Die Grünen fordern Verbot für Inlandsflüge

Klimaschutz Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der Grünen, plädiert für eine deutschlandweite Verbotszone für alle Inlandsflüge.
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Angestrebt wird das Jahr 2038 für die Umsetzung der ehrgeizigen grünen Pläne. In der Talk-Show "Studio Friedman" behauptete die engagierte Politikerin sogar, dass es keine Inlandsflüge brauche. Die Bahn mit verbesserter Infrastruktur und günstigen Tickets könne bis dahin alle Flüge, auch die nach Frankfurt oder München ersetzen. Badum sieht die Bahn als Kernprojekt für eine umweltschonende Zukunft.

Die Klimaschutzbeauftragte der CSU, Anja Weisgerber, positioniert sich entschieden gegen die Grünen Verbotspläne. Die Politik dürfe nicht mit Verboten arbeiten, wenn es um den Klimaschutz geht. Anreize seien der Weg, der die Bevölkerung mobilisiert. Frau Weisgerber schlägt im Gegenzug vor, die Mehrwertsteuer für Fahrten mit der Bahn zu reduzieren, um sie für große Teile der Bevölkerung attraktiv zu machen. In einem Interview fokussierte sie bei dieser Diskussion im Besonderen die europäischen Nachbarstaaten.

Das Thema sorgt für Zündstoff

Nach einer Studie von 2017, die der Verband deutscher Verkehrsunternehmen in Auftrag gegeben hat, zeigt sich der Personenverkehr 22 Mal umweltverträglicher als ein Inlandsflug. Im Vergleich der drei Landverkehrsträger, Schiff, Güterzug und LKW, liegt der Güterzug vorne, was die Stickoxid-Emissionen und den Energieverbrauch je Tonnenkilometer anbelangt. Die Ergebnisse für den Personenverkehr sind zu erwarten gewesen; hier machen Bahn und Bus das Rennen im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr. Schließlich erwähnt die Studie noch, dass es in Bezug auf Bus und Bahn lange vor der Klimakonferenz 2015 Erneuerungen und Verbesserungen gab. So sei an dieser Stelle der Diesel Euro VI Bus und verschiedene alternativ betriebene Busse erwähnt, wie zum Beispiel Elektro-Busse. Bei der Bahn soll die Elektrifizierung des Streckennetzes erwähnt werden. Studien, die Aufschluss über die Mobilität in Deutschland geben, sind Anlass für Modernisierungen auf Basis klimaverträglicher Konzepte. Im Jahre 2018 wurden die Ergebnisse einer groß angelegten Haushaltsbefragung im Hinblick auf Alltagsmobilität der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Markt von Bus und Bahn wird nachhaltig von öffentlicher Meinung beeinflusst. Die Betriebe sind in der Pflicht.

Die SPD mit Carsten Träger sieht eher in der Modernisierung der Flugzeuge, hin zu emissionsarmen Maschinen, eine Zukunft. So äußert er sich im Gespräch durchaus im Sinne einer 'Pro-Inlandsflug-Haltung'; der CO2-Ausstoß sei der Streitpunkt. Sogar in der Schweiz und Skandinavien habe die Politik schon über ein Verbot von Inlands-Flügen nachgedacht, laut Mobilitätsforscher Professor Andreas Knie. Die Bevölkerung ist seit Jahren wachgerüttelt und im Bilde über die Konsequenzen des europaweiten Schadstoff-Ausstoßes. Autos, Busse und die Bahn seien eine passable Alternative zu den Flügen.

Andere Stimmen melden sich zu Wort, wie die von Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld, die mit Fakten argumentieren. Laut Weidenfeld seien viel eher detaillierte Erkenntnisse notwendig, die durch wissenschaftliche Untersuchungen untermauert sind, um Verbote aussprechen zu können. Bezugnehmend auf die Aussage der Grünen-Politikerin, Lisa Badum, sei es unklug, wie in der Vergangenheit mit Verbots-Forderungen um sich zu werfen, letzten Endes schade das nur dem Image der Grünen. Zwar konnte die Politik schon erfolgreich in den Flugreiseverkehr intervenieren, beispielsweise in der Stärkung der Fluggastrechte, allerdings scheint es in diesem Fall auf beiden Seiten zu viele Verliere zu geben bei etwaigen Verbotsinterventionen.

Experten kommen zu Wort

Auch der Präsident der Piloten-Vereinigung, Markus Wahl, nimmt Stellung, indem er die Wichtigkeit eines Umdenkens unterstreicht, jedoch müsse der Wandel für alle Beteiligten nachvollziehbar eingeleitet werden und nicht in einer 'Nacht und Nebelaktion', die einen Haufen arbeitsloser Piloten zurücklasse. Politikwissenschaftler wie Jürgen Falter führen das französische Beispiel des TGV an, das sämtliche Inlandsflüge ersetzen könne. Eine Schnellbahn sei nur in Deutschland nicht denkbar. In einem Interview gibt er allerdings zu, dass extrem kurze Flüge innerhalb Deutschlands ersetzt werden müssen im Hinblick auf Umwelt und Klima. Ferner spekulierte er in diesem Gespräch, dass bei diesem Thema die Grünen wohl keinen Schaden nehmen würden, gehöre das Klientel, das diese Flüge in Anspruch nehme, weniger zu den Anhängern der Grünen.

Einige Kurzstrecken wurden schon gecancelt. Frans Timmerman, der niederländische Sozialdemokrat, hatte schon während des EU-Wahlkampfes für Streitgespräche im Hinblick auf Kurzstreckenflüge gesorgt, soll doch die Nachfrage nach einer Daseinsberechtigung für Flüge, die eine Strecke von 150 km fliegen, berechtigt sein. Ein Beispiel für einen solchen 'kurzen Kurz-Flug' sei Nürnberg - München erwähnt. Mit dem Fahrrad sei diese Strecke auch zu bewältigen. 2018 wurde die Strecke Hamburg-Karlsruhe bzw. Baden-Baden gestrichen, Air-Berlin gibt auf und Unwirtschaftlichkeit waren die Gründe. In der Vergangenheit sind weitere Verbindungen eingestellt worden, wie zum Beispiel 2007 Köln-Frankfurt, in Anbetracht der Fertigstellung der ICE-Strecke und 2002 die Verbindung von Hamburg nach Berlin. Hier ist ebenfalls die ICE-Strecke ausgebaut worden.

10:39 28.06.2019
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Geschrieben von

Juliane von Hopfgarten

Meine Themenbereiche umfassen internationale Politik, Wirtschaft sowie Frauenrechte. Unten ein Link zu meinen Beiträgen auf EditionF.
Juliane von Hopfgarten

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