War GameStop Klassenkampf?

Aktienmarkt Am Donnerstag wurden kurz Träume war: Ein Hedgefund drohte pleite zu gehen, weil Kleinstanleger:innen ihn ins Straucheln gebracht hatten, zumindest auf den ersten Blick.
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Dass der Kurs der Game-Stop Aktie in den letzten Wochen alle Wachstumsrekorde brach, ist zu Genüge erklärt worden, auch wurde ausführlich auf die finanziellen Machenschaften und entsprechenden Finanzprodukte hingewiesen. Viel interessanter ist jedoch, ob es sich dabei um einen Klassenkampf zwischen sogenannten „Retards“, „Memearmeen“ oder „Redditors“ und Hedgefunds und sogenannten institutionellen Investor:innen handelt.

Apps wie TradeRepublic und Robinhood gibt es noch nicht sehr lange und sind sicherlich eine kleine Revolution für den Aktienmarkt und kleine Anleger:innen. Bisher mussten Kleinanleger:innen zu einer Bank oder einem Broker gehen und dort Provisionen zahlen und andere Leute für sich traden lassen. Diese neuen Apps ermöglichen allen mit Smartphone in Echtzeit für geringe Gebühren von zum Beispiel einem Euro zu traden. Während also Daytrading bisher nur Nerds oder Bänkern vorbehalten war, können es jetzt im Grunde alle einfach über’s Handy tun.

Nun behaupten einige, dass dieser Umstand und, dass in den USA viele durch Corona ihren Job verloren, sie dann aber genug Zeit und ein paar Kröten übrig hatten, daszu geführt hat, dass sie zu traden anfingen. In Social-Media-Foren tauschten sich massenweise kleine Trader:innen aus und überlegten sich Strategien möglichst viel und möglichst schnell Geld zu verdienen. Wie genau es dazukam, dass sich so viele auf diesen einen Weg einschossen GameStop zu kaufen, werden wir nie oder erst später erfahren, fest steht es müssen Menschen gewesen sein, die sich besser mit den entsprechenden Finanzinstrumenten auskannten. Die Geschichte des Klassenkampfs lässt sich aber so natürlich gut erzählen, vor allem, wenn mensch Geschichten liest, wie dass die Eltern eines „Redditors“ 2008 wegen den Lehman Brothers das gesamte Ersparte verloren haben und er sich jetzt die Kohle zurückholen wird. Oder, dass ein anderer seinen schlecht bezahlten Job bei McDonalds an der Kasse verloren hat und nun keine andere Möglichkeit sieht seine Miete zu zahlen, als ein paar Hedgefunds abzuziehen.

Doch ist es wirklich ein Kampf derjenigen, die ihn vorgeben zu kämpfen? Dann wäre das vielleicht tatsächlich ein Klassenkampf, der aber nur wenig ausrichten dürfte. Sehr wahrscheinlich ist aber auch, dass es sich eher um einen kleinen Aufstand am Rande der eigentlichen Schlacht handelt, der wenn er zu groß wird, schnell Teil der Schlacht wird, in der sie mit Mistgabeln gegen Maschinengewehre kämpfen. Im heutigen Informationszeitalter ist es nicht unrealistisch, dass einige Player im undurchsichtigen Finanzjungle gezielt einen solchen Schlag gegen Konkurrent:innen ausgeführt haben. Profitiert von dem hohen Kursrutsch bei GameStop haben nicht nur kleine Trader:innen, sondern auch große Fische. Außerdem ist die Frage, was dieses Ereignis für einen Schaden anrichten konnte? Ein Hedgefund musste 2,75 Milliarden US-Dollar von einer Bank leihen. Das sind Peanuts, wie wir nach den letzten Finanzkrisen erfahren haben. Und selbst wenn sowas wirklich zu einem Crash führt, also einige Hedgefunds sogar pleite gehen. Wer wird dann wohl für die Krise zahlen?

Die Vorstellung, dass es sich bei dieser Sache um einen Klassenkampf handelt ist verlockend. Doch von einem wirklichen Kampf kann hier nicht die Rede sein, das war bestenfalls ein Luckypunsh und dabei ist unklar, wer den wirklich gelandet hat. Das werden erst die nächsten Wochen zeigen. Sollte diese Aktion wirklich einen Crash auslösen, dann werden die Staaten – also die Steuerzahler:innen, also vor allem die kleinen Trader:innen – in die Bresche springen, wenn diese ihre Finanzpolitik nicht grundlegend ändern und ganz viele andere Kleinanleger:innen im Zuge des Crashs ihr Geld verlieren.

Ganz am Ende bleibt immer noch die Frage stehen, wer sind diese kleinen Trader:innen eigentlich? Selbst, wenn Millionen von ihnen nur kleine Beträge von 100-500 Dollar investiert haben. Wer hat denn das Geld und die Zeit in einer Situation wie dieser Pandemie sich mit Trading zu beschäftigen, geschweige denn den Stimuluscheck postwendend an die Börse zu tragen?

17:20 03.02.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

JPJD

Schreibt gerne, aber nur selten.
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