Juliane Löffler
Ausgabe 2414 | 13.06.2014 | 06:00 38

Dürfen Frauen bevorzugt werden?

Ärger für die "taz" Warum positive Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und im Journalismus wichtig ist – und ein Gericht die linke Tageszeitung trotzdem dafür verurteilte

Dürfen Frauen bevorzugt werden?

Illustration: Otto

Wie sich Diskriminierung anfühlt, ist schwer vorstellbar, wenn man nicht davon betroffen ist. Umso größer fällt dann womöglich die Empörung aus, wenn man selbst zum Opfer wird. So ging es wohl auch einem jungen, in der Ukraine geborenen Journalisten, der sich bei der taz auf eine Volontariatsstelle beworben hatte – obwohl diese ausdrücklich für eine Frau mit Migrationshintergrund ausgeschrieben war. Der Journalist wurde, wie zu erwarten, nicht genommen. Er klagte – und bekam nun vor dem Arbeitsgericht Berlin Recht. Er sei wegen seines Geschlechts in unzulässiger Weise benachteiligt worden. Zudem verfehle die Ausschreibung allein an Frauen das von der taz erklärte Ziel, den Frauenanteil in journalistischen Führungspositionen zu erhöhen, denn es handle sich eben nur um eine Ausbildungsstelle. Die Zeitung muss dem angehenden Journalisten nun drei Volontärmonatsgehälter zahlen.

Verwunderlich ist diese Entscheidung vor allem, weil sowohl Frauen als auch Menschen mit Migrationshintergrund im Journalismus unterrepräsentiert sind. Ersteres belegte die taz selbst mit internen Zahlen in ihrem Hausblog. Letzteres kann man beim Medien-dienst Integration nachlesen: Jeder fünfte Einwohner Deutschlands hat einen Migrationshintergrund – aber nur jeder 50. ist als Journalist tätig. In solchen Fällen ist eine Art Ausnahmeregelung des Gleichstellungsgesetzes vorgesehen. Eine gezielte Bevorzugung ist also nicht per se ausgeschlossen. Es gibt bislang aber keine Studien, die belastbar zeigen, dass Frauen mit Migrationshintergrund besonders diskriminiert würden. Das war ausschlaggebend für das Urteil.

Der Schlüsselbegriff bei all dem lautet „positive Diskriminierung“. Dahinter steckt die Idee, oft benachteiligte Gruppen bei bestimmten Entscheidungen gezielt zu bevorzugen und zu fördern. Leider ist das Risiko groß, dass gegen solch eine positive Diskriminierung geklagt wird, wie jetzt wieder geschehen. Das könnte Arbeitgeber dazu verleiten, den Weg des geringsten Widerstands zu wählen, also: Alles bleibt, wie es ist. Schränkt man die Möglichkeiten zur positiven Diskriminierung ein, wird sich aber kaum oder nur sehr langsam etwas verändern.

Im Zentrum des Streits steht auch die Frage, ob erst ein Ungleichgewicht provoziert werden muss – indem Frauen bevorzugt eingestellt werden dürfen –, um ein gesellschaftliches Gleichgewicht herzustellen. Für einen Mann ist es sicher eine schmerzliche Erfahrung, einen Job aufgrund seines Geschlechts nicht zu bekommen. Für viele Frauen ist es aber das alltägliche Merkst-du-selbst-Spiel.

Warum es gerade im Journalismus wichtig ist, dass die Geschlechter gleichberechtigt vertreten sind, kann man in der Auszählung des taz-Hausblogs erkennen. Frauen schreiben dort nicht nur weniger (35,5 Prozent), es wird auch weniger über sie berichtet (Protagonistinnen: 28,6 Prozent). Wie solch eine Quote wohl bei der FAZ aussähe?

Nun ist es sicherlich Quatsch, zu behaupten, Frauen würden generell nur über Frauen schreiben und Männer nur über Männer. Aber ein Zusammenhang drängt sich auf. Wenn eine Zeitung sich darüber ärgert, dass die Pille danach immer noch nicht rezeptfrei ist: Aus wessen Feder wird der Beitrag wohl geflossen sein? Es geht nicht nur um Führungspositionen und Zahlen – es geht auch um Themen und Agendasetting. Solange sich da nichts Gravierendes ändert, ist positive Diskriminierung wichtig. Bis dahin gilt, was die ZDF-Aspekte-Redakteurin Luzia Braun einmal in der Pro-Quote-Diskussion sagte: „Erst wenn es auch unfähige Frauen nach oben schaffen, ist die Gleichberechtigung erreicht.“

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 24/14.

Kommentare (38)

Robinson 13.06.2014 | 07:26

„Erst wenn es auch unfähige Frauen nach oben schaffen, ist die Gleichberechtigung erreicht.“ - Daran gemessen, ist doch jetzt bereits alles in Butter für die Gleichberechtigung. Woran wird die ewig kolportierte Behauptung, Frauen erlitten aufgrund ihres Geschlechts berufliche Nachteile, eigentlich festgemacht? Schauen wir doch zum Beispiel mal bei einem großen Bonner Telekommunikationsunternehmen in die Besetzungsmechanismen der Führungspositionen: Frauen bevorzugt. Oder bei einem weiteren deutschen Dax-Konzern der Automobilbranche aus schwäbischer Provenienz: Männer haben bei der Besetzung von Führungspositionen nur dann eine Chance, wenn sich darauf keine wie auch immer qualifizierte Frau bewirbt. Übrigens: Dieser Umstand regt die beschäftigten Frauen im Konzern inzwischen mehr auf als die Männer - welches Selbstverständnis muss eine Frau haben, die aufgrund Quote anstatt Qualifikation Karriere gemacht hat? Manchmal deucht es, als sei die Wirtschaft beim Thema "positive" Diskriminierung schon wesentlich weiter als es der frauenüberschüssige Medienbetrieb wahrhaben möchte.

lurch 13.06.2014 | 07:55

Mit nur vagem Bezug zum Text: Um das Thema "positive Diskriminierung" mal etwas zu illustrieren, denke man sich zwei Funktionen mit verschiedenen Startwerten. Wenn nun die Ableitungen gleich gehalten werden, bleiben die Funktionen immer gleich weit auseinander (was oben ist, bleibt oben). Wenn es sich um eine Relation handelt, bleibt sie gleich.

"Positive Diskriminierung" zielt dazu ab, in den Bereichen, in denen Gruppen unterreprädsentiert sind, die Ableitungen gezielt zu verändern. Das Konzept "Gleichheit durch Ungleichbehandlung" ist also nicht abwegig, sondern entspricht simpler Logik.

