Studieren in der Pandemie

Corona Seit gut einem Jahr stehen die Hörsäle der Hochschulen und Unis im Land nahezu leer.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wer im Frühjahr letzten Jahres mit dem Studium begonnen hat, hat bisher noch keinen Hörsaal von innen gesehen. Erstsemester, die ihr Studium vor einem Jahr begonnen haben, hatten bisher kaum Gelegenheit das klassische Studentenleben kennenzulernen. Ein Campusleben mit Menschenansammlungen vor den Unis und Hochschulen, vollen Bibliotheken, gemeinsamen Mittagessen in der Mensa und natürlich die legendären Partys in den WG’s. Auch Auslandssemester sind derzeit Fehlanzeige.

Die Folge sind weniger neue Freundschaften, Netzwerke und Zukunftspläne, auch bleiben viele Träume auf der Strecke. Seit nunmehr drei Semestern sitzen die meisten Studierenden allein vor ihren Laptops und vergnügen sich zunehmend mit Onlinespielen wie Slots oder Shooter. Dank einfachen Onlinebezahlsystemen wie Paypal können heutzutage instantan Konten mit Echtgeld aufgeladen werden. Unternehmen wie Paypal gehören schlussfolgernd auch zu den Gewinnern dieser Krise. Viele von ihnen wohnen noch in ihren „Kinderzimmern“ bei den Eltern.

Kinderzimmer statt Campus

Von der Politik scheinen die künftigen Akademikerinnen und Akademiker übersehen zu werden. Dabei sollte man gerade ihnen ein Angebot machen. Denn schließlich sind genau sie es, die einmal die Geschicke dieses Landes lenken sollen. Doch seit Beginn der Pandemie kommen sie in den politischen Debatten kaum vor. Insbesondere Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) scheint sich damit schwerzutun, Studierenden langfristige Corona-Nothilfen in Aussicht zu stellen. So stehen die Verlängerungen der sogenannten Überbrückungsgelder immer wieder neu zur Debatte. Möglicherweise ist sie sogar froh darüber, dass nicht noch eine Gruppe mit Forderungen an sie herantritt. Denn tatsächlich ist von Seiten der Studierenden auch kaum ein lautes Trommeln für ihre Interessen zu vernehmen.

Bisher halten sich die jungen Leute zurück. Vermutlich liegt das in ihrem Wissen, dass sie als zukünftige Akademiker später zur Gruppe der privilegiertesten der Gesellschaft zählen. Ihr Verhalten ließe zumindest darauf schließen. Während sich einige ehrenamtlich einbringen, leisten die meisten von ihnen ihren Beitrag, indem sie sich in ihr stilles Kämmerlein zurückziehen, und dort nach Vorschrift lernen. Dabei ahnen sie wohl, dass Unis und Hochschulen wohl die Letzten sein werden, die ihren regulären Betrieb wieder aufnehmen. Auch in punkto Impfen werden sie ganz hinten angesiedelt.

Studienabbruch aus finanzieller Not

Ob die finanzielle Not der jungen Leute dazu führt, dass immer häufiger Studierende ihr Studium nicht zu Ende führen, und die Hochschulen damit zwingend gebrauchte Absolventen fehlen, ist noch nicht abzusehen. Kreative Ideen fehlen auf beiden Seiten. Während die wegschauende Politik mit Fantasielosigkeit glänzt, verkriechen sich die Studierenden in ihren Zimmern. Von Anreizen oder gar Zuspruch seitens der Politik, die Bildung in ihren Reden stets als das höchste Gut propagiert, ist während der Pandemie nichts zu spüren. Dass derzeit gleichzeitig Milliarden von Euro fließen und Grundrechte außer Kraft gesetzt werden können, beobachtet die junge Generation sehr akribisch. Beim nächsten Ausnahmezustand, hervorgerufen durch die Klimakrise, werden sie sich daran erinnern. Dann werden sie weder Forderungen erheben, noch diszipliniert in ihren Zimmern sitzen. Denn dann sind sie es, die entscheiden.

00:03 02.03.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Juliane von Hopfgarten

Meine Themenbereiche umfassen internationale Politik, Wirtschaft sowie Frauenrechte. Unten ein Link zu meinen Beiträgen auf EditionF.
Juliane von Hopfgarten

Kommentare