Damned if you go, damned if you don't

Anti-Terror-Demo Hingehen oder nicht?
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Ich weiß nicht, wie ich es halten würde, wenn ich Moslem wäre. Es gibt Gründe, die gegen das Mitmachen sprechen, und andere, die →dafür sprechen.

Öffentlich vernehmliche Teile der deutschen Mehrheitsgesellschaft sind darauf konditioniert, deutschen oder in Deutschland lebenden Muslimen Vorhaltungen zu machen. Ob es eine Mehrheit in der Mehrheit ist, die dazu tendiert, weiß ich nicht - oft kommt es wohl darauf an, mit welchen Formulierungen Menschen propagandistisch angepiekst werden. Symbolisch aufgeladene Begriffe können bei Befragten ganz unterschiedliche Filme ablaufen lassen.

Meinem Eindruck nach drücken sich Probleme der Mehrheitsgesellschaft mit auffallend frommen Minderheiten insbesondere in rituellen "Integrations"-Forderungen der Politik aus, wobei ich nicht weiß, ob die Politik (inklusive eingängigem Mediensound) das Huhn ist, und die Öffentlichkeit das Ei, oder umgekehrt.

Vielleicht sollten muslimische Normalverbraucher "politisch" denken, und schon darum ein Zeichen setzen - also an einer Demo teilnehmen. Das mag wohl sein. Aber dabei wären ganz unterschiedliche persönliche psychologische Hürden zu nehmen (Konformismus, kränkende Alltags- und Rückzugserfahrungen, etc.), und die Hürden einer "unpolitischen" Grundhaltung.

Politisch zu denken allerdings ist ohnehin nicht des Deutschen Größe, ob nun abend- oder morgenländischer Provenienz, ob Mehr- oder Minderheit, ob atheistisch, christlich, muslimisch oder anders. Politik - darauf können Mehr- und Minderheiten sich ganz idealistisch einigen - ist ein schmutziges Geschäft.

Insofern ist es abwegig, wenn die Mehrheitsgesellschaft Forderungen an islamische Minderheiten stellt. Aber die Macht der Gewohnheit lässt irgendwann jede Abwegigkeit aussehen, als wäre sie eine Notwendigkeit.

17:56 19.06.2017
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Geschrieben von

JR's China Blog

Marxisten können die Zukunft vorhersagen. Das mit der Vergangenheit ist komplizierter.
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