Ob nun die verschiedenen Maßnahmen zur positiven Diskriminierung in der Gesellschaft in der wir leben wirksam sind, ist eine andere Frage. Diese ist leider auch nur sehr schwer statistisch zu beantworten. Allerdings fällt auf, dass gerade in Ländern, in denen solche Maßnahmen besonders prävalent sind, wie die skandinavischen Länder, die Geschlechterunterschiede im Spitzenbereich PISA-Mathetest, die überall sonst recht ausgeprägt sind (üblicherweise 2:1 männlich:weiblich), verschwinden. Welche Maßnahmen da genau wirksam sind, ist leider schwer zu klären...

lurch 13.06.2014 | 07:55

Mit nur vagem Bezug zum Text: Um das Thema "positive Diskriminierung" mal etwas zu illustrieren, denke man sich zwei Funktionen mit verschiedenen Startwerten. Wenn nun die Ableitungen gleich gehalten werden, bleiben die Funktionen immer gleich weit auseinander (was oben ist, bleibt oben). Wenn es sich um eine Relation handelt, bleibt sie gleich.

"Positive Diskriminierung" zielt dazu ab, in den Bereichen, in denen Gruppen unterreprädsentiert sind, die Ableitungen gezielt zu verändern. Das Konzept "Gleichheit durch Ungleichbehandlung" ist also nicht abwegig, sondern entspricht simpler Logik.

Ob nun die verschiedenen Maßnahmen zur positiven Diskriminierung in der Gesellschaft in der wir leben wirksam sind, ist eine andere Frage. Diese ist leider auch nur sehr schwer statistisch zu beantworten. Allerdings fällt auf, dass gerade in Ländern, in denen solche Maßnahmen besonders prävalent sind, wie die skandinavischen Länder, die Geschlechterunterschiede im Spitzenbereich PISA-Mathetest, die überall sonst recht ausgeprägt sind (üblicherweise 2:1 männlich:weiblich), verschwinden. Welche Maßnahmen da genau wirksam sind, ist leider schwer zu klären...

Meyko 13.06.2014 | 10:25

Nachwuchs

Eine, kürzlich im Gespräch über Putin, Politik und Kanzlerin fallengelassene Einschätzung der mittlerweile Zwölfjährigen Tochter, ließ ihn aufhorchen: „Frauen tun immer nur so, als wenn sie nichts zu sagen haben, dabei bestimmen sie Aalleess!!

Da ihr bisheriges Leben tatsächlich, insbesondere was die "gesellschaftlichen" Erfahrungen anging, durchgehend von Frauenmeinungen bestimmt wurde, konnte er ihr nicht so recht widersprechen.

Hunter S.T. 13.06.2014 | 10:39

Ich kann Ihnen nur beipflichten. Die Frauen aus meinem Bekanntenkreis (von Hausfrau bis Karrierefrau) lehnen diese unsägliche Quote entschieden ab. Ich persönlich würde auch die Krise kriegen, wenn ich aufgrund eines angeblichen Minderheitenstatus angestellt würde und nicht aufgrund meiner Leistung. Mein Stolz verbietet mir dies ^^Aus gleichem Grund würde ich auch einen großen Bogen um jede Firma machen, die mich deswegen nicht einstellt. Die hätten mich doch gar nicht verdient :) Den Begriff 'positive Diskriminierung' finde ich total daneben, da er wertend ist und wohl den Eindruck erwecken soll, diese Form der Dikriminierung wäre gut. Sollen demnächst Männer klagen, weil sie nicht genug Getränke in der Disko ausgegeben bekommen? Hat halt alles seine Vor- und Nachteile. Dieses ständige Social Engineering geht mir tierisch auf die Nerven zumal oben in der Regel Psychopathen sitzen (Politische Ponerologie), die entscheiden, welche sinnlosen Diskussion für die breite Masse angestoßen werden. Die ganzen Feministinnen sollen sich doch bitte lieber um Saudi Arabien oder den Sudan oder ähnliche Länder kümmern, wo es noch sinnvolle Sachen zu erstreiten gäbe (insbesondere Frau Schwarzer ;)

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Ehemaliger Nutzer 13.06.2014 | 10:55

Wenn jemand wegen seines Geschlechts diskriminiert wrid, dann ist das etwas, was gegen meine Grundüberzeugung geht.

Da hilft auch das nette Adjektiv "positiv" nicht.

Wenn "Frauenbeauftragte" nicht mehr "Frauenbeauftragte" heißen sondern "Gleichstellungsbeauftragte", aber als solche nur von Frauen gewählt werden dürfen, dann denke ich (man sehe mir das nach oder nicht) unwillkürlich an Orwellsche Sprachakrobatik oder an Reden von Apartheitspolitikern.

In einem ZEIT- Artikel vor wenigen Wochen, der mit dem bezeichnenden Titel: "Jetzt reicht´s auch mal" überschrieben war, hieß es zur geplanten Mütterquote:

"Sie (die kinderlosen Frauen) haben oft für ihren Beruf auf Kinder verzichtet, Abende und Wochenenden am Schreibtisch statt auf dem Spielplatz verbracht. Nun sollen sie Platz für Frauen machen, die sich ganz bewusst anders entschieden haben?"

Ich fand das urkomisch.

So weit, dass sich eine kinderlose Journalistin in die Bresche wirft für ihre Geschlechtsgenossinnen, die aus der Mutterschaft zurückkommen, reicht die Solidarität unter Frauen nun doch nicht.

Es steht für mich außer Frage:

Wir verkommen zu einer Republik der Engstirnigen und Egoshootern, die komme was wolle auf ihre Partikularinteressen bestehen und denen die intellektuellen Fähigkeiten, die Empathie oder auch nur der Wille abgeht, über ihren eigenen persönlichen Tellerrand zu sehen.

Ich frage mich, woran das liegt.

Schon einmal darüber nachgedacht, dass der Mann aus der Ukraine große Hoffnungen auf eine Chance in Deutschland setzte, dass er eine Frau haben könnte, die darum bangt, dass ihr Mann im Job reüssiert, dass Kinder da sind, die angezogen und ernährt werden müssen?

"Das-merkst-du-was Spiel" - wer da nichts rafft, das ist dann schon die Frage.

