Julian Heißler
19.03.2016 | 00:17 34

Der begnadete Polarisierer

Nachruf Guido Westerwelle wurde als laute Verkörperung des Neoliberalismus für die Linken zur Reizfigur. Nun ist er verstorben

Der begnadete Polarisierer

Westerwelle polarisierte. Die einen sahen in ihm einen begnadeten Kämpfer für die FDP und einen schlagfertigen Politiker, für die anderen wurder er als Verkörperung des neoliberalen Zeitgeistes regelrecht zur Hassfigur

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Als rheinische Frohnatur bezeichnete sich Guido Westerwelle gelegentlich. Und tatsächlich: Westerwelle konnte vor Witz nur so sprühen – gerade bei seinen öffentlichen Auftritten. Er war ein begnadeter Redner und so schlagfertig, wie nur wenige seiner Politikerkollegen. Für seine Gegner konnte eine Konfrontation mit ihm geradezu frustrierend sein. Einmal, als eine linke Truppe ihn bei einer Rede mit einem Protesttransparent gegen den Neoliberalismus aus der Fassung bringen wollte, fertigte er die Demonstranten mit einem schneidenden „Wenigstens ist ,liberal‘ richtig geschrieben“ ab. Westerwelle hatte die Lacher auf seiner Seite. Den linken Jungs blieb nichts anderes übrig, als sich bedröppelt zu schleichen. Das Transparent blieb derweil hängen. So viel Liberalität musste sein.

Westerwelle polarisierte. Seine Energie wirkte auf manche zu laut, zu aufdringlich, gerade in seinen frühen Jahren an der FDP-Spitze. Da ließ er es sich nicht nehmen, 2002 als Kanzlerkandidat seiner Partei anzutreten – mit Guidomobil und 18-Prozent-Schuhsohlen. Die Quittung bekam er am Wahltag. Doch Westerwelle kämpfte weiter – bis er die FDP sieben Jahre später in die lang ersehnte schwarz-gelbe Koalition führte.

Für den linken Teil der Republik war Westerwelle jedoch nicht nur wegen seiner Lautstärke eine regelrechte Hassfigur. Wie kaum jemand sonst verkörperte er den neoliberalen Zeitgeist. Steuern runter, Ausgaben kürzen: Für dieses Programm stand die FDP unter seiner Ägide. „Es gibt kein Recht auf staatlich bezahlte Faulheit“, sagte er einmal. Nachdem er seine Partei 2009 mit dem besten Wahlergebnis ihrer Geschichte in die Bundesregierung geführt hatte, brachte er den deutschen Sozialstaat mit „spätrömischer Dekadenz“ in Verbindung. Später bereute er diese Aussage.

Der Wahlsieg war in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt für Westerwelle. Er griff nach dem Amt des Außenministers, wollte an die FDP-Tradition Walter Scheels und Hans-Dietrich Genschers anknüpfen. Doch zunächst fremdelte er mit der neuen Aufgabe. Immer wieder unternahm er Ausflüge in die Innenpolitik, denn die Union verweigerte ihm die gewünschten Steuersenkungen, mit denen die FDP in den Wahlkampf gegangen war. Zwischen Schwarz und Gelb knirschte es. Es war die Zeit von Gurkentruppe und Wildsau. Der Frust kam schnell auch in der Partei an.

Schließlich wandte sich die FDP gegen Westerwelle. 2011 gab er nach zehn Jahren den Vorsitz ab und stürzte sich ganz in die Außenpolitik. Dass Deutschland sich im Uno-Sicherheitsrat zur Frage einer Militärintervention in Libyen enthielt, ging auf Westerwelle zurück. Es war eine Entscheidung, für die er viele Prügel einstecken musste, doch Westerwelle war von ihr überzeugt. Zum Ende seiner Amtszeit hin bescheinigten ihm endlich auch seine Kritiker, dass er ein Außenpolitiker von Format geworden war.

Nur wenige Monate später dann der Schock: Westerwelle ließ sich wegen Schmerzen im Knie untersuchen, doch im Krankenhaus diagnostizierten sie Leukämie. Westerwelle zog sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurück, später ging er offen mit seiner Krankheit um, gab große Interviews und schrieb mit dem ehemaligen Stern-Chefredakteur Dominik Wichmann ein Buch, das auch eine Liebeserklärung an Westerwelles Mann Michael Mronz war.

