Der unschlagbare Preismechnanismus der Marktwirtschaft

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der unschlagbare Mechanismus des Marktes, so erklärt uns Tim Harford, habe "eine vollkommen effizient arbeitende Wirtschaft zur Folge". Harford arbeitet u.a. für die Financial Times, die Weltbank und die Universität Oxford und hat eine leicht verständliche Einführung in die Gedankenwelt der neoklassischen Ökonomie (die für die ohnehin Ökonomie schlechthin ist) mit dem deutschen Titel "Ökonomics. Warum die Reichen reich sind und die Armen arm und sie nie einen günstigen Gebrauchtwagen bekommen“ geschrieben. An anderer Stelle liefert er uns ein Beispiel für diese unschlagbare Effiziens, die tatsächlich ihres Gleichen sucht. Er beschreibt nämlich im 2. Kapitel die Strategie des "Preis-Targeting". Dabei geht es um die Lösung eines alten betriebswirtschaftlichen Problems: Wenn ich als Unternehmen die Preise eher niedrig ansetze, dann mache ich viel Umsatz, aber wenig Gewinn pro Stück. Wenn ich die Preise höher ansetze, dann sinkt zwar der Umsatz, dafür steigt aber der Gewinn pro Stück. Am Besten für mich wäre es nun, wenn ich dasselbe Produkt einmal billig und einmal teuer anbieten könnte – und so bei großem Umsatz trotzdem die zusätzliche Zahlungsbereitschaft derer mitnehmen kann, bei denen die Geldbörse etwas lockerer sitzt. Als klassische Beispielle dafür dienen ihm etwa unterschiedliche Kaffeevarianten, die zwar in der Produktion nahezu gleichteuer sind, aber eben unterschiedliche Käuferinnen-Schichten ansprechen.

Die besten 'Targeting'-Beispiele aus dem modernen Leben finden wir im Computerbereich. So stellte sich beispielsweise heraus, dass IBMs Laderdrucker 'LaserWriter E', der im Billigsegment angeboten wurde, baugleich war mit dem hochwertigen 'LaserWriter' - abgesehen davon, dass man dem Economy-Modell einen Chip spendiert hatte, der es langsamer machte. Für IBM war 'Preis-Targeting' offensichtlich nur dergestallt zu realisieren, dass man einen Drucker zu unterschiedlichen Preisen anbot. Doch damit die zahlungskräftigen Kunden den teureren Drucker akzeptierte, musste man den billigeren langsamer machen. Auf den ersten Blick riecht das nach Misswirtschaft, doch vermutlich war diese Lösung für IBM billiger, als zwei verschiedene Drucker entwerfen und bauen zu lassen. Der Chip-Hersteller Inteltrieb mehr oder weniger dasselbe Spiel und verkaufte ein und denselben Chip mal teurer, mal billiger. In diesem Fall kam der schlechtere Chip sogar in der Herstellung teurer als der gute, denn man nahm einfach den besseren Chip und deaktivierte einige seiner Funktionen.

Auch Software-Pakete werden häufig in zwei Versionen ausgeliefert: eine mit voller Funktionalität (die Professional-Version) und eine für den Massenmarkt zu einem reduzierten Preis.Den wenigsten Menschen ist jedoch bekannt, wie diese Produkte entstehen: Die Vollversion wird zuerst programmiert, sodass später für den Massenmarkt nur der Funktionsumfang reduziert werden muss. Den Kunden kostet die Professional-Version mehr, die Billigversion den Hersteller. Und natürlich werden beide Versionen heute auf CD geliefert, was bedeutet, dass in beiden Fällen dieselben Materialkosten anfallen.“

Eine derartige Vergeudung menschlicher Möglichkeiten ernsthaft als Effizienswunder hinstellen zu können, schafft Harford durch einen einfachen Trick: die sinnlichen Möglichkeiten menschlichen Handelns setzt er gleich mit erzielten Geldeinkünften. Da diese Strategien den Verkäuferinnen zusätzliche Geldeinnahmen bescheren, sind sie effizient. Das sich - obwohl es doch offensichtlich auf der Hand liegt - das Ganze auf der stofflich-konkreten Ebene anders darstellen könnte - so weit Blick der gewiefte Ökonom halt einfach nicht...

19:53 01.04.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Juli

Emanzipatorisch, Dreigeschlechtlich und Fünfbeinig. Weniger Arbeiten, mehr auf dem Wasser liegen
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare