Juliane Löffler
29.10.2013 | 17:05 169

Deutungshoheit gepachtet

Sexarbeit Alice Schwarzer startet über die EMMA eine Initiative zum Verbot von Prostitution und ignoriert die Stimmen aus dem Gewerbe selbst. Mit welchem Recht eigentlich?

Sie hat es wieder getan. Alice Schwarzer kämpft für die Rechte der Frauen aber ignoriert den aktuellen Stand der Debatte. In der EMMA wurde nun ein „Appell gegen Prostitution“ veröffentlicht, welcher unter anderem für die Abschaffung des "Systems Prostitution" wirbt. Darin wird Prostitution als „moderne Sklaverei“ bezeichnet und das Prostitutionsgesetz von 2002 als Grund dafür gesehen, dass Deutschland Europas Drehscheibe für Frauenhandel und zum Paradies der Sextouristen aus den Nachbarländern“ geworden sei. Doch so einfach ist es nicht. Keine Frage: Prostitution ist ein Gewerbe, welches eng verknüpft ist mit Illegalität, Menschenhandel und Sklaverei. Trotzdem kann man Sexarbeit und Sklaverei nicht einfach gleichsetzen.

Es gibt eine Lobby von Sexarbeiterinnen und -arbeitern, die seit Jahren für ihre Rechte kämpfen, für die berufliche Anerkennung und für Entkriminalisierung. Sie nun in einen Topf zu werfen mit jenen illegalen Machenschaften, muss für sie wie ein Schlag ins Gesicht sein. Einige von ihnen haben bereits einen Gegenaufruf FÜR Prostitution veröffentlicht. Dort wird sehr richtig darauf hingewiesen, dass nicht-einvernehmlicher Sex Vergewaltigung ist und damit bereits heute ein Strafbestand.

Schaut man sich einmal die Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des EMMA-Aufrufs an, wird klar, wohin die Reise geht. Unter dem Appell stehen Namen von CDU- und FDP-Politikerinnen, und viele andere mit Doktoren- und Professorentitel.

An der Lebensrealität vorbei

Unter dem Appell für sexwork-deutschland.de haben viele Sexarbeiterinnen unterzeichnet – also Menschen, welche die Situation der Prostitution am besten beurteilen können. Dass die Initiative von Alice Schwarzer konträr zu ihren Forderungen steht, zeigt, dass man sie nicht ernst nimmt. Und mehr noch aus einer eltitären Machtgebärde heraus meint, es besser zu wissen. Weil man eine Frau ist, zum Beispiel, oder ein politisches Amt bekleidet, oder einen gewissen Bildungsstand hat. Es ist auch eine Frage der Deutungshoheit. Mit der Lebensrealität vieler freiwilliger Sexarbeiterinnen hat das offensichtlich nichts zu tun.

Natürlich kann man nun argumentieren, Sexarbeiterinnen arbeiteten nicht freiwillig in dem Gewerbe. Es seien patriarchal dominierte ökonomische Strukturen, welche sie in ihre Situation drängen würden. Das ist eine legitime Überlegung. Doch die Konsequenz daraus müsste ziemlich genau dem Forderungskatalog von sexwork-deutschland.de entsprechen. „Aufklärung statt Zwang und Verbot, staatlich geförderte Weiterbildungsangebote für Sexarbeiter_innen“ etwa. Oder „Bleiberechte, Entschädigungen und umfassende Unterstützung für Betroffene von Menschenhandel.“ Stattdessen: paternalistische Gebärden, wie die bekennende Sexarbeiterin Carmen auf Twitter schreibt.

Auf der langen Unterzeichnerliste der EMMA fehlt ihr Name genau wie der des Deutschen Frauenrats oder Terre de Femmes. Letztere gaben auf Nachfrage bekannt, dass sie sich in dieser Frage noch nicht positioniert hätten. Es sei aber eine bewusste Entscheidung gewesen, den Aufruf der EMMA nicht zu unterzeichnen. Das wird schon einen Grund haben.

Kommentare (169)

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Ehemaliger Nutzer 29.10.2013 | 17:45

wann hab ich aufgehört frau schwarzer zuzuhören???

kann mich schon gar nicht mehr erinnern, ihr je zugehört zu haben ...

und ja, die serie "borgen" hatte dies als thema und ja, es ist ein vielschichtiges thema

Keine Frage: Prostitution ist ein Gewerbe, welches eng verknüpft ist mit Illegalität, Menschenhandel und Sklaverei. Trotzdem kann man Sexarbeit und Sklaverei nicht einfach gleichsetzen...

nee, kann man nicht! da gibt es noch jede menge andere "gewerbetreibende" um die man sich im gleichen mass kümmern muss, um nicht als moralinsüchtiger heuchler dazu stehen ... um ALLE, die ihren job NICHT freiwillig ausführen können >>> dieses VERBOT wäre zeitgemäss !!!

verbot von zwangsarbeit aller art - wäre eine debatte wert

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Ehemaliger Nutzer 29.10.2013 | 17:55

Diese Ideen sind eben Schwarzer, mann könnte auch die Männer verbieten oder ihnen vorschreiben dicke alte Frauen zu heiraten.

Man könnte auch gleich die Mafia durch Direktzahlungen unterstützen, ich denke für 10 Milliarden Jährlich würden sie dann auf das Geschäft verzichten?

Männern muß man auch die Pässe abnehmen wenn sie nach Asien fliegen wollen und in Bangkok sollte die Emma gleich kostenlos verteilt werden.

Das tiefe faschistische Erbe der Kommunisten und ihrer Marxistischen Weiberherrschaft wurde eben nie aufgearbeitet.

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Ehemaliger Nutzer 29.10.2013 | 18:09

Sexarbeiterinnen ist eine selten dämliche Wortkonstruktion.

Wie wäre es, sich mit der Reform des Prostitutionsgesetzes 2002, die in dem Aufruf stark kritisiert wird, auseinanderzusetzen?

Möglicherweise ist das scheinprogressive Reden über Prostitution für manch Unbedarften ganz hip, solange es sich um eine verbrämte Kuschelvariante oder um die idealisierte Situation von "Edelnutten" handelt und die konkrete und umfassende Lebenssituation verdrängt wird.

Natürlich bleibt die Finanzierung des Studiums dem Einzelnen überlassen, allerdings geht es auch da kaum um den Bachelor in Kamasutra.

Ich unterstütze die kostenlose Abgabe aufblasbarer Puppen an potenzielle Frauenkäufer.

Ignaz Wrobel13 29.10.2013 | 18:35

Ich zweifle doch daran, dass die Vereinigungen der Sexarbeiterinnen, die Sie nennen, repräsentativ sind. So unsympathisch wie mir die Unterzeichner dann auch sein mögen, finde ich es nicht unehrenhaft, sich für eine Gruppe einzusetzen, die ihre Stimme nicht zu erheben vermag. Es wäre also zu diskutieren, wer von beiden wirklich eine größere Anzahl von Betroffenen vertritt. Das vermag ich nicht zu sagen, vermute aber, dass Frau Schwarzer in einem wirklich herrschaftsfreien Diskurs doch viele Betroffene auf ihrer seite hätte.

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Ehemaliger Nutzer 29.10.2013 | 18:39

@JULIANE LÖFFLER29.10.2013 | 17:05

So wie ich es verstehe, bezieht Frau Schwarzer lediglich eindeutig Position und begründet diese. Und als Journalistin sowie als Feministin gibt sie denen eine Stimme, die sich nicht äußern können.

Dass das "Prostitutionsgesetz" von SPD-Grünen eine einzige Schande für eine rechtsstaatliche und zivilisierte Gesellschaft war und ist, könnte man erkennen, wenn man sich nicht nur um einen Kreis von Frauen bemüht, der sich offenbar selbst sehr gut ausdrücken und sich Gehör verschaffen kann.

"... Sie nun in einen Topf zu werfen mit jenen illegalen Machenschaften, muss für sie wie ein Schlag ins Gesicht sein. ..."

Das tut Frau Schwarzer bitte wo genau explizit oder implizit?

Ich vermag in dem Aufruf keinen solche Textstelle finden oder solch einen Schluss ziehen.

"... Schaut man sich einmal die Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des EMMA-Aufrufs an, wird klar, wohin die Reise geht. ..."

Das wiederum halte ich für eine absichtlich und böswillige Enstellung der Wahrheit. Was genau soll man denn daraus folgern, wenn bekannte Persönlichkeiten den Aufruf unterstützten?

Sowohl Frau Schwarzer als auch viele der Unterzeichner haben womöglich in ihrem Leben schon soviel üble Dinge erlebt, erlitten und erfahren sowie in viele menschliche Abgründe geschaut, dass man dankbar sein kann, wenn sie sich für eine zivilisierte Gesellschaft einsezten und damit gegen eine verrohende Gesellschaft.

smukster 29.10.2013 | 18:53

Damit macht sich Frau Schwarzer fuer mich tatsaechlich endgueltig laecherlich: Fuer so dumm hatte ich sie bisher wirklich nicht gehalten. Die realen Prostituierten scheinen sie nicht sonderlich zu interessieren, sonst wuerde sie ihnen zuhoeren. Keine Frage, es gibt jene, die verschleppt und ausgebeutet werden, unter sklavenaehnlichen Bedingungen leben und arbeiten muessen, und das muss soweit wie moeglich bekaempft werden, durch bessere Regulierung und Aufsicht sowie Hilfsangebote fuer Betroffene. Aber es gibt auch die Anderen, die sich bewusst fuer den Beruf der Prostituierten entscheiden und relativ frei und selbstbestimmt arbeiten. Warum soll ihre Arbeit verboten werden - um sie, wie etwa in China, in die Illegalitaet zu treiben, wo sie wohl deutlich weniger Rechte und Sicherheit haben?

"Das Kind mit dem Bade ausschuetten" ist fuer ihren Vorschlag noch eine recht harmlose Umschreibung. Nach dieser Logik muesste als erstes Alkohol verboten werden, weil er nicht selten mit Gewalt und Leid in Zusammenhang steht. Als naechstes Computer und Handys, weil im Coltanabbau im Kongo und in der Produktion in China bekanntlich ueble Zustaende herrschen. Als naechstes das Kinderkriegen, weil manche spaeter von ihren Eltern geschlagen und missbraucht werden...

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Ehemaliger Nutzer 29.10.2013 | 19:07

Da möchten wohl einige Frauen die sich anderweitig prostituieren lästige Konkurrenz loswerden!!

Wer die Prostitution verbieten will muss das System insgesamt verbieten.

Und was kommt dann ein völlig übler illegaler Prostitutionsmarkt bei dem die Frauen dann entrechtetes Freiwild sind? Ich denke mal die Mafia reibt sich schon die Hände weil die gerade gut verdient wenn etwas illegal wird. Siehe dazu die Prohibition!! Weiterhin, wer glaubt das die Prostitution hauptsächlich erzwungen wird hat einfach keine Ahnung. Viele Frauen beginnen so ihre Karriere vor allem Frauen die nach Deutschland einwandern weil es die einzige Möglichkeit ist, relativ viel Geld zu verdienen. Die Gruppe von Sexsklaven in der Prostitution ist mit Sicherheit wesentlich geringer als die Gruppe von Arbeitssklaven in Hartz4. Was sollen die Frauen denn danach machen wenn das Prostitutionsverbot durch ist? Hartz4 beantragen um dann als Arbeitssklave im prekären Bereich zum Beispiel als Dienstmädchen arbeiten zu müssen wo sie dort dann gleichzeitig in ihren prekären Beschäftigungen sexuell ausgebeutet werden. So war es doch vor einigen hundert Jahren. Ich halte die Schwarzer für eine Mainstreammachtfigur auf Bildniveau die genau das Gegenteil von dem will was sie vorgibt.

Nils Markwardt 29.10.2013 | 19:45

"Unter dem Appell stehen Namen von CDU- und FDP-Politikerinnen, und viele andere mit Doktoren- und Professorentitel [...] Und mehr noch aus einer eltitären Machtgebärde heraus meint, es besser zu wissen. Weil man eine Frau ist, zum Beispiel, oder ein politisches Amt bekleidet, oder einen gewissen Bildungsstand hat."

Was ist das denn, zumindest so formuliert, für ein (anti-intellektualistisches) Argument? Herr und Frau Studienrat sitzen ja schließlich nur im Elfenbeinturm? Wobei die Frage als solches freilich berechtigt ist: Ist es per se paternalistisch für den "Anteil der Anteilslosen" (also in diesem Fall Zwangsprostituierte, die hat der Aufruf ja vor allem im Blick) zu sprechen? Und das läuft dann wiederum auf die alte Frage hinaus: Can the Subaltern Speak?

Nun kann man sicherlich Gründe dafür finden, dass es per se paternalistisch, ja eine Anmaßung ist. Wenn man das macht, dann muss man fairerweise aber auch dazu sagen, dass man damit die Idee des öffentlichen Intellektuellen beerdigt.

Achtermann 29.10.2013 | 20:21

Um was es Frau Schwarzer geht, zeigt dieser Punkt aus ihrem Appell:

"Ächtung und, wenn nötig, auch Bestrafung der Freier; also der Frauenkäufer, ohne die dieser Menschenmarkt nicht existieren würde."

Die Prozessberichterstatterin der Bildzeitung und Expertin für männliche Wetterpropheten möchte ein Instrument gebären, das Herrschaft schafft: Ächten und Strafen. Nach ihrem Gusto wäre wohl am besten: ab, ab, ab!

ch.paffen 29.10.2013 | 20:28

danke für die draufsicht auf emma (Zeitschrift) – Wikipedia + Alice Schwarzer – Wikipedia, sex + arbeit * deutungshoheit, kann auch zum bumerang werden @ shit happens frau löffler (wink mit dem kompletten jägerzaun, weil als high light der freitagsdraufsicht kann ich deutungshoheit gepachtet NICHT empfinden) * aber zurück zum thema

das ihnen ein feministischer dino (alice, 71) mit ihrer lebensgeschichtlich geprägten sicht auf sexarbeiterinnen irgendwie nicht zu einem fröhlichen i like it anregt * geschenkt, die emma story mit ortgies ist nur ein steinchen aus dem alices mauerbau @ emma (NIX mit emma 2.0, schade eigentlich) * nur ein emma + alice bashing oder eine selbstverständliche übernahme der wirklichen deutungshoheit ist irgendwie nicht extremst pfiffig * gern gelesen, doch mein urteil ist da weniger verbissen * feinen resttag noch cp

askerc 29.10.2013 | 22:12

es sei Ninoschneider zitiert: "Weiterhin, wer glaubt das die Prostitution hauptsächlich erzwungen wird hat einfach keine Ahnung. Viele Frauen beginnen so ihre Karriere vor allem Frauen die nach Deutschland einwandern weil es die einzige Möglichkeit ist, relativ viel Geld zu verdienen.

