Johnny H. Van Hove

Historiker, Brüsseler und Berliner. Autor des Buchs "Congoism: Congo Discourses in the United States from 1800 to the Present."
Johnny H. Van Hove
RE: Nothing Neues in der deutschen Klassentheorie | 20.05.2016 | 16:09

De/Re-Publizieren ist angebracht, wenn die Ironie des eigenen Sprachgebrauchs ("Schweizer Uhr" passt doch sehr gut zu Argumenten aus dem 19. Jahrhundert?) nicht verstanden wird...schade eigentlich...

"Diese Grundverhältnis ist nicht deshalb verschwunden, weil sich die soziale Gruppenstruktur und die Stellung der konkreten Menschen zu diesem Grundverhältnis (Stichwort z.B. Kapitalfunktion u. -eigentum) verändert haben." Was wollen Sie, dass ich jetzt noch sage? Wenn Sie das glauben, sind Savages umfassende, empirische, kulturell-wirtschaftliche Studien nicht unbedingt notwendig, natürlich, und reicht das kontinuierliche Reflektieren der eigenen theoretischen Tradition über die unverrückbare 'Grundverhältnisse'. Im Gegensatz zu Bewernitz schärft Savage den Klassebegriff, aktualisiert/re-empirisiert ihn, und macht ihn politisch 'produktiv'. Gute Bücher tun das.

RE: Arbeiterkinder ohne Klasse | 18.11.2015 | 09:59

Der Punkt ist, dass Diskriminierung und 'Erfolg' nicht begegnet und verstanden werden können ohne die strukturelle/historische/gesamtgesellschaftliche Ebene einzubeziehen, sowie ihre (grundlegend antagonistische) Akteure. 'Klasse' ist hier die sinnvollste Analysekategorie. Die Diskriminierung von Arbeiterkindern hat eine lange Vorgeschichte und zeigt eine Menge Aspekte eines klassischen Klassenkampfs auf. Dieser Kampf kann mit Individualisierung, Kulturarisierung und Identitätspolitik bzw. Zielgruppenpolitik nicht grundsätzlich verändert werden. Der Begriff des Arbeiterkindes ist außerdem zu statisch um die dynamische Realität von Aufstieg, Abstieg, wechselnden Gruppenidentifikationen usw. einzufangen. Auch hier könnte 'Klasse' helfen.

RE: Unser Freund, der Neoliberalismus | 10.11.2015 | 20:24

"Statt weiter wie das Kaninchen vor der Schlange zu erstarren, stände es Linken gut zu Gesicht, den Diskurs endlich wieder selbst mit Strategien zu fluten." Und für die sogenannte Flüchtlingskrise verhält es sich genauso.

RE: Das kleine Buch gegen den großen Blödsinn | 31.10.2015 | 20:42

vielen Dank für den Hinweis und für die vielen Ideen und Anregungen!! Herzlich

RE: Das kleine Buch gegen den großen Blödsinn | 31.10.2015 | 17:22

Am Ende ist die Sache eben auch schwarz-weiß, wenn es um Grundrechte geht (entstanden vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs/Holocausts). Sich "mal langsam Gedanken machen" geht einfach nicht, wenn es draußen nachts friert und die humanitäre Katastrophe bereits eingetreten ist. "Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das erste Baby hier erfriert", heißt es seitens der Stabsstelle im Landkreis Passau." Siehe: https://www.facebook.com/ZDFheute/videos/10153723173950680/ Die Idee, dass aus Europa eine Festung gemacht werden kann, wie in diesem Video suggeriert wird, ist daher tatsächlich einfach undmenschlich, wie wir immer wieder feststellen können.

RE: Das kleine Buch gegen den großen Blödsinn | 30.10.2015 | 16:39

Die gloreiche Alternative zu einem affirmativen, bejahenden Ansatz sehen wir jetzt -- polarisieren, verkrampfen, frontextisieren. Bzgl. "Eigenverantwortung": Ist es nicht ironisch, dass die deutschen Polit-Profeten des Neoliberalismus nun selbst ihre Verantwortung in der sogenannten 'Flüchtlingenkrise' auf die anderen versuchen abzuschieben (Ungarn, Slowenien, Rumänien, Griechenland, ...), wo Transitzonen etc. eingeführt werden sollen? Und was das arbeitsfreie Utopia betrifft: Das Ende der Rezension beantwortet diese Bemerkung bereits, glaube ich. Herzlich