Das Ende einer Ära?

Frauen in der Politik Das Aus für Andrea Nahles.
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Mit 48 Jahren ist Schluss. Vor etwa einer Woche gab die erste führende Frau der SPD nicht nur ihren Rücktritt als Fraktions- und Parteivorsitzende zurück, sondern hat außerdem auch noch das Bundestagsmandat abgelegt. Ihr Durchhaltevermögen in der Bundespolitik hielt nur dreizehn Monate.

Tatsächlich ist hier von einem Durchhaltevermögen die Rede. Der Umgangston, den Parteikollegen ihr gegenüber an den Tag legten, war alles andere als freundlich. Viel eher sogar noch als frauenfeindlich anzusehen. Während all ihre andersgeschlechtlichen Vorgänger selbst trotz ihres auffälligen Benehmens toleriert wurden, betitelten sie Nahles grundsätzlich als zu offensiv und laut. Obwohl auch ihre Vorgänger kein sonderlich dezentes Verhalten zeigten, forderten sie lediglich alleine von Nahles, die volle Verantwortung für das schlechte Ergebnis in Bezug auf die Europawahl zu übernehmen. Scharfe Kritik waren und sind die Folge. Die Frage die sich stellt ist: Wie wäre mit einem männlichen Parteivorsitzenden umgegangen worden? Etwa genau so?

Die Minderwertigkeit der Frau

Enttäuschenderweise ist die Antwort auf diese Frage ein Nein. Männer sind Machtwesen und Frauen werden lediglich als deren brave Anhängsel erachtet; eine Frau in einer Spitzenposition überfordert alle anderen männlichen Parteiangehörigen. Das Problem ist, dass die Partei schon bei ihrer Übernahme durch Nahles sich keiner sonderlich großen Beliebtheit erfreute. Spekulationen darüber, dass deswegen kein Mann mehr Interesse an der Verantwortung hatte, sollen entstanden sein. Angeblich sei nur deswegen Nahles als Vorsitzende gewählt worden um ihr die Schuld für Probleme in die Schuhe zu schieben, die ihre Vorläufer verursacht haben.

Peinlichkeit hoch zehn

Nahles hat sich einer Aufgabe angenommen, deren Verantwortung den Herren der Schöpfung zu hoch war. Dafür wurde sie verurteilt. Der Höhepunkt daraus war ihr Rücktritt, zu dem wohl nicht zuletzt auch der Umgang mit ihr beigetragen hatte. Trotzallem will aber die Unterstützung erwähnt werden, die von außen mitunter kam. Der Umgang mit Nahles sei zum Schämen, kam eine Meldung von Kevin Kühnert; allerdings erst nachdem er geäußert hatte, dass er sich für Sigmar Gabriel nie geschämt habe. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob es den Kritikern nicht vielleicht um Nahles persönlich ging, anstatt um die ganze Partei, denn dann wäre die hinterlistige Debatte um eine Frau nicht das erstbeste Thema, das zu behandeln ist.

Warum Frauen in der SPD wichtig sind

Frauen befinden sich auf dem Vormarsch und setzen ein Zeichen in der Gleichberechtigung. Die Kollegialität und Freundschaftlichkeit steht jedoch stark hinten an; anderenfalls wäre sie schon lange vor der Eskalation und dem Weg dorthin vor der giftigen Atmosphäre gewarnt worden. In Wirklichkeit sind aber die Frauen die absoluten Stärkesymbole.

10:19 12.06.2019
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Geschrieben von

Juliane von Hopfgarten

Meine Themenbereiche umfassen internationale Politik, Wirtschaft sowie Frauenrechte. Unten ein Link zu meinen Beiträgen auf EditionF.
Juliane von Hopfgarten

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