Nachbau made in Germany

„Eichwald, MdB“ Die neue Politsatire-Serie bei ZDFneo ist eine gelungene Idee. Doch ist sie wieder einmal nur abgekupftert
Julian Heißler | Ausgabe 16/2015

Auf ZDFneo startet diese Woche die neue Miniserie Eichwald, MdB, eine Politsatire in vier Folgen, die ab Mai dann gegen Mitternacht im Hauptprogramm des Senders zu sehen sein wird. Die Serie folgt dem namensgebenden fiktiven Bundestagsabgeordneten Hajo Eichwald (Bernhard Schütz), der es sich seit 30 Jahren auf der Hinterbank des Parlaments gemütlich gemacht hat. Doch bis zum Ruhestand sind es noch ein paar Jahre, also kämpft er gegen Medien, Parteifreunde und Interessengruppen, um seinen weichen Sessel nicht vorzeitig abgeben zu müssen. Zunehmend verbittert flucht er sich durch den grauen Politikeralltag, tritt nach unten und buckelt nach oben.

Das ist eine gelungene Idee, allerdings nicht die des ZDF. Schon vor zehn Jahren entwickelte der Autor Armando Iannucci für die BBC die Serie The Thick of It, in der die Belegschaft eines nachgelagerten britischen Ministeriums langsam durch den Fleischwolf des politischen Betriebs gedreht wird. The Thick of It war profan und respektlos. Die Serie erlaubte den Zuschauern einen Einblick in die wenig glamourösen Teile des politischen Maschinenraums im Großbritannien unter New Labour. Dass Iannucci einen gewissen Anspruch auf Authentizität erhob, zeigte die Rolle des ständig fluchenden und tyrannischen Regierungssprechers, die auf Tony Blairs legendärem Spin-Doctor Alastair Campbell beruhte. The Thick of It war erfolgreich. Vier Staffeln produzierte die BBC – die letzte vor drei Jahren, nach dem Regierungswechsel, unter dem Titel Coalition. Für die USA entwickelte Iannucci zudem den amerikanischen Ableger Veep, der sich dem Alltag der fiktiven ersten amerikanischen Vizepräsidentin widmet. Die vierte Staffel läuft gerade.

„Inspiriert“ sei Eichwald, MdB von The Thick of It und Veep, schreibt das ZDF in der Pressemappe zur Serie. Das ist allerdings eine gründliche Untertreibung. Von den grauen Bildern über die stets leicht wackelige Kamera bis hin zu den Schnitten im Abspann kopiert Eichwald, MdB exakt die Bildsprache der Vorbilder. Und auch die Figuren sind in der deutschen Version eng an die Vorbilder des britischen Originals angelehnt. Das wäre nicht weiter schlimm, doch es wirft kein schmeichelhaftes Licht auf das Formatlabor des ZDF, in dem die Serie entwickelt wurde. Dort wolle man schließlich „inhaltlich, technologisch oder formal neue Wege gehen“, heißt es in der Selbstbeschreibung. Inwiefern die Adaption einer zehn Jahre alten Serie diesen selbstgestellten Auftrag erfüllt, müssen die Kollegen in Mainz beantworten.

Das soll jedoch nicht heißen, dass Eichwald, MdB eine schlechte Serie wäre. Die erste der vier Folgen schafft es schon ganz gut, die teils bedrückende Stimmung einzufangen, der ein desillusionierter Hinterbänkler ausgesetzt sein kann, und ist trotzdem für einige Lacher gut. Dafür nehmen sich die Macher auch die notwendigen künstlerischen Freiheiten. Ganz so schäbig wie in der Serie sehen die Bundestagsbüros dann doch nicht aus. Eichwald, MdB ist eine passable Adaption eines wegweisenden Formats. Zu The Thick of It verhält es sich dabei etwa wie Stromberg zum britischen The Office. Und das kann wirklich nicht jedes Format von sich behaupten, das das ZDF nach einem vergleichbaren Inspirationsschub versuchte nachzubauen.

Eichwald, MdB läuft ab 16. April donnerstags um 22.45 Uhr auf ZDFneo

06:00 16.04.2015
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