Entschuldigung, aber ich glaube sie haben auch keine Ahnung. Belge bitte! Sicher ist es schwierig, ganz konrete Zahlen zu nennen, da es keine repräsentativen Umfragen und damit Statistiken gibt.

Aber wie meinen sie kommt es überhaupt dazu, dass es so wenige Statistiken zu diesem Thema gibt? Sicherlich nicht, weil die Mehrheit der Prostitutierten ihren "Job" selbstbestimmend und aus Spaß machen.

Von einer Karriere im Zusammenhang mit Prostitution zu sprechen, kann nur aus der Feder eines Mannes kommen. Genauso wie dieses Zitat "Da möchten wohl einige Frauen die sich anderweitig prostituieren lästige Konkurrenz loswerden!!"

Man nimmt an (ok, es sind nur Erfahrungswerte), dass über 90% der Prostitution innnerhalb mafiöser Strukturen und Menschenhandelt stattfindet. Und selbst wenn ein paar einzelne Frauen aus Osteuropa nach Deutschland kommen und dann feststellen, dass sie Geld vorerst nur mit dem Verkauf ihres Körpers verdienen könnten, heisst das nicht, dass sie es freiwillig bzw. aus Freiheit tun. Diese Frauen sind nicht frei, denn ihnen bleibt nichts anderes übrig als ihren Körper feil zu bieten und damit ihre Würde zu verkaufen.

Die Gruppe von Sexsklaven in der Prostitution ist mit Sicherheit wesentlich geringer als die Gruppe von Arbeitssklaven in Hartz4."

Selbst wenn es so sein sollte, meinen sie nicht, man sollte sich auch um die "Sexsklaven" kümmern?

Sicher gibt es einige wenige Frauen, die Spaß an ihrem Job als Prostitutierte haben. Diese Frauen können sich ihre zahlende Bettpartner wahrscheinlich selbst aussuchen und bekommen auch eine angemessene Vergütung für ihre Künste. Ich verurteile das nicht, aber ich würde mir wünschen dass jene Frauen, die ausgebeutet und vergewaltigt werden und von unzähligen stinkenden Männern tagtäglich bestiegen werden, mehr Schutz bekommen und die Männer und Frauen die dafür verantwortliuch sind, bestraft werden (ja und auch hier drückt sich Frau Schwarzer leider wieder etwas pappnasig und unbedarft aus "Ächtung und, wenn nötig, auch Bestrafung der Freier; also der Frauenkäufer, ohne die dieser Menschenmarkt nicht existieren würde.")

Mag ja sein, das Alice Schwarzer teilweise etwas pappnasig daherkommt und aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit der Bild nicht mehr ganz so ernst zu nehmen ist, aber sie als männermordende und -hassende Frau darzustellen, die nichts anderes im Sinn hat als den Männern ihre Schwänze abzuschneiden, ist ein bisschen Siebziger finde ich (wie Frau Schwarzer eben auch :)

pw6 29.10.2013 | 22:14

Ich wundere mich einigermaßen, daß in dem Appell übersehen wurde, auch Kundeninnen und Kunden von männlichen Prostituierten mit Strafen zu bedrohen. Der vorletzte Punkt im Appell hätte wohl eher lauten müssen.

Bestrafung der Freierinnen und Freier, also der Männer- und Frauenkäuferinnen und -käufer....

Wobei Käufer nicht der üblichen deutschen Semantik entspricht, mit nach Hause nehmen darf man die Prostituierten glaube ich nicht. Nur am Rande bemerkt,

Lethe 29.10.2013 | 23:43

soll sexuelle Prostitution aus der Gesellschaft verschwinden, bedarf es zweierlei:

erstens, allen Frauen, die es für unumgänglich einstufen, sich sexuell zu prostituieren, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, muss dauerhaft soviel staatliche finanzielle Unterstützung zukommen, dass es keine Notwendigkeit mehr für sie gibt, sich sexuell zu prostituieren, weder kurzfristig noch dauerhaft.

zweitens, alle Strukturen, z.B. in Form von Organisationen oder Einzel-Kriminellen, die mächtig und/oder gewalttätig genug sind, Frauen in sexuelle Prostitution zu zwingen, müssen zerschlagen werden.

Erfolgt eines von beiden nicht, darf die Schwarzer und wer immer will soviel fordern wie sie wollen, es wird sich am status quo nichts ändern. Erfolgt beides, wird die Gruppe der Prostituierten im Wesentlichen auf die Personen schrumpfen, die wirklich freiwillig diesen Beruf ausüben wollen.

Da beides nicht erfolgen wird, wird sich am status quo nichts ändern.

Eventuell könnte es helfen, wenn Prostitution als echter Beruf anerkannt wird. Es steht nur zu befürchten, dass damit im wesentlichen die Zuhälterbanden entkriminalisiert werden und sich für die Prostituierten zu wenig ändert, um einen Unterschied zu bedeuten.

Ergo, es wird sich am status quo nichts ändern.

Grundgütiger 30.10.2013 | 08:19

Was tut man nicht alles, wenn die Auflage sinkt.

Wen es interessiert, das Schnee weiss ist, oder sein sollte, Wasser nass und die Wüste trocken, unterzeichnen.

Niemand kann hinterher behaupten diese Leute hätten nicht das geringste getan, das haben sie!

Die Verhältnisse zu ändern, das versuch ich jetzt seit 40 Jahren.

Übern Mindestlohn hinaus sind wir bis dato nicht gekommen, obwohl doch für jeden das gleiche Geld durchaus finanzierbar wär.

Also, ich habe einen Traum.

Alice Schwarzer ist überflüssig.

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 08:35

Die Alice-Schwarzer-Methode funktioniert so:

Die Frauenrechtlerin sieht sich als Kämpferin für eine Gruppierung, denen sie keine eigene Stimme zutraut. Sollte sich innerhalb dieser Gruppierung nun aber doch jemand zu Wort melden, so wird ihm unterstellt, rückwärtsgewand, bzw. Teilhaber von Machtstrukturen zu sein oder einfach sein Denken (noch) nicht in die richtige Richtung gelenkt zu haben. (Dann zeigt man sich nachsichtig und hilfsbereit, man hat ja ein zu rettendes "Menschenkind" vor sich.

Selbstverständlich ist es nun genau dieser Mechanismus, der dazu geführt hat, dass ihre Ansichten grundsätzlich radikal sind, denn unbesorgt radikal ist ja nur der, der sich möglichst weit von der Wirklichkeit wegbewegt.

Im Übrigen ist diese Methode mittlerweile ziemlich gängig, ja geradezu Usus geworden.

Erinnern wir uns an die Reform der Universitäten. Hat da je einer auf die Studenten und Professoren gehört? In einer Talkshow hat ein "weiser Experte" zum Thema Schule seine Ansichten sogar so verteidigt: "Wer den Sumpf austrocknen will, darf nicht die Frösche fragen." (Damit meinte er die Lehrer und Schüler.)

Worauf also stützen, wenn man keine Kenntnisse aus erster Hand hat? Auf eine Ideologie, auf das Wissen auf der richtigen Seite zu stehen (d.h. ein guter Mensch zu sein), auf den Glauben an die eigene intellektuelle Überlegenheit und - nicht zu vergessen, "Experten" samt (ihren) "Studien".

Ist jemand einmal aufgefallen, dass es noch zuvor so viele "Studien" gab wie heute, und noch so viele Leichtgläubige, die ihnen vertrauten?

Studien haben zwei Vorteile: 1. Ich kann über etwas sprechen, von dem ich keine Ahnung habe 2. Ich kann die Wirklichkeit in MEINEM Sinne verändern (ich brauche dafür nur die "richtige" Studie. Die findet sich, keine Angst.)

Insofern ist die Alice-Schwarzer-Methode - bei der sich ein angeblich höherer Intellekt aus hoher moralischer Verpflichtung heraus um Menschen zu kümmern VORGIBT, von denen er keine Ahnung hat - nicht einmal etwas besonders Neues oder Unübliches.

Der Unterschied ist nur, dass sie beinahe wie eine ansteckende Krankheit heutzutage JEDEN zu befallen scheint.

Man siehe sich doch einmal die DISKUSSION HIER an:

Hat von denen, die hier diskutieren, je einer auch nur einmal ein Wort mit einer Prostituierten oder einem Freier gewechselt?

Und die Autorin des Artikels, die ANGEBLICH über INHALTE sprechen will? Hat sie? Es gab einmal eine Zeit, da recherchierte man, BEVOR man einen Artikel schrieb.

Doch Recherche ist OUT. Heute ist "Meinung" IN.

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 09:30

dass man damit GLÜCKLICHERWEISE die Idee des öffentlichen -SELBSTERNANNTEN Intellektuellen beerdigt.

unter den ersten 100 unterzeichnern kannte nur vom namen den es extremsportlers+bergsteigers - welche bedeutung doktortitel haben und was das mit intelligenz zu tun hat, kann sich jeder selbst kommentieren ... und an deren teilweise praktiziertes verhältnis zu zwangsprostituierten im eigenen umfeld erinnern ...

ich bleibe dabei, wer ernst genommen werden will, setzt sich gegen zwangsarbeit aller art ein und gegen mafiöse strukturen in allen kreisen ... und fängt am besten im eigenen umfeld an ...

anne mohnen 30.10.2013 | 09:48

Gerade einmal 9% der Sexarbeiterinnen arbeiten laut LKA freiwillig als Huren. Der "Rest", um den sich dieser Artikel nicht schert, ist für die Ermittlungsbehörden das Problem. Denn die teilen mit der EMMA-Redaktion und vielen anderen die Auffassung, dass das von SPD und Grünen seinerzeit sicherlich mit guter Absicht verfasste Gesetz ein Schuss nach hinten war und ist. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, da die Polizei vor all den Privatwohnungen- und Flat-Rate-Puffs, die aufgrund der Gesetzeslage legal wie Pilze aus der Erde schossen, abziehen muss bzw. machtlos vor dem Elend von versklavten Frauen und Mädchen steht, das sich hinter den Türen von „Privatsphäre“ abspielt.

Wenn ich es recht verstanden habe, steht Emma für das schwedische Modell im Umgang mit Prostitution.

@ Löffler

Sie schreiben so beherzt über Flüchtlinge und illegale Einwanderer und Einwanderinnen. Die Endstation von vielen, deren weiterer Verbleib – Puff, Straßenstrich- scheint an ihnen vorbeizuziehen: seltsam.

Und ja, Man mag übe Alice Schwarzer denken wie man will, jedenfalls hätte dieser Artikel immerhin von der professionellen Recherchearbeit der Emma-Redaktion profitieren können. So ging es Ihnen nur um "skandalisieren"und zwar unterhalb der Gürtellinie von Boulevard. Mit dem Thema hat das wenig zu tun, mit den versklavten Frauen schon mal gar nichts.

Übrigens, wenn Ihnen das Wirt Sklavenarbeit nicht passt. geben doch einmal eine Definition von moderner Sklaverei.

Beste Güße am

rioges 30.10.2013 | 09:53

In dem Apell heißt es u.a.: "wäre es heutzutage für einen aufgeklärten, demokratischen Staat doch undenkbar, die Sklaverei zu tolerieren".

Aber genau das geschieht doch in diesem Land seid Rot-grüns Beschlüsse zur Leiharbeit etc. Die Art und Weise wie in diesem Land Sub- und Subsub- und Subsubsubunternehmer ermöglicht wird hilflose Menschen aus meist Osteuropa zu benutzen und zu behandeln ist nichts anderes als Sklaverei.

Es gibt also weit mehr Baustellen als nur die Prostitution. Die im Übrigen ja nicht nur von Frauen betrieben wird.

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 09:58

Ich will das so

Sexarbeit zog Marleen an, seit sie zwölf war. Heute ist sie 22, studiert, arbeitet nebenbei als Prostituierte – und träumt von einem Ökobordell.

Prostitution ist ein Beruf, etwas Freiwilliges. Wenn es nicht freiwillig ist, dann ist es keine Prostitution, sondern ein Verbrechen: Serielle Vergewaltigung, sexualisierte Gewalt, Menschenhandel. Meiner Meinung nach werden die Bereiche politisch bewusst vermischt, um Prostitution stärker zu kontrollieren.

http://www.taz.de/!107465/

Schachnerin 30.10.2013 | 10:16

Ein Augsburger Kriminalhauptkommissar nennt das 2002 eingeführte Prostitutionsgesetz "Zuhälter-Begünstigungsgesetz". Es bringe die Prostituierten in eine Art moderne Sklaverei mit staatlicher Duldung. Der Zuhälter werde einem Arbeitgeber gleichgestellt und habe ein "Weisungsrecht".

http://www.sueddeutsche.de/bayern/prozess-in-memmingen-menschenhandel-mitten-in-bayern-1.1805036

Nils Markwardt 30.10.2013 | 10:29

Danke für die Zahl (9%). Genau deshalb finde ich den Begriff "Sexarbeiterinnen", gelinde gesagt, auch problematisch. Denn der unterstellt ja, dass Prostitution zunächst mal ein Job wie jeder andere ist - bei dem es dann halt auch einen gewissen Prozentsatz an Missbrauch gibt - und eben kein System, dass fundamental auf Missbrauch und Menschenhandel beruht. Und natürlich gibt es auch Frauen, die sich freiwillig prostituieren und das als normalen Beruf begreifen. Aber wenn man über das Thema redet, müsste man doch immer im Blick habe, dass das eben eine signifikante Minderheit ist.

@Rechercheuse

Unter den Unterzeichnern sind bspw. Petra Gehring und Peter Weibel, zwei der sicherlich profiliertesten Philosophen/innen Deutschlands. Aber wie gesagt: Man kann die Idee des öffentlichen Intellektuellen kritisch sehen. Alain Badiou setzt sich z.B. energisch für die sans-papiers-Bewegung ein - meist ohne seinem Namen dabei medial publik zu machen. Ich persönlich halte die Idee vom öffentlichen Intellektuellen (ob Alice Schwarzer da im engeren Sinne jetzt dazu gehört, darf man freilich diskutieren) so ganz prinzipiell für nicht soo schlecht. Denn die Frage bleibt ja: wie kann der "Anteil der Anteilslosen", also Zwangsprostituierte, zur Sprache, zum (aufmerksamkeitsökonomischen) Anteil im öffentlichen Diskurs kommen? Wenn man sagt: Nicht durch Intellektuelle, denn das ist ja Anmaßung und Wichtigtuerei - gut. Aber wie dann?

tlacuache 30.10.2013 | 10:36

..."Mei is des romantisch!"...

