Zwischen Anti-Deutschen und Faschisten

Diffamierung der Politik Als Anhänger linker Politik wird man nicht selten als hardcore-Kommunist oder Anti-Deutscher abqualifiziert. Ebenso wie jeder AfDler Faschist oder Neonazi sei.
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Wer kennt es nicht? Ich selbst würde mich als Sozialist oder eher noch schlicht als Anti-Kapitalist bezeichnen. Doch seitdem ich mich im Feld der linken Politik aktiver engagiere werden auch die Vorurteile deutlicher. Ich wolle die DDR zurück. Ich sei für einen Überwachungsstaat. Ich sei für Gleichmacherrei. Ich sei ein Träumer und der Kommunismus sei nichts als eine weltfremde Utopie. Wie oft die Leute doch erstaunt sind, wenn ich ihnen bei der letzten Aussage zustimme - Ja, ich träume vermutlich von einer ähnlichen Welt, wie Karl Marx seiner Zeit. Aber der von ihm formulierte Kommunismus ist derzeit schlicht eine Utopie, von der wir heute noch weiter entfernt sind, als zu Marx Zeiten. Deshalb stehe ich für einen demokratischen Sozialismus ein. Für Solidarität und soziale Gerechtigkeit für alle. Jeder sollte ein würdiges Leben führen können und die Chance haben sein Leben aufgrund individueller Fähigkeiten selbst gestalten zu können. Über soetwas darf nicht das Elternhaus oder die Herkunft entscheiden.

Natürlich habe ich nicht mit allen Vorurteilen zu kämpfen. Meine Freunde machen sich gerne mal einen Spaß daraus, sprechen mich witzelnd mit Genosse an oder fragen mich, ob ich eine Sammlung an besonders schönen Wurf-Steinen zuhause habe. Daraufhin hebe ich gerne die Faust und entgegne ihnen mit dem Spruch "Proletarier aller Läner: Vereinigt euch!" Aber es trifft der Kern eines Problems in der politischen Landschaft - die Vorurteile. Sowohl gegenüber links, als auch gegenüber rechts. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Spaß, sondern um ein gefährliches Spiel.

Nicht jedes Mitglied und jeder Wähler der AfD ist ein Faschist oder Neo-Nazi. Ich bin kein Freund dieser Partei und rate bei jeder Gelegenheit jedem Menschen eindringlich davon ab sie zu wählen - aber dennoch: viele AfDler sind schlichtweg nur maßlos enttäuscht von der Politik der großen Parteien aus den letzten 20-30 Jahren. Und das zurecht! Es ist eine Partei, die von Protest-Wählern lebt. Eine Partei, die in den forderen Reihen Faschisten und Neo-Nazi nahestehende Personen hat. Eine Partei, die in der Justiz rechte Straftäter gerne laufen läst, während sie linke Anhänger bestenfalls für einen simplen Strafzettel wegsperren wollen. Gegen Gleichberechtigung, gegen simpelste Menschenrechte. Aber eben auch eine Partei, die wütend ist. So wie viele WählerInnen und Mitglieder. Wenn wir ehrlich sind, setzt sich kaum jemand wirklich intensiv mit den Programmen der Parteien auseinander. Bei der AfD ist dies jedoch gefährlich. Wenn wir allerdings die Menschen weiter nur teilen und alle WählerInnen der AfD mit Faschismus abqualifizieren, tun wir damit nur der AfD einen Gefallen. Wut bekämpft man nicht mit Diffamierung. Aufklärung ist dringend notwendig. Den Menschen muss klar gezeigt werden wofür die AfD steht und was diese Partei fordert. Die Sorgen der Menschen müssen ernst genommen werden - nicht nur die sozialen Sorgen sondern auch die kulturellen. Auch wenn viele das nicht hören wollen, sind es nunmal doch reale Ängste der Menschen, dass sie morgen in einer Welt aufwachen könnten, die ihnen gänzlich fremd erscheint. Und deshalb ist es umso wichtiger den Dialog zu suchen. Rechte Bewegungen und Parteien nutzen diese Ängste für sich selbst, indem sie mit dem Finger auf die großen Parteien zeigen.

Bisher konnte ich doch jeden potenziellen AfD-Wähler in einem ruhigen Gespräch davon überzeugen, dass diese Partei keine wirkliche Alternative darstellt. Und darin besteht die öffentliche Aufgabe: Mit bloßen Floskeln wie Kein Fuß breit den Faschisten erreichen wir nicht viel. Es ist an den Parteien, vor allem den linken Parteien, wieder eine wirkliche Alternative darzustellen. Eine Politik, die sich an den Interessen und Ängsten der BürgerInnen orientiert. Eine Politik, die sich konsequent mit Kapital-Interessen auseinandersetzt und für eine gerechtere und sozialere, eine bessere Zukunft kämpft.

Teilung ist nicht der richtige Weg. Weder links, noch rechts.

11:37 26.06.2019
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