Katha 13.06.2014 | 14:51

"Positiv" meint doch in diesem Zusammenhang "Bevorzugung" und soll nicht unbedingt ausdrücken, dass diese Form der Diskriminierung "gut" wäre. Von Befürworterinnen der Quote wurde ich einmal darauf hingwiesen, dies nicht als "positive Diskriminierung" zu bezeichen, da die Bezeichnung negativ konnotiert sei. Nun ist das, meiner Meinung nach, jedoch die richtige Bezeichnung, denn es ist eine Form der Diskriminierung. Die Frage ist doch aber, ob sie - übergangsweise - notwendig ist. Wenn ich mich nicht irre, dann bedeutet die Quote doch, dass Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden. Oder täusche ich mich? Ich möchte natürlich auch nicht eingestellt werden, nur weil ich eine Frau bin. Was ich jedoch auch nicht möchte ist, dass eine andere Person bei gleicher Qualifikation eingstellt wird, nur weil sie ein Mann ist. Und ich denke diese Form der "positiven Diskriminierung" exisitert noch, wenn auch nicht gesetzlich festgeschrieben.

Der Vergleich mit dem Getränk in der Disko hinkt doch ein bisschen. Einer Frau ein Getränk ausgeben, kann auch schlicht eine Diskriminierung sein (und hat nichts mit Bevorzugung zu tun). Denn obwohl diese Geste vermeintlich nett gemeint ist, sollte man sich fragen woher sie kommt und warum es "üblicher" ist, dass Männer Frauen ein Getränk ausgeben.

Wenn Sie sagen, dass sich die Feministen_innen lieber um Saudi Arabien oder den Sudan kümmern sollten, stellt sich mir die Frage, inwieweit Sie sich bereits mit feministischen Theorien und Problematiken außerhalb der Tageszeitung befasst haben. Es gibt durchaus noch Ungleichheiten und Diskriminierungen, die man thematisieren sollte. Es gibt aber nich den Feminismus, die Feministen_innen oder die Frauen als homogene Gruppe mit gleichen Ansichten (dies zielt auch auf die Bemerkung von Hunter bezüglich der Einigkeit unter den Frauen ab) - und Frau Schwarzer ist bestimmt nicht die Repräsentantin des Feminismus. Es gibt, meiner Meinung nach, weitaus sinnvollere Autoren_innen zu den unterschiedlichenThemen. Auch in Saudi-Arabien oder dem Sudan gibt es andere Arten des Feminsmus mit anderen Zielsetzungen. Man würde einen Fehler machen, wenn man ihm einfach jede Ansicht und jeden Maßstab von westlichen feministischen Theorien überstülpen würde.

Sikkimoto 13.06.2014 | 15:57

Das ist mal ziemlicher Humbug. Beschäftigtenanzahlen sind eben keine Kurven, sondern idR bleibt die Zahl der Beschäftigten über die Jahrzehnte einigermaßen gleich. Wenn also Arbeitnehmer in Rente gehen (was in ihrem Modell fehlt) und Frauen vorher diskriminiert wurden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Mann in Rente geht. Wenn die Diskriminierung dann beseitigt ist und man grob von einer 50% Wahrscheinlichkeit ausgehen kann (natürlich Branchenabhängig) dass der neue Arbeitnehmer eine Frau ist, dann nähert sich auch die gesamte Anteil weiblicher Beschäftigter stetig der 50%.

Was sie nun wollen ist eine jüngere Generation arbeitssuchender Männer dafür zu bestrafen, dass ältere Generationen von Männern fest im Sattel sitzen. Mit Gerechtigkeit hat das einen Scheiß zu tun.

Hunter S.T. 13.06.2014 | 16:42

Solange beide Kandidaten genau die gleiche Qualifikation haben, soll es mir recht sein, aber ob das wirklich immer der Fall ist bezweifle ich stark und wenn die Quote nunmal erfüllt werden muss... Bezüglich der Feministinnen ist mir natürlich klar, dass dort große Unterschiede bestehen, wie wohl innerhalb der meisten wie auch immer zusammengesetzten Gruppierungen. Mit den Theorien habe ich mich nicht wirklich befasst (außer mit dem Gender Mainstream Zeug, was ich dermaßen daneben finde) und ich möchte auch niemandem Vorschreiben, wo er sich zu engagieren hat. Mir erscheint die Frauenquote allerdings nicht als zielführend, eben weil es so unterschiedliche Meinungen gibt und ich denke, dass man niemandem zu 'seinem Glück' zwingen kann oder sollte.

Soloto 13.06.2014 | 16:50

Immer dieses Rumreiten auf der Diskriminierung. Als ob es nicht tausend und mehr andere Möglichkeiten gäbe, wie man auf die Nase fallen kann ...

Aber nimmt man diese wahr, heißt´s gleich: Selbst schuld.

Wer eben keiner diskriminierungsfähigen Kategorie zuzurechnen ist, trägt die Verantwortung fürs Scheitern ganz allein. Insofern ist unsere Mitgefühlsökonomie selbst diskriminierend (ich spreche da aus eigener Erfahrung).

Alica 13.06.2014 | 17:52

Wenn ich mich nicht irre, dann bedeutet die Quote doch, dass Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden. Oder täusche ich mich?

Das Problem ist eben, dass „gleiche Qualifikation“ sehr schwammig, sprich nicht wirklich objektiv feststellbar ist. Die formale Qualifikation (Lebenslauf, Zeugnisse etc.) sagt ja letztlich nicht allzu viel über die tatsächliche Eignung eines Bewerbers für eine bestimmte Stelle aus, allenfalls über ihr / sein Potenzial. Somit bleibt bei der Auswahl ein sehr großer Spielraum für Subjektivität, wo letztlich das Geschlecht zum entscheidenden Kritierium wird.
Von daher halte ich Quoten bzw. „positive Diskriminierung“ aufgrund von Geschlecht, Ethnie, sexueller Orientierung etc. grundsätzlich für fragwürdig. Denn die ausdrückliche Bevorzugung einer bestimmten Gruppe ist unterm Strich eben immer die Benachteiligung derjenigen (Bewerber), die dieser Gruppe nicht angehören.
Da könnte schon ein bisschen der Verdacht aufkommen, dass es mehr um „herrsche und teile“ als um (Geschlechter-)Gerechtigkeit geht.

