Hand in Hand

Fridays for Future Kaum eine Bewegung löst derzeit Europaweit wohl so viel Empörung und Debatten aus. Aber wo genau liegt das Problem, das so viele Menschen mit dieser Bewegung haben?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der Name Greta Thunberg sagt vermutlich jedem etwas. Aber viele verlieren aus dem Blick, dass es um etwas Größeres geht, als um einzelne Personen.

Gefordert werden Maßnahmen wie der endgültige Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 oder eine CO2-Steuer auf klimaschädliche Treibhausgase. Die Bewegung beruft sich auf das Pariser Klimaabkommen und fordert, dass die sich die Erderwärmung auf 1,5 Grad beschränkt – andernfalls, sollte eine Erwärmung von über 2 Grad stattfinden, drohen verheerende Folgen. Der Klimawandel ist keine Meinungsfrage und auch keine Auslegungssache.

Gegner der Bewegung fühlen sich persönlich angegriffen, verunglimpfen Greta Thunberg oder argumentieren mit nichtigen Argumenten, wie „Ja, aber China darf das!“. Ebenso wird von Gegnern gerne darauf hingewiesen, dass sich das Klima auf der Erde ständig ändert und dies auch schon immer getan hat. Es hat schon immer Eiszeiten und Warmphasen gegeben. Und ja, das stimmt: jedoch kamen diese Klimaänderungen in der Regel schleichend über einen sehr langen Zeitraum und hingen nicht mit einem Übermaß an Kohlenstoffdioxid in der Luft zusammen. Aber auch soetwas hat es bereits gegeben: vor rund 250 Millionen Jahren, an der Perm-Trias-Grenze, auf dem Urkontinent Pangea kam es in einem relativ kurzen Zeitraum zu sehr häufigen und starken Vulkanausbrüchen. Dies sorgte für einen stark erhöhten CO2-Gehalt und für einen Anstieg der durchschnittlichen Temperatur um ca. 3-4°C. Die endgültige Folge war das größte Massenaussterben der Erdgeschichte. Rund 75% des Landlebens, sowie 95% des im Wasser befindlichen Lebens starben aus. Und wenn wir nicht jetzt anfangen etwas zu tun, steuern wir auf eine Erderwärmung von 5°C zu.

Dennoch, es sollte nicht abgestritten werden, dass einige Befürworter der Bewegung zu häufig den sachlichen (und kritischen) Blick verlieren und stattdessen teilweise aggressiv moralisieren. Ja, von einigen bekommt man das Gefühl, dass man ganz alleine Schuld sei am Klimawandel. Und auch Ich bin kein großer Freund davon Individuellen Verzicht und eine starke Einschränkung des Konsumverhaltens zu predigen und immer den mahnenden Finger zu heben. Ist es nicht auch so, dass viele der Klima-Aktivisten und "Grünen"-Wähler aus einem bürgerlichen Haushalt stammen und grundlegend kein Problem mit wirtschaftlichen Interessen haben? Da ist es natürlich einfacher den Menschen privaten Verzicht zu predigen, als sich mit neoliberalen Interessen auseinanderzusetzen. Das Private ist Politisch – aber nur im Rahmen des individuell Möglichen. Ich denke, dass auf politischer Ebene dafür gekämpft werden muss, um wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel herbeizuführen. Aber dennoch; die Bewegung ist etwas Gutes, da sie endlich eine öffentliche Debatte zu einem solch wichtigen Thema anregt. Wir sollten nicht den Blick für das Ganze verlieren; es geht nicht um eine einzelne Person oder einen Konflikt der Generationen. Es geht um die Lebensgrundlage der Menschen und darum, dass die Politiker in der Pflicht sind ihre Versprechen zu halten. Das Interesse der Mehrheit der Bevölkerung sollte über wirtschaftlichen Interessen stehen. Wer die ökologische Frage stellt, muss auch die Soziale- und die Friedensfrage stellen. Sie gehen Hand in Hand.

Der Kohleausstieg bis 2030 und eine gleichzeitige Subventionierung erneuerbarer Energien würde nicht nur gut für Mensch und Umwelt sein, sondern auch noch eine Vielzahl an Arbeitsplätzen schaffen. Bereitstellung für Forschungsgelder im Bereich der Nachhaltigkeit und Sanktionen bei Nicht-Einhaltung von Klimazielen wären konsequent – anstatt darüber nachzudenken tatsächlich 2% des BIP für Aufrüstung auszugeben. Hierbei sprechen wir von knapp 60 Milliarden Euro jährlich. Dieses Geld sollte Instituten zugutekommen, damit Deutschland und Europa Vorreiter in Sachen nachhaltigen Energien und Wasserstoffantrieb werden. Anstatt Kraftwerken, die ganz Bewusst ihre eigene Schließung verzögern, Entschädigungen zu zahlen, sollten Gebäude saniert werden. Denn auch hier lassen sich Schadstoffe einsparen. Die Mittel sind da – das Stichwort lautet Umverteilung.

Wenn die EU Geschlossenheit zeigt kann dem Klimawandel entgegengewirkt werden – und in den USA stehen nächstes Jahr die Wahlen an.

13:38 23.04.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare