Wie Obama die Wissenschaft verändert

OpenAccess Gestern Abend hat Obama angekündigt, dass öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse für jeden veröffentlicht werden sollen. Inwiefern müssen auch wir hierbei umdenken?
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Gestern Abend hat Barack Obama die Öffentlichmachung von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen angeordnet. Sämtliche Ergebnisse staatlich geförderter Forschung in den USA sollen ein Jahr nach ihrer Erstpublikation öffentlich zugänglich gemacht werden. Dieser große Schritt in Richtung Open Access und Transparenz wird uns wahrscheinlich nachhaltig prägen. Forschungsliteratur, die bis jetzt nur eingeschränkt verfügbar war, kann nun von jedem eingesehen werden. Was bedeutet das also?
Wissenschaftler (und auch solche die es werden wollen) sind mit unter sehr kreative Menschen. Aber Innovation und Neues kann nicht aus dem Nichts entstehen. Wissen wird modifiziert, verändert, auf andere Art und Weise verwendet. Nur so kann neues Entstehen. Das dafür notwendige Wissen bekam man früher aus der Bibliothek, heute kann zusätzlich der quasi unendliche Wissensspeicher des Internets genutzt werden. Quasi nur deshalb, weil wissenschaftliche Publikationen oft auch dort nicht öffentlich zugänglich sind.
Sie werden von Rechteverwaltern, also wissenschaftlichen Verlagen (z.B. Elsevier, Springer), verlegt. Diese Verlage erhalten dabei ein Nutzungsrecht vom Urheber (=dem Wissenschaftler) und vermarkten dies. So kommt es dann dazu, dass mit öffentlichen Geldern finanzierte Wissenschaft kommerzialisiert wird. Um dann von den ebenso öffentlich finanzierten Universitätsbibliotheken zurückgekauft zu werden. Dies bezieht sich nicht nur auf klassische Veröffentlichungen in Buchform, auch Publikationen die Online (z.B. auf SpringerLink) gestellt werden müssen von den Bibliotheken in bestimmten Paketen erkauft werden. Somit hat jeder Wissenschaftler nur begrenzten Zugang zu diesen Informationen, der Allgemeinheit (so sie denn will) geht es genauso.

Insofern ist der Vorhaben Obamas nur zu Begrüßen, doch warum wird die Open Access Initiative, die sich in Deutschland durch die Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen aus dem Jahre 2003 ausdrückt, nur so zögerlich umgesetzt? Wissenschaftler werden zwar angehalten öffentlich zu publizieren, tun es aber kaum.

Bei der Diskussion um Open Access wird ebenso meist nur die wissenschaftliche Publikation erwähnt und dabei vergessen, dass Wissenschaft aus Forschung und Lehre besteht. Was ist also mit den Kursunterlagen, den Vorlesungsskripten, den Readern, die Lehrzwecken dienen?
Auch dieses Wissen wird, solange es durch den Lehrstuhl selbst erstellt wurde (Gegenbeispiele mag es geben;) ), staatlich finanziert. Weshalb sollte dieses Wissen also nicht mit allen geteilt werden, wo es doch von der Allgemeinheit finanziert wird und nunmehr fast ausschließlich online zur Verfügung steht? Es gibt tatsächlich Ansätze dies zu tun. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) begann im Jahre 2002 die OpenCourseWare Initiative. Hierbei sollen alle Lehrinhalte online und für jeden frei zugänglich gemacht werden. Das umfasst Kursunterlagen, Aufgaben zu bestimmten Themen, Videoaufzeichnungen und Klausuren. In Deutschland haben sich nur sehr wenige Universitäten dazu entschlossen dies zu tun und ähnliche Angebote umgesetzt.

Auch hier stellt sich die Frage, warum unsere Wissenschaftskultur eher zurückhaltend und verkrustet reagiert statt zu agieren. Fortschritt und Erkenntnisgewinn werden durch geschlossene und restriktive Systeme nur gemindert, gebremst. Vielleicht veranlasst der Entschluss Obamas uns zu einem offenerem Umgang mit Wissen. Vielleicht veranlasst uns dieser Entschluss mehr zu teilen und uns von den alten wissenschaftlichen Strukturen zu lösen.

11:32 27.02.2013
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