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Ehemaliger Nutzer 13.06.2014 | 20:21

*lalalalalalalala*

Zu den Mitkommentatoren: Schön, wenn man sich das leisten kann, dass der Stolz eine Quote verbietet. Wie die Autorin aber zutreffend gesagt hat, ist es für die Frauen Alltag wegen ihres Geschlechts abgelehnt zu werden. Das würde mein Stolz mir auch verbieten. Der hat dann nur leider nichts zu melden. ^^

Wir müssen uns mal ansehen, woher wir kommen. Ich habe vor 25 Jahren Industriekauffrau gelernt. Weil die Abteilungslteirin krank wurde, bekam ich im letzten Ausbildungsjahr ihre Aufgaben "vorübergehend". Sie kam das ganze Jahr nicht wieder. Die Firma wollte mich übernehmen. Ich fragte, ob ich denn Chancen hätte irgendwann auch offiziell Abteilungsleiterin zu werden. Nein, war die Antwort, ohne Studium nicht. Aber Mänenr würden doch auch ohne Studium Abteilungsleiter, wandte ich ein. Ja aber eine Frau bekommt ohne Studium nicht den nötigen Respekt, ein Mann schon. So einfach, so nachhaltig. Ich bin also nicht in der Firma geblieben und hab studiert.

Einer Freundin von mir ist in der Bank fast das Gleiche passiert. Auch mit der offenen Ansage, wenn Sie ein Mann wären natürlich, als Frau ist Studium Voraussetzung.

So. Und jetzt fragen wir uns alle mal ganz feste, wieso so wenige Frauen oben sind? Ja warum denn nur? Weil die Frauen, die jetzt oben wären, früher noch ganz unverblümt wegen ihres Geschlechts benachteiligt wurden. Heute sagt man es eben nicht mehr so deutlich.

Nächtes Beispiel: In den neunziger Jahren fing es an, dass die Frauen in Jura plötzlich die besseren Abschlüsse machten. Huch nein. In Jura hat man mit neun Punkten eine Garantie in den Staatsdienst zu kommen. Neun Punkte, Prädikatsexamen bedeuten eine andere Klasse Mensch. Alle Richter usw. haben haben es. Auf einmal überlegten sich hochrangige Juristen, ob man nicht eine Männerquote einführen müsste, bevor alle Richterstellen von Frauen besetzt würden, weil - Achtung festhalten - das Richteramt männliche Eigenschaften erforderte.

Bitte bitte bitte hört mir auf mit dem verlogenen Gejaule gegen die Quote. Die gibt es seit Jahrhunderten. Gegen die Frauen. Da regt sich doch von euch keiner auf, oder?!

Ich bin auch gegen Quotenvorschläge, die an der Realität in den Unternehmen vorbeigehen. Aber ich bin für Gerechtigkeit. Und so wie es ist, ist es NICHT gerecht.

Hugh.

Alica 13.06.2014 | 21:23

Bitte bitte bitte hört mir auf mit dem verlogenen Gejaule gegen die Quote. Die gibt es seit Jahrhunderten. Gegen die Frauen. Da regt sich doch von euch keiner auf, oder?!

Doch, doch über Diskriminierung rege ICH mich immer auf. Ich finde dagegen muss sich jeder wehren, Weiblein wie Männlein.
Und es gibt sicherlich auch Branchen, wo es tendenziell immer noch so zugeht, wie du es beschreibst. In subtilerer Form wohl - wie bei den Juristen.
Wobei aber heutzutage auch kein Mann mehr ohne Studium Abteilungsleiter werden kann. Die Zeiten sind wohl ein für alle Mal passe. Da hat sich doch zwischenzeitlich jede Menge verändert. So z.B. auch die Zahl der Frauen, die ein Studium absolvieren. Gleichzeitig werden Arbeits- und Praktikumsplätze insgesamt immer knapper, weshalb es für jeden Einzelnen immer schwieriger wird, sich einen solchen zu ergattern. Angesichts dessen ist jegliche Art von Diskriminierung – also auch die positive Diskriminierung - höchst ungerecht.
Ich finde jedenfalls, dass es nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat, wenn die Ungerechtigkeiten der „älteren Generation“ jetzt umgekehrt werden sollen. Fair wäre es m.E., wenn eine Auswahl grundsätzlich nur nach fachlicher Qualifikation und persönlicher Eignung (bezogen auf das jeweilige Anforderungsprofil) erfolgen würde. Von daher befürworte ich ebenfalls anonymisierte Bewerbungsverfahren.

Ich bin auch gegen Quotenvorschläge, die an der Realität in den Unternehmen vorbeigehen.

Was genau verstehst du denn hier unter „Realität in den Unternehmen“?

Magda 13.06.2014 | 21:59

Ich denke, so ein Urteil wird dazu führen, dass mehr Männer sich juristisch wehren, wenn ihnen eine Frau scheinbar "vorgezogen" wird. Sie werden vielleicht das tun, was früher Frauen getan haben: Nämlich nachzuweisen, dass der oder die Mitbewerberin wegen ihres Geschlechts bevorzugt wurden.

Der Begriff positive Diskriminierung ist mir auch sehr unsympathisch. Temporäre Privilegierung wäre mir lieber. Meist sind auch heute noch qua Geschlecht Männer sehr privilegiert, das wird als selbstverständlich genommen und ändert sich nicht so schnell.

Denn: Männer sind noch immer Profiteure der "homosozialen Reproduktion", weil noch immer Männer da sitzen, wo über Einstellungen entschieden wird. Und die haben noch immer lieber Männer in ihrem Umfeld. Und bis das ausgeglichen wird, könnte man Frauen schon noch ein bisschen privilegieren.

Dieses Urteil ist ein echter Rückschritt.

Magda 13.06.2014 | 22:08

Schon einmal darüber nachgedacht, dass der Mann aus der Ukraine große Hoffnungen auf eine Chance in Deutschland setzte, dass er eine Frau haben könnte, die darum bangt, dass ihr Mann im Job reüssiert, dass Kinder da sind, die angezogen und ernährt werden müssen?

Wenns darum geht, dann ist also der Familienstand ein Grund für positive Driskriminierung? Oder der Familienstand dann, wenn der Bewerber männlich ist? Oder wie soll man das verstehen?

Alica 13.06.2014 | 22:46

Denn: Männer sind noch immer Profiteure der "homosozialen Reproduktion", weil noch immer Männer da sitzen, wo über Einstellungen entschieden wird. Und die haben noch immer lieber Männer in ihrem Umfeld.

