Die Horrorstory von Ralph Nader

US-Präsidentschaftswahl Gemeinsamkeiten gab es bereits 2000 als Ralph Nader den Demokraten Al Gore verhinderte. Justin König über das Phänomen der Drittbewerber in den Vereinigten Staaten
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Die Horrorstory von Ralph Nader
Viele Bernie-Anhänger haben angekündigt, Jill Stein statt Hillary Clinton zu wählen. Das wäre ein zu hoher Einsatz

NICHOLAS KAMM/AFP/Getty Images

Die Kandidaten der Drittparteien profitieren in Umfragen von der Unzufriedenheit, die sich an die Kandidaten der beiden großen Parteien richtet. Ist ein Drittbewerber wie Johnson oder Stein am Ende das Zünglein an der Waage?

Im Grunde gibt es im politischen System der Vereinigten Staaten nur zwei Parteien mit politischem Gewicht, die Demokratische Partei und die der Republikaner. In wechselhaften Abschnitten kürt entweder die eine oder die andere Partei den Präsidenten. Es gab in diesem Zweikampf der Parteien bisher nur wenige Abnormalitäten. Doch treten diese tatsächlich einmal auf, sind die Auswirkungen verheerend. Es sind Namen wie Ross Perot, Ralph Nader, Gary Johnson oder Jill Stein, die in diesem Zusammenhang fallen.

Erstmals gelang es 1992 Ross Perot, einem Milliardär aus Texas, als unabhängiger Kandidat ein zweistelliges Ergebnis zu erreichen. Perot überzeugte damals hauptsächlich ehemalige besorgte Wähler der Republikaner und zog sie erfolgreich auf seine Seite. Er erreichte 18,9% der Wähler und ebnete durch diese Schwächung der Republikaner für Bill Clinton und die Demokraten den Weg in das Weiße Haus. Ähnliches geschah vier Jahre später, bei der nächsten Präsidentenwahl. Perot trat für die Reformpartei an, die er eigens zuvor gegründet hatte, und erhielt 8,4% der Stimmen. Zwar war dies für ihn ein Verlust, doch auch diese Schwächung war zu groß für die Republikaner, sodass Clinton seine zweite Amtsperiode antreten konnte.

Zur Jahrtausendwende dann das Unglück: George W. Bush (47,9%) wird trotz geringerer Stimmzahl als sein Konkurrent Al Gore (48,4%) Präsident der USA. Bush konnte aufgrund der Wahlmänner eine Mehrheit auf sich vereinen. In dem Swing-State Florida war das Ergebnis erheblich knapper, lediglich 600 Stimmen trennten Al Gore vom Sieg über Bush. Der Sieg in Florida hätte Gore im hohen Bogen nach Washington katapultiert. Doch alles kam anders. Aber warum?

Es gab einen dritten Bewerber, Ralph Nader, der Kandidat der Grünen Partei. Gerade die Republikaner dürften sich über Naders Bewerbung gefreut haben, da dieser nahezu ausschließlich der Demokratischen Partei die Wähler streitig machte. Nader besiegelte durch seine Bewerbung den Sieg von George W. Bush und den Niedergang der Demokraten.

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Jill Stein, die Spitzkandidatin der Grünen hofft im November auf die Stimmen von Bernie Sanders.

Heute, gut 16 Jahre später, ein Unterschied, sind es gleich zwei zusätzliche Bewerber, die es Hillary Clinton schwer machen könnten: Jill Stein und Gary Johnson. Johnson, Bewerber für die Libertäre Partei, zieht aus beiden Parteien gleich viele Stimmen. Jill Stein kann hauptsächlich von ehemaligen Bernie-Anhängern profitieren, sodass beide in Umfragen einen – für amerikanische Verhältnisse – erstaunlich guten Wert erzielen. Geschieht es am Ende wie 2000 in Florida, dass Clinton in einem Swing-State die nötige Mehrheit verfehlt und das noch viel größere Übel Trump in das Weiße Haus einzieht? Auch wenn Jill Stein die letzte Instanz für Progressivität auf dem Stimmzettel ist, sollten sich die Bernie-Anhänger für Clinton entscheiden, um Trump zu verhindern. Das Einundzwanzigste Jahrhundert braucht keinen zweiten republikanische Präsidenten und gewiss keinen infantilen Irren wie Donald Trump.

15:18 28.07.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Justin König

19. Mitglied der Linkspartei. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. E-Mail an: justinkoenig@gmx.net
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