Seine Homosexualität hatte Westerwelle früh angedeutet. Bereits 1999, zwei Jahre vor Klaus Wowereits „und das ist auch gut so“ hatte er sich für das SZ-Magazin im weißen Anzug in einer Gondel in Venedig fotografieren lassen – eine Anlehnung an Thomas Manns Gustav Aschenbach. Seinen Partner Mronz stellte er der Öffentlichkeit auf seine Weise vor – indem er ihn zum 50. Geburtstag von Angela Merkel mitbrachte. Am Freitag veröffentlichte Westerwelles Stiftung ein Foto der beiden auf ihrer Webseite. „Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt“, steht daneben geschrieben.

Am 18. März verstarb Guido Westerwelle. Er wurde 54 Jahre alt.

Kommentare (34)

Joachim Petrick 19.03.2016 | 01:49


Mich erchüttert es immer, wenn Menschen so jung sterben.

Da lande ich leicht bei Schuldzuweisungen, gar Verschwörungstheorien, bei dem, was heute alles möglich ist. War es nicht der Außenminister Guido Wsterwelle, der bei seinem Amtsantritt 2009 in ungewohnt undiplomatischer Deutlichkeit öffentlich bekundet hatte, die auf deutschem Boden stationierten Atomwaffen der USA, der NATO müssen weg?

Danach war erst betretenes, dann weiterhin großes Schweigen. Nur einen gab es vor Guido Westerwelle der Gleiches verdeutlichte, einer, der in jungen Jahren F.D.P. Mann war, Heiner Bremer, als der 1981 mit Wolf Perdelwitz beim Berliner Verlag Olle & Wolter das Buch "Geisel Europa" mit der Lagekarte von Tausenden von Atomwaffen auf deutschem Boden veröffentlichte, das großes Aufsehen erregte und die Debatte um Auf- und Abrüstungsbestrebungen nachhaltig hin zu Protesten Hüben und Drüben im geteilten Deutschland, Europa gegen den Nato- Doppelbeschluss angeheizt hat. Atomkanzler Helmut Schmidt hat 1981, einem Jahr nach seinem gewonnenen Bundestagswahlkampf 1980 der Giganten "Schmidt vs Strauß", die Zeichen der Zeit ignoriert, seine historische Stunde im Qualm seiner Reno Menthol Zigaretten mit Vorsatz durch den Schornstein geraucht.

https://www.youtube.com/watch?v=xi7M_P2ldsQ&ebc=ANyPxKrs-lvE5_vcVhJt5kSoSsjk0d-zGihCgx9K0sSrtDvQIRoISvH7ZErwEnbgbl6OqDbhdgg5Ao7yKFh4wYeUnLwe9VRdkg
UNFASSBAR!!! US Hauptziel IST kRIEG in Europa
7777Funki

"2002 als Kanzlerkandidat seiner Partei anzutreten – mit Guidomobil und 18-Prozent-Schuhsohlen. Die Quittung bekam er am Wahltag. Doch Westerwelle kämpfte weiter – bis er die FDP sieben Jahre später in die lang ersehnte schwarz-gelbe Koalition führte."

Gemeinsam mit Jürgen Möllemann, verstand es Guido Westerwelle im Bundestagswahlkampf 2002, die Grande Dame der FDP Hildegard Hamm- Brücher u. a. endgültig mit seinen unsäglichen Anleihen nach ganz Rechts aus der FDP zu treiben.

Selbst vor kaum maskierter Nazi- Symbolik schreckten damals Westerwelle, jungenhaft keck, Möllemann düster fanatisiert, zurück. Was war denn die Zahl 18, die 1 erster Buchstabe A für Adolf, die Zahl 8 achter Buchstabe H für Hitler im Alphabet anderes als das unverhohlene Kokkettieren nach ganz Rechts mit Nazi- Symbolik?

Jürgen Möllemann hat diesen ungedeckten Scheck letztendlich wohl mit seinem Tod durch einen selbst herbeigeführten Fallschirmabsprung mit tödlichem Ausgang im selben Jahr bezahlt, nur damit nicht weiter gegen die FDP wg. eines ungeheuren Parteispendenskandals ermittelt wird? Gegen Verstorbene wird hierzulande nicht ermittelt, warum eigentlich?, wenn es doch der Wahrheitsfindung dienen könnte?

