Der Mythos Rommel lebt

Propaganda Was TV-Drama und Dokumentation im Ersten über Erwin Rommel nicht verrieten

Das öffentliche Theater um den Rommel-Film im Ersten Programm des Deutschen Fernsehens war ein Triumph des „Doktor Goebbels“, wie er diesem auch zu Lebzeiten nur selten zuteil wurde. Die letzten Wochen konnte man glauben, Erwin Rommel sei einer der herausragenden Figuren des 20. Jahrhunderts gewesen, zumindest einer der besten Generäle. Das war der Mann aus Heidenheim an der Brenz aber nur in den Inszenierungen der Propaganda. Dass diese bis heute kaum etwas von ihrer Kraft verloren haben, ist das Bemerkenswerte dieses Filmereignisses, das allerdings auch ermöglicht wurde durch den heutigen Konformismus in den Medien.

Rommel, verdientermaßen ein hochdekorierter Offizier des Ersten Welt-kriegs, sagte einmal zu seinem Sohn, er habe schon als Leutnant gewußt, wie man eine Armee führt. Tatsächlich hat er seinen Krieg in Afrika geführt, wie ein Leutnant an der Spitze seines Spähtrupps. Die Wehrmachtsführung in Berlin war darüber wütend, Hitler war begeistert, Goebbels hatte sein Super-Thema und Rommel spielte mit. Dabei riss er sich wahrlich nie ein Bein aus, um „dem Führer“ zu gefallen, der fand Gefallen an dem politischen Ignoranten. Rommels Karriere war in der Reichswehr nicht gefördert worden. 14 Jahre lang blieb der Pour-le-Mérite-Träger Hauptmann. Höhere militärische Ausbildung erhielt er nicht. Schuld daran waren die alten Militär-Eliten, die Hitler je länger je mehr verabscheute. Rommel durfte unerhört eigenmächtig sein, Rommel durfte Fehler machen. Er war schuldig am verlustreichen Scheitern des ersten Angriffs auf Tobruk, aber er schob die Schuld wüst schimpfend auf General Streich, den er nach Berlin zurückschickte. In der Wehrmacht wusste man, was davon zu halten war.

Der jetzt entstandene Film deutet mehr davon an als die anschließend gesendete Dokumentation. Aber auch der Film ließ im Ungewissen, was durchaus klarer hätte bezeichnet werden können: Es waren Wehrmachtsgeneräle, nicht Parteistellen, die letztendlich über ihren Kameraden den Stab brachen. Der Eindruck, dabei könne Neid im Spiel gewesen sein, ist falsch. Sie trauten Rommel nicht – und in dieser Situation weniger denn je. Erwin Rommel hatte – was die Verschwörung gegen Hitler betraf – halbe Sachen gemacht: verhaften ja, töten nein. Das ist das Falscheste, was ein Soldat tun kann. Die Nazis hielten am Mythos Rommel fest. Der Mythos lebt bis auf den Tag. Die Welt will betrogen sein.

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