Das ist wohl von Branche zu Branche sehr unterschiedlich.
Ich denke, dass heutzutage vor allem diejenigen, die persönliche Beziehungen zu Entscheidungsträgern haben, in einer privilegierten Position sind. Die haben Zugang zu den besten Positionen.
Aber die, die sich auf dem regulären Bewerbungsweg eine Praktikumsstelle oder einen Arbeitsplatz „ergattern“ müssen, bekommen es aufgrund der angestrebten „Diversity“ (Diversität) in vielen Branchen m.E. schon verstärkt mit „positiver Diskriminierung“ zu tun. Und da haben es gerade männliche Bewerber aus nicht privilegierten Sozialklassen eben auch nicht weniger schwer als Frauen. In manchen Branchen sogar schwerer, weil Frauen bereit sind, für niedrigere Gehälter zu arbeiten.

Nach meiner Beobachtung ist der „Gender-Issue“ in der Arbeitswelt gar nicht mehr so akut. Der wird nur in den Medien am Leben gehalten. Vielleicht um von den wahren Problemen abzulenken? ;-)

Ich fand das Urteil übrigens sehr gut begründet.

Magda 13.06.2014 | 23:04

Ich denke, dass heutzutage vor allem diejenigen, die persönliche Beziehungen zu Entscheidungsträgern haben, in einer privilegierten Position sind. Die haben Zugang zu den besten Positionen.

Ja, sicherlich und das sind heute meist noch Männer. Sie bestätigen es ja.

Gender-Issue in der Arbeitswelt ist nicht mehr akut? Guter Gott. Ist das ne Virusinfektion? Na, dann ist es nicht mehr so dringend und man kann aufatmen. Aber, vielleicht ist es noch virulent, wer weiß das schon.

Robert1111 13.06.2014 | 23:09

Das AGG sieht unter § 5 - unter der Überschrift "Positive Maßnahmen" - ausdrücklich die Möglichkeit einer Art 'positiven Diskriminierung' vor:

"Ungeachtet der in den §§ 8 bis 10 sowie in § 20 benannten Gründe ist eine unterschiedliche Behandlung auch zulässig, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile wegen eines in § 1 genannten Grundes verhindert oder ausgeglichen werden sollen".

Ob dieses von den JuristInnen der TAZ vor Gericht vorgetragen wurde, weiß ich nicht, aber die grundsätzliche Möglichkeit, "bestehende Nachteile" auszugleichen, ist gesetzlich erlaubt.

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Ehemaliger Nutzer 13.06.2014 | 23:25

Ich bin kein Freund, doch wenn schon "positive" Diskriminierung durch die Quote dann stelle ich mir eine Art Familienquote vor. (Wobei der Begriff Familie sehr weit gefasst ist.)

Stellte man bevorzugt die ein, die ihr Geld nicht nur für sichselbst brauchen sondern auch andere damit miternähren, dann wäre wenigstens eine soziale Kompente in der Diskussion drin.

Ein Feminismus, der sich nur noch für die gutverdienende Managerin einsetzt, genießt nicht meine Sympathie.

Er ist unsozial und denkt zu kurz -

derglaubeandassystem 13.06.2014 | 23:36

Es gibt keine positive Diskriminierung. Es gibt nur Diskriminierung. Ich möchte nicht nur wegen meines Geschlechtes irgendwo genommen oder nicht genommen werden. Das geht sicherlich auch Frauen so. Wie sich frau wohl fühlt, wenn sie weiß, sie hat die Führungsstelle nur bekommen, weil sie die einzige BewerberIN unter 20 Bewerbern war? Das ist nicht gut für das Selbstbewusstsein. Man möge sich das mal umgekehrt vorstellen: In einer Stellenausschreibung in einem Job mit hohem Frauenanteil wird darauf hingewiesen, dass "bei gleicher Qualifizierung Männer bevorzugt werden" (Gängige Formulierung) die im Gegensatz zur Taz-Ausschreibung immerhin noch die Möglichkeit lässt, dass ein männlicher Kandidat eingestellt wird). Kein Hashtag würde das deutschlandweite Entsetzen fassen können. Stattdessen wird hier von positiver Diskriminierung fabuliert und von ihrer Notwendigkeit, wobei vergessen wird, dass die Diskriminierung, die für eine Seite positiv ist, für die andere automatisch negativ ist. Das ist geradezu zynisch.

Ich finde es gut, dass die Taz verklagt wurde, und der Kläger recht bekommen hat. Ich bin gegen Sexismus, egal um welches Geschlecht es geht.

ed2murrow 14.06.2014 | 00:04

Guten Abend, Frau Löffler,

zunächst eine sachliche Anmerkung: Das Urteil wurde vom ArbG und nicht vom Landesarbeitsgericht gefällt, vgl. http://www.berlin.de/gerichte/arbeitsgericht/presse/archiv/20140605.0930.397734.html , die taz hat auf Berufung verzichtet.

Die materielle Anmerkung lautet: Der Blick ins Gesetz fördert die Kenntnis. Grundlage ist das AGG, das über die dortigen Merkmale hinaus sowohl die positive wie die negative Diskriminierung verbietet. Diese Unterscheidung ist ohnehin ein für den Juristen nicht hinnehmbarer Denkfehler, denn bei der Nichtbesetzung/Kündigung uä. korrelieren In- und Exklusion notwendigerweise.

Die schlichte Dummheit der taz ist nur noch von der des Arbeitgebers, den ich hier -> beschrieben habe, übertroffen: Abfällige Bemerkungen über eine Bewerberin zu schreiben und sich dabei erwischen zu lassen. Die taz war so schlau, das auch noch zu annoncieren.

Statt hier den steifen Rücken der Dogmatik (und Rechthaberei gegen das Gesetz) zu inszenieren, wäre es einfacher gewesen, ein Inserat zu gestalten, in dem die „besondere Freude“ ausgedrückt würde, „wenn sich verstärkt Frauen bewerben“. Und erzähle mir niemand, dass dann bei der Auswahl nicht jede (!) Entscheidung so begründbar wäre, dass sie dem Gesetz genügte.

Was in dem Artikel hier veranstaltet wird, ist dagegen tatsächliche Diskriminierung und zwar als Programm! Sie entbehrt ihrer Natur nicht, dass dadurch (strukturell, faktisch, politisch) Benachteiligte im Ergebnis privilegiert werden. So funktioniert es nicht, und die taz hat das angesichts ihres Verzichts auf Rechtsmittel auch eingesehen.

Best, e²m

Knibbo 14.06.2014 | 00:28

Naja,

finde den Fall interessant und ich hoffe, dass unsere Folgegenerationen sich nicht mehr mit dieser albernen Diskussion herumplagen müssen.