Doch nicht etwa, um alle Formen des Harakiri in spätrömischer Dekadenz hierzulande mit tödlichem Ausgang im Erlebnisfall als Schutz der Amigo- Hinterbliebenen vor Ermittlungen sinnstiftend unter Denkmaschutz zu stellen?

Angelia 19.03.2016 | 09:11

Ich finde den frühen Tod von Guido Westerwelle tragisch und hätte ihm einen Sieg über den Krebs gewünscht. Dabei war und bin ich bis heute eine vehemente Gegnerin der neoliberalen Politik und insbesondere eine Gegnerin der FDP - Politik. Vor allem auch, weil die FDP unter Westerwelle das Liberale maßlos pervertierte.

Als die Hoffnung groß war, dass die FDP 2013 aus dem Bundestag rausfliegen würde, waren wir mit ein paar Leuten auf der Abschlusskundgebung der FDP in D´dorf, um schon Mal vorab Häme und Spott über Westerwelle, Lindner und Rösler auszugießen.

Als ich da so stand und einfach mal nur die Personen, insbesondere Westerwelle, auf mich wirken ließ, war ich erstaunt über mich selbst. Ich mochte die Jungs in dem Moment, weil Westerwelle, zwar im Auftritt immer noch er selbst, trotz des drohenden Supergaus eine sportliche Haltung und Größe des Verlierers zeigte, die ich bis dato in der Form bei keinem Politiker so gesehen hatte. Lindner zeigte sich sogar ehrlich amüsiert über die Häme und den Spott den wir ausgossen. (Rösler wirkte wie immer verstört und desorientiert. :-) )

Jedenfalls glaube ich, dass Westerwelle ein sensibler und lernfähiger Mensch war, der fähig zur Reflektion, zum Kompromiss und zur Korrektur seiner Fehler war. Und trotz seines kompromisslosen und frechen Auftretens (habe ich übrigens schon öfter bei Juristen beobachtet) hat er m.E Demokratie und Freiheit nicht nur verinnerlicht, sondern bis zum Exzess ausgelebt.

In der RP schrieb Micheal Bröcker über Westerwelles Kompensation seines Minderwertigkeitskomplexes ...

Wer weiß welche Art Politiker Westerwelle geworden wäre, wenn Homosexualität schon vor 50 Jahren kein Grund gewesen wäre, sich minderwertiger als andere zu fühlen.

Ich wünschte Herr Westerwelle hätte mehr Zeit für sich selbst gehabt.

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/guido-westerwelle-was-von-ihm-bleibt-aid-1.5848822

poor on ruhr 19.03.2016 | 10:03

Für mich stand er politisch auf der anderen Seite und so gesehen war er auch eine Reizfigur für mich.

Trotzdem fühle ich mich durch seinen Tod seltsam berührt.

Der schreckliche Krebs fordert eine menschliche Solidartität und sein Kämpfertum gegen diese heimtückische Krankheit nötigt Respekt ab.

Ich denke sowieso , dass die Menschen vielschichtig sind und man / frau sie nicht nur auf die Eigenschaften oder Einstellungen reduzieren kann, die einem nicht gefallen.

Guido Westerwelle war so wie er war.

Ich habe ihn einmal in Recklinghausen im Wahlkampf "mit vollem Gefolge" in der Zeit gesehen als er noch der mächtige und berühmte Politiker war. Das mit der Schlagfertigkeit kann ich aus der Erfahrung als Zuschauer heraus nur bestätigen.

Er hat eine Zeit des Leidens erlebt, die man keinem Menschen wünschen kann.

Ich schreibe jetzt so viel als ob ich ein Verwandter oder ein guter Freund gewesen wäre. Dem ist nicht so. Vielleicht sollte ich mich auch um eine gesunde Distanz bemühen.

Magda 19.03.2016 | 11:33

Mir geht das auch so. Da steht ein Prominenter wie Westerwelle - über den wir uns manchmal auch richtiggehend lustig gemacht haben- - eher als Symbol für menschliches Leid, für ein Krankheitsschicksal, das auch andere Menschen heimsucht. Aber, er hat es noch einmal ins Bewusstsein gehoben und wohl auch für mehr Knochenmarkspenden geworben.

Und am Ende war er richtiggehend demütig geworden. Ich habe sein Buch gelesen. Da ist schon deutlich, was das für ein fürchterlicher Kampf war.