Siehste, da fehlt nur noch die Hollywoodschaukel:

http://src.discounto.de/pics/product/1306/30511_Hollywoodschaukel_xxl.jpg

NachwuchssoldatINNENEN im Auftrag der Mafia, aber

siehe unten, wie es im laut LKA 91% im richtigen Leben

abgeht:

Nicht dass ich die anderen 9% nicht auch kennengelernt habe,

das waren Frauen die waren so taff da hätte sich der

Ackermann verbal den Schniedel im Türspalt eingequetscht,

aber ich denke, hier geht es um die 91%...

So rund eine Milliarde € in BRD, untertrieben gesagt...

So etwas lassen sich Profis nicht durch die Lappen gehen.

Schachnerin 30.10.2013 | 10:48

Schaut man sich einmal die Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des EMMA-Aufrufs an, wird klar, wohin die Reise geht. Unter dem Appell stehen Namen von CDU- und FDP-Politikerinnen, und viele andere mit Doktoren- und Professorentitel.

Ichhabe mir die ersten zwei Listen angeschaut und habe nur ganz wenig CDU- und FDP Politiker_innen gefunden und nur ein paar mit Doktor oder Professorentitel.

anne mohnen 30.10.2013 | 10:50

Wie auch in dem Panorama-Beitrag gezeigt wird, hat das Gesetz nicht nur die Prostitution sondern vor allem Kriminalität gefördert.

Der Bordellbesitzer von Europas größtem Puff, Jürgen Rudollf, der sich im Panorama-Beitrag beim Gesetzgeber mehrfach herzlich bedankt für die Legalisierung der Prostitution, hat bei Jauch unterstrichen, dass seine Tochter natürlich keinen Hure wird, vielmehr ein exklusives Internat besucht! Rudollf baut einen Faltrate-Puff nach dem anderen, indem sich "internationale“ Frauen verdingen. Luddollf strebt ernsthaft einen Börsengang an.

tlacuache 30.10.2013 | 10:55

9%...

Man habe da oder so noch gar kein Brasiliengirl zum Geldabnehmer gefahren (Keine Deutschkenntnisse), die Argentinierinnen (Hochschulabschluss, Lebensvorstellung Architektur studieren, Deutschkenntnisse) mussten dann nach dem Crash in ihrem Lande auch noch mal deutsche Schwänze lutschen, VISA: "Tourist".

Ich kenne sogar noch die etwas ekelhaftere 3. - Welt Prostitution, Einzelheiten erspare ich mir hier, sonst geht den weiblichen Kommentarteilnehmern hier der Hut hoch...

Das sind dann mal die 91%...

Juliane Löffler 30.10.2013 | 11:20

Liebe am,

es geht doch nicht darum, diesen "Rest" wie Sie es nennen zu ignorieren, und natürlich ist der Vorstoß der EMMA gegen Zwangsprostitution sehr richtig und wichtig. Aber da kann man doch nicht mit einem pauschalen Verbot antworten. Und man muss doch auch mal denjenigen zuhören, die selbst als Prostituierte arbeiten. Vielleicht ist das schwedische Modell überhaupt keine geeignete Lösung, weil es den Menschenhandel gar nicht reduziert? Das ist ähnlich wie mit der Por-NO Kampagne von Schwarzer von ´87 – da werden mit einem Verbot auch emanzipatorische Stimmen aus der Szene erstickt und das finde ich dann schon ignorant und ungenau. Trotzdem ist es ja gut, dass sie diese Debatten anstößt, dafür finde ich sie auch wichtig. Aber dann muss halt weiterdiskutiert werden und es können nicht alle schreien: Jawoll, weg damit!

P.S. Dass ich etwas gegen das Wort Sklavenarbeit habe, ist wohl ein Missverständnis.

tlacuache 30.10.2013 | 11:20

Liebe A.M.,

Rudollf ist eine kleine Nummer, die Drecksarbeit machen die russischen, italienischen und andere Mafias, und glaube bloss nicht, dass die deutschen Staatsanwaltschaften "mit eiserner Hand durchgreifen", die haben selber Schiss, da geht es um zuviel Kohle, und wenn dein Wiedersacher weiss, in welche Schule deine Kinder gehen, da hat es sich mit der "Rechtsstaatlichkeit" ausgelutscht...

Ach, "Beweise" soll der Tlacuache liefern, du, es reichen mir vertrauliche Einzelstatements unter 4 Promille, sonst würde da eh keiner den Schnabel aufmachen, aber ich kann ja mal erzählen, wie sich die 16 jährigen Gören begeistert z.B. an der hondurensisch- guatemaltekischen Grenze durchvögeln lassen, sie geniessen es regelrecht, um dem (Ei) - Sprung zu den USA näher zu kommen...

Da können die froh sein, vor lauter "Grenzformalitäten" nicht an einer Eierstockentzündung zugrunde gegangen zu sein, um ins "gelobte Land" zu kommen...

Lieben Gruss

tlacuache 30.10.2013 | 11:35

Liebe Frau Löffler,

ich will Ihnen gar nicht wiedersprechen,

..."Und man muss doch auch mal denjenigen zuhören, die selbst als Prostituierte arbeiten"...

Das ist ja alles schoen und gut, aber WER von den Prostituierten DARF den Sprechen? Oder sollten WIR nicht vielleicht denen ein Stimme geben, die nicht sprechen koennen?

Und da sind wir beim Lethe...

..."Aber dann muss halt weiterdiskutiert werden und es können nicht alle schreien: Jawoll, weg damit!"...

Naju, das mit dem "Weiterdiskutieren" hatte man ja schon mal, 1975? 1985? 1995? 2005? Jetzt 2013, "Hmmm", da ist viel passiert, nämlich gar nix...

Es muss mit "Eheproblemen" im Hause zu tun' haben und "ich kann mir Sex für Geld kaufen".

Also von mir hier mal ein ganz anderer Ansatz:

Der Staat übernimmt das gesellschaftliche "Sexleihmonopol", gute Umsätze garantiert, aber wer soll das dem Tebhart - Elz erklären, oder sogar dem Vatikan?

Unter Doppelmoralgesellschaften leben ist eine Quadratur des Kreises...

Einen schoenen Gruss

Juliane Löffler 30.10.2013 | 11:43

Es handelt sich dabei um einen selbstgewählten Begriff der Bezeichneten (die sich klar abgrenzen von Zwangsprostitutierten, was eben genau der Sinn des Wortes ist) und unsofern finde ich es nur legitim, diese Bezeichnung zu übernehmen. Dass es komisch klingt, wenn man Zwangsprostituierte als Sexarbeiterinnen bezeichnet ist natürlich klar, da muss man dann schon unterscheiden.

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 11:52

http://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsprostitution

Von den schriftlich befragten Prostituierten waren die weitaus meisten (86,9 Prozent) krankenversichert. Nur ein kleiner Teil war nicht krankenversichert, dieser Anteil lag aber deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung.

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstellung,did=132010.html#fragment

Mangelernährt, geschwächt und krank - so tauchen viele in ihrer Beratungsstelle La Strada auf, berichtet Sabine Constabel. Hin und wieder seien auch arbeitslose Akademikerinnen, Lehrerinnen, Übersetzerinnen unter den Armutsprostituierten, für die der Job in Deutschland oft der letzte Strohhalm ist angesichts der Misere in ihren Herkunftsländern. Viele Frauen seien sich bewusst darüber, dass die Reise nach Deutschland in die Prostitution führt. Diese Frauen zählen zwar nicht zu den 610 Opfern der Zwangsprostitution, die für das Jahr 2010 in der Statistik des Bundeskriminalamtes vermerkt sind. Aber ihr Alltag fühle sich kaum besser an, sagt Wolfgang Hohmann, der Leiter des Ermittlungsdienstes Prostitution in Stuttgart.

"In Frankreich saßen einige uns bekannte Personen, die auch hin Stuttgart schon Prostitutionsobjekte hatten oder Prostituierte für sich arbeiten ließen. Und die haben oder in Frankreich nichts anderes gemacht als hier. Und dort gab es eben ganz deutliche Gefängnisstrafen allein dafür, wenn sie ihre Frauen zur Arbeit fahren, abgeholt haben oder deren Geld verwahrt haben. Das allein reicht bei uns für gar nichts. Dort reicht es für fünf Jahre."

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1649844/

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 12:01

Dabei ist festzuhalten, dass der Begriff Zwangsprostitution kein rechtlich definierter Begriff ist. Es handelt sich um eine Wortschöpfung, die in der medialen und politischen Debatte benutzt wird. In der juristischen und soziologischen Fachliteratur ist umstritten, inwieweit der Begriff vereinfachend wirkt. Diesem Terminus wird entgegengehalten, dass er strukturelle Probleme von Migration und Wohlstandsgefälle in Täter-Opfer-Schemata zu pressen versucht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsprostitution

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 12:22

Unter der Überschrift "Moderne Zwangsprostitution" ist zu lesen: "In der EU werden schätzungsweise jedes Jahr 200.000 Zwangsprostituierte durch Menschenhändler an Zuhälter verkauft." Es fehlt zu der Behauptung ein adäquater Quellennachweis der EU (keine unsichere Drittquelle)

Des weiteren ist im gleichen Abschnitt zu lesen: "Die UN schätzt die Zahl der weiblichen Zwangsprostituierten in Europa auf 500.000. Der illegale Sklavenhandel soll dabei einen Umsatz von 10 Milliarden Dollar betragen haben.[1]" In der angegebenen Quelle ist weder die UN-Zahl von 500.000 angegeben, noch die 10 Mrd. Dollar. Somit fehlt ebenfalls ein adäquater Quellennachweis der UN (keine unsichere Drittquelle)

Wir denken dass Wikipedia Tatsachenorientiert arbeitet und nicht subjektive Mutmaßungen veröffentlichen sollte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Zwangsprostitution

ch.paffen 30.10.2013 | 12:31

danke @ all für die "meinungsvielfalt" *

so gesehen möchte ich meinen bumerang satz @ deutungshoheit doch nicht so 1 zu 1 aufrecht erhalten (kein highlight) * polarisieren ist als medialer anschubser zum drüber reden/ drüber streiten anscheinend doch eine höchst pfiffige variante * deshalb mal ein paar sternchen für den thread ***** der sich ergeben hat

danke @ am für das west art video * den sprit und kippen spruch leg ich mal in die kiste - voll männliche sätze (ohne frage mit einem wahrheitsgehalt, jedoch ob manner bei dem thema die "eigene" wahrheit ..... * anyway *

feinsten resttag noch cp

tlacuache 30.10.2013 | 12:45

..."Natürlich auch durch Intellektuelle"...

Oh ja, die Intellektuellen sind insbesondere bei der Frankfurter Buchmesse was den Puff angeht, ABSOLUTE Profis, die fanden am nächsten Morgen kaum noch ihren Verlagsstand, meine Güte, die wurden in der Nacht zuvor echt fertiggemacht, die armen Heuchler.

"*GRINS*"

Ich spreche nur von den Intellektuellen '92 - 2000', über den Rest masse ich mir keine Urteile an...

Gruss

Sikkimoto 30.10.2013 | 13:06

Vielen Dank für den Beitrag. Wenn ich mir die Kommentare so durchlese war das wohl mutiger als ich für möglich hielt.

Erstaunlich was sich da losbricht. Scheinbar ist Prostitution ein Thema bei dem sich jeder zum Experten beruhen fühlt. Untermauert wird das ganze dann mit "Schätzungen" von Menschen, die ebenfalls ihr Lebtag mit keiner Prostituierten geredet haben.

Dazu gibt es dann Hinweise wie diesen: >patriarchal dominierte ökonomische Strukturen, welche sie in ihre Situation drängen würden.<

Ja, die arbeiten doch tatsächlich für Geld. Klingt unglaublich, aber wenn ich morgens zur Arbeit fahre, dann auch wegen "ökonomischen Strukturen", und nicht weil ich so Bock drauf hätt.

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 13:54

@Juliane Löffler

Es handelt sich dabei um einen selbstgewählten Begriff der Bezeichneten (die sich klar abgrenzen von Zwangsprostitutierten, was eben genau der Sinn des Wortes ist) und unsofern finde ich es nur legitim, diese Bezeichnung zu übernehmen. Dass es komisch klingt, wenn man Zwangsprostituierte als Sexarbeiterinnen bezeichnet ist natürlich klar, da muss man dann schon unterscheiden.

Das Schöne Neue Wort "SexarbeiterIn" ist nun ja schon seit geraumer Zeit im Umlauf. Es klingt nach Fließband, ist insofern wahrscheinlich treffend (früher haben sich die kasernierten Vaterlandsverteidiger von... ja, nennen wir sie halt Sexarbeiterinnen durch den Maschendraht hindurch beglücken lassen. "Mei, is des romantisch", um die Schachnerin zu zitieren.

Gefallen tut mir das neue Wort nicht, auch weil ich fürchte, daß es in wenigen Jahren das einzig gültige politisch korrekte Wort sein wird (siehe das Wörtlein "selbstgewählt", das in den Diskussionen über Politische Korrektheit so gerne auftaucht). Dabei ist "Prostituierte" ein Wort, das in all seiner pompösen Lateinhaftigkeit klingt, als wäre es ein akademischer Titel. "Wir begrüßen zu unserem symposion (Saufgelage mit Hetärenservice) Frau Dipl.-Prost. Hildegard Deutlmoser und ihr Team."

Ciao

Wolfram

anne mohnen 30.10.2013 | 13:59

Lieber Frau Löffler,

Sie schlagen sich nicht hinter die Büsche, wenn es Kritik hagelt. Das ist gut so.

Die freien Sexarbeiterinnen kommen zu Wort, wie die von mir eingestellte WestArt Sendung zeigt. Und die Forderungen, die die Frauen erheben, etwa keine Prostitution unter 21 Jahre, sind ja vernünftig. Was aber entscheidender ist: das Gesetz ist nach hinten losgegangen. Die Realität straft es Lüge! Deswegen muss einen die Kaltschnäuzigkeit empören, mit der die damaligen Initiatorinnen im Panorama-Beitrag die reale Situation kommentieren.

Sie behaupten, es sei ein Schwarzer-Feldzug. Auch wenn Emma jetzt einen Appell verfasst hat, kann davon keine Rede sein. Die Emma-Redaktion steht nicht allein damit.