Nicht falsch verstehen! Ich finde es richtig und wichtig, dass sich jeder heute hoffentlcih mindestens einmal diese Frage gestellt hat und ein "liberales" Verständis für sich schafft. Wichter als die ganze Diskussion ist doch aber, dass unsere Kinder keinen Unterschied darin sehen sollten.

Und das ist völlig unabhängig von Fragen wie Frau oder Mann, schwarz oder weiß oder was auch immer.

Ich finds halt nur lustig, dass man versucht die Politk in die Verantwortung zu nehmen, am besten mit noch albernen Quoten, die nur suggerieren, dass man das Problem angeht, die dann wieder von Unternehmen übernommen werden, weils populär ist und eigentlich ausgeblendet wird, dass dies Angelegenheiten sind, die eigentlch in der Erziehung liegen. Aber so sind die Menschen halt... Man zeigt halt lieber mit dem Finger auf andere und sagt, dass man selber nicht schuld sei :)

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Ehemaliger Nutzer 14.06.2014 | 20:37

Was Sie hier anführen sind keine Argumente sondern Beschreibungen von Befindlichkeiten, bzw. die Wiedergabe von Gesagem - wodurch der Leser wohl aufgerüttelt und skandalisiert werden soll.

Nur - in Anbetracht des Falles wirken solche Selbstbekundungen nicht nur seltsam schief sondern geradezu grotesk und peinlich (selbstentlarvent).

Was, so darf man doch wohl fragen, hat der Mann aus der Ukraine denn damit zu tun?

Was glauben Sie, was der sich schon in seinem Leben hat anhören müssen!

Und ausgerechnet er darf jetzt ausbaden, was Sie man Ihnen damals angeblich Schlimmes angetan hat? (Sie mussten studieren!)

Sie nennen es Gerechtigkeit, wenn ein Mann einen Job nicht bekommt, nur weil er ein Mann ist - ohne Rücksicht darauf zu nehmen unter welchen Bedingungen der Mann lebt, wen er miternähren muss, was er bisher mitmachen musste?

Da fällt mir wirklich wenig dazu ein.

Nur so viel:

Das Aufgeheule saturierter Frauenrechtnerinnen, die es sich leisten können, spaßeshalber halbe Tage am Computer zu verbringen, ist nicht nur anmaßend und beschränkt, es ist zuweilen geradezu um- aus- der- Haut- zu- fahren fremdbeschämend - wäre dafür bloß das Wetter nicht zu schön.

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Ehemaliger Nutzer 16.06.2014 | 14:11

Integrationspolitik, Medien (z.B. die Quotenkomissarinninnen , über die sich die wahre Polizei amüsiert) , Armee usw...

Es sind die Frauen die manchmal (links) glauben, sie wären die menschlicheren Menschen. Aus gegensätzlichen Gründen lachen die Polizisten und die LieblingsImmirganten der Gruenen über die offensichtlich nicht ausgelasteten, möchtegern-diskriminierten Gleichschaltungs-Expertinninnen.

Die Unsichtbaren Deutschen 16.06.2014 | 18:34

Sie als Brite verstehen meines Erachtens sehr vieles über Deutschland nicht. Zunächst einmal können Deutsche keine angelsächsischen Ideen importieren, ohne sie durch ihre eigenen Zutaten zu verunstalten. Das war beim Multikulturalismmus, Pluralismus der Fall und setzt sich fort bis zum Managing Diversity, Participatory Budgeting und Gender Budgeting.

Deutsche sind zudem unfähig die Meritokratie Debatte und das Lob der Verfahrensgerechtigkeit richtig von den Amerikanern, Kanadiern und Briten abzuschreiben.

Wir in der BRD sind nämlich rückständig, und nicht in der Lage die wirklich sauber ausgearbeitete anglophone Gender-Debatte zu verstehen. Wir wissen einfach nicht, dass Krisen Männer und Frauen unterschiedlich in die Arbeitslosigkeit schleudert. Die Anzahl der offenen Stellen fluktuiert in Krisen sehr stark. Typischerweise werden geringqualifizierte Männer entlassen und geringqualifizierte Frauen sind von Arbeitslosigkeit weniger betroffen. Tabak- und Alkohol Konsum der Männer werden von Fiskalpolitikern genutzt, um Sozialbudgets der subnationalen Gebietskörperschaften auszugleichen, die von Krisen schwach betroffen sind. Da es in der BRD keine verwendungsorientierte Steuern gibt, erkennt das auch keiner - das Fiskalpolitik nicht geschlechtsneutral ist. Am ehesten spürt man das beim U3 Ausbau, bei der sich die Kommunen von Bund und Länder haben überschulden lassen.

Die Arbeitgeberseite agiert mit Teilzeit und Gleitzeitregelungen, ob Konjunkturschocks durch geringere Arbeitsstunden abzuwehren. Das Spiel läuft jedoch nur mit ausreichend Gender Diversity auf dem Arbeitsmarkt, die die vertraglichen Friktionen der männlichen Normalarbeiter beseitigen können.

Die Debatte über Frauen-Quote hat einen ironischen Drall, weil da immer über das Top Management geredet wird - sehr selten aber über die unterschiedliche Wirkung von Frauenarbeit in Ostdeutschland mit etwa 1% Hausfrauenehe und Westdeutschland mit etwa 11% Hausfrauenehe bei den normalen Frauen geredet.

Das Resultat der deutschen Einigung ist, dass durch Binnenmigration erwerbswillige ostdeutsche Frauen nach Westdeutschland migrieren und für die Westdeutschen mit arbeiten, während deren Heimatregionen weiter verfallen.

Deutsche Frauen werden im Schnitt 8 Jahre älter, sie sind ärmer als die Männer und die Gehälter und Löhne der Frauen machen auch wenn man für Qualifikation kontrolliert einen Gender Pay Gap von 10% aus.

Der Umstand ist dramatisch, weil Geringverdiener (Frauen) das Recht im Rentensystem haben ihren anrechenbaren Rentenansprüche mit dem Faktor 1.5 zu multiplizieren bis sie auf 75% des Durchschnittslohns kommen.

Nun sind die deutschen Frauen aber auf den selben Gedanken gekommen mit Hilfe des Managing Diversity ein diskursives Bündnis mit Minderheiten Homosexuelle, Behinderte und Alte gegen die sterbende Spezies männliche Normalarbeiter zu schmieden, ohne die Homosexuellen, Minderheiten und Alten überhaupt zu fragen, ob sie mit machen wollen.