Michail Gorbatschow hat ähnliches über die Krebserkrankung seiner Frau geschrieben.

schna´sel 19.03.2016 | 13:09

"Nun ist er gestorben und ich werde ihm keinen Dreck ins Grab nachwerfen, aber auch keine Träne nachweinen."

Dreck ins Grab werfen sollte man und will ich auch keinesfalls. Die Frage, die sich mir stellt ist die nach der Scheinheiligkeit. Nicht nach der Scheinheiligkeit Westerwelles. Dessen Auftritt bei Jauch habe ich gesehen und war auch beeindruckt. Ich frage mich aber im Ernst, wie man kollektiv solche Schlagzeilen, wie die unten produzieren kann, die ja keine Einzelmeinung waren, sondern ein allgemeines Stimmungsbild wiedergeben:

Gebuh und Gelächter für den großen Staatsschauspieler

Kritik an Westerwelle: "Borniertester Außenminister seit von Ribbentrop"

Nur um seine Widersprüche, als dann er selber Opfer geworden war als "Fähigkeit zum Polarisieren" umzudeuten. Was soll das? Wie gesagt, durch seine Krankheit "at death's door" hat er ja ganz andere Dinge von sich gegeben. Trotzdem finde ich es merkwürdig, dass Äußerungen wie "Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet. (...) Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern." jetzt so anders bewertet werden.

Könnte es sein, dass die Öffentlichkeit sogar so etwas wie ein schlechtes Gewissen hat? Weil sie ihn geschunden und gemobbt hat, wie andere vor und nach ihm auch? Denkbar wäre das für mich, weil ich die Reaktion in der Einseitigkeit wirklich bigott finde. Und ich finde, wenn man so fragt wirft man dem Mann keinen Dreck ins Grab, sondern stellt Fragen, die im Gegenteil anderen helfen könnten, ein ähnliches Schicksal vermeiden zu helfen, das ursächlich vielleicht auch mit der Anpassung an die Gesetze unsere gnadenlose politischen Kultur zusammenhängt.

Heinz 19.03.2016 | 16:30

Das Fragezeichen stand bei: "... , oder was wollen Sie?"

Guido Westerwelle war seit fünf Jahren sterbenskrank und darum nicht mehr politisch aktiv. Er war in seiner neoliberalen Wirkung eher marginal. Die Schröder Bande hatte ihn da gnadenlos abgehängt; auch Merkel übertrifft ihn weit. Das von der Dehoga formulierte Gesetz zur Besteuerung der Hotels und Pensionen hatte den Mangel, daß die Campingplätze erst einmal außen vor blieben. Das hätten einige Politiker merken können, auch einige Beamte, selbst in der Endprüfung durch das Präsidialamt hätte sowas eigentlich auffallen müssen - der damalige Muckefuckkaiser hatte das trotzdem so fehlerhaft unterschrieben. Die politische Wirkung war also eher fatal, besonders für die eigene Partei.

Und plötzlich lobhudeln alle ... über diesen Verlust.

Es geht also weniger um Westerwelle selbst, Friede seinem Grab, sondern um die Scheinheiligkeit in der Käseglocke Berliner Republik Deutschland BRD.

Helmut Eckert 19.03.2016 | 17:12

Möge er in Frieden ruhen.

Es ist erstaunlich, dass viele der Mächtigen, oder sich mächtig haltende Personen, kommen sie aus armen Verhältnissen, sich genau gegen ihre frühere Klasse wenden. ( Schröder, Müntefering, Westerwelle, um nur einige Beispiele zu nennen. Sie erkämpften sich ihren Aufstieg mit Ausdauer und Fleiß. Im Zenit ihres Erfolges, galt ihr ganzes Streben, diese Erfolgsleiter nicht zu verlassen. Diese unentwegte Angst, abzustürzen zwang sie, sich den Wolfsgesetzen der Elite anzuschließen und unentwegt zu beweisen, ich gehöre jetzt zu euch. Wahr ist auch, dass diese Aufsteiger in ihrer neuen Gesellschaftsschicht immer von den Etablierten als Fremdkörper empfunden werden. Trotzdem gelten sie als nützlich und beflissen. Sie sind fleißig deren eherne Gesetze zu propagieren, zu verfeinern und gegen ihre frühere Gesellschaftsschicht zur Geltung zu bringen. Sie sind so eifrig, dass sie, nach einer kurzen Weile in ihren Sturm- und Drangzeit fest an ihre neue Religion glauben. Sie mutieren zu aktiven Kämpfern für die Interessen des Kapitals.

