Europameisterschaft 2008, die in Österreich stattfand. Gleich danach wurde Jedelsky im Dezember 2008 Leiter des Bürgerdienstes der Wiener Polizei. In seinen Aufgabenbereich fällt auch die Pressearbeit.

Bizarre Erklärung

Jedelsky sendet eine ausführlichere Stellungnahme am 26. März. Die Ausflucht, die Hofrat Jedelsky dabei wählt, setzt in Erstaunen:

„Frau VINOGRADOVA hat sich selbst nicht negativ über die Polizei geäußert – diese merkte lediglich an, dass „ein Manager“ des Opernhauses in weiterer Folge ihre Eintrittskarte zerrissen hätte. Trotzdem wird der Sachverhalt geprüft“.

Demnach wäre das Zerreißen der Eintrittskarte ein schreckliches Ereignis. Eine sehr bizarre Erklärung. Angesichts der Fotos, die auf Huffington veröffentlicht wurden. Sie dokumentieren das brutale Vorgehen von zehn Polizisten, die Frau Vinogradova umkreisen, zu Boden bringen, an den Haaren zerren und wegschleifen.

Diese Bilderserie ist Hofrat Jedelsky bekannt.

Schmerzhafte Festnahme

Alisa Vinogradova wurde aufgrund der Stellungnahme von Jedelsky nochmals vom Autor über diesen Übergriff der Polizei befragt. Sie erklärte dazu am 30. März: „It was a crude form of detention“ (Die Festnahme geschah in einer groben Weise).

Tatsächlich wurde bereits eine klare Aussage von Alisa Vinogradova am 18. Februar veröffentlicht:

„Sie fassten zu und rissen mich vom Roten Teppich, sie griffen mich an den Armen und Beinen. Ich hatte Blutergüsse dadurch. Sie zerrten mich auch an den Haaren, das war sehr schmerzhaft“.
Siehe:
FEMEN-Model am Opernball: Jetzt belegt Bilderserie unnötige Brutalität der Polizei
(Huffington, 18. 2. 2018)

Außergerichtliche Einigung bevorzugt

Jedelsky erklärt aber in seiner Stellungnahme sofort ausführlich, welche Schritte erforderlich wären, um Entschädigung und Schmerzensgeld zu erlangen. Die Landespolizeidirektion Wien zieht in einem solchen Fall offenbar eine außergerichtliche Einigung vor:

„Ansprüche nach dem Polizeibefugnis-Entschädigungsgesetz sind primär schriftlich an den Bundesminister für Inneres zu richten, können aber ebenfalls auch bei der Finanzprokuratur eingebracht werden. Die Einbringung eines außergerichtlichen Aufforderungsschreibens“.

Damit soll eine Strafanzeige gegen die beteiligten Polizisten vermieden werden, die wegen Körperverletzung und Amtsmissbrauchs eingebracht werden kann. Eine solche Anzeige müsste zu einem Prozess vor einem Strafgericht führen.

Allerdings ist bereits hinreichend bekannt, dass die österreichische Justiz nicht korrekt arbeitet. Deshalb werden Strafanzeigen gegen Beamte in der Regel durch die Justizbehörden eingestellt. Für 2016 werden dazu folgende Zahlen genannt:

Einstellung des Verfahrens in 893 Fällen, Anklagen in 18 Fällen, mit einem Schuldspruch in nur einem einzigen Fall.

Hooliganismus bewirkt negativen Eindruck

Nochmals ein Blick in das Schreiben von Hofrat Jedelsky. Am Ende seiner Stellungnahme bedauert er den negativen Eindruck:

„Die LPD Wien bedauert Ihren durch diesen Vorfall erlangten, negativen Eindruck und hofft aber, Ihnen mit den erteilten Informationen dienlich gewesen zu sein“.

Wir gehen davon aus, dass Hofrat Jedelsky, als ein Experte für Gewaltprävention, keinen Hooliganismus im Polizeiapparat tolerieren möchte. Ein solcher negative Eindruck entsteht, wenn man das brutale Vorgehen der beteiligten Polizisten in der Fotodokumentation analysiert. Beim Übergriff der Polizei auf die ukrainische Aktionskünstlerin Alisa Vinogradova.

Links:


Polizei am Opernball: Sanktionen gefordert (derFREITAG, 19. 3. 2018)

FEMEN-Model am Opernball: Jetzt belegt Bilderserie unnötige Brutalität der Polizei
(Huffington, 18. 2. 2018)

Übergriff der Polizei am Wiener Opernball: Anfrage an den österreichischen Innenminister(Huffington, 18. 3. 2018)

Alisa Vinogradova liest Foucault: Das FEMEN-Model aus der Ukraine im Portrait(Huffington, 28. 2. 2018)

FEMEN-Model am Opernball: Jetzt belegt Bilderserie unnötige Brutalität der Polizei(Huffington, 18. 2. 2018)

© Autor: Johannes Schütz, 2018

Johannes Schütz bereitet eine Buchpublikation vor:
„Die Enteigner: Der größte Skandal der Republik Österreich".
Johannes Schütz, Medienwissenschafter und Publizist, war Lehrbeauftragter an der Universität Wien (Informationbroking, Recherchetechniken, Medienkompetenz), Vorstand des Zentrums für Medienkompetenz, Projektleiter bei der Konzeption des Wiener Community-TV, Projektleiter Twin-City-TV Wien-Bratislava, investigative Publikationen (Vergabe der .eu Domains).
Veröffentlichungen u. a. The European, Tabula Rasa.

18:43 05.04.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Johannes Schuetz

Medienwissenschafter und Publizist, war Lehrbeauftragter Universität Wien (Recherche, Medienkompetenz), Projektleiter Konzeption Community-TV-Wien
Johannes Schuetz

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