RE: Zwischen Skylla und Charybdis | 15.09.2013 | 16:47

Steht sie dort denn wirklich noch? Oder stehen nicht vielleicht einige Bürger dieses Landes noch dort, wo die Debatte vor 20 Jahren einmal stand? Und ist es nicht gerade dieses dem Diskurs hinterherdenken, was sich dann nur noch durch wütende Betroffenheit und Wiederholungszwang Geltung schafft? Eben darum, weil sich vieles von dem, was sich dieser Tage in der Welt abspielt und was wir an öffentlicher Diskussion erleben, sich nicht mehr oder nur noch gewaltsam in solche stereotypen Schemata integrieren läßt?

Wenn eine strenggläubige Muslima sich als Feministin versteht und sich dafür engagiert, kritisch ihren eigenen Glauben reflektiert und diskutiert, dann läßt sich das eben nicht mehr mit einer simplen Überzeugung a la Islam = Frauenfeindlich (weil...) zusammenbringen. Entweder renoviert man dann den Haushalt seiner Überzeugungen und Einsichten oder man weiß es besser als die Betroffenen selbst. Das ist aber nicht die deutsche Debatte, sondern meiner Meinung nach ein besonders im Netz vertretener lautstarker Teil dieser Debatte, der diese genau genommen auch nicht zu führen, sondern zu verhindern sucht.

RE: Zwischen Skylla und Charybdis | 13.09.2013 | 20:09

"Wieviele nichtislamische Mädchen in dem Alter kommen von alleine auf die Idee, so ein unpraktisches Teil zum Baden anzuziehen ?

Das ist keine natürliche Regung, das Zwang."


Ich möchte Sie beim Fragen aufwerfen nur kurz unterbrechen: Der Burkini ist ein Bekleidungsstück, das strenggläubigen Musliminnen, die sich also auch an die entsprechenden Vorschriften der Scharia gebunden betrachten, den Besuch von Schwimmbädern, Badehäusern und Strandarealen (gegenüber der ehedem üblichen vollständigen Bekleidung) bequemer ermöglichen soll. Nun ist aber nicht jede Muslima strenggläubig und wer das nicht ist, dem tritt so eine Vorschrift gewiss auch als Zwang gegenüber. Ob das aber der Fall ist oder nicht, das ist eine Frage des religiösen Empfindens, entsprechender Glaubenswahl und Glaubensauslegung. Bei Kindern und Jugendlichen problematisiert sich das für alle Religionen und deren Vorschriften.

Ob Eltern ihre Kinder zu etwas nötigen oder nicht, ist jedoch nicht Gegenstand des Kommentars, sondern wie wir darauf reagieren, wenn die Entscheidung (und unabhängig davon, wie wir es für uns selbst damit halten würden) gefallen ist. Und genau an diesem Punkt verrät sich meiner Wertung nach der fremdenfeindliche und teils auch islamophobe Blick, wenn wir es nämlich voraussetzen, dass "so ein unpraktisches Teil zum Baden" nur aufgezwungen sein kann. Und schlimmstenfalls gerinnt dieser Blick dann zu einem Stigma des betroffenen Menschens, ungeachtet dessen, was dieser selbst empfindet und darüber denkt.

RE: Zwischen Skylla und Charybdis | 12.09.2013 | 21:34

"Die Frau soll nicht mehr Haut zeigen, weil sie das will, sondern weil sie von den Blicken anderer verborgen sein solle, um dann zuguterletzt von nur einem Mann, eben dem Ehemann, gesehen zu werden. Dieselbe Denkungsart herrscht deswegen vor, weil die Frau sich über die Blicke des Mannes definiert."

Das kann so sein, muss jedoch nicht. Sprechen Sie mit den Menschen selbst oder lesen sie, was sie schreiben. Weder Kopftuch noch Burkini sind per se Indikatoren für die Unterdrückung der Frau. Um das auch nur annähernd valide zu diagnostizieren bedarf es der Auseinandersetzung mit den Menschen und ihren Lebenspraxen. Emanzipation und Feminismus müssen nicht in diametralem Widerspruch zu religiösen Bekleidungsvorschriften stehen. Dieser Gedanke trägt den Kommentar. Und solche selbst wieder problematischen Stereotype in Frage zu stellen, sollte eine der ersten Bürgerpflichten in diesem Land mit seiner durch Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geprägten Geschichte und Gegenwart sein.