Interessant ist eine weitere Feststellung, dass die früheren Kommunisten, die von den Nazis verfolgt und inhaftiert wurden, nun selbst erbarmungslos ihre politischen Gegner verfolgten. Gleich dem geprügelten Kind, welches als Erwachsener nun selbst Gewalt anwendet.

Michael Sachs 20.03.2016 | 05:07

Wenn man diese eiskalten Neoliberalen sieht die in evangelisch kommunistischer Kälte Hartz IV Empfänger entwürdigen, um dann beim Tod eines Obereiskalten in tiefe Trauer zu verfallen, da erkennt man sehr gut wer wo steht, er hat mit seiner sozialen Kälte massiv mitgeholfen dass es jetzt wieder soziale Unruhen in Deutschland gibt, ich erkenne Deutschland nicht wieder.

Wir wollen mit den Asylanten beweisen, dass wir keine Rassisten sind, vor allem Frau Merkel will der Welt endlich zeigen was für ein Gutmensch sie ist, endlich auf der richtigen Seite. Jetzt hat zumindest das eigene Volk u. die EU wieder was dagegen, nur dass es auch einen Rassismus gegen das eigene Volk gibt begreift keiner der neoliberalen Gutmenschen.

Was selbige vor allem nicht begreifen wollen ist dass jedem Menschen der mehr hat als ihm zusteht, einer gegenüber steht der weniger hat als ihm zusteht.

Der amerikanische Präsidenten Hoover hat vor dem 2. Weltkrieg mit seiner neoliberalen Politik Amerika in die große Depression getrieben unter der Deutschland am meisten gelitten hat, dann kam bekannter Weise Hitler, aber Ähnlichkeiten sind rein zufällig.
M.S.

Angelia 20.03.2016 | 08:40

Wenn man diese eiskalten Neoliberalen sieht die in evangelisch kommunistischer Kälte Hartz IV Empfänger entwürdigen, um dann beim Tod eines Obereiskalten in tiefe Trauer zu verfallen, da erkennt man sehr gut wer wo steht, er hat mit seiner sozialen Kälte massiv mitgeholfen dass es jetzt wieder soziale Unruhen in Deutschland gibt, ich erkenne Deutschland nicht wieder.

Seien Sie doch froh, dass sich Virus der humanistischen Eiseskälte noch nicht vollends wie ein Leichentuch über die Menschen gelegt hat....

Was haben Sie als Mensch und als Teil des Souveräns eigentlich gegen die Enthumanisierung und Objektivierung des Menschen als Mittel zum Zweck getan?

Bei aller berechtigter Kritik an unsere "Weltenlenker" sollten wir nicht vergessen, dass jede einzelne Bürger innerhalb einer Demokratie nicht nur die Macht und das Recht hat sondern auch die Pflicht sich ins politische Geschehen einzumischen.

Und Sie können es nun drehen und wenden wie Sie wollen, politisch versagt und verantwortlich für die "Eiseskälte" ist der abstrakt so genannte Souverän als solcher.

So und jetzt können Wir uns ja mal überlegen ob das so bleiben soll...

Richard Zietz 20.03.2016 | 09:49

Mir ging / geht es ähnlich wie Angelia, Poor On Ruhr und Magda. Aufgrund der konkreten Umstände möchte ich hinzufügen: eine Art von der Welt zu gehen, die man nicht einmal seinen schlimmsten Feinden wünscht.

Eine gewisse Ironie hat dieser Tod meines Erachtens trotzdem. Wie kaum ein anderer symbolisierte Westerwelle die Eiseskälte neoliberaler Marktpolitik. Das politische Oeuvre war durchwachsen: Spaßliberalismus kombiniert mit schärfsten Attacken gegen links (»spätrömische Dekadenz«), mäßig erfolgreiche Klientelpolitik unter Schwarz-Gelb, ein Außenminister, der seine Rolle maßvoller und besser ausfüllte, als viele befürchteten, last but not least: seine offen gelebte Homosexualität, die sicher vielen den Rücken gestärkt hat.

