Teresa

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Fällt die Occupy-Bewegung ihrer eigenen Offenheit zum Opfer? | 29.10.2011 | 10:32

Zu Zeitgeist sind sicherlich Leute gekommen, die auf der Suche nach Lösungen waren. Sie fanden das, was da vorgeschlagen wurde, überzeugend und vertreten es daher nun selbst. Attac mit seiner Steuer ist doch dasselbe. Ich sehe nicht, warum sie auf einmal von frei denkenden Menschen zu unfreien Nachplapperern gerutscht sein sollen und bin mir sicher, daß man mit ihnen sehr gut diskutieren kann und wenn man einen guten anderen Vorschlag hat, sie sich auch beeinflussen lassen. Oder meinst Du, sie seien "Gehirngewaschen"? Darauf läuft nämlich diese Argumentation dann hinaus. Das solltest du aber gut belegen können.
Ganz unabhängig davon begegne ich täglich Leuten, die total überzeugt davon sind, daß es meinetwegen für die Gerechtigkeit auf Erden unerlässlich ist, seine Socken nur alle zwei Wochen zu wechseln. Zwanghaftigkeit ist eine normale Neurose heutzutage. Aber damit wird man gut fertig in einer Assamblea.

Sorry, ich habe das falsche Wort gewählt. Ich meinte "Verhalten der Diffamierung". Das ist, denke ich, mal geläufig. Ich bin Biologin (den soziologischen Touch habe ich von meinem Vater) und im Asta der FU waren wir per definitionem als Biologiestudenten für einige schon Faschisten.

Um die Generationen, also diejenigen davon, die etwas verändern wollen, zusammenführen zu können, muß dieses unfaire "Schutzverhalten" (sprich Diffamierung) der Etablierten gegenüber den neuen Kräften aufhören. Dazu gehört eben auch, daß man sich eingesteht, daß man jetzt zu den Alten gehört und man gewisse Dinge abgeben sollte. Einzelpersonen schaffen das ja oft ganz gut, Strukturen sind da inert. Daher wohl auch dieser Frust gegenüber Organisationen und Parteien.

RE: Fällt die Occupy-Bewegung ihrer eigenen Offenheit zum Opfer? | 27.10.2011 | 23:51

Ick glob ick bin een Hippie. Also lange habe ich mir Gedanken über das "Böse" im Menschen gemacht...naja, das führt jetzt hier zu weit... Ich denke, ich halte es im Handeln lieber mit den Hippies als mit den Sektenbeauftragten, nämlich indem ich einen tieferen wohlwollenden Blick auf den Gegenüber habe und versuche zu begreifen, was da in ihm strampelt und das ist ja sehr komplex und auch sehr variierend, wir sind ja Menschen. Wenn man den Menschen mit einem solchen interessiert-liebevollen Blick begegnet, weckt man etwas. Mir ist das selbst so passiert, als ich das erste Mal zu den aCAMPada Leuten auf den Alex gegangen bin. Ich hoffe, daß wir es in der Assamblea schaffen, diese interessierte Liebe für jeden Einzelnen zu bewahren. Denn die daraus entstehende Atmosphäre von Zusammenarbeit und Solidarität verhindert jegliche "unlautere" Absicht. Das ist einfach zu stark.
Hat eigentlich Zeitgeist keine Angst, von Occupy unterwandert zu werden? Vielleicht haben die Mitglieder keine Lust mehr, da mitzumachen, weil sie lieber nur noch bei Occupy sich engagieren. :-)

RE: Fällt die Occupy-Bewegung ihrer eigenen Offenheit zum Opfer? | 27.10.2011 | 23:29

Diejenigen, die jetzt institutionalisiert sind haben ihre Zeit gehabt. Sie haben etwas angeschoben, Dinge verändert - damals. Darauf gründet sich jetzt auch ihre Machtposition. Sie können immernoch gute Analysen teilweise liefern, aber sie haben die Kraft zur Veränderung verloren, u.U. auch, weil das für sie selbst garnicht mehr wünschenswert wäre. Sie haben sich ja gut eingerichtet. Daher kommt es, daß sie sich von neuen Bewegungen, die was neues, zeitgemäßes reinbringen und gut ankommen bei den Menschen, bedroht fühlen. Diese machen eigentlich das, was sie sich auf die Fahnen geschrieben haben.
Sorry, für diese vereinfachende prozesshafte Sicht der Dinge. Aber so habe ich mir dieses Verhalten der Denunziation, das ich so oft beobachten musste, erklärt. Dialektik der Generationen nennt man es wohl.

RE: Fällt die Occupy-Bewegung ihrer eigenen Offenheit zum Opfer? | 27.10.2011 | 07:59

Also ich denke, daß der Bewegung (die für mich nicht nur Occupy ist) von zwei Seiten Gefahr droht: Von Gruppierungen, die sich selbst innerhalb der Bewegung profilieren wollen und von der etablierten, institutionalisierten Linken, die alles ganz genau weiß (obwohl sie keine sichtbare Antwort auf die Krise entwickelt hat in den letzten Jahren).
Letztere ist meiner Meinung nach, die größere, denn sie haben viele Ressourcen, Verbindungen, Sektenbeauftragte, deren bezahlter Job es ist, hinter jedem Baum einen Dieb zu sehen.

