RE: Neustart, bitte warten | 23.08.2018 | 00:51

Das Problem des Internets - so wie wir es bisher kennen - ist seine nahezu ausschließliche Werbefinanziertheit.

Alles, was im Netz erfolgreich sein will, muss für den Werbemarkt optimiert sein, dennoch reichen die knappen Einkünfte lediglich für die Aktionäre der globalmonopolistischen Plattformen, aber keineswegs dazu aus, um anspruchsvolle Inhalte zu refinanzieren. Im Grunde ist unser Internet ein riesiges RTL2.

Als Alternative muss ein öffentlich-rechtliches Angebot im Netz aufgebaut werden. Dieses Angebot kann all die typischen Dienste umfassen, die auch heute vorrangig genutzt werden: Suchmaschinen und Kartendienste (statt Google), Bestelldienste (statt Amazon), Chatportale (statt Facebook), journalistische Angebote, Info- und Wissensportale, sowie umfangreiche Mediatheken für Fotos, Filme und Musik (statt Youtube und Netflix)

Dieses Angebot muss international aufgebaut werden und auch aus einem internationalen Fonds finanziert werden. Gespeist wird dieser Fonds aus Geldern, die ohnehin für öffentlich-rechtliche Angebote aufgebracht werden, ergänzt um einen Zuschuss aus Steuergeldern. Verwaltet wird dieses Budget dann von nationalen, kontinentalen und globalen Komissionen, die in einem demokratischen Verfahren besetzt werden um das Angebot zu koordinieren und zu organisieren.

Zur Angebotsgestaltung greift man auf die Dienste von bestehenden Software-Unternehmen, Sendeanstalten, Produktionsfirmen, Verlagen, und nicht zuletzt auch den Nutzern (in Form nutzergenerierter Inhalte) zurück. Inhaltlich ist alles offen, allerdings sollten gewisse Mindeststandards definiert werden: Quelloffenheit, keine Fakenews, keine menschenrechtsverletzenden oder diskriminierenden Inhalte, Jugendschutz etc. und - ganz wichtig - keinerlei Speicherung oder gar Verwertung von Nutzerdaten!

Ein solches (Hochkultur-)Angebot löst die beiden Hauptprobleme des werbefinanzierten (Trashkultur-)Internets: es steht ein angemessenes Budget für Qualitätsinhalte zur Verfügung und das Angebot ist unabhängig von kommerziellen Zwängen und den daraus folgenden Verhaltensweisen (Fakes und Trashinhalte, Clickbaiting, Datensammelwut und Monopolisierung) .

Der Rundfunkbeitrag müsste allerdings um ein paar Euro angehoben werden, auch wenn das den RTL2-Fans nicht zusagen wird.

RE: Sich der Zersplitterung entgegen stellen | 17.07.2018 | 03:41

Der Feind des Gemeinwohls ist der Egoismus. In diesem Sinne ist der Patriot der Feind der Menschheit. Die Nation bedeutet nichts anderes als kollektiven Egoismus in Abgrenzung zu allen anderen. Nicht in einer angeblichen Ausgrenzung irgendwelcher anderer Gruppen, als schlichtweg aller Menschen anderer Nationalität besteht die Niedertracht der Rechten und somit die Gefahr, die für das Überleben der Menschheit von ihnen ausgeht.

Ich bin sehr für eine globale, am Gemeinwohl orientierte Regulierung der Wirtschaft, insbesondere des Kapitalmarktes. Aber der Kapitalismus fördert nicht nur Innovationen und sorgt weltweit für wachsenden Wohlstand, der globale Handel ist der Garant für Frieden. Aus diesem Grund ist jeder für mich raus, der den Kapitalismus "abschaffen" will. Eine am Gemeinwohl orientierte, demokratische, pazifistische und fortschrittliche Bewegung (vulgo: eine "linke" Bewegung) muss den Kapitalsmus akzeptieren und seinen Nutzen für die Menschheit anerkennen, auch um ihn zu lenken und zu regulieren.

Die Linke (Linkspartei) steht für jedoch eine Teilbewegung, die genau dies eben nicht tut. Vorrangig aus traditionellen Gründen, was kein Zeichern von Fortschrittlichkeit ist, teilweise aber auch aus Neid auf ein paar wenige Superreiche, die einem herzlich egal sein können. Gerade die traditionsbehaftete Linkspartei verhindert eine fortschrittliche, linke Bewegung und entsprechende Mehrheiten im Parlament. Indirekt befördert sie damit auch den unheilvollen Aufstieg der finsteren Nationalisten.

Ich habe den Aufruf unterzeichnet, obwohl der Slogan blöd ist. Wer könnte etwas gegen "Heimat" haben und wieso sollte Solidarität mit dem Rest der Menschheit dazu im Widerspruch stehen? Ihrem vernünftigen Anliegen stehen Sie allerdings mit der Linkspartei selbst spalterisch im Weg, Frau Gohlke.

RE: Die Große Bibliothek bleibt offline | 17.07.2018 | 03:08

Natürlich wäre eine große alexandrinische Universalbibliothek, eine digitale Allmende (für alle kulturellen Sparten) etwas sehr Wünschenswertes. Der Verwirklichung stehen jedoch zwei grundsätzliche Hindernisse im Weg:

1.) es braucht ein Budget für die Kulturschaffenden, die diese Bibliothek mit (neuen) Inhalten füllen - dieses Budget sollte idealerweise steigen, nicht nur im Sinne des Inflationsausgleichs, sondern einer kulturellen Evolution

2.) es braucht einen globalen, öffentlichen, unabhängigen, unkommerziellen und verbindlichen Dienstleister, der diese mediale Universalbibliothek dauerhaft bereitstellt - also nicht Google!

Der Rundfunk-Staatsvertrag ist das Beispiel, an dem man sich weltweit orientieren sollte. Er garantiert beides, ein stattliches Budget, sowie kommerzielle und politische Unabhängigkeit. Darüberhinaus ist das Angebot am Gemeinwohl orientiert und unterliegt öffentlicher Kontrolle.

Leider dürfte es noch eine Weile dauern, bis unsere "Netzpolitiker" zu diesen eigentlich einfachen Einsichten gelangen. Bis dahin darbt das Musikgeschäft weiterhin auf knapp der Hälfte der Einnahmen der Neunzigerjahre dahin und der Buchmarkt befürchtet zu Recht, dass ihnen dieselbe wirtschaftliche Katastrophe droht, wenn sie die Büchse der Digitalpandora mehr als nur einen winzigen Spalt weit öffnen.

RE: „Ist das Heroische schlimm?“ | 10.07.2018 | 04:34

Ich bin enttäuscht von Frau Dorn. Sie findet Thomas Mann toll - ok, Thomas Mann war Patriot/Nationalist - also findet sie auch Patriotismus/Nationalismus toll. Wenn Thomas Mann eine Pockannarbe gehabt hätte, würde sie dann auch Pockennarben toll finden?

Der Nationalismus ist eine Krankheit, die mehr Opfer gefordert hat, als die Pest. Natürlich lebt der Mensch in einer region, dort herrschen geographische, politische und kulturelle Gegebenheiten vor und es gibt eine Geschichte der Region. Natürlich wandern die Menschen in andere Regionen und die Kultur verbreitet sich auf allen medialen Wegen in die ganze Welt. Es gibt nur eine Menschheit und deren Kultur war immer schon miteinander verwoben. Heutzutage wird sie mehr und mehr eins - und das ist gut!

Nie Nation war ursprüglich ein politisches Konstrukt zur Überwindung des Feudalwesens, hat dann aber ein furchtbares Eigenleben gewonnen. Angefeuert durch vielfache Narrative wurde die Nation im 19. Jahrhundert zu einer gefühlten Wahrheit und war doch nur eine Chiffre für rücksichtslosen kollektiven Eigennutz. Zwei Weltkriege sind die Folge des Nationalismus und ein dritter könnte folgen...