Ein widerspruchsvolles Bild, und eine sicher widerspruchsvolle Persönlichkeit. Frage: Wäre dieser Tod so (früh) nicht gekommen, hätte sich der Quereinsteiger nicht so mit Haut und Haaren für die Sache derjenigen aufgerieben, die keinen Spaß kennen und deren Raffgier gen Unendlich tendiert? Sicher tangiert dies nicht die Frage der persönlichen Verantwortung für das eigene Tun. Allerdings: der Rockstar-typische Exitus mit gerade mal fünfundfünfzig kontrastiert in meinen Augen zu offensichtlich mit dem Steinalt-Ableben, wie es in den Familien der großen Eigner-Dynastien gängig ist.

schna´sel 20.03.2016 | 12:48

"Wenn man diese eiskalten Neoliberalen sieht die in evangelisch kommunistischer Kälte Hartz IV Empfänger entwürdigen, um dann beim Tod eines Obereiskalten in tiefe Trauer zu verfallen, da erkennt man sehr gut wer wo steht, er hat mit seiner sozialen Kälte massiv mitgeholfen dass es jetzt wieder soziale Unruhen in Deutschland gibt, ich erkenne Deutschland nicht wieder."

Ich glaube, es geht gar nicht um Westerwelle. Westerwelle ist nur eine Gelegenheit für den Freibrief, den sich die Gesellschaft und die politische Kaste, einschließlich der Journaille selber ausstellt. Stellvertretend für die ganze "Gemeinde", die an die eigentlichen Werte glauben möchte, die wir alle teilen und an denen er als Mensch natürlich, wie alle guten Bürger nicht gescheitert ist. Ein Ritual, in dem diejenigen, die zum Opfer geworden oder gemacht worden sind, auf den Sockel gehoben werden, auf dem sie dann in ihrer Funktion als Helden der Selbstbestätigung des Systems dienen. Eine Bestätigung all dessen, was von den Etablierten sowieso niemand verändern möchte.

Westerwelle unterschiedet sich nicht von anderen Opfern, deren Tod posthum von den Tätern oder einem System, zu denen sie selbst gehört haben im Sinne ihrer Ideologie funktionalisiert wurde. Er eignet sich aber hervorragend, weil er als Krebsopfer von den härtesten seiner eigenen Parolen Abstand nahm, das System an sich aber in seinem Auftritt, speziell dem vor Jauchs Millionenpublikum nicht in Frage stellte. Weil er im Gegenteil die Mythen, die dieses System uns und sich selber als "eigentliche Werte" verkauft weitgehend bestätigte. Er wiederholte für alle, die dazu gehören das, woran sie so gerne glauben möchten: Dass es Wichtigeres gäbe, als die Politik, Freundschaften zum Beispiel. Dass er jetzt erst beginne, der zu sein, der er wirklich ist. Dass in so einem Moment viel Schönheit im Menschen hervor komme. Oder dass er gegen seine Dämonen kämpfe. Er sprach also Politik, Gesellschaft und den ganzen Rest der Gemeinschaft der Heiligen frei von der Schuld an seinem persönlichen Desaster. So etwas hören alle gern, weil es die These bestätigt, dass ausschließlich jeder selbst seines Glückes Schmied sei. Und dass Westerwelle, wie jeder andere auch, wenn überhaupt nur an sich selbst gescheitert sei. Natürlich auch, dass die eigentlichen Werte, unsere Werte ihm dabei keinesfalls verloren gegangen sind, was er ja öffentlich vor den Augen des berührten Publikums bestätigte. Und genau dafür wird er jetzt von den medialen und politischen Päpsten dieser Gesellschaft auf den Sockel gehoben und heilig gesprochen. Sein Tod wird ritualisiert. Und so wie man früher die Menschen geopfert hat, um die Götter für die gemeinsame Sache günstig zu stimmen, so opfern sie sich heute selber auf und verbrennen. Das steht als Prämisse für das ganze System hinter dieser Karriere genau so, wie hinter vielen vielen anderen auch. Was verbal als "eigentlicher Wert" natürlich nicht so ausgesprochen werden kann, weswegen man aber nun seine "hohe Begabung" und seinen "Fleiß" hervorhebt. Womit man wiederum all diejenigen diskreditiert, die diesen systemtragenden Eigenschaften eher misstrauen.

