Julian Schaper
10.07.2014 | 11:24 2

Ich schäme mich!

Naher Osten Die deutsche Bundesregierung sollte im Nahen Osten versuchen die Spirale der Gewalt zu beenden, stattdessen macht sie sich mitschuldig.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Julian Schaper

Der nahe Osten versinkt in der Spirale der Gewalt. Mit nun mehr 68 toten Palästinensern ist wohl noch lange nicht Schluss. Dass die Hamas Raketen auf Isarel schießt, ist nicht zu rechtfertigen, ebenso wenig aber auch der tötliche Beschuss des Gazastreifens durch die israelische Luftwaffe. Während der militante Flügel der Hamas (glücklicherweise) erfolglos veraltete Raketen abfeuert, die zum Großteil in der unbewohnten israelische Wüste landen oder aber von der israelischen Raketenabwehr unschädlich gemacht werden, führt Isarel nicht nur einen Krieg gegen die Hamas, sondern v.a gegen die Zivilbevölkerung des Ghettos von Gaza. 2/3 der Getöteten sind Zivilisten. Das dürfte auch kaum verwundern, wenn man Bombenangriffe auf Wohnviertel fliegt und sich nicht einmal davor scheut Flüchtlingslager zu bombardieren. Derweil wird von beiden Seiten propagiert:"Wie du mir, so ich dir." Wohin diese bittere Vergeltung führt, sollte klar sein. Zu mehr Elend, Leid und Tot. Im Umkehrschluss hieße das aber auch, dass aus einer einseitigen Waffenruhe schnell eine beidseitige werden kann. Jedoch wird Isarel nun wohl sogar Bodentruppen nach Gaza schicken, der Frieden benötigt allerdings keine Soldaten, sondern Diplomaten. Anstatt Frau Merkel und Obama auf eine friedliche Lösung hinarbeiten, ist von ihr nur zu hören, es gebe keinerlei Rechtfertigung für die Raketenangriffe auf Israel. Nur zur Erinnerung: Tote Israelis gibt es keine, wohl aber 68 tote Palästinensner. Kritik an der Bombardierung des Gazastreifens wird von ihr dennoch nicht geäußert. Wieder ist zu sehen, wie ambivalent die westliche "Wertegemeinschaft" die Kostbarkeit des Lebens beutreilt. Als 3 israelische Jugendliche ums Leben kamen, trauerte die ganze Welt. Das auf der Suche nach den Schuldigen 6 Palästinsner von der Militärpolizei getötet wurden, war den Medien nur schwerstens und bei intensiver Lektüre zu entnehmen. Die deutsche Bundesregierung darf sich in diesem Zusammenhang nicht mehr hinter der historischen Schuld verstecken. Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Faschismus gehören benannt und geächtet, ganz gleich von wem sie begangen werden.
Stattdessen liefern wir diesen Leuten Waffen und Geld. Der israelische Verteidigunsgminister wird wissen was er damit zu tun hat, wenn er fordert muslimische Abgeordnete der Knesset wegen Landesverrat hinzurichten oder den Gazastreifen atomar zu beschießen. So einer "Wertegemeinschaft" möchte ich nicht angehören. Grade in Zeiten der WM ist offenbar fast jeder stolz auf sein Land. Ich schäme mich!

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Kommentare (2)

Guy Malino 10.07.2014 | 12:02

Danke für den Beitrag, dieses Schämen kann ich durchaus nachvollziehen, aber bleiben wir mal realistisch.

Seit der Ermordung Jitzchak Rabins ist der "Friedensprozess" beendet. Besonders die israelische Seite gießt fast im Jahrestakt Öl ins Feuer (Siedlungserweiterung, Landgrabbing, Bombardierung Gazas 06 und 08...)

Wen wunderts dann noch wenn die eingekesselten Palästinenser zunehmend radikalisiert werden?

Vielmehr kann man sich mal fragen wem dieser "Konflikt" eigentlich am meisten nutzt? Netanjahu wohl eher nicht. Wie hoch wäre der Ölpreis bei einem halbwegs stabilen Nahen Osten? Was wäre mit den Rüstungsexporten? Wäre die Hammas oder die Fatah politische Führung der Palästinenser?

"Unsere" Wertegemeinschaft hat nicht das Ziel die Region zu befrieden oder einen Friedensprozess zu unterstützen, das wäre wirtschaftlich nicht vorteilhaft, weder für D noch für USA.

DESHALB diese Wegduckmentalität.

Wäre ich Verschwörungsanhänger, würde ich auch fragen, wer den Mord an Rabin eigentlich beauftragte.

Und wer die aktuellen "Auslöser", also die drei israelischen Jugendlichen entführte und hinrichtete. Womöglich war das ja so 'ne Art Bauernopfer. Keine Palästinenserorganisation bekannte sich schließlich dazu.

Aber ja, schämen ist angesagt, mir persönlich kommt allerdings bei den aktuellen Bildern auch schon fast der Mageninhalt hoch.

À propos: Selbst innerhalb der Antifa herrscht eine pro-israelische Grundhaltung, Palästinensertücher z.B. sind seit Jahren verpönt, man solidarisiert sich mit den Opfern von einst und ignoriert die aktuellen politischen Zustände vehement. Für mich wirkt das schon fast wie gesteuert, womöglich haben das V-Männer des Verfassungsschutzes in die radikale, deutsche Linke getragen, wer weiß. Ich versteh's nicht!

ebertus 10.07.2014 | 12:14

"Selbst innerhalb der Antifa..."

Guter Hinweis, weil Antifa zunehmend zur Hülle wird, systemkonform-affirmativ daher kommt und der vermeintliche Gegenpart durch die entsprechenden V-Leute bei den realen Rechten im Grunde als Dummy und faktisch von staatswegen die Existenzberechtigung verliehen bekommt.

Ein aktueller Hinweis, wobei aus meiner Perspektive und nach der kompletten Lektüre hier eine kleine Rezension eingestellt werden wird.

Antifa heißt Luftangriff!

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