Ich weiß zu wenig über die realen Auswirkungen des schwedischen Modells –für solche Infos lese ich übrigens Zeitungen-, um „das Pro und Contra“ abzuwägen, wie ja das ganze Feld nicht meine Interessendomäne ist. Was ich aber nachvollziehen kann, das ist der Realismus des schwedischen Modells: meines Erachtens kriminalisiert es nicht die die Frauen , sondern die Freier. Auch folgt das schwedische Modell der Einsicht, dass nicht alles, was unter der Flagge von Emanzipation läuft, auch eine solche ist. Die reale Praxis, dem manN sich doch nicht verschließen, nutzt nur den Freiern, den Zuhältern bzw. Bordellbetreibern in bis dato ungeahntem Ausmaß. Skandalös ist ja, dass die Frauen inzwischen nicht nur immer schlechter verdienen, sondern, wenn sie sich ehrlich machen, durch Offenlegung ihrer Tätigkeit, kaum noch von Krankenversicherern aufgenommen werden: Eine bessere Abischerung der Prostituierten war aber das Ziel des Gesetzes. Übrigens: durch den Wegfall der Regestrierung. des Kondomzwangs entstehen erhebliche Gesundheitsrisiken, die auch die Öffentlichkeit nicht kalt lassen sollte.

Derzeit steigt übrigens die Aids-Rate bei älteren Frauen: Nach frustrierender Ehe, unbefriedigendem Liebesleben resp. Scheidung, fährt die eine oder andere ins Ausland, "kauft" sich dort einen Lover-Boy (….) Das hat dann auch viel mit Prostitution zu tun, folgt aber ganz „anderen Gesetzen und Ritualen.“.

tlacuache 30.10.2013 | 14:01

..."Aber welche Frau schmeißt sich schon einem feinsinnigen Essayisten an den Hals? Kostenlos, meine ich"...

AHH, schön Sie hier zu sehen, Wolfram. " feinsinnigen Essayisten", die Tagsüber schwadronieren "wie schlecht diese Welt ist und dass die Frau heute immer noch ausgebeutet wird", aber Nachts die Nutte verhauen, müssen natürlich das 18 - fache bezahlen, im günstigstem Fall geht die Kohle direkt an das Madel, die "Regel" ist aber eher ein kleiner Amphetaminstoss mit einem kleinem Cocainnässchen + Champus, und der 16 - fache Gewinn bleibt beim "Betriebwirt"...

"HHMMM"

anne mohnen 30.10.2013 | 14:13

Lieber tlachuache,

ich bin nicht naiv. Da mögen kriminelle Banden noch mehr verdienen, noch brutaler sein. Und ja organisierte Kriminalität ist ein internationales Phänomen. Und keiner streitet ab, dass es Frauen, wie die in Mittelamerika auch in Europa gibt, die ihren Körper einsetzen in der Hoffnung, später ein bessseres Leben zu führen. Von diesen Frauen ist ja in den Beiträgen die Rede. Befragtnach ihrer Meinung, sagt eine Frau, in Rumänien sei Prostitution zwar verboten, doch ginge es nicht so schäbig zu wie in Deutschland.

Doch zu Rudollf. Der steht als Folge des Gesetzes für einen Typus von Zuhälter, eine Bezeichnung, die der freilich ablehnt, die nun die Ausbeutung von Frauen salonfähig macht. Das ist das bittere Ergebnis des Gesetzes, das neu ist. Sorry, da soll es den Huren im antiken Rom und Griechenland schon mal besser gegangen sein.

LG am

silvio spottiswoode 30.10.2013 | 14:13

Schöner, differenzierter Text – und tolle Links! – zu einem wichtigen Themenkomplex. Danke!

Ganz dumme, erschreckend populistische Aktion von Schwarzer und EMMA. Völlig gestrig, paternalistisch und an der Sache vorbei. Anstatt die Widersprüche, die dieses Thema gesellschaftlich generiert auszuhalten, macht frau sich für Verbote stark, die dann das Leid eben einfach noch weiter vergrößern. Ach, is egal. Hat Frau Schwarzer halt nichts mit zu tun.

Ganz wichtige Punkte um den Beteiligten zur Seite zu stehen sind m. E. unbedingt zu allererst Bleiberechte, Entkriminalisierung und sowieso ganz wichtig staatlich geförderte Weiterbildungsangebote für Sexarbeiter_innen, auch in ihren jeweiligen Muttersprachen. Kurz, die Einrichtung von Schutzräumen mit langfristiger Perspektive für die Beteiligten, Sprungbretter ins Leben nach der Ausbeutung. :-)))) Das kostet natürlich Zeit und Geld.

Verbote sind da massentauglicher, damit macht EMMA auf dem Rücken der Prostituierten jetzt für sich Quote. Sauber. Wenn ich eins hätte, ich würde jetzt mein EMMA-Abo kündigen.

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 14:19

@tlacuache

AHH, schön Sie hier zu sehen, Wolfram. " feinsinnigen Essayisten", die Tagsüber schwadronieren "wie schlecht diese Welt ist und dass die Frau heute immer noch ausgebeutet wird", aber Nachts die Nutte verhauen, müssen natürlich das 18 - fache bezahlen, im günstigstem Fall geht die Kohle direkt an das Madel, die "Regel" ist aber eher ein kleiner Amphetaminstoss mit einem kleinem Cocainnässchen + Champus, und der 16 - fache Gewinn bleibt beim "Betriebwirt"...

Ja mei, der Betriebswirt hat halt auch Betriebskosten und muß irgendwie über die Runden kommen.

Im übrigen gilt seit 1972 "Woman is the nigger of the world".

Ciao

Wolfram

tlacuache 30.10.2013 | 14:22

Auch da gebe ich Ihnen völlig Recht:

Im nuttenfreiem Internet heisst das dann so:

..."Der Name Na Kluea (wörtl. Salz-Felder) stammt noch aus der Zeit vor dem Tourismus-Boom, er beschreibt die Haupterwerbsquelle jener Zeit, die Salzgewinnung aus dem Meer. Noch heute kann man in engen Straßen die alten Holzhäuser mit kleinen, traditionellen Nudelrestaurants und Handwerksbetrieben sehen. Fischerboote, die weiterhin benutzt werden, liegen am Strand.

Südlich von Na Kluea fängt die Beach Road an, die mit teuren Hotels und eleganten Restaurants in starkem Gegensatz zum eher ländlichen Eindruck der Nachbarschaft stehen. Parallel zur Beach Road führt die Second Road vorbei an weiteren Hotels, Einkaufszentren, Bars, Clubs und dem Büro der Tourist Police"...

Im Freierjargon heisst das dann so:

..."Pattaya Bar Girls ... Es gibt unzählige Bars in Pattaya die voll von Frauen sind. Mit Sicherheit ist hier für jeden etwas dabei.
Sie rufen meist schon von weitem oder versuchen dich in ihre Bar zu ziehen.
An den Bars unterhalten sie sich mit dir, oder spielen mit dir Pool oder andere Spiele. Möchtest du dass eine Dame dich begleitet so musst du diese aus der Bar auslösen. Diese Auslöse nennt sich Barfine. Mittlerweile beträgt diese Barfine fast überall 300 Baht. Teilweise sogar 500 Baht wobei das als zu teuer anzusehen ist.
Die Mädels erwarten dann von dir noch etwas Taschengeld. Um missverständnissen aus dem Weg zu gehen soltest du das vorher abklären(bevor du sie auslöst). Hier ist zu unterscheiden zwischen ST ( Short Time ) und LT ( Long Time ).
ST = im normal Fall bis du einmal fertig bist und so im Zeitrahmen 1-3 Stunden. Dafür sind normal 500-700 Baht fällig. Einige rufen auch 1000 und mehr auf. Sicher kann man da handeln aber ich persönlich finde das Handeln irgendwie abtörnend und lasse sie dann lieber stehen für die Dreistigkeit und suche mir eine Andere.
LT = ist dann bis zum nächsten Morgen oder auch länger bis die Dame wieder zur Arbeit muss. Hier sind 1000-1500 Baht fällig wobei 1500 als oberste Grenze anzusehen sind und eher nur in Ausnahmefällen zu zahlen sind.
Wenn du LT mit den Damen unterwegs bist kommst du natürlich auch für Essen und Trinken auf.... so wie du es auch zu Hause machst wenn du ein Date hast"...

Naju, der Aidstest, Schwangerschaftsabbruch und ähnlicher Kleinscheiss ist noch nicht dabei...

Mal so unter Profis...

tlacuache 30.10.2013 | 14:39

Liebe Anne Mohnen,

ich weiss doch dass Sie nicht naiv sind.

Aber mal so unter uns, ich habe noch Zuhälter in FFM kennengelernt, die hatten sich schon `85 aus dem Geschäft zurückgezogen, weil ihnen die Luft zu Bleihaltig wurde, da geht es UM SO VIEL KOHLE, da wird am Tag mehr gemacht als wir im Leben verdienen:

Das heisst im Klartext, Rudollf zahlt locker 95% seiner Tantiemen an Hintermänner, als "legitimer", was er ja auch gerne macht, damit er 1.

Ein legaler Ansprechpartner ist.

und 2.

Die wahren bösen Buben ein Aushängeschild haben wenn es "behördlichen" lokalen Ärger gibt.

Glaube mir, nach 15 Jahren Beobachtung von z.B. Mexiko City, ich weiss wie der Hase läuft...

Lieben Gruss

P.S.

Die Türken und die Albaner haben die deutschen Luden in FFM '85 rausgeschossen, ohne das es die Presse so richtig mitbekommen hat...

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 14:42

@tlacuache

Naju, der Aidstest, Schwangerschaftsabbruch und ähnlicher Kleinscheiss ist noch nicht dabei...

Mal so unter Profis...

Die Faustregel ist: Je südlicher der Breitengrad, an dem du wohnst oder von dem du herkommst, desto Arschkarte hast du gezogen. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion (der größten historischen Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg) darfst du die Faustregel um "Je östlicher der Längengrad etc. pp." erweitern.

Ciao

Wolfram

anne mohnen 30.10.2013 | 15:05

Sorry, das ging abhanden

„ob Alice Schwarzer da im engeren Sinne jetzt dazu gehört, darf man freilich diskutieren)“

Zweifeln Sie ernsthaft die Intellektualität von Alice Schwarzer an?

Auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme was Schwarzer sagt, käme mir ,und ich wage hier für die Unterzeichenrinnen und Unterzeichner das Wort zu ergreifen, nicht in den Sinn, Schwarzer den Intellekt abzusprechen, schon deshalb ,weil zum Habitus der Intellektuellen gehört, andere Meinungen, sofern sie denn plausibel und nachvollziehbar vorgetragen werden auf dem Hintergrund gegenseitiger Anerkennung, nach reichlichem Abwägen zu zu tolerieren oder zu verwerfen oder sich gar überzeugen zu lassen .

Wo war Schwarzer jemals ir-rational, ant-aufklärerisch, gar gewalttätig? Kann Schwarzer sich nicht artikulieren, hat sie keine klugen interessanten Bücher geschrieben? Wie gesagt, es muss einem, mir nicht passen, was Alice Schwarzer sagt und denkt, aber ich wäre dann doch arg verwundert, dass Sie hier zwar Badiou gesellschaftliches Engagement , jedoch das von Schwarzer anzuerkennten. Sie ist eine leidenschaftliche und engagierte Intellektuelle, die in Frankreich ihr Handwerk gelernt hat und deshalb konnte und kann siesich nicht mit weichgespülten Themen und Thesen eines Millefleurs-Feminismus nicht abfinden.

LG am

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 15:15

@tlacuache

Die Türken und die Albaner haben die deutschen Luden in FFM '85 rausgeschossen, ohne das es die Presse so richtig mitbekommen hat...

Der ganz normale Kapitalismus.

Im ersten Band seines Monumentalwerkes "Das Kapital" hat Karl Marx in einer Fußnote (!) eine Äußerung des englischen Gewerkschafters P.J. Dunning weltberühmt gemacht:

Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinen Profit, wie die Natur von der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv und waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.

Ciao

Wolfram

tlacuache 30.10.2013 | 15:28

..."Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion (der größten historischen Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg) darfst

du die Faustregel um "Je östlicher der Längengrad etc. pp." erweitern"...

Jetzt verstehe ich endlich die japanischen Expansions

"GELÜSTE"

...24° 27′ N, 122° 59′ O. vs. China:

http://www.han-association.com/wp-content/uploads/2012/11/mujeres-confor-470x260.jpg

Frank Linnhoff 30.10.2013 | 15:52

Herzlichen Dank für diesen Artikel, Frau Löffler. Nachdem ich nun den "Aufruf gegen Prostitution" und den "Aufruf für Prostitution" gelesen habe, spreche ich Frau Schwarzer und der Emma-Redaktion jede Spur von gesundem Menschenverstand in dieser Sache ab. Den Verband der Prostituierten möchte ich dagegen für ihre Internetdarstellung beglückwünschen.

Nils Markwardt 30.10.2013 | 16:06

Liebe AM,

Nein, ich bezweifle freilich nicht ihre Intellektualität. (Auch wenn ich manchen Dingen auch nicht mit ihr übereinstimme). Ich habe das jetzt lediglich so formuliert, weil ich mir in der Tat nicht sicher bin, ob sie im Sinne ihrer öffentlichen Rolle/Funktion als "klassische" Intellektuelle bezeichnet werden kann. Aber das ist dann am Ende vielleicht auch Wortklauberei.

Auch wenn man, wie gesagt, ja nicht ihrer Meinung sein muss, finde ich es im Gegenteil eher äußerst befremdlich welch malizöse Reaktionen (hier und anderswo) allein der Name Alice Schwarzer auslöst.

Lg, NM

Nils Markwardt 30.10.2013 | 17:19

Wäre sie kein Machtmensch, wäre sie, zumal wenn man die gesell. Atmosphäre ihres Karrierebeginns bedenkt, ja auch niemals in solch eine publizistisch exponierte Position gekommen. Dass ihr ein gewisses Gefallen an der Macht - siehe ihre BILD-Werbung oder ihre "Freundschaft" mit Friede Springer - auch selbst geschadet hat, ist geschenkt. Und ihre Persönlichkeit mag ja meinetwegen auch schwierig sein. Aber selbst wenn dem so sei, dann ist das doch auch völlig sekundär. Man nehme vergleichweise das aktuelle (und zugegen etwas schiefe) Beispiel Lou Reed: Wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was man gerade in den Nachrufen über ihn liest, dann war er persönlich ein arroganter, egomanischer Menschenfeind, der seine Umgebung systematisch gedemütigt hat. Aber deswegen kommt ja - zu Recht - keiner auf die Idee seine Musik nicht mehr zu hören. Will sagen: Wenn man Schwarzers Argumente nicht teilt, ok. Aber diesen eigenartigen Furor braucht es nicht.

Lg, NM

tlacuache 30.10.2013 | 17:45

Erst mal vielen Dank für die Mühe.

"Lou Reed" brauche ich da nicht, sone Merkelstulle reicht mir schon.

