Dienstleistungs-Mentalität - Anspruchshaltung - Egoismus

Wehr-Dienst-Debatte Mit lauter negativ konnotierten Begriffen wird der notwendige Beitrag eines jeden Bürgers zum Überleben des einzelnen wie der Gemeinschaft klein geredet und polemisch in die Wüste geschickt. Die Medien beben, geboren wird eine Maus.

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Dienstleistungs-Mentalität – Anspruchshaltung – Egoismus.

Angesichts der bequemen Apparate, mit deren Hilfe wir uns Tag und Nacht aus den Ansprüchen anderer oder an uns selbst wegbeamen können, wird auch gerne vergessen, dass wir weder freiwillig geboren wurden, noch freiwillig sterben werden – alle gleichermaßen!

Freiwillig machen wir zuerst einmal gar nichts, außer uns unterhalten lassen.

Und dass wir von Natur aus – schon als Nesthocker ein auf die Gemeinschaft bedingungslos angewiesenes Wesen – also ein Gemeinschaftswesen sind, wird uns Tag und Nacht in Dauerschleife weggepixelt: Du bist das Wichtigste auf der Welt, du musst dich selbst verwirklichen, du musst dich gegen die Konkurrenz durchsetzen! Das ist dann gelebter Individualismus. Im Sinne des Fortschrittsgedankens die oberste Sprosse, die der homo sapiens inzwischen erreicht habe. Dabei verbirgt sich hinter dieser Individualismus-Variante nichts anderes als beim Haben Wollen möglichst vorne mitzumischen. Wenn es allerdings ans Kranksein oder gar ans Sterben geht, dann bitte aber volles Rohr beste Dienstleistung, aber hallo! Dann muss die Gemeinschaft liefern. Aber pronto.

Dabei läuft dieses Wohlstandsprogramm doch nur, wenn gleichzeitig und vorauseilend die Gemeinschaft den Rahmens des Lebens und Überlebens gemeinsam organisiert hat.

Dummerweise sind diese Gemeinschafts-Aspekte sprachlich in Mitteleuropa nachhaltig überformt von negativ konnotierten Begriffen wie Staat, Pflicht, Dienst. Was sich dahinter verbirgt, soll von allen gekauft werden können durch Steuern und Versicherungensbeiträgen. Also völlig anonym. Technik und Digitalisierung tragen inzwischen zusätzlich massiv dazu bei, dass dieser Anonymisierungsprozess ungeahnte Blüten treibt – Metaverse und die gerade zur Welt kommenden KI-Mythen sind dabei so etwas wie die Portalfiguren in eine Zukunft, in der Individualismus und ein sinnliches Leben sowie so nur noch avatar-mäßig phantasiert werden können.

So können sich die Parteien – hier vor allem die FDP und die Linke – als Anwälte der Freiwilligkeit und Hüter der individuellen Freiheit feiern lassen. Bei den Grünen ist vielleicht ein weiterer Salto Mortale denkbar – nach dem Umdenken in Sachen Rüstung, kommt ja vielleicht auch noch ein Umdenken in Sachen WIR-HÄNDLER auf einem Markt, in dem sich alle gleichermaßen verpflichtet fühlen, Schutz und Gesundheit gleichermaßen als Tätigkeitsfeld aller zu begreifen und nicht als Dienstleistung zu fordern: sollen das doch die tun, denen sonst nichts einfällt oder die gerade Zeit haben. Dann sind Mitverantwortung selbstverständlich und Egoismus und Konsum ohne Ende Auslaufmodelle.

Wehrpflicht und Zivildienst (mit dem Langeweile-Argument zerdeppert) sind verbrauchte termini technici. An ihre Stelle treten Gemeinsinn und Gemeinschaft – alle sind für alle gleichermaßen da und mitverantwortlich.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Johannes Seiler

Alles Erinnern ist Erfinden und alles Erfinden Erinnern
Johannes Seiler

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