Gut verdienende Männer haben einen sehr starken Anreiz sich privat zu versichern und das wird die Versicherungen mit den zurückbleibenden Frauen, Alten und Geringverdiener (Männer) pleite machen. Gut verdienende Männer sind sehr geschickt darin, ihre Interessen hinter Sexismus zu verstecken und ihren ärmeren Geschlechtsgenossen letztlich sehr hart zu treffen.

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Ehemaliger Nutzer 16.06.2014 | 19:03

Nur es müsste doch wenigstens dem einigermaßen intelligentem Teil der Mittelschicht klar sein, dass das so, also im Schaukampf, nicht zu lösen ist. Die diskutierte Frauenquote in den Führungsetagen ist doch nur Kosmetik für Blöde, denn das betrifft vermutlich sogar nicht einmal 1% der Frauen.

Klare Regeln allein ausgerichtet auf die Qualifikation und ein attraktives durchgängiges Angebot an Kinderbetreuung (nicht nur von 8 -12 h) bewirken Wunder.

Die Unsichtbaren Deutschen 16.06.2014 | 20:01

Na ja - der wesentliche Unterschied zwischen einem angelsächsischen Manager-Ausbildung und einer deutschen Management Ausbildung ist folgender: in den angelsächsischen Staaten wird man zum General Manager mit breiter Bildung und einer tiefgestaffelten Themenvielfalt ausgebildet. In der BRD zählen Fachkenntnisse und Fachidiotie, und der Deutsche glaubt seine Mankos an Menschenverstand mit Individualität und Charisma weg machen zu können - ein Mensch ist zur Führungspersönlichkeit geboren. Manager werden ist nicht trainierbar - Manager werden berufen.

Angelsachsen wären Tatsachen orientiert genug, um die Angelegenheit wissenschaftlich zu untersuchen und auszumessen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Die deutschen Gesellschaftswissenschaften wissen nicht, wie man Messungen macht in den Gesellschaftswissenschaften. Briten und Amerikaner dominieren die quantitative Methodenlehre - und hierzulande ist man hoffnungslos abgehängt. Die Statistischen Bundesämter wandeln nur Sauerstoff in Kohlendioxid um. Dann ist dann auch noch die peinliche Sarrazin Episode, die illustriert wie verkommen die deutsche Ökonometrie und quantitativen Methodenlehre bereits ist. Ich spreche da einmal nicht mal vom Adligen Guttenberg und unserer Bildungsministerin Schavan.

Deutsche Frauen stellen normalerweise das geduldige Anlage Kapital zu Verfügung, weil sie durch ihre geringeren Verdienste risikoaverser sind. Normalerweise sind es Frauen die die Konsumentscheidungen treffen, um über den Konsum die Inlandsnachfrage in der Konjunkturkrise anzukurbeln.

Das Phänomen der Schein-Selbständigkeit wird bei den heutigen Mittelschichtsberufen eher noch zunehmen. Unternehmen werden Festangestellte abbauen und sie als privatversicherte Schein-Selbständige wieder einstellen - ob die Männer nun weiterhin die Heilige Kuh geschlechterblinde Meritokratie anbeten oder nicht ? So oder so: die Arbeitgeberseite wird ihre Flexicurity mit oder ohne Gender Diversity und Job-Sharing erhalten - und die Kapitalmärkte werden ihre Kapitallieferanten bekommen. Es müssen ja nicht Frauen sein - es können auchmarginalisierte männliche, privatversicherte Schein-Selbständige sein mit Überstunden Potential.

Jean-Luc P. 18.06.2014 | 15:31

An „positiver Diskriminierung“ ist leider gar nichts „positiv“. Scheinbar ist auch der Autorin des Artikels entgangen, dass das Ziel jener Maßnahmen die Bekämpfung struktureller Ungleichheit sein soll, aber mit diskriminierenden Maßnahmen auf Einzelfallbasis reagiert. Hier liegt ein massiver Fehler im System, der Ungleichheiten nur verschärft und neu schafft.

Ein ganz klassisches Beispiel, am eigenen Leib erlebt: ich arbeite in einer Behörde, die sich der Frauen“gleichstellung“ mit Leib und Seele verschrieben hat. Es handelt sich um eine Landesbildungsbehörde, also einem Betrieb, der ohnehin viele Lehrer und pädagogisches Fachpersonal beschäftigt. Dies bedeutet schon über die Berufswahl automatisch: Frauenüberschuss, und zwar massiv (bei jungen Jahrgängen liegt das Verhältnis zwischen Männern und Frauen bei 1:3 bis 1:4). Dazu kommt, dass trotz des Überschusses weiterhin eine klare Bevorzugung von Frauen bei Einstellungen stattfindet. Diese Haltung ist typisch für alle Behörden, weil gesetzlich vorgeschrieben. Für mich als Mann im Bildungsbetrieb bedeutet so etwas tatsächlich ebenfalls eine strukturelle Benachteiligung, weil ich bei jeder Bewerbung auf Stellen gegenüber Frauen das Nachsehen habe, wenn ich nicht sehr viel besser bin. Die Argumentation lautet, Frauen würden gesamtgesellschaftlich benachteiligt. Das mag stimmen, nützt mir aber nichts, weil ich mich mit meiner Qualifikation eben nicht in den Unternehmen bewerben kann, wo Männer bevorzugt werden – die suchen nicht nach meiner Ausbildung. Auf allen Stellen, die für mich in Frage kommen, werde ich systematisch und von Gesetz wegen gegenüber jeder Frau zurückgesetzt.

Völlig naiv ist die Formulierung „Erst wenn es auch unfähige Frauen nach oben schaffen, ist die Gleichberechtigung erreicht.“ Das ist Quatsch! Gleichberechtigung ist erreicht, wenn nur noch fähige Personen, unabhängig von Geschlecht, Aussehen, Alter usw. es nach ganz oben schaffen. Unfähige Personen – egal welchen Geschlechts – haben da gar nichts zu suchen! Gute Antidiskriminierungspolitik würde auch genau dort – bei den Fähigkeiten – ansetzen. Der angelsächsische Ansatz, Bewerbungen zu anonymisieren, wäre hier viel hilfreicher als das deutsche System, welches letztlich bloß zusätzliche Bürokratie (und Stellen für Frauen) schafft.