Also, wenn wirklich nur schiefe Machtpersonen in "exponierten Machtstellungen" möglich sind, obendrein mit Friede Springer gestreuselt, und da rede ich noch lange nicht von Schwarzer, sondern von Merkel, können wir getrost einpacken.

Um es noch mal genauer zu machen:

Wenn "Normalis" mit Grips wie z.B. Nils Markwardt nicht in der Lage sein sollten, Machtpositionen einzunehmen, weil sie nicht
"Glitterartig" genug sind, nicht "Machtmenschen" genug, also z.B. eine Redaktion zu köpfen, "weils die anderen eh nicht können", na gut, das ist Ansichtssache, man kann journalistisch wie politisch wie der rosarote Panther mit einem Wasserbauch vor sich herlaufen ohne Kanten zu hinterlassen, das macht Merkel ja gerade vor, erst wird die NSA verleugnet und dann kotzt man ab das einem das Handy abgehört wurde, so geht es eben in der Realpolitik.

In realpolitischen Auseinanderasetzungen wuerde ich Sie gerne mal als Arbeitnehmer von Alice Schwarzer erleben, tunken sie dann auch den Kopierer in Sozialistenscheisse oder gehen Sie vors Arbeitsgericht?

Ehrlich gesagt, ich hätte lieber den Nils Markwardt als Kanzler, aber weder die durchlavierende Schwarzer als noch die FDJ Mörkel...

schönen Gruss

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Ehemaliger Nutzer 30.10.2013 | 18:24

ist es nicht gut, wenn betroffene ernst genommen werden und zu wort kommen können, wenn über ihr schicksal verhandelt wird? es zumindes mit ihnen einen gleichberechtigten dialog gibt?

in dem film "borgen" gab es genau zu diesem thema ein teil, in dem klar gezeigt wurde, wie gerade dieses thema funktionalisiert werden kann, in frankreich gibt es gesetze, die eine anklage einfach und eindeutig regeln ... solange es armut gibt, wird prostitution immer eine grauzone bleiben - es gibt bei diesem thema viel heuchelei - genau wie bei den asylgesetzen ... menschenhandel und sklaverei gibt es da auch für männer auf dem arbeitsstrich - organisationen, die sich wirklich um betroffene kümmern werden politisch+materiell kaum unterstützt ... diese bigotterie der "betroffenheitskultur" funktioniert prima ... jeder kann mitreden, doch die etwas ändern könnten, denken gar nicht dran ...

solange menschen nicht gleich behandelt werden, wird es viele themen geben, die immer ähnlich ablaufen ...

Sikkimoto 31.10.2013 | 00:30

>Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist international fast konkurrenzlos.<

Entschuldigung, aber das glauben Sie doch selbst nicht. Woher sollte ein solches Verhältnis auch kommen? Sind die Lebenshaltungskosten so günstig hier? Die Rechtslage so lasch? Oder die Freier so arm, dass sie an allem knausern müssen? Nichts davon trifft im internationalen Vergleich zu. Zugegeben, die haben einen Beleg, ich nicht. Aber diese Behauptung halte ich dann doch für frei erfunden seitens des Films.

dame.von.welt 31.10.2013 | 10:09

Verehrte Frau Löffler, Sie fragen: Mit welchem Recht eigentlich?

Vielleicht fällt die Beantwortung dieser Frage mit Hilfe eines Blicks nach Frankreich und auf das Manifest der 343 Dreckskerle etwas leichter. Darin wird u.a. ein legal gesicherter Anspruch auf käuflichen Sexeingefordert. In Frankreich sollen - analog zur schwedischen Gesetzgebung - die Freier und nicht länger die Prostituierten kriminalisiert werden. Die Zahl 343 bezieht sich auf das französische Äquivalent zu 'Wir haben abgetrieben'.

Mit dem kleinen Unterschied, daß Frauen damals dafür eintraten, über ihren eigenen Körper zu verfügen, während die '343 Dreckskerle' über die Körper anderer zu verfügen wünschen.

Man kann an Alice Schwarzer jede Menge kritisieren, darunter ihre Unfähigkeit, sich von Gossenblättern und Fernsehkameras fernzuhalten, dicht gefolgt von ihren dummen Pauschalisierungen und ihrem Chauvinismus. Worin aber liegt der Sinn, ihr auch noch eine Extra-Bühne einzuräumen, wenn man sie merklich nicht ab kann? Mir scheint, eine ganze Reihe jüngerer Feministinnen wären besser beraten, sich inhaltlich zu profilieren, statt sich an der Grand old Schachtel abzuarbeiten.

Zum Thema: zweifellos gibt es Prostituierte, die ihren Beruf aus Berufung, mit Neigung und Hingabe ausüben, sie sind eine kleine Minderheit. Das Prostitutionsgesetz der rot-grünen Regierung hat Deutschland den Ehrentitel Puff Europas eingetragen und nicht die Frauen, sondern Zuhälter und Freier gestärkt. Die Architektin des Gesetzes hat den Schuß auch Jahre danach noch nicht gehört und verschiebt die Verantwortung für die Realität der Arbeitsbedingungen für Prostituierte in Deutschland in die Zuständigkeit der Länder und Gerichte. War gut gemeint reicht aber angesichts massenhafter Zwangsprostitution nicht aus.

Eine schöne journalistische Aufgabenstellung wäre aus meiner Sicht, den durch Wirtschafts-, Sozial-, Sucht-, Gewalterfahrungs-, Zuhälter-Zwänge in die Prostitution gezwungenen Frauen eine Stimme zu geben. Die haben die gleichen Menschenrechte wie die wenigen berufenen Prostituierten und: keine Lobby. Ich finde es schäbig, wenn sie für überflüssige Kämpfe um Deutungshoheiten unter Feministinnen mißbraucht und mißachtet werden.

Eine weitere schöne journalistische Aufgabenstellung wäre meiner Meinung nach auch eine Recherche bei den Inanspruchnehmern von auf Machtgefälle basierendem Sex, sprich: die Herausarbeitung möglicher Schnittmengen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder, Sextourismus in arme Länder und einer Vorliebe für möglichst gezwungene Frauen in Deutschland.

Eine dritte schöne journalistische Aufgabenstellung wäre Recherche, wer wieviel wovon profitiert. Am Tag gehen in Deutschland rund 1 Million Männer in den Puff, Prostituierte kommen auf einen Stundenlohn (gerechnet bei 8/5 und ohne die kurze Halbwertzeit auf dem Fleischmarkt) von etwas über 15 € brutto, was im krassen Mißverhältnis zum Milliardengeschäft rund ums Rotlicht steht.

Interessant zum Blättern zum Thema Sexindustrie: Ludersocke

kolumnarde 31.10.2013 | 13:00

Ich wüsste, als mann, nicht, was gegen die Abschaffung von gewerbsmäßiger Prostitution, d.h. der im ziemlich grauen Angestellten/Arbeiterbeschäftigungsverhältnis, spricht. Das würde das – durch gesetztl. Liberalisierung eingetretene – Überangebot, d.h. Flatrates und Preisen im Keller, senken und den unter Ausnahmeregelung selbständigen, selbstorganisierten und nebenberuflich in diesem Gewerbe Tätigen ein besseres Auskommen sichern, oder?
Es geht doch nur darum, daß das Anbieten sexueller Dienstleistungen in einem zuvorderst lohnabhängigen Beschäftigungsverhältnis nicht wirklich „freiwillig“ sein kann, sonst würde es ja nicht als „abhängig“ gelten.
Eindeutig ist auch, daß die Bezeichnung Sex“arbeit“ insoweit irreführend ist, weil es suggeriert, daß das Anbieten sexueller Dienstleistungen eine Arbeit wie jede andere und diese Serviceleistung vergleichbar mit anderen – also ähnlich der AGBs nicht-sexueller Anbieter juristisch zu verhandeln – sei, z.B. mit der Gastronomie, wo die Servicekräfte ja auch überwiegend weiblich sind.
Der Unterschied besteht darin, daß die individuelle sexuelle Selbstbestimmung im Bereich gewerbsmäßiger Prostitution in einem abhängigen Verhältnis eingeschränkt ist, dieses Bestimmungsrecht aber ein nicht unwesentlicher Teil des hiesigen (Menschen)Rechtsgut ist, das im Prinzip ein unveräußerliches ist.
Im Falle der Prostitution wird dieses aber zeitweise entäußert, es geht von der Prostituierten auf den oder die Freier über, wodurch diesen Kunden-Dienstleistungs-Verhältnis nicht mehr mit non-sexuellen vergleichbar ist, weil es die sexuelle Selbstbestimmung aufhebt und z.B. Erniedrigungen aller Art ermöglicht und der dies Einfordernde für die Folgen seines Handels nicht haftbar zu machen ist.
D.h. die Nicht-Haftung des Nachfragenden auch im Falle der Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung ist die Grundvoraussetzung dieses Geschäftsmodells, da wäre also bei der Abschaffung anzusetzen.
Da der Freier für sein Handeln, abgesehen von Körperverletzung und Vergewaltigung, also nicht zur Verantwortung gezogen werden kann – und der Vermittler garantiert dies - , fehlt die entscheidende Grundlage für das, was man „einvernehmlichen“ Sex nennt, indem ja beide die Verantwortung für ihr Tun und die ggf. zeitweilige Überlassung der führenden Rolle im Spiel übernehmen.

Interessant für die Allgemeinheit ist darüber hinaus der Umstand, daß es sich bei gewerbsmäßigen sexuellen Dienstleistungen zwar um eine berufsmäßige, aber letztlich nur angelernte, Tätigkeiten handelt, die man / frau gemeinhin aus guten Gründen nicht im Lebenslauf aufführt.
d.h. übt frau/man diesen Job in Vollzeit einige Jahre aus, dann entsteht eine nicht mehr brückbare Lücke im Lebenslauf, die faktisch einer Festlegung auf dieses Gewerbe gleich kommt – wer stellt schon eine alternde Prostituierte ein? (Allein diese Aussicht kann schon in jungen Jahren eine psychische Belastung darstellen, die sich im Weiteren auswächst)
Die einzig verbleibenden Erwerbs-Optionen sind i.d.F. andere Serviceleistungen oder die Selbständigkeit in diesem oder einem anderen Bereich, wobei ein Milieuwechsel unwahrscheinlich und der zu erwartende Erfolg wohl eher mäßig ist.
Somit erzeugt Prostitution einen Überschuß an nichtvermittelbaren Personen, die zudem oft psychische Folgeerscheinungen ihres vorhergehenden Tuns mit sich schleppen, deren Behandlung langwierig sein kann.
Interessant wäre daher zu erfahren, wie hoch und inwieweit die so für die Allgemeinheit entstehenden Folgekosten durch die Einnahmen des Staates und der Versicherungen gedeckt sind. Ich vermute mal, daß diese jeweils nicht ausreichen und die Steuerzahlenden somit die Zeche für die Hinterlassenschaften des Gewerbes mit zahlen.
Man/n stelle sich vor, die Etablissement müssten dem finanziell vorbeugen und dies auf die Preise umlegen – der Sex-Service wäre dann ein Luxus – und nicht, wie derzeit, ein Discountangebot.
Letzteres gilt es vordringlich abzuschaffen und d.h. die Liberalisierung zurück nehmen und gesetzl. Regelungen zum Schutz und zur sozialen Absicherung derer die darin zeitweilig tätig sind schaffen, also den Handlungsspielraum der Profiteure eingrenzen und den Markt rechtlich durchdringen, statt ihn zu Lasten der Beschäftigten zu deregulieren und dies als Option der Freizügigkeit zu feiern - mit den Freiern...

wowaro 31.10.2013 | 14:58

Schwarzer macht den Fehler, dass sie sich zur moralisch-matricharchalen Fürsprecherin einer fiktionalen Gruppe aufschwingt und dieser mit einem Mittel Gutes tun will, das nichts hilft: Mit Repression. So wie sie schon Wetterfrösche unter Missachtung den Schuldprinzips in den Knast schicken wollte, um alle potentiellen Vergewaltiger zu erziehen, so will sie die Freier die Knute des Gesetzes spüren lassen. Wir kennen das aus den USA, wo die Polizei im Internet Pranger für diese widerlichen Ausbeuter betreibt. So marschiert ein radikales "Brecht die Macht der Schwänze!" ganz schnell ganz weit nach Rechts ins Faschistoid-Populistische. BILD ist deshalb für diese Frau als Plattform nur konsequent.

Löffler verklärt auf der anderen Seite das Schicksal der betroffenen Frauen, malt ebenfalls eine Fiktion an die Wand. Die selbstbestimmte "Sexarbeiterin" (grauenhaftes Wort, dann bitte gleich die "Sexualtherapeutin" mit Diplom), die mit ganz natürlichen Dingen einer geregelten Arbeit nachgehen. Ignoriert wird das Schicksal eine großen Zahl von Frauen (vielleicht irgendwo zwischen 40 und 80%), die von Zuhältern und Freiern erbärmlich ausgebeutet werden.

Auf der Strecke bleibt, wie man denen wirklich helfen kann. Ohne jede moralische Über- oder Unterhöhung. Gibt es ein Monitoring für das Gesetz von 2002? Wo sind mehr Sozialarbeiter, medizinisches Personal usw. notwendig. Wie kann organisierte Kriminalität bekämpft werden? Welche Anforderungen sind an legale Prostitution zu stellen? Führt eine breite illegale Prostitution in mehr oder weniger Leid für die Betroffenen Frauen? Schließlich: Prostitiution wird es immer geben. Wie sind die Rahmenbedingungen zu gestalten?

Moral hilft hier nicht weiter. Repression nur sehr punktuell. Prävention hilft viel. Am Meisten hilft wohl eine Gesellschaft/ein Europa, in dem die Schere zwischen Arm und Reich nicht immer weiter auseinander geht.

silvio spottiswoode 31.10.2013 | 15:46

Liebe Anne,

Meine Liebe, ich stimme da echt nicht so ganz mit überein. :-/

Es will doch keiner die Leistungen Schwarzers schmälern. Die Welt ist aber nicht schwarz-weiss. Und der Vorstoß zum Prostitutionsverbot ist genauso engstirnig und populistisch ausgrenzend wie seinerzeit ihre PorNO-Kampagne, eben auch auf der gleichen simplistischen Ebene von Schwarzers wirklich fragwürdigem Einsatz für die Bildzeitung.

Es passt doch alles überhaupt nicht zusammen. Das Image was dabei entsteht, ist das einer dauerhaft um Aufmerksamkeit und Provokation bemühten Dame, die – mangels der Fähigkeit Ambivalenzen auszuhalten – konsequent immer wieder das Thema verfehlt. Schwarzers einseitige Polemik gegen Männer und das Patriarchat reduziert seit Jahren die eigentlichen, brisanten Themen derart provokant, dass eben gerade kein breiter gesellschaftlicher Konsens entsteht.

