Das Mindeste

Urteil Uli Hoeneß ist mit dreieinhalb Jahren Haft fast schon glimpflich davon gekommen. Seine Zeiten als moralisches Vorbild sind vorbei
Das Mindeste
Hartgesottenes Fantum, Tendenz: realitätsfern

Foto: AFP/ Getty Images/ Alexandra Beier

Weniger wäre kaum vorstellbar gewesen. Angesichts von am Ende über 28 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern, ist Uli Hoeneß mit dreieinhalb Jahren Haft fast schon glimpflich davon gekommen. Schließlich sieht ein Urteil des Bundesgerichtshofs vor, dass eine Bewährungsstrafe schon bei einer hinterzogenen Summe von einer Million Euro eigentlich nicht mehr vorstellbar wäre. Es hätte also viel schlimmer kommen können für den Bayern-Präsidenten und Wurstfabrikanten.

Der „Prozess des Jahres“, zu dem so manches Medium die Verhandlung erklärte, dürfte Hoeneß darüber hinaus so manches an Sympathien gekostet haben. Seitdem im vergangenen Frühjahr die Existenz seines Schweizer Schwarzgeldkontos bekannt wurde, hatte Hoeneß schließlich alles getan, um sich als reuigen Sünder zu präsentieren – inklusive eines öffentlichen mea culpa in der Zeit. Kein Porträt über ihn kam ohne wohlmeinende Hinweise auf das unbestritten große soziale Engagement des „Vater Teresa vom Tegernsee“ aus. Wieder und wieder wurden Geschichten erzählt, wie sich der gütige Patriarch von der Säbener Straße um Mitglieder der Bayern-Familie kümmerte, die in Schwierigkeiten geraten waren.

Fast schien diese Strategie aufzugehen. Eine Zeit lang schien die Öffentlichkeit bereit, Hoeneß zu verzeihen. Doch als im Prozess die hinterzogenen Summen höher und höher wurden und weit über das hinaus gingen, was er im Zuge seiner Selbstanzeige offenbart hatte, verlor er den letzten Rest seiner Glaubwürdigkeit. Hoeneß galt nun nicht mehr der reuige Sünder, sondern als der skrupellose Zocker und Steuerbetrüger, der er ist. Am Ende forderte sogar die BILD eine Gefängnisstrafe.

Die hat er nun bekommen. Nachdem Hoeneß zunächst angekündigt hatte, in Revision zu gehen, verzichtete er am Ende doch auf einen Gang zum Bundesgerichtshof. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Trotzdem führt der Fall wieder einmal vor Augen, wie unfair das deutsche Steuerstrafrecht ist. Hätte Hoeneß seine Selbstanzeige ordentlicher formuliert, wäre es nie zu diesem Prozess gekommen. Die Öffentlichkeit hätte vermutlich nie erfahren, was für ein Heuchler sich da regelmäßig in Interviews und Talkshows zur moralischen Instanz aufschwang. Das zeigt einmal mehr, dass die strafbefreiende Selbstanzeige in der jetzigen Form weg muss.

Uli Hoeneß' Zeiten als moralisches Vorbild sind damit endgültig vorbei. Dazu taugt er nicht mehr. Der FC Bayern wird auch seinen Rücktritt als Präsident und Aufsichtsratsmitglied verschmerzen. Der Verein ist organisatorisch exzellent aufgestellt und gilt zu recht als am besten geführter Club Europas. Dieses Verdienst bleibt von Uli Hoeneß. Doch seinen Ruf kann das nicht mehr retten.

Der Autor ist Anhänger des glorreichen TSV 1860 München

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16:30 13.03.2014
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