Joshua Schmidt

Joshua Schmidt studiert Politikwissenschaft und Soziologie. Er interessiert sich für Nachhaltigkeit, Soziale Bewegungen und Nord-Süd-Beziehungen.
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RE: Nicaragua: Auf der Suche nach Demokratie | 20.04.2020 | 18:22

Im Gegensatz etwa zu Venezuela, wo die USA zum Teil offen das Interesse an einem Regime-Change bekunden, ist das internationale Interesse an Nicaragua gering. Vermutlich liegt dies daran, dass das Land globalwirtschaftlich weniger relevant ist. Nennenswerte Ressourcen (außer etwas Gold) besitzt es nicht (im Gegensatz zum Öl in Venezuela), die landwirtschaftlichen Exporte müssen sich dem Weltmarkt unterwerfen, militärisch geht von dem Land keine Gefahr aus.

Zudem ist das Interesse anderer Staaten natürlich auch kritisch zu sehen. Ein von außen herbeigeführter Regime-Change ist nur schwer zu legitimieren und sollte nicht zur Debatte stehen, gerade wenn man die Geschichte Lateinamerikas betrachtet und aus ihr lernen will. Auf der Seite der Verbündeten stehen traditionell Kuba und Venezuela, diese Staaten befinden sich jedoch selbst in der Krise.

Der Nicaragua-Kanal hätte strategisch sicherlich als chinesische Alternative zum Panama-Kanal gehandelt werden können. Aktuell steht er allerdings kaum mehr zur Debatte. Es gab Berichte über die Insolvenz des Investors, über den ersten Spatenstich ging der Bau nie hinaus. Dennoch muss weiterhin beachtet werden, dass dem Investor, unabhängig vom Bau des Kanals, die Landnutzungsrechte für 100 Jahre vertraglich zugesichert wurden.