Wir haben inzwischen ganze Frauengenerationen, die sich von Schwarzer überhaupt nicht (mehr) repräsentiert fühlen. Und so wie Gesellschaft und Feminismus sich weiterentwickelt und verändert haben, so steht Schwarzer doch inzwischen nur noch als problematische Ikone für eben genau diesen sehr facettenarmen, deutschen Feminismus – ohne die kleinste Bereitschaft zum Aushalten von Ambivalenzen – in der Mediendarstellung.

Und wieder reden alle über Schwarzer und das Thema wird in den Hintergrund relegiert. Das ist schlecht für die Sache, finde ich.

Angelia 31.10.2013 | 16:23

Und wieder reden alle über Schwarzer und das Thema wird in den Hintergrund relegiert. Das ist schlecht für die Sache, finde ich.

Das sehe ich auch so. Natürlich ist Frau Schwarzer für ihre Radikalität bekannt und dass unsere konservativen Parteien meinen alle Probleme mit Verboten lösen zu können ebenfalls.

Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass die Deutung der Probleme der Prostitution deshalb zwangsläufig falsch ist und freiwillige Sexarbeiterinnen die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.

Das Thema ist komplex und dummerweise ist es die mögliche Problemlösung ebenfalls.

anne mohnen 31.10.2013 | 19:47

„Wir haben inzwischen ganze Frauengenerationen, die sich von Schwarzer überhaupt nicht (mehr) repräsentiert fühlen“

Nun, meine Liebe ,ich wünschte dem Freitag so viele Leser und Leserinnen, wie sie Emma längst hat. Ganz unzynisch!! Über die Hälfte der Emma-Leserinnen soll unter 40-Jahre sein. Auch das wäre „supi töfte“ für den Freitag.

Du schreibst: "Und wieder reden alle über Schwarzer und das Thema wird in den Hintergrund relegiert. Das ist schlecht für die Sache, finde ich."

Falsches wird nicht besser, indem man es wiederholt.

Die Emma-Redaktion setzt sich ab urbe mit dem Thema Prostitution auseinander und bleibt sich dabei treu gegen die industrielle Prostitution, von der wir heute sprechen, anzurennen. Dass Alice Schwarzer als das Gesicht der EMMA ihre Prominenz nutzt, ist mehr als richtig. Journalistinnen und Journalisten, die die Öffentlichkeit scheuen, haben ihren Beruf verfehlt.

Leiderentnehme ich Deinen Statements keine überzeugende Argumentation. Du kannst Dich aber in guter Gesellschaft wähnen. Bascha Mika schreibt doch tatsächlich in der FR, Schwarzer wolle „die Prostitution ausrotten“ und schwadroniert dann über Willensfreiheit in einer Weise, die man keiner Hauptschülerin durchgehen ließe. Das nenne ich mal, "die Sache in den Hintergund religieren "

anne mohnen 31.10.2013 | 20:07

"Man kann an Alice Schwarzer jede Menge kritisieren, darunter ihre Unfähigkeit, sich von Gossenblättern und Fernsehkameras fernzuhalten, dicht gefolgt von ihren dummen Pauschalisierungen und ihrem Chauvinismus. Worin aber liegt der Sinn, ihr auch noch eine Extra-Bühne einzuräumen"

Jeden Freitag diskutiert JA mit NB auf Phönix; NB geht jezt zum Spiegel. Am Tresen einer Sektbar soll, einem so ein alter taz-Beitrag von Susanne Lang, sich Schirrmacher mit den Spiegel- und Springer-Leuten beim Small-Talk und "Stößchen" sich wohl gefühlt haben.

In was für einer Welt leben Sie- in der besten aller?

Vielleicht würde mich Alice Schwartzer bei einer personlichen Begenung auch nicht mögen und vice versa, aber "Grand old Schachtel"? Neee

dame.von.welt 31.10.2013 | 20:49

Seufz, ich hätte doch den link dahinter legen sollen: Grand old Schachtel

Seit wann ist das öffentliche Geplänkel zweier miteinander vertrauter und sich offenkundig mögender Journalisten ein Maßstab für irgendetwas, gar für die beste aller Welten oder meine Meinung?

Falls Sie gelegentlich in Kreuzberg sein sollten, gehen Sie mal im Springerhochhaus unten in der Lobby einen Kaffee trinken. Nicht nur, daß es dort den besten Espresso weit und breit gibt, Sie werden sich womöglich auch daran erfreuen können, wer da so alles friedlich miteinander plaudert, kann ja nicht jede/r eine Judith Holofernes sein...;-)...

silvio spottiswoode 31.10.2013 | 21:10

Hey, ich hab's, ich lade Dich nach Frankfurt ein! Wir gehen in den Social Club, ganz ungefährlich, hihi. Dann trinken wir Kaffee und labern mit den Besuchern ... Und Du wirst sehen: Selbst im Frankfurter Bahnhofsviertel gibt es EMMA Schwarzers "Das System Prostitution" nicht, nirgends. Das ist pure Fiktion. Ebenso wie die provokante Wortschöpfung einer "Deregulierung des Frauenhandels". Hä? Welche DE-regulierung denn, bitteschön? Wer schreibt so einen Schei*? Echt, ich könnte mich über sowas ohne Ende aufregen. ... *grummel*

Apropos Bascha Mika, die finde ich gut und damit führst Du aber jetzt selbst das Totschlagargument gegen Schwarzers Position ein. Mika spricht von Schwarzers „Abwehr gegen das eigene Geschlecht“, also Frauenfeindlichkeit. Ich finde das ist doch eine klare Haltung. *hüstel* ;-)))))

Und, ganz nebenbei: Stell Dir EMMA mal ohne Schwarzer vor. geht nicht, oder? Darum hielt es ihre Nachfolgerin wahrscheinlich da auch nur acht Wochen aus ...

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Ehemaliger Nutzer 01.11.2013 | 09:31

Ein Stoßgebet: "Danke für die Zahl (9%)"

Beim Draufblick auf die Diskussion: Es wird exakt in dem Moment spannend, als jemand (A.M.) mit einer Zahl auftaucht.

Warum?

Statistiken und Zahlen sind SUPER PRAKTISCH, ersetzen sie doch eigene Erfahrungen, machen das selbständige Denken überflüssig und schon kann man - schupp-die-wupp und mir nichts-dir-nichts - bei allem und jedem mitquasseln!

Dabei kommt keiner auch nur auf die Idee über eine solche Zahl auch nur einen Gedanken zu verschwenden.

1. Wie ist sie denn entstanden? Sind da (als Soziologinnen verkleidete) Polizistinnen mit Zettelchen durch die Bordelle gegangen und die Frauen durften - mein Job "gefällt mir, Daumen hoch" ankreuzen?

2. Sind die 9 Prozent nicht sogar erstaunlich hoch. Wie wäre es, die Mädels hier machten einmal eine Umfrage bei ihren Putzfrauen (natürlich sind die ordentlich versichert und erhalten alle den Mindestlohn). Würden von denen wirklich mehr als 9 Prozent -ganz freiwilligselbstverständlich, die gute FREITAG-Politkommunardin muss dafür außer Haus sein - den "Gefällt mir Button" drücken?

Ich kann mir übrigens eine ganze Menge Berufsgruppen denken, bei denen unter 9 Prozent als Ergebnis rauskäme (sollten das solche sein, die üblicherweise von Männern bevölkert sind? Aber nicht doch...)

3. und gesetzt den Fall, wir nähmen die Zahl ernst, was machen wir nun mit den 9 Prozent? BERUFSVERBOT?! Da hat die SPD ja Erfahrung: "Trotz SPD und alledem drückt man uns mit Berufsverbot..."

Schon erstaunlich auf welchem Zug die sog. Linke von heute sitzt. Ich sehe sie nur ja noch EINES fordern: MEHR POIZEI, SCHÄRFERE INNENMINISTER, SCHÄRFERE GESETZE, MEHR KONTROLLE, MEHR VERBOTE...

Sollte man schon von der TALIBANISIERUNG DER LINKEN sprechen dürfen?

ch.paffen 01.11.2013 | 12:37

danke für das drum rum zur zahl 9 * vielleicht könnte die nsa hilfreiche dienste zur sicherheit - sexterrorabwehr leisten * klingt wie aus sch.... gold machen, wär doch mal ein ansatz, gell * ob gleich gesagt werden muss: left goes voll falsch - damit landet man(n) ja doch irgendwie in der spiel nicht mit den schmuddelkindern ecke * nicht wirklich pfiffig wie ich finde * weder dem themen - sex gegen kohle noch irgendeiner frau die den "job" nicht freiwillig macht helfen "putzige" deutungsdebatten * irgendwie eigentlich schade * die ausbeutung von frauen/männern ist gesamtgesellschaftlich gesehen weit entfernt von gelebtem menschenrecht * da ist deutungshoheit dann irgendwie raus ..... * feinen start ins wochenende cp

askerc 01.11.2013 | 17:13

Vielen Dank für den Beitrag. Wenn ich mir die Kommentare so durchlese war das wohl mutiger als ich für möglich hielt.

Voll mutig so ein Beitrag, ist nur eine Meinung zu einem sehr schwierigen und kontroversen Thema. Diskussionen beruhen auf so was.

Erstaunlich was sich da losbricht. Scheinbar ist Prostitution ein Thema bei dem sich jeder zum Experten beruhen fühlt.

Ich glaube nicht, dass sich hier irgendjemand zum Experten berufen fühlt, aber man darf doch seine Gedanken zu dem Thema äussern?

Untermauert wird das ganze dann mit "Schätzungen" von Menschen, die ebenfalls ihr Lebtag mit keiner Prostituierten geredet haben.

Untermauert wird das mit Schätzungen von Menschen die tagtäglich mit Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen zutun haben.

Ja, die arbeiten doch tatsächlich für Geld. Klingt unglaublich, aber wenn ich morgens zur Arbeit fahre, dann auch wegen "ökonomischen Strukturen", und nicht weil ich so Bock drauf hätt.

Genau bei dem Satz ist es mir echt hochgekommen. Schreibtischarbeit mit Prostitution die aus Unfreiheit entsteht (und ich meine nicht jene Art der Prostitution, zu der sich einige wenige Frauen, die eine Wahl haben, entscheiden) zu vergleichen. Abartig.

@wolfram heinrich: danke für folgenden Beitrag

http://www.youtube.com/watch?v=Qk0VZYB85zE

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Ehemaliger Nutzer 01.11.2013 | 17:43

"Ich glaube nicht, dass sich hier irgendjemand zum Experten berufen fühlt, aber man darf doch seine Gedanken zu dem Thema äussern?"

Welche Relevanz soll man denn "Gedanken" beimessen, die nicht aus der unmittelbaren Konfrontation mit der Wirklichkeit entstanden sind? (Oder wenigstens ihren Wahrheitsgehalt an ihr gemessen haben?) Sollte man da nicht lieber statt von Gedanken von Nachplappereien sprechen?

Ärgerlich wird die Sache allerdings in dem Moment, wo von diesen - von keinerlei Erfahrung beleckten - Nachplappereien heraus Forderungen gestellt und Verbote ausgesprochen werden

- und darum geht es in diesem Fall ja HAUPTSÄCHLICH!!!

Wovon ich keine Ahnung habe, davon soll ich auch nicht sprechen. Erst recht werde ich mich irgendwelcher Forderungen, Beleidigungen und Verurteilungen bei solchen Themen enthalten - wie wäre es einmal damit?

So mal als Verhaltenscodex bei zukünftigen Diskussionen.

(Ich bin sicher, es bleiben Ihnen noch genügend Themen über die Sie dann sprechen können. Nein?)

Sikkimoto 01.11.2013 | 17:50

Wir gehen in den Social Club, ganz ungefährlich, hihi. Dann trinken wir Kaffee und labern mit den Besuchern ... Und Du wirst sehen: Selbst im Frankfurter Bahnhofsviertel gibt es EMMA Schwarzers "Das System Prostitution" nicht, nirgends. Das ist pure Fiktion. Ebenso wie die provokante Wortschöpfung einer "Deregulierung des Frauenhandels". Hä? Welche DE-regulierung denn, bitteschön? Wer schreibt so einen Schei*? Echt, ich könnte mich über sowas ohne Ende aufregen. ... *grummel*

Dito.

Sikkimoto 01.11.2013 | 18:12

Das gerät nicht durcheinander, sondern wird von einer Seite konsequent gleichgesetzt. Ob nun durch bewusste Behauptung (Alice Schwarzer weiß: Keine Frau prostituiert sich freiwillig) oder unterbewusst. Oben behauptet doch glatt wieder einer, Prostitution verstoße gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmtheit. Noch mal zum Mitschreiben: Der Staat soll frewillig ausgeübten Geschlechtsverkehr verbieten, im Namen der sexuellen Selbstbestimmung.... so einen Stuß kann man nur schreiben wenn man glaubt die Prostituierte würde tatsächlich zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Kleiner Einblick in die Wirklichkeit: Die Prostituierte kann durchaus Freier ablehnen. Je mehr potentielle Freier sie anzieht, desto eher kommt das auch praktisch vor.

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Ehemaliger Nutzer 01.11.2013 | 18:48

"Und trotzdem haben wir doch einen Eindruck oder ein Bild aufrgund von Erfahrungsberichten."

Von welchen "Erfahrungsberichten" sprechen Sie denn, wenn man fragen darf?

Es ist doch eigentlich einfach: Sie haben schlicht keinen blassen Schimmer, wovon Sie reden.

Dafür reden Sie aber verdammt viel - na ja, wenigstens sind Sie da keine Ausnahme hier im Forum. (Da wird es dann sicher welche geben, bei denen Sie sich verstanden fühlen.)

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Ehemaliger Nutzer 01.11.2013 | 19:26

Ich habe den Eindruck, manche Prostitutionsgegnerinnen möchten Männer quasi erziehen: Wenn der Mann ins Bordell gehen kann, fällt Sexentzug als Druckmittel schon mal aus. Männern, die zu Huren gehen, wird zudem rasch unterstellt, sie übten Gewalt an Frauen aus.

Das sind alles nur Mythen?

Ja. Viele Männer, die in Bordelle gehen, sind schüchtern. Und sie verhalten sich gegenüber den Frauen dort völlig normal.

Die Polizei lügt, wenn sie von Menschenhandel und Zwangsprostitution in Bordellen und auf dem Strich spricht?