@ Andrew: So wie Du Dich hier allem stellst, kann ich keinerlei Bestätigung der Kritik finden. Ich finde es lustig, daß man Dir sogar daraus ein Grab buddeln will, indem man sagt, das sei ja klar, daß jemand in einer öffentlichen Diskussion nicht sein wahres Gesicht zeigt. Damit wird Dir jede Chance genommen und Du kannst nur verlieren. Ich wünsche Dir viel innere Ruhe, damit Du weiterhin gewaltfrei reagieren kannst.

Aber eigentlich gibt es keine Gefahr. Denn die Leute in der Assamblea sind nicht dumm und die Form verhindert beiderlei Einflußnahmen. Es wird sicherlich Rückschläge geben und starken Zwist zwischen Leuten innerhalb von Assambleas. Es ist ja nun wahrlich keine leichte Aufgabe, alle Menschen ernst zu nehmen, wie es in der Basisdemokratie gefordert wird. Wir sind ja anders trainiert. Wir sind ja darauf trainiert, Menschen unlautere Absichten zu unterstellen. Ich denke, daß sich gerade ein Bewußtsein am Entwickeln ist, das diese Mentalität infrage stellt und der Hunger nach echter Demokratie ist Ausdruck davon.

Eine für mich persönlich spannende Diskussion, aber es gibt viele wichtige Dinge jetzt zu tun. Die Arbeitsgruppen der Assambleas sind am Arbeiten mit viel guter Energie und, wenn es einem um die Sache geht, dann sollte man da jetzt seine Kraft und sein Wissen reinstecken, egal, woher man es nun hat und von wem man manipuliert wurde ;-))

RE: Fällt die Occupy-Bewegung ihrer eigenen Offenheit zum Opfer? | 26.10.2011 | 00:39

Ich fühle mich gedrängt, hier einmal etwas zu schreiben, obwohl mich die Zeitgeist Bewegung nicht interessiert und ich viel zu großes Vertrauen in den derzeitigen Prozess (welcher ein globaler ist) habe, um Angst vor "Unterwanderung" oder so zu bekommen. Seit Jahrzehnten schon beobachte ich, wie auf genau diese Art, neue Ideen von neuen Leuten kaputt gemacht werden. Man sagt von ihnen, sie seien eine Sekte, Psychogruppe oder faschistisch organisiert. Das ist das gängige, um interessierte Leute effektiv abzuschrecken. Ich habe einige Male in Berlin mit anschauen müssen, wie mit ähnlich unkonkreten Aussagen Gruppen durch den Dreck gezogen wurden, die irgendeine Idee davon hatte, die Welt ein Stückchen besser zu machen und in ihrer Naivität nicht wußten wie sie reagieren sollten. Die Motivation dafür war meiner Meinung nach meist Konkurrenzverhalten von Seiten etablierter linker Kräfte, wobei ich hier garkeine Absicht unterstellen möchte. Das wird oft einfach ein Selbstläufer.

Immer diese Angstmacherei statt Vertrauen darin zu haben, daß die Menschen schon selbst wissen, was sie tun. Und wenn nicht alle, so doch die allermeisten.

Bei der jetzigen neuen Idee, die ihren Ursprung in vielen Menschen des arabischen Frühlings, in Spaniens 15-M usw. hat, die sich ganz klar gegen Organisationen und Parteien ausspricht und für die Teilnahme und damit Verantwortung jedes Einzelnen, ist eine solche Verunglimpfung natürlich schwieriger. Daher redet man jetzt von Unterwanderung durch eine entsprechende Gruppe. Die Vorwürfe in diesem Artikel fand ich alle sehr schwammig und beruhten auf Behauptungen oder Interpretationen anderer, auf deren Expertentum man sich verlässt. Die Links habe ich teilweise nachverfolgt, da findet man äusserst unglückliche Bemerkungen einzelner Zeitgeistler. Keiner von ihnen sagt aber wirklich definitiv, es hätte den Holocaust nicht gegeben oder ähnliches. Abgesehen davon sind es keine Grundsatzdokumente der Organisation selbst. Diese sollte besser eine klare Stellungnahme abgeben, aber ich kann mir ihre Lage sehr gut vorstellen, wie sie darum ringen, ob sie die Vorwürfe beleidigt ignorieren sollen oder etwas sagen, womit das ganze noch mehr in die Öffentlichkeit gelangt, was ihnen dann eventuell eher noch mehr schadet.

An sich habe ich auch keine Ahnung von Zeitgeist, finde die Idee von einem Computer regiert zu werden sehr unangenehm, und vielleicht sind sie eine faschistische Sekte wie hier behauptet. Ich habe bloß noch nicht erfahren, worin die Gefahr für Einzelne besteht und für unsere Idee einer echten Demokratie. In dem Moment, wo sie im Namen von Zeitgeist reden bei der Assamblea, wird man ihnen nicht mehr zuhören wollen. Wenn sie als Einzelpersonen diskriminierende oder einfach dumme Ideen vertreten, habe ich das Vertrauen, wird man sie auch mit der besonderen Art der Assamblea zum Schweigen bringen. Der basisdemokratische Prozess hat seine eigenen, inhärenten Schutzmechanismen gegen Extremismus und Unmenschlichkeit. In ihn nicht zu vertrauen hieße, den Menschen generell nicht zu vertrauen, daß sie fähig sind, zu menschlichen, nicht-diskriminierenden Grundsätzen zu kommen.