Zudem darf man sich keine Illusionen machen, dass irgendwo überhaupt versucht würde, die positive Diskriminierung als Mittel zur Gleichstellung einzusetzen – es handelt sich um ein Machtmittel, dass in vielen Fällen zur Besetzung von Stellen mit genehmen Persönlichkeiten genutzt wird. Purer Nepotismus also, den Frauen ja genauso gut beherrschen wie Männer…

Mein Beispiel mag auf den ersten Blick ein Sonderfall sein, aber man möge sich vor Augen halten, dass der öffentliche Dienst der größte Arbeitgeber in Deutschland ist. Und ich habe hier - in mehreren Behörden - noch nie eine Benachteiligung von Frauen erlebt, nur Benachteiligung von Männern.

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Ehemaliger Nutzer 23.06.2014 | 19:57

In erster Linie wundere ich mich, wieso wenn das erste Mal ein Mann wegen seines Geschlechts abgelehnt wurde, so ein großes Bedauern herrscht, aber es bei Frauen, sollten sie überhaupt nur die Tatsache berichten, mit Schuldzuweisungen und Abwertungen reagiert wird.

Sie schreiben weiter oben, der arme ukrainische Mann hätte vielleicht für jemanden zu sorgen. Vielleicht. Ich war damals nicht nur vielleicht sondern faktisch sehr schwanger, hatte also nicht nur im Konjunktiv für jemanden zu sorgen.

Es ist tatsächlich ein enormes Risiko ein Studium anzufangen, man weiß nicht, ob mans schafft, wie mans finanzieren soll, es ist sehr sehr viel Arbeit, nebenbei zu arbeiten, sich um ein Kind zu kümmern und zu studieren.

Es geht mir nicht darum, das ungeschickte Vorgehen der taz zu sanktionieren, aber dass von einigen mit zweierlei Maß gemessen wird, je nachdem, ob eine Diskriminierung einen Mann oder eine Frau trifft, ist offenkundig.

Diese Haltung ist das Problem. Wenn alle Diskriminierungen keinen Rückhalt in der Gesellschaft hätten (nicht nur die gegen Männer), gäbe es längst keine mehr.

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Ehemaliger Nutzer 24.06.2014 | 13:07

Was genau verstehst du denn hier unter „Realität in den Unternehmen“?

Ich bin gegen eine flächendeckende Einheitsquote, weil man in manchen Branchen tatsächlich kaum Frauen in den Unternehmen hat. In technischen Studiengängen gibt es jetzt (!) so um die 20 % Frauen glaub ich, vor 15 jahren lag das noch im unteren einstelligen Bereich.

Das muss man mitbedenken, es geht ja um die Führungskräfte jetzt. Wenn man von 15 Jahren ausgeht, die jemand für Studium und Berufserfahrung braucht, um sich qualifizieren zu können, und man hat aber überhaupt nur einen Pool von Frauen, die damals ein Studienfach für den Hard- oder Softwarebereich studiert haben von bpsw. 4 % ist es völlig abwegig, überhaupt eine Quote, die jetzt wirksam würde, zu verordnen.

Es wäre für solche Branchen, da wir jetzt einen Studienanteil von 20 % haben, in zehn, 15 Jahren ein Anteil x von 20 % denkbar.

Dazu kommen die Variationen, die verschiedene Unternehmensgrößen und Regionen bewirken. In Berlin gibt es mehr kinderlose single Frauen als im bayrischen Wald. Und Mütter haben zusätzlich ganz andere Betreuungsangebote in Ballungszentren. Hat man ein Hardware-Unternehmen irgendwo am Land wird es annähernd unmöglich ein, auch nur eine einzige Frau aufzutreiben.

So geht das nicht. Rechtlich gesehen ist das ein zu großer Eingriff in die Privatautonomie und ins Eigentumsrecht, gesellschaftlich gesehen schürt das doch nur die Vorbehalte gegen jede Frauenförderung, die an sich wirklich nötig ist. Mit einer flächendeckenden Einheitsquote hätten ja all diejenigen Recht, die befürchten es würden via Quote Frauen eingestellt, obwohl es besser qualifizierte Männer gibt.

Ne, der Sinn einer Quotenregelung ist, dass obwohl es genug qualifizierte Frauen gibt, Männer nach wie vor die Führungsposten beherrschen. Und das gibts in vielen Branchen eben auch. In der Telekom konnte problemlos eine 30% Quote eingeführt werden. In BWL und Jura studieren ebenso viele Frauen wie Männer. Oder denke an klassische Frauenberufe wie Krankenschwester, wo die Teamleiter trotzdem weit überproportional Pfleger sind (Grundschullehrerinnen und Direktoren).

Also ich bin für gesetzliche Regelungen. Zwei Konzepte befürworte ich: das eine ist eine gesetzlich verpflichtende Regelung, dass jedes Unternehmen eine Quote "herausgibt", an die es sich dann auch verpflichtend halten muss. Die Höhe der Quote liegt völlig im Ermessen der Firma. Das Unternehmen muss lediglich zu dem Image der selbst angesagten Quote stehen.

Jedes Unternehmen so hochgreifen wie es es für möglich hält, aber die Hardware Firma im bayrischen Wald würde sagen: Tut uns Leid, geht nicht, wir haben im Moment noch die Null-Prozent-Quote, aber schauen was sich in den nächsten Jahren machen lässt. Und vielleicht kommen sie ja dann sogar auf den Trichter, für Kinderbetreuungsangebote zu sorgen, wenns daran fehlt. Ich glaube die selbstbestimmte Quote als Teil des Firmenimage würde das richtige Bewusstsein schaffen.

Die zweite Regelung, die ich befürworte, ist, dass jeweils anteilig von der darunter liegenden Ebene aufgestiegen wird. Also wenn man 30 % Frauen in der Ebene A hat, und es steigen bei den Männern im Schnitt ein Drittel auf, steigen bei den Frauen zehn Prozent in die Ebene B. Und so fort.

Wichtig ist noch, dass man sofort aufhört, den Grad der Gleichberechtigung im Aufstieg an der Quote der Frauen in Aufsichtsräten (!) von Dax-Unternehmen (!!) festzumachen. Es gibt nur 30 Dax-Unternehmen und da arbeiten wir daran, dass überall eine Frau sitzt. Das kann niemandes Ernst sein. Wir schaffen Gesetze für einen Bevölkerungsanteil von unter einem Millionstel. Nee, ne?

Es geht doch darum, dass Führung durch Frauen so selbstverständlich wird wie die durch Männer, als Teamleiterinnen, im Mangement, als Geschäftsführerinnen. Viele. Die Aufsichtsratposten sind reine Feigenblattpolitik. Schaffen Unfrieden, schaden den Frauen, gehen an der Realität in den Unternehmen vorbei.