Freunde und Feinde

AfD Die Wahl in Nordrhein-Westfalen hat gezeigt, dass die katholischen Regionen wenig von Gauland und seinesgleichen halten
Ausgabe 20/2017
Alexander Gauland ist immer für einen kalkulierten Fehltritt zu haben
Alexander Gauland ist immer für einen kalkulierten Fehltritt zu haben

Foto: Photothek/Imago

Kein Aufmerksamkeit heischendes Ereignis in der Politik wäre vollständig ohne eine Sauerei aus den Reihen der AfD. Dafür war dieses Mal der brandenburgische Landtagsabgeordnete Alexander Gauland zuständig, der Spitzenkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl. Er nannte Angela Merkel „Feindin“. Zuerst hatte er „Gegnerin“ gesagt, korrigierte sich aber gleich und schob „Feindin“ hinterher. Gauland, der in Diskussionen gern einmal eine lateinische Sentenz einfließen lässt, weiß als Jurist, was im römischen Recht eine innerstaatliche Feinderklärung bedeutet. Der so Gebrandmarkte wird außerhalb der Rechtsgemeinschaft gestellt. Er ist vogelfrei. Das ist ein bisschen direkter als das Freund-Feind-Denken, das der nationalsozialistische Rechtslehrer Carl Schmitt für die Politik forderte.

Wes Geistes Kinder die AfD-Wähler sind, kann man immer noch schwer auf einen einzigen Begriff bringen. Aber wes Geistes sie ganz gewiss nicht sind, kann man zwei Wochen vor Pfingsten ganz genau sagen: Der Heilige Geist ist nicht bei ihnen. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat wieder einmal gezeigt, dass die katholischen Regionen wenig von Gauland halten. Auch wenig von seiner Ko-Spitzenkandidatin Alice Weidel. In ihrer katholischen Heimat schnitt ihre Partei unterdurchschnittlich ab. In Münster erreichte die AfD in den beiden Wahlkreisen 3,4 und 4,0 Prozent der Stimmen. Im westlichen Münsterland blieb sie durchweg unter fünf, nur in Coesfeld II genau bei 5,0 Prozent, im Hochsauerlandkreis knapp darüber. In Paderborn schnitt sie von den katholischen Hochburgen noch am besten ab ( 6,5 und 7,2 Prozent), aber dort ist auch einer der schärfsten Merkel-Kritiker in der CDU, Carsten Linnemann, Bundestagsabgeordneter. Da mag schon der eine oder andere nachdenklich werden, ob er noch CDU wählen soll, wenn er nicht gerade Linnemann (Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung) selbst wählen kann.

Über zweistellige Ergebnisse darf sich die AfD nur in den alten großen Industrieregionen freuen, etwa in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Herne – aber nicht in Dortmund. Diesen Erfolg kann man auf einen Begriff bringen: Die Partei verdankt ihn Protestwählern. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass Gauland in den Kneipen des Ruhrgebiets – in denen man sich sehr wohlfühlen kann – sein Publikum trifft. Jahrelang erzählen Politiker von der SPD und der Linkspartei, die AfD gefährde das Wählerpotenzial der CDU. Seit Jahren ist zu sehen, dass das falsch ist. SPD und Linkspartei müssen bangen. Aber sie wollen es nicht wahrhaben.

Der Autor und Journalist Jürgen Busche schreibt in seiner Kolumne Unter der Woche regelmäßig über Politik und Gesellschaft

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