China: Erinnerungen an 1989, 24 Jahre danach

Beijing / Hong Kong Chen Xitong war 1989 Beijings Bürgermeister. Seine Familie dankt denen, die nach seinem Sturz 1995 zu ihm hielten. Viele Hong Konger erinnern sich an den 4. Juni 1989.
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Tod eines KP-Veteranen

Der frühere Beijinger Bürgermeister Chen Xitong ist am Sonntag im Alter von 82 oder 83 Jahren gestorben. Chen, gebürtig aus der Provinz Sichuan, war 1989 Bürgermeister von Beijing und galt als entschiedener Befürworter der militärischen Niederschlagung der 1989er Studentenbewegung. 1992 stieg er in das Politbüro der KP Chinas auf. Etwa zeitgleich war er Sekretär der Beijinger KP. Dafür beendete er Anfang 1993 nach zehn Jahren seine Bürgermeisterschaft. 1995 wurde ihm aufgrund von Korruptionsvorwürfen der Prozess gemacht, und 1998 wurde er zu sechzehn Jahren Haft verurteilt, die 2006 aus medizinischen Gründen aus medizinischen Gründen ausgesetzt wurde.

Die Voice of America zitiert Quellen über die offizielle Hong Kong China News Agency hinaus. Chens Angehörige sollen eine eigene Bekanntgabe zum Tod Chens veröffentlicht haben. Chens Sohn Chen Xiaotong bedankte sich bei denen, die der Familie nach einer Krebserkrankung Chen Xitongs bis zuletzt unterstützt hätten.

In Gesprächen mit einem früheren Mitarbeiter des ländlichen Forschungszentrums beim chinesischen Staatsrat, Yao Jianfu, soll Chen bestritten haben, in der Niederschlagung der 1989er Studentenbewegung eine zentrale oder treibende Rolle gespielt zu haben. Deng [Xiaoping] habe "seine eigenen Quellen" zur damaligen Situation gehabt, um seine Entscheidungen zu treffen. Yao hatte Chen mehrfach besucht.

Chen widersprach damit offenbar Ausführungen, denen zufolge er als Bürgermeister die 1989er Bewegung als eine von Amerika unterstützte Verschwörung, ausgeführt von einer winzigen Handvoll von Leuten bezeichnet habe. Einem Bericht der Washington Post im Sommer 2012 zufolge hatte die chinesische Zentralregierung versucht, die Veröffentlichung von Yaos Buch - Gespräche mit Chen Xitong - in Hong Kong zu verhindern. Dem gleichen Bericht der Washington Post zufolge verglich Chen in seinen Gesprächen mit Yao seinen Sturz mit dem Bo Xilais im vergangenen Jahr. Der - mindestens implizite - Vorwurf an seine Ankläger lag darin, dass das Verfahren 1995 gegen ihn politisch motiviert gewesen sei.

Manche Vorwürfe gegen Chen im Zusammenhang mit dem Tiananmen-Massaker basieren auf einem angeblichen Tagebuch des damaligen Staatsratschefs Li Peng. Unter anderem soll Chen die Zentrale geleitet haben, die für das Massaker verantwortlich war.

4.-Juni-Zeremonie in Hong Kong

Laut verschiedenen Quellen gedachten heute mehrere zehntausend Hong Konger den Opfern der Niederschlagung der 1989er Bewegung vor 24 Jahren.

William Chan, ein Youtube-Nutzer:

Ich bin heute stolz auf Hong Kong. Eine große Menge Menschen war trotz des Regens dabei. Dieser Moment [der Videoaufnahme] war der, als wir alle unsere Regenschirme sinken ließen, um unsere Kerzen zu erheben. Die Rufe am Ende bedeuten "Verteidigt den 4. Juni" und "Gebt nicht auf". Der Titel der aufgeführten Erhu-Musik lautet Flusswasser.

China 1989 - eine Demokratiebewegung

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» Stein der nicht verrotten will, 01.06.13

23:00 04.06.2013
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Geschrieben von

JR's China Blog

Wer Demokratie für selbstverständlich hält, hat sie vermutlich geschenkt bekommen.
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