RE: Hayek oder Hitler | 01.02.2018 | 03:51

Herr Badura, nicht nur die Linke, sondern die gesamte Gesellschaft wird vor eine Zerreißprobe gestellt. Sie zeigen in ihrer intellektuell bescheidenen Schreibe nichts Neues auf, sondern reihen sich zu den Trittbrettfahrern, die die Problematik lieber in eine ideologische Chiffre pressen, um sich zu profilieren, anstatt diese nüchtern zu analysieren und zu dechiffrieren. Der Riss hat weitgehend ökonomische Hintergründe. Es geht um die Frage der Verteilung von Ressourcen. Die Volksparteien rechnen den Riss statistisch klein oder belächeln diesen. Insofern haben die AfD und ein großer Teil der Linken, darunter auch Wagenknecht, eine Gemeinsamkeit, indem sie den Riss thematisieren. Die spannende Frage ist, wie und in welchem Kontext Armut von AfD und Linke thematisiert wird. Anstatt nach dem Inhalt von Begriffen, Ideologien und Behauptungen zu schauen, werfen Sie alles in einen Mixer und zwingen uns Leser, diese widerliche Brühe zu schlucken: „national denkender Flügel“ …ist das ihr Ernst?

Höcke lockt mit einem schwülstig-sentimentalen Fantasiekonstrukt, einer plüschig, rosafarbenen Barbiewelt namens „Deutschland“, die aus den Fugen geraten ist, weil neben Ken jetzt ein dunkelhaariger John aufgetaucht ist. John muss das Barbiepuppenhaus verlassen, dann sind Barbie und Ken wieder glücklich.

Wenn Wagenknecht hingegen von „Deutschland“ spricht, dann lockt sie nicht mit schnell wirkenden eskapistischen Ideen, sondern zeichnet ökonomische und soziologische Grenzen politischer Gestaltbarkeit auf.

Zwar haben einige verwöhnte Einhornversteher wie Sie eine lustige Villa Kunterbunt vor Augen, in der Barbie und Ken gemeinsam mit John Spaß haben. Die offenen Fragen, woher Barbies teure Accessoires und das Bioessen herkommen und ob John als gleichberechtigter Mitbewohner, der notgedrungen einziehen musste, nicht auch über die Gestaltung seines Zimmers mitbestimmen darf, werden hingegen in einer riesigen Grube Scheiße mit der stillen Erwartungshaltung vergraben, dass John sich aus Dankbarkeit darum schon kümmern wird.

Mit John gibt’s bei Barbie und Ken erstmal Abwechslung. Vergessen sind ihre Sorgen während sie sich liebevoll um ihn kümmern. Weiterhin selbstzufrieden und unbesorgt genauso viel Scheiße zu produzieren wie vorher und all die, deren Lebenswelt darunter begraben wurde, nun gönnerhaft zu Schützlingen zu degradieren, führt dazu, dass es bald stinkig und ungemütlich wird.

Ken und Barbie sollten sich fragen, woher ihre Villa eigentlich kommt, wer sich um die Entsorgung ihrer Scheiße kümmert, warum sie eigentlich so viel davon produzieren. Wenn sie Lösungen gefunden haben, können sie John auf Augenhöhe fragen, ob er überhaupt Bock hat, in ihre sentimental verkitschte Villa einzuziehen.

Wagenknecht gehört zu den Mutigen, die die Linke und die Gesellschaft anmahnt, dass die Jauchegrube langsam voll wird und ein Topping aus Glitter und rosa Plüsch das Problem nicht lösen wird.