Nein, solche Fälle gibt es. Aber das sind wenige. Ich fürchte, dass mit ihnen als Schreckensbeispiele Politik gegen Prostitution an sich gemacht werden soll. Ich bin seit 20 Jahren Sexarbeiterin und habe Kolleginnen aus aller Herren Länder. Aber ich kenne kein einziges Opfer.

http://www.taz.de/Sexarbeiterin-ueber-Zwangsprostitution/!117184/

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Ehemaliger Nutzer 01.11.2013 | 20:40

die medien sorgen ja auch mit ihrer krimi-überflutung bewusst dafür, dass wir überall das "böse" sehen ... es wird sich mit der zeit alles relativieren

am anfang waren die hartz4 empfänger ja auch nur durch "florida-rolf" und bestimmte "auserwählte" vertreter präsentiert

jetzt sind es plötzlich die versklavten, minderjährigen zwangsprostituierten (die es bestimmt gibt) ... aber es gibt auch asylbewerber, die lieber verhungern, als sich wie ratten halten lassen wollen und von materieller + bildungsarmut betroffene kinder ... die ja unsere zukunft sein sollen ... undundundund

miauxx 01.11.2013 | 23:01

Für einen Artikel unter dem Rubrum "Meinung" fehlt die persönliche Argumentation. Diese allein durch das Setzen von Links, also die Meinung Dritter zu ersetzen, ist schwach.Und in einem journalistischen Artikel wiederum gehen Sätze wie "Schaut man sich einmal die Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des EMMA-Aufrufs an, wird klar, wohin die Reise geht" oder "Es sei aber eine bewusste Entscheidung gewesen, den Aufruf der EMMA nicht zu unterzeichnen. Das wird schon einen Grund haben" gar nicht. So eine Argumentationsfaulheit (oder -unvermögen) kann man unter Gleichgesinnten, auf der Demo so nebenbei, am Stammtisch o.ä. Anlässen fallen lassen. Aber hier in einem Artikel?

anne mohnen 02.11.2013 | 09:44

Hey, wieso Frankfurt? Ich lebe in meiner Stadt sehr zentral.

Dass in Frankfurt die Welt ein bisschen mehr in Ordnung ist, freut mich umso mehr für die zufriedenen Sexarbeiterinnen.

Abgesehen davon bezweifelt ja auch niemand, dass es Prostituierte gibt, die ihren Job gerne machen und dabei sogar in die eigene „Täsch“ arbeiten. Auch mögen viele Prostituierte es in Ordnung finden, für ihren „Liebsten“, Luden etc. anzuschaffen.

Ich selber arbeite in einem Job, wo einem im Laufe der Jahre kaum noch etwas fremd bleibt.

Doch darum geht es nicht: bürgerlich versus frei. Hättest Du Dir wenigstens einmal die Kurzbeiträge angeschaut, dann wüsstest Du worum es geht, denn selbstfür vollzufriedene Prostituierte hat sich die Lage aufgrund des Gesetzes verschlechtert:

Ich bin aber davon überzeugt, dass dieser Blog ganz oft im Netz genannt wird.

anne mohnen 02.11.2013 | 10:29

Seufz, ich bin doch im Groben und Ganzen mit Ihnen einerMeinung. Jedoch –seufz- hat es schon eine andere Richtung, wenn Schwarzer die Arbeit fürs „Drecksblatt“ angelastet wird, während andere (mehrheitlich Männer!) die BILD dazu nutzen, die Zeitung nicht nur durch ihre Arbeit zu „veredeln“, sondern vermeintlich seriöser erscheinen lassen.

Seufz- ich bin aber auch eine Erbsenzählerin ;) Nochmals: Die EMMA beschäftigt sich seit Jahren mit Prostitution. Von einer PR-Aktion einer „mediengeilen“ Schwarzer zu reden, wie der Beiträge u.a.von Frau Löffler oder Mika und Kommentare hier suggerieren, ist einfach unredlich, zumal der Zeitpunkt richtig gewählt ist, in der Phase von Koalitionsgesprächen ein Gesetz und seine Realität ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.

poor on ruhr 02.11.2013 | 14:33

Den Artikel habe ich gerne gelesen. Die darin dargestellte Position von Frau Löffler finde ich plausibel. Eine massvolle und angemessene Kritik an Frau Schewarzer in einer Frage, wo es als angebracht erscheint.

Auch mal von hinten denken.

Was passiert bei einer Kriminalisierung der Prostution?

Die staatlichen Überwachungsmöglichkeiten werdne noch weiter eingeschränkt.

Prostitution lehne ich zwar ab, aber ein Verbot erscheint mir als sehr kzrzsichtig gedacht.

silvio spottiswoode 02.11.2013 | 15:18

Wooopsi, stimmt: ganz Berlin ist ein Bordell! Hihi

Ja, meine Liebe, Deine Links und Querverweise finde ich immer supertoll und Du hast natürlich korrekt vermutet, dass ich nicht alles angesehen habe diese Woche. Zeit.

Aber, ist es denn fair das jetzt in der Argumentation anzuführen? Geht es nicht vielmehr um Schwarzers EMMA-Appell? In dem u.a. von einem 1) "System Prostitution" die Rede ist, in dem 2)maximal medienwirksam Prostitution mit "Sklaverei" gleichgesetzt wird, in dem 3) wortwörtlich steht: "Das System Prostitution brutalisiert das Begehren und verletzt die Menschen-würde von Männern und Frauen – auch die der sogenannt „freiwilligen“ Prostituierten."4) Da wird unglaublicherweise Prostitution ganz verallgemeinernd mit Zwangsprostitution gleichgesetzt. Das kannst Du nicht ernsthaft verteidigen wollen, komm schon. Du weisst so gut wie ich, dass das so einfach nicht stimmt! Un das Allerschlimmst: Es wird 5)nicht mal ansatzweise zwischen Prostitution, Menschenhhandel und Sklaverei unterschieden.

Das ist alles unhaltbar! Und ekelerregend provokant.

Schwarzer sagt "Sex gegen Geld verstoße gegen die Menschenwürde". Hier wird ein großer Themenkomplex unverantwortlich überspitzt dargestellt. Zum Leidwesen eines ganzen Berufsstandes, der bevormundend verteufelt wird. Ja, ich prangere Schwarzer hier wirklich an: Ihre Haltung ist beispielhaft dogmatisch. Exemplarisch für das, was uns das Patriarchat zu bieten hat: ideologischer Paternalismus auf Kosten der Frauen, also. Denen, die es betrifft, hört keiner zu, weil man es besser weiss. So nimmt Schwarzer – mit besten Absichten – anderen Frauen ihre Stimmen, macht sie zu Opfern ihrer eigenen ideologisch verengten Debatte. Alice Schwarzer macht sich – wieder einmal – genau dessen schuldig, was sie vorgibt zu bekämpfen. (Und deswegen geht sie mir auch langsam wirklich schwer auf die Nerven.)

Das Schlimme an diesem Schwarzer-EMMA Vorstoß ist, die eigentlichen Strukturen werden hier verschleiert. Es wird so getan als ob Selbstbestimmung in der Prostitution überhaupt nicht stattfindet, sogar von "Deregulierung der Prostitution" wird gesprochen. Es wird so getan als ob keine Verbesserung stattgefunden hätte. Was eben wirklich nicht stimmt, denn die Gesetzgebung hat ja erstmals Prostitution anerkannt. Sie kommt erst jetzt als juristischer Themenkomplex richtig vor. Frauen sind sozialversichert und sie haben Rechte, auch wenn sie ihren Körper verkaufen. Das war vor 2002 eben gerade nicht so!

Bei Schwarzers EMMA-Vorstoß fällt doch völlig unter den Tisch, dass die Gesetzgebung richtig ist und sogar noch weiter verbessert werden muss. Die Richtung stimmt. Stattdessen mach man sich – samt Promi-Entourage – für ideologische Verbote stark. Das ist ein Rückschritt. Wir sind schon weiter. Alice Schwarzer und EMMA samt Promis haben das eben nur noch nicht kapiert.

abghoul 02.11.2013 | 15:49

Das sind mal echt deutliche Worte zum Thema.

Die Sache mit dem Kundenrecht der Freier in dem Gesetz ist voll nach hinten eingeschlagen, aber das meiste andere ist eine gute, wenn auch für Versicherungstäger usw. unbequeme Idee.

Die Packen sich bestimmt am Kopp bei der AOK und all den Pflichtversicherern das die jetzt auch Prostituierte als Kunden haben müssen.

Obrigado Silvio &

greetings from the pit -abghoul

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 08:05

naja, er hat ja seine wirkung "zum rechten zeitpunkt" getan - denn wer eine zahl/ein argument sucht, hatte es ja "gefunden" ... alle anderen berichte hatten sich nicht darauf gestü(r)zt ... denn bei etwas mehr recherche war klar, dass es eine frechheit ist und nix weiter ... schön auch immer, alles verschwinden zu lassen und nicht als manipulativ falsch zu korrigieren ... hat ja, für die, denen es "gefällt" was gebracht >>> verwirrung und fehlinterpretation

tlacuache 03.11.2013 | 09:23

..."sind ihre grüsse an den "mut" der blog-verfasser-diskussionsbeteiligung auch als fetisch zu verstehen(???)"...

Wieder um einen vertan, macht' nix.

Im nöhlen sind Sie fast so gut wie ich, im verlinken noch besser, nach fast 2500 Kommentaren und null B(l)o(ck)g lässt es sich leicht kritisieren, vielleicht stellen Sie hier mal was ein, und dann sehen wir, ob andere ähnlich Mild mit Ihnen umgehen, wie sie es tun.

;-)

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Ehemaliger Nutzer 03.11.2013 | 10:07

heh;) ... hatte eigentlich auf ein passendes bild spekuliert;))))

Im nöhlen sind Sie fast so gut wie ich

tja, leider halt nur "fast" ... aber ich arbeite dran ...

stimmt, die "blog-schreib-erfahrung" hab ich mir verkniffen ... so ein kleines "freiheitsrecht" gönne ich mir ... hab halt nicht so ein massives sendebewusstsein ... ehrlich, ich lese selten blogs, deren inhalt sich schon nach nach kurzem überfliegen erschliesst bzw. schon bekannt ist ... die tendenzen und die vielfalt der diskussion interessiert mich oft mehr ... hmmm ...

aber verlinken + nöhlen sind doch eine prima arbeitsteilung ... wobei ich "nöhlen" natürlich in seiner kritischen substanz nicht als fetisch sehe, sondern als notwendiges korrektiv zum nachdenken ;))))

>>> und da es mir schwer fällt, ironie und satire immer als solche kenntlich zu machen ... bleibt es dem leser überlassen, wer den gleichen humor hat, wie ich

ich persönlich würde es gut finden, wenn die blog-schreiber ein ähnliches interesse wie ich beim kommentieren und verlinken hätten ... sonst bekommt man noch den eindruck, sie schreiben hier "nur" weil sie keiner druckt ... und darauf hin arbeiten, dass sich dies doch bitte ändern möge ... was ja als motiv verständlich ist - von mir jedoch "böserweise" nicht bedient wird

Schachnerin 03.11.2013 | 10:23

liebe anne mohnen,

für den NDR haben zwei Journalistinnen 2 Jahre lang für die Doku Sex - Made in Germany recherchiert.

Sie haben herausgefunden, daß der Staat der größte Zuhälter ist. Klamme Kommunen füllen ihre Kassen mit erfundenen Steuern aus dem Sexgewerbe. Dazu durchforsten Beamte das Internet.

Tina Soliman sieht eine Veränderung der Gesellschaft durch die legale Prositution. Alles ist verfügbar, alles ist erlaubt, junge Frauen versteigern sich im Internet, um ihren Marktwert zu testen.

Die Autorinnen der Doku sind gegen ein Verbot der Prositution. Sie verlangen eine Konzessionspflicht für Bordellbetreiber.

die ganze Doku Sex made in Germany

Die Süddeutsche hat einen Artikel dazu geschrieben.

Die große Pufflüge

Schachnerin 03.11.2013 | 10:35

Heide Oestreich schreibt in der taz von einer moral panic.Die bessere Sichtbarkeit von Sexarbeiterinnen hätte die Berührungsängste verstärkt. Deshalb würde ein Vorbot der Prostitution verlangt. Erst schreibt sie Menschen arbeiten in vielen schlechten Jobs „unfreiwillig“ und ertragen sie nur, weil sie Geld verdienen müssen. Dann findet sie, daß Prostitution doch etwas anderes wäre als Massage oder Haareschneiden.

anne mohnen 03.11.2013 | 21:03

http://sexwork-deutschland.de/Prostituierten-Vereinigung/Aktuelles/Eintrage/2013/10/29_Appell_fur_Prostitution.html

Hä? Schwarzer, wenn Du Dich schon an ihr festbeißt, bezieht sich immer wieder auf die Menschenrechtskonvention und darin ist nachzulesen, was die UNzur Prostitution sagt. Ich zitiere das nicht, denn die Tippsen-Zeit habe ich einfach nicht.

Dass der EMMA-Vorstoß „die Strukturen“ verschleiere“, kann und will ich nicht mehr diskutieren, dafür ist EMMA zu lange an dem Thema und insbesondere an den Strukturen dran!

Von Sklavenarbeit sprechen die Armutsprostituierten selbst. Auch im Beitrag Nicht die Huren profitieren. Zehn Jahre deutsches Prostitutionsgesetzvon Stefanie Meinecke. (Danke in dem Zusammenhang an die Schachnerin für den Hinweis im Leinkauf-Thread.)

Dass sich Terre des Femmes, wie es im Artikel heißt, nicht unter den Unterzeichnerinnen findet, liegt wohl daran, dass ihre Vorsitzende das unsägliche Gesetz zugunsten von Freiern und Zuhältern auf den Weg gebracht hat. Für Irmingard Schewe-Gerigk entsprechen die Auswüchse der Sexindustrie wohl dem „Gesetz des Marktes“. In dem Zusammenhang finde ich es seltsam, um nicht zu sagen zynisch, dass man sich dann noch regelmäßig über den Neoliberalismus empören kann, wenn es aber um Prostitution geht, Versklavung, Dumpinglöhne bzw.Ausbeutung, resp. Flat-Rate-Sex o.k. findet.

Dennoch, glaube auch ich nicht, dass es schon bald ein prostitutionfreies Europa geben wird, wie Schwarzer und auch Chantal Louis mit diesem EMMA-Artikel und viele andere anstreben , jedoch hoffe ich, dass der Appell nicht ungehört bleibt und wenigstens das Gesetz überarbeitet wird und zwar endlich zugunsten von Frauen! In der letzten Legislaturperiode ist das ja über Ankündigungen nicht hinausgegangen.

Ich habe es getan! Nach dem Lesen dieses Artikels habe ich den Appell von EMMA unterzeichnet- zu sehen unter 801-900.

anne mohnen 03.11.2013 | 21:10

Sorry, liebe Silvio, der Link zur Prostituierten Vereinigung!