Höchste Zeit also diesem Unsinn ein Ende zu machen! Ich bin stolz Deutscher zu sein und liebe unser gutes Land. Der Deutsche ist hifreich, edel und gut, er besitzt Anstand und Charakter - genauso wie die allermeisten Menschen auf der Welt. Der Rest wählt AfD, FN oder Trump. Was uns Deusche kennzeichnet ist, dass wir die Krankheit des Nationalismus überwunden haben!

Frau Dorn empfehle ich, sich einen besseren Freundeskreis zu suchen. Es gibt keinen redlichen Patrioten, keinen guten Patriotismus und keine Zukunft für eine in Nationen aufgespaltene Menschheit!

RE: Nur ein Etappensieg für das Internet | 10.07.2018 | 03:55

Das Internet ist das erste Medium, das die wirtschaftlichen Möglichkeiten für Produzenten medialer Inhalte nicht verbessert, sondern radikal verschlechtert hat - so dämlich ist die Menschheit!

Wir erleben daher weder ein Wirtschaftswachstum noch eine kulturelle Blüte durch das Netz. Stattdessen bricht der Musikmarkt ein und Zeitungen sterben während Youtube-Influencer und Nazi-Fakenews-Produzenten kostengünstig den Internetkonsumenten verblöden.

Nutznießer sind Google (Youtube), der weltgrößte Musikverwerter und Facebook, der weltgrößte Journalismus-Verwerter. Logisch, das maximal mächtiger Anbieter auch Erzeugerpreise maximal drücken und die Öffentlichkeit darüber maximal desinformieren können.

Jeder Thinktank, jede netzpolitische NGO, jeder Netzaktivist von Wikimedia, der Electronic Frontier -, New America - und Mozilla Foundation bis hin zu Creative Commons ist von Google finanziert und leistet in dessen Sinne höchst erfolgreichen Graswurzellobbyismus. Die Kampagnen heißen "Verteidige dein Netz" oder "Save your Internet" und verbreiten furcherregende Lügen über das drohende Ende des "freien Internets" oder "Zensurinfrastrukturen". Es sind nicht nur die Dümmsten, die diesen Unsinn ungeprüft glauben.

Jeder Hinz und Kunz ist für das Angebot seiner Firma voll verantwortlich, nur Google und Facebook nicht, die vom Provider-Privileg fürstlich profitieren. Googles "gemeinnützige" Vasallen konnten offenbar die EU-Parlamentarier (und auch - wer hätte das gedacht - Frau Bär von der Lufttaxi-CSU!) davon überzeugen, dass dies auch weiterin so bleiben soll. Die Ausbeutung der Tonkünstler und Journalisten darf also munter weitergehen.

Seit den dreißigern Jahren in Deutschland gab es keinen vergleichbaren Angriff auf Kulturschaffende und die freie Presse. Manche mögen dies ausdrücklich begrüßen, so die AfD und die Piratenpartei, aber es ist geradezu lächerlich, dass viele "Netzverteidiger", die Beckedahls und Niggemeiers (und wohl auch Nikolas Beckers) dieser Republik sich im gegenteiligen Sinne agierend wähnen, während sie dazu beiragen, Kultur und Demokratie zu beschädigen.

http://makeinternetfair.eu/de

P.S.: Es ist übrigens bezeichnend, dass der Artikel mit einem Sperrbildschirm von Youtube illustriert ist - bezeichnend für die unerschütterliche Faktenresistenz im Netzaktivismus! Youtube hat jahrelang willkürliche Sperren verhängt, um die GEMA unter Druck zu setzen. Eine Strategie, die man auch in anderen Ländern erfolgreich angewendet hat, z.B. in England. Die GEMA hat dagegen geklagt und den Prozess gewonnen - verstanden hat aber offenbar trotzdem niemand, dass diese Sperren NIEMALS NICHT von der GEMA stammten, sondern Teil von Youtubes unverschämter und perfider Strategie waren, die Preise für Musik zu drücken und Musikschaffende öffentlich zu diffamieren und einzuschüchtern.