Revolutionäre Ankündigung von Google

Datenschutz Seit der neuen Datenschutzverordnung von 2016 sind die Themen Tracking, Datenschutz und Cookie-Richtlinien digitaler Alltag.
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Jetzt hat Google als letzter großer Internetanbieter verkündet, dass er auf die Nachverfolgung seiner Nutzer durch Cookie-Tracking verzichten möchte. Für Experten kommt diese Ankündigung nicht wirklich überraschend. Schließlich wird diese Cookie-Politik von Konkurrenzbrowsern wie denen von Apple oder Firefox schon länger nicht mehr verwendet. Trotzdem stößt diese Ankündigung nicht bei allen Seiten auf Freude und Zustimmung.

Das Tracking von Cookies wurde schon seit seiner Einführung scharf kritisiert. Unternehmen setzen diese Strategie unteranderem dafür ein, Werbung für den Kunden genauer zu personalisieren. Hierfür wird nicht nur auf den Standort, sondern auch auf die Browserdaten des Rechners zugegriffen. Zwar hat der Verbraucher laut Gesetz ein Widerspruchsrecht bei Cookies. Viele Konzerne konnten dieses Verbot allerdings geschickt umgehen. Schon seit geraumer Zeit mahnen Verbraucherschützer an, dass der Widerspruch oftmals nur in den Einstellungen möglich sei. Manchmal gibt es auch gar keine Möglichkeit, den Zugriff der Cookies generell zu verbieten. Stattdessen bieten die Seiten lediglich die Option, nur die Cookies zur Nutzung der Website zu erlauben. Auf den ersten Blick verspricht die Ankündigung von Google Apple und Co dem Verbraucher also mehr Privatsphäre. In der Erklärung zum Abschalten der Tracking-Funktionen verkündete der Google-Sprecher, dass das Unternehmen den Wunsch nach Privatsphäre verstanden – und daran gearbeitet habe, ihn jetzt zu verwirklichen. Aus diesem Grund wolle Google zukünftig auch auf das Tracken zu Werbezwecken verzichten.

Verbraucherschutzexperten sind von der Erklärung des Internetriesen nicht allzu überzeugt. Auch in die Materie involvierte Online Marketing Experten äußern sich skeptisch. Ihnen zu Folge kann Google sich nur deshalb leisten, auf das Daten-Tracking zu verzichten, weil sie, wenigstens theoretisch über effektivere Mittel der Datennachverfolgung verfügen. Neben dem eigenen Webbrowser Google Chrome haben sie mit den Android Smartphones weitere zahlreiche Möglichkeiten, das Kaufverhalten oder das Bewegungsprofil ihrer Kunden nachzuverfolgen, ohne das Cookies eingesetzt werden müssten. Zahlreiche Verbraucherschutzexperten fordert daher die Europäische Kommission auf, etwas gegen diese möglicherweise weitaus schlimmere Verletzung der Privatsphäre zu unternehmen. Das Tracken über Smartphones ist nämlich noch nicht ausreichend durch das Gesetz verboten worden.

Mit seiner Erklärung, das Datentracking durch Cookies über ihren Browser zu verbieten hat Google also nichts wirklich Neues verkündet. Genauer gesagt ist Google der letzte große Internetkonzern, der eine Abschaffung der Cookies auf seinem Browser in Aussicht stellt. Verbraucherschützer befürchten aber andere Methoden der Datenverfolgung wie zum Beispiel das Auswerten von Smartphone-Daten oder das Erstellen von Bewegungsprofilen. Um einen derartigen Datenmissbrauch zu verhindern rufen Verbraucherschützer die Europäische Kommission zu frühzeitigem Handeln auf.

23:04 30.03.2021
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Geschrieben von

Juliane von Hopfgarten

Meine Themenbereiche umfassen internationale Politik, Wirtschaft sowie Frauenrechte. Unten ein Link zu meinen Beiträgen auf EditionF.
Juliane von Hopfgarten

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