Chinas ewiger Frühling

Wochenendlinks Zentrale Hochschulzugangsprüfungen in China / Orden aus China und Venezuela / Integration in Deutschland / Gedenken an 4. Juni 1989
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China

Laut "Volkszeitung" online vom 06.08.18 endeten heute in China die diesjährigen dreitägigen Aufnahmeprüfungen zu den Universitäten. Die Online-Ausgabe der "Volkszeitung" zitierte am Vorabend der Prüfungen aus der Motivationsrede eines nicht näher genannten Klassenlehrers:

"Zu guter Letzt möchte ich noch einmal betonen, dass niemand es darauf anlegen sollte, möglichst viel Internetvokabular zu verwenden. Das ist nicht regelkonform und die Korrektoren werden es auch nicht unbedingt verstehen."

Die wiederholten Warnungen des Lehrers hätten Heiterkeit unter den Schülern ausgelöst. Diese gehörten der ersten Generation von Zentralprüfungsteilnehmern an, die nach der Jahrtausendwende geboren seien. Die "Volkszeitung" beschwört den ewigen Frühling.

Manche Netizens seufzten bewegt: eine jugendliche Generation folgt der anderen, ein Traum folgt dem anderen, und nach der Prüfungstaufe fliegt [erstere] in die Ferne. Die Hochschulprüfung ist nicht eine Prüfung, die die individuelle Entwicklung beeinflusst, sondern auch von Bedeutung für die Heranbildung der Talente des Landes und das fundamentale System für die Richtung der zukünftigen Entwicklung.

Der Artikel geht auch auf einen Erlass des Bildungsministeriums ein, dem zufolge es in den Hochschulprüfungen keine Bonuspunkte für Sportstudenten, Teilnehmern an Wissenschaftsolympiaden, zuvor auf Provinzebene ausgezeichnete Schüler oder Bewerber mit herausragenden ideologischen Leistungen mehr geben dürfe. Die Aufhebung derartiger Grauzonen solle Regionen zugute kommen, denen es an Bildungsresourcen fehle.

Hinzu komme zum Teil eine Flexibilisierung der Prüfungsinhalte. In der Provinz Zhejiang und dem benachbarten regierungsunmittelbaren Shanghai könnten die Prüfungsteilnehmer außer den drei traditionellen Fächern Mathematik, Literatur und Englisch frei zwischen bis zu drei weiteren Prüfungsgebiete wählen, für die sie besonderes Interesse und besondere Kenntnis mitbrächten.

Die "Volkszeitung" schließt:

Die Hochschulprüfungen sind Träger der Hoffnung, beauftragt mit dem Ausgangspunkt der Zukunft. Lasst uns zusammen von hier starten und ein besseres Morgen einleiten.

2017 nahmen 9,4 Millionen Menschen an den Hochschulprüfungen teil; 2007 waren es noch 10,1 Millionen, so die "South China Morning Post" aus Hong Kong.

Orden (1)

Xinhua, 08.06.. Am achten Juni wurde in der Goldenen Halle der Großen Halle des Volkes in Beijing feierlich die Verleihungszeremonie der "Freundschaftsmedaille" der Volksrepublik China durchgeführt. Staatsvorsitzender Xi Jinping verlieh dem russischen Präsidenten die erste "Freundschaftsmedaille". Xinhua-Foto: Shen Hong.

Cuba

Orden (2)

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro zeichnete am 30. Mai seinen kubanischen Kollegen Miguel Diaz-Canel Bermudez mit dem "Libertadores"-Orden erster Klasse aus. Diaz-Canel hatte das Präsidentenamt am 19. April von Raoul Castro übernommen. Castro selbst bleibt Parteichef.

Deutschland

1. Wenn Gündogan und Özil sich bei Erdogan ranschmeißen, nennt man das in Deutschland gescheiterte Integration.

2. Wenn ein niedersächsisches Landeskabinett sich bei der chinesischen Sprachagentur Hanban ranschmeißt, nennt man das in Deutschland Bildungs- oder Finanzpolitik.

Wenn aber 2. wahr ist, muss 1. unwahr sein.

Wenn Gündogan und Özil sich bei Erdogan ranschmeißen, ist das nämlich auch Bildungs- und Finanzpolitik. Sie haben damit gute Chancen, später mal in der Türkei einen Trainerposten zu bekommen (Bildungspolitik), und sie haben gute Chancen, später mal in der Türkei einen gut zahlenden Verein trainieren zu dürfen (Finanzpolitik).

Außerdem dienen 1. und 2. der Völkerverständigung

Gedenken an 4. Juni 1989

Eingebetteter Medieninhalt

Laut dem Chinesischdienst der BBC nahmen am Montag 110.000 Menschen an einer Mahnwache im Hong Konger Victoria Park teil. Die BBC zitierte den früheren taiwanischen Präsidenten Ma Ying-jeou, es könne keine Gespräche über eine Einheit (zwischen Taiwan und China) geben, wenn die Bewegung des 4. Juni nicht rehabilitiert würde.

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen schrieb auf "Facebook", Taiwan und China könnten ein besseres Verständnis füreinander entwickeln und besser kooperieren, wenn China demokratisch würde.

Ihren Post schrieb die Präsidentin in Kurzzeichen, wie sie in China gebräuchlicher sind als die traditionellen Langzeichen, die in Taiwan und von vielen Überseechinesen nach wie vor verwendet werden. Der taiwanische Auslandsradiodienst RTI zitierte Tsai mit den Worten,

chinesische Internetnutzer, die ihre Facebook-Seite besuchen, könnten dort sehen, dass es sich dabei um einen Mikrokosmos von Taiwans demokratischer Politik handle und wo sowohl Kritik als auch ermutigende Worte geäußert werden könnten.

10:47 09.06.2018
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JR's China Blog

Marxisten können die Zukunft vorhersagen. Das mit der Vergangenheit ist komplizierter.
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