Doch, nun da ich vergaß, den rauszuschneiden: Stephanie Klee, die ja im WDR-Beitrag für alle freien Prostituierten spricht, macht da mal eben Reklame für ihre Firma, wie unter dem Link "Wir zeigen Flagge", keine der Freischaffenden verabsäumt über ihre Dienstleistungen zu unformieren. Soviel zum Thema: "Medien und ihr Nutzen" ;))

Schachnerin 03.11.2013 | 21:22

sexwork-deutschland.de (im Artikel befindet sich der link) zeigt Flagge. Die Agentur HighLights von Stephanie Klee bietet an

Begleitung und Unterstützung der Berliner BordellinhaberInnen gegen die Nutzungsuntersagungen nach dem Baurecht und für Einräumung von Rechtssicherheit
Lobby für die Prostitutionsbranche mit Medienarbeit, Podiumsdiskussionen, Unterstützung eines soziologischen und eines juristischen Gutachtens, politische Gespräche auf der Ebene der Berliner Bezirke, des Berliner Abgeordnetenhauses und des Deutschen Bundestages, Teilnahme an Runden Tischen, Organisation von Bordellbesuchen und der Begleitung bei Gerichtsprozessen - in enger Zusammenarbeit mit BordellbetreiberInnen.

Zu finden unter: wir zeigen Flagge

Ich habe nichts verlinkt, sonst geht es meinem Kommentar so wie dem vom Wolfram.

rheinhold2000 04.11.2013 | 12:18

"Man nimmt an (ok, es sind nur Erfahrungswerte), dass über 90% der Prostitution innnerhalb mafiöser Strukturen und Menschenhandelt stattfindet. Und selbst wenn ein paar einzelne Frauen aus Osteuropa nach Deutschland kommen und dann feststellen, dass sie Geld vorerst nur mit dem Verkauf ihres Körpers verdienen könnten, heisst das nicht, dass sie es freiwillig bzw. aus Freiheit tun. Diese Frauen sind nicht frei, denn ihnen bleibt nichts anderes übrig als ihren Körper feil zu bieten und damit ihre Würde zu verkaufen."

selbst wenn es so wäre, die zahlen scheinen mir ja eher wie sarazzin sagen würde "geschöpft" zu sein also frei erfunden nützt ein verbot der prostitution den frauen jetz wie?

und sie schadet frauen wie

http://www.wrint.de/2013/04/24/wr172-prostitution/

ganz sicher die selbstbestimmt einfach beschlossen haben von verkauftem sex (sehr gut) zu leben,

wie willst du das rechtfertigen solche frauen in die illegalität zu treiben?

weil es sklaven gibt? dann müsstest du praktisch alle jobs verbieten. sklaverei gibts in allen gewerben.

leider

silvio spottiswoode 04.11.2013 | 17:19

>> In dem Zusammenhang finde ich es seltsam, um nicht zu sagen zynisch, dass man sich dann noch regelmäßig über den Neoliberalismus empören kann, wenn es aber um Prostitution geht, Versklavung, Dumpinglöhne bzw.Ausbeutung, resp. Flat-Rate-Sex o.k. findet. <<

Habe jetzt wirklich überlegt, ob ich darauf antworten will. Und jetzt pass mal auf:

For the record. Weder finde ich "Flat-Rate-Sex o.k", noch bin ich ein Beführworter, wenn es um "Prostitution geht, Versklavung, Dumpinglöhne bzw.Ausbeutung".

Das ist eine ungeheuerliche Unterstellung, die jeder Grundlage entbehrt, eine bewusste Verfälschung meiner Aussage. Das ist unerquicklich.

Mehr noch, es ist schlicht falsch und verkennt die Tatsachenlage. Worüber dann auch alle Links der gesammelten Archive des WDR und der deutschen Tagespresse nicht hinwegzutäuschen vermögen, Frau Mohnen. Du hast angefangen, ab jetzt wird scharf geschossen. Hihi.

Immer wieder diese heuchlerische Wichtigtuerei, wie auf Knopfdruck, ganz besonders bei süffisanten Quotenthemen wie der Prostitution. In ihren sabbernden Kommentaren schlagen einem als Feministinnen getarnte, blutleere Vertreter/innen des Patriarchats die eigene Impotenz umso mehr ins Gesicht, je ausufernder sie sich über das Skandal System Prostitution auskotzen. Immer wieder dieser quälende, gutbürgerliche Reflex gerade das zu verteufeln, was den monströsen Tauschhandel "Liebe gegen Geld" ganz ungeschönt offenlegt. Ihn sogar von seinem verlogenen, romantischen Ballast befreit.

Nichts, ihr Heuchler, nichts führt uns die Wahrheit einer kapitalistischen Gesellschaft so klar vor Augen wie die Prostitution! Käuflicher Sex ist nicht das Ärgernis.Die Tatsache, dass Menschen finanziell dazu genötigt sind das einzige was sie besitzen zu verkaufen das ist der Skandal. Schluss mit dieser verlogenen Prostitutionsdebatte. Grundeinkommen für alle!

So, da.

Schachnerin 05.11.2013 | 08:36

Jetzt geht schon ein bißchen was vorwärts. Das Prostitutionsgesetz ist Thema der Koalitionsverhandlungen. Es wird über ein Aufenthaltsrecht für Aussteigerinnen aus der Zwangsprostitution gesprochen. Zwangsprostituierte aus dem Ausland, die vor ihren Zuhältern geflohen sind wurden bisher abgeschoben. Und es wird eine Erlaubnisoprüfung für Bordellbetreiber verlangt, um Kontrollen zu ermöglichen.

http://www.sueddeutsche.de/politik/koalitionsverhandlungen-pruefung-fuer-zuhaelter-1.1810596

dame.von.welt 07.11.2013 | 13:38

Liebe Anne Mohnen,

mir ist bekannt, daß Emma sich seit Jahren mit Prostitution beschäftigt, m.M.n. unter extrem eigenartigen Vorzeichen. Vielleicht interessieren Sie dazu zwei Blogs einer ehemaligen Sexworkerin aus der Schweiz: Alles andere als geil + Mythen der Prostitution.

Aus "Alles andere als geil":

"Es ist ein Mythos, dass es massenhaft Zwangsprostituierte gibt. ... Die weit verbreitete Meinung, es gäbe mehr Zwangsprostituierte als professionell arbeitende Frauen ist nicht nur falsch, er ist gut fürs Geschäft. Viele Männer finden die Vorstellung geil, dass es Prostituierte gibt, die alles, einfach alles machen. ...

Alle Sexworkerinnen als Zwangsprostituierte zu sehen, dient dem Bedürfnis der moralischen Überlegenheit einzelner. Die Frauen als Opfer zu sehen, macht es auch den Freiern einfacher. Sie sehen dann die Befriedigung ihrer Bedürfnisse (früher auf dem Drogenstrich eingelöst) als humanitäre Hilfeleistung. Jeder denkt, wenn ich gehe, dann muss sie einen anderen weniger machen. Einen dieser Sauhunde.

Freier reden nicht miteinander. Jeder denkt von sich die große Ausnahme zu sein. Außer ihm seien das alles emotionale Krüppel, Perverse oder einfach arme Teufel, die sonst keine Frau abkriegen. Jeder 4. Schweizer Mann ist statistisch gesehen ein Freier. Die meisten davon in einer intakten Beziehung oder verheiratet. Jeder sieht sich als die „Ausnahme“.
Am Phänomen der Prostitution sind 98,5% Freier und 1,5% Prostituierte beteiligt. Aber die Diskussionen drehen sich immer um die Frauen. Immer öfter, um die Frauen als Opfer, die somit als unselbstständig gelten. Praktisch für Behörden und Freier. Wer nichts wert ist, den muss Mann auch nicht respektvoll behandeln. Da wo Prostitution verboten ist, da werden die Prostituierten bestraft, die Freier brauchen also nicht zu befürchten, wenn sie einer solchen Frau Gewalt antun oder sie um ihren Lohn betrügen, dass sie dann angezeigt werden.

Kein System ist so perfekt mit Hilfe von Gesetzgebung und gesellschaftlicher Stigmatisierung darauf ausgerichtet, der Kundschaft alle Freiheiten zum geringst möglichen Preis zu gewähren, wie die Prostitution."

Aus "Mythen der Prostitution" (Alice Schwarzer kommt auch darin vor):

"Öffentlich wird über einen vermeintlichen Missstand diskutiert und die Abolitionisten wittern Morgenluft. In einer Zeit und einer Gesellschaft, wo die unsinnigsten Verbote Eingang in die Gesetzbücher finden, müsste das eigentlich nicht verwundern. Erstaunlich ist nur, dass die Feministinnen sich auf die Seite derer schlagen, die die Prostitution verbieten, abschaffen oder einschränken wollen. Dabei ist es gleichgültig, ob Freier bestraft, Strichzonen verboten werden oder die Sexarbeit ganz kriminalisiert wird. Das Ziel bleibt sich gleich: Frauen sollen nicht ungestraft unabhängig sein, weder finanziell noch im Geiste.

Für die Feministinnen schaut dasselbe heraus, wie damals für die Frauen, die mit der Heirat ihre Freiheit aufgaben und dafür einen ehrbaren Status erhielten. ...
Für sie ist der immaterielle Gewinn, dass sie im Gegensatz zu den Opferfrauen, die unabhängigen, erfolgreichen modernen Frauen sind.
Damit sich Feministinnen als die „besseren“ Frauen fühlen könen, müssen andere Frauen stigmatisiert oder zu Opfern gemacht werden. Aktuell Migrantinnen aus Osteuropa und Sexarbeiterinnen. Wie praktisch."

Richard Zietz 15.11.2013 | 11:19

Zum Thema, und warum Frau Schwarzer ausgerechnet zum jetzigen Zeitpunkt ihre alte Forderungen als Kampagne neu recyclet, könnte man viel schreiben. Zum einen besteht nach wie vor die sozialromantische Mär, Rot-Grün hätte mit dem Prostitutionsgesetz von 2002 im Sinn der Sexarbeiter/innen gehandelt – und nicht vor allem in dem Sinn, neue Steuereinnahmen, Sozialversicherungsbeiträge und so weiter zu erschliessen. Zweitens besteht die Mär, Rot-Grün hätte die Prostitution »legalisiert«. Dem ist nicht so. Oder wo sind die Sperrgebietsverordnungen – sprich: Gewerbeausübungsbeschränkungen – Auflagen, Polizeikontrollen usw. für Ärzte, Rechtsanwälte, oder auch selbsternannte Moralapostel wie Frau Schwarzer?

Drittens agiert die von Schwarzer und ihren einflussreichen Bundesgenoss(inn)en aus der Crême der gesellschaftlichen Elite aufgegleiste Kampagne auf der Basis falscher Zahlen, falscher Fakten, Unkenntnis, bewusster Auslassung und moralisch aufgeladener Mutmassungen. Die Sichtweise, die meisten Frauen (und – vergleichsweise wenigen – männlichen Prostituierten) seien brutaler Ausbeutung und Menschenhändlerei unterworfen ist in ihrer Pauschalität sicher ebenso unzutrefffend wie die Rosa-Wolke-Darstellung, die mitunter von Seiten des Milieus erfolgt. Grosso modo dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen. Und ungefähr folgendermassen aussehen:

Die Mehrheit der Sexarbeiter(innen) macht ihren Job aus eigener Entscheidung.

Die allermeisten Sexarbeiter(innen) machen den Job nicht aus Romantik, sondern weil sie die Kohle brauchen.

Menschenhandel und Zuhälterei gibt es: das erste, aufgrund der Öffnung der Grenzen vermutlich verstärkt, das zweite, da muss man die rot-grüne Gesetzesänderung einfach anerkennen, vermutlich weniger als früher. Allerdings: Wäre der politische Wille vorhanden, wären diese Auswüchse auch mit bestehenden Mitteln angehbar.

Die beiden wichtigste Gründe für diese Erscheinungsformen sind, anders als Schwarzer & Co. suggerieren, nicht die Prostitution selbst, sondern vielmehr die restriktiven Aufenthaltsbedingungen in Deutschland sowie die Armut in den Herkunftsländern.

Das Milieu selbst ist mehr denn je ausdifferenziert und vielfältig. Zwischen den Polen Schwarz und Weiss existieren unzählige Grau-Abstufungen.

Sex ist nicht gleich Romantik, oder gleich lebenslange Zweierkiste inklusive Ehegattensplittung und Kinderproduktion für den Staat. Ein Motiv (unter vielen), Sex zu praktizieren, kann auch Geld sein.

Anders, als dies bei Schwarzer & Co. anklingt, ist dieser Grund nicht per se verwerflich.

Die Propagierung miefiger Fifties-Moral-Werte ist seit einigen Jahren verstärkt en vogue. Ebenso die Tendenz, die politisch/sozial weitgehend entrechtete Bevölkerung zunehmend zu gängeln und zu bevormunden.

Bei den Frauen aus den Elite-Schichten, welche die aktuelle Schwarzer-Kampagne tragen, dürfte der Konkurrenzaspekt eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Der Konkurrenzkampf im »Modell Deutschland« ist sicher nicht sehr »sexy«.

Fazit: Wo es um Macht geht, ziehen freiere Liebes- und Sexualverhältnisse immer den Kürzeren. Das lehrt bereits die Historie. Andererseits liefert sie auch gutes Anschauungsmaterial darüber, wie Gesellschaften von freieren Phasen profitiert haben. Auch wenn dieser Gedanke für die aktuell unter Beschuss stehenden Sexarbeiter(innen) (und ihre Kund/innen) sicher kaum ein Trost sein dürfte.

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Ehemaliger Nutzer 06.12.2013 | 12:17

@Schachnerin Aufenthaltsrecht für Zwangsprostituierte

Soweit ich es weiß, und ich wünschte durchaus da zu irren, wird es das im verlinkten Artikel genannte Bleiberecht nicht geben. Stand der Dinge ist eine bis zu sechs Monaten befristete Aufenhaltsberechtigung. Offenkundiges Ziel ist das Ermöglichen von Strafverfahren, von denen man wohl bisher nicht sicher sagen kann, dass es sie geben wird.

Was man mit Sicherheit sagen kann, ist, dass wenn diese sechs Monate kommen, der Effekt ein furchtbarer sein wird, da den Frauen, wenn sie den gezwungen wurden, die Rückführung dorthin, wo sie verkauft oder erpresst wurden, droht.

Wenn es tatsächlich um das Schicksal versklavter Frauen geht, ist alles andere als ein vollkommen bedingungsloses unbefristetes Aufenthaltsrecht vollkommen indiskutabel