Dass sein Engangement und seine Hingabe an die Politik seine eigene, freie Entscheidung war, ändert weder an den Tatsachen und Bedingungen etwas, die ihn genau so zerfressen haben, wie andere Systemträger und namenlose Opfer dieses Systems auch, noch ändert es etwas daran, dass sich die Überlebenden der Rituale bedienen, die es ihnen gestatten aus den Mythen, die sich durch seinen Tod ergeben Profit zu ziehen. Ob sein Leben das Zeug zu einer Legende hergibt wage ich zu bezweifeln, aber in dem Punkt gibt es tatsächlich keinen qualitativen Unterschied zwischen Westerwelle und den zahllosen Popstars, Schauspielern oder eben auch Politikern, die ihrer Branche posthum als Mythen und zur Selbstbestätigung gedient haben.

Das ist die eigentliche Geschichte hinter diesem Medienereignis. Und von mangelndem Respekt vor der Person des Menschen der gestorben ist sollte man nicht bezüglich derer reden, die sich diesem Hype nicht anschließen wollen. Mangel an Respekt würde ich eher dem System attestieren, das auf den Tod immer noch im Sinne dieses Rituals der Macht zurück greift.

gsyme 20.03.2016 | 15:35

Hmm. über die Toten soll man ja nur gutes sagen...ist für mich, bei Herrn Westerwelle aufgrund gravierender politscher und moralischer Differenzen sehr schwierig.

Ich fand seine Zeit als Außenminister nicht so positiv wie hier beschrieben...ich darf nur an die U.S. "Botschaftsdepeschen" erinnern die vorsichtig gesagt ein eher schlechtes Licht auf seine Zeit als Außenminister geworfen haben.

Es tut mir natürlich leid, dass er so früh sterben musste und auch diese Art wünsche ich niemandem. Trotzdem denke ich dass sein politisches Vermächtnis, der knallharte Neoliberalismus für den er geworben und gekämpft hat, den Menschen in diesem Land sehr geschadet hat.

blogger 20.03.2016 | 19:53

Ich muss schon sagen in den ganzen jahren wo ich die Politik der FDP verfolgt habe war Westerwelle die nr.1 in der FDP er hat echt sehr viel erreicht im laufe seines lebens. Mein Chef vom Taxi Essen mit dem ich mich gefühlte 3 Stunden am Tag nur über Politik Unterhalte sieht es genauso. Die FDP hat damals für die Stadt Essen getan und sich für viele Sachen eingesetzt. Im großen und ganzen ist die FTD eine sehr gute Partei

Comparse 21.03.2016 | 09:56

Herr Westerwelle war auch für mich eine Reizfigur - aber eine, die es nicht vermochte, sein Defizit an Selbstbewusstsein mit seinen Sprüchen wirklich gut zu verbergen. So sah ich ihn genau genommen immer den kleinen Hanswurst. Das änderte sich erst, als er Außenminister war.

Er sagte in einem letzten Interview, dass man im Leben auf einen sehr schmalen Grat wandeln würde. Damit hatte er Recht.

Und wer sich dies jeden Tag erneut vor Augen hält, wird sich schwer damit tun, gegen Hartz IV Empfänger, Arbeitslose oder Flüchtlinge zu hetzen. Er wird stattdessen merken, dass wir alle Menschen sind, die eines im Leben gemeinsam anstreben: Glück, Liebe und Zufriedenheit.

groucho 23.03.2016 | 14:27

"Es ist erstaunlich, dass viele der Mächtigen, oder sich mächtig haltende Personen, kommen sie aus armen Verhältnissen, sich genau gegen ihre frühere Klasse wenden. ( Schröder, Müntefering, Westerwelle, um nur einige Beispiele zu nennen."

Westerwelle jedenfalls gehört nicht in diese Reihe. Seine Eltern waren beide Juristen. Beklagt hat er spät die emotionale Kälte in seinem Elternhaus, die es ihm schwer machte, mit seiner sexuellen Disposition klar zu kommen.

Dies allerdings hatte ihn nicht gehindert, als Politiker den eiskalten Erfolgstypen zu mimen, mag er sich zehn Mal eine Clownsmaske aufgesetzt haben. Eine extreme Form der Kälte, denn Politik ist nun mal kein Spaß, sondern eine bitterernste Angelegenheit, was gelegentlichen Humor nicht ausschließt.

Als wollte Guido Westerwelle sich beweisen, dass auch ein "warmer Bruder" ein kühler, knallharter Bursche sein kann.