Die Wochen vor dem 4. Juni 1989

Demokratiebewegung. Anfang Juni jährt sich zum 24. Mal das Tian'anmen-Massaker - Versuch einer Chronik in vielen Teilen.
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Wu Renhua ist U.S.-Bürger. Geboren wurde er 1956 in der VR China. 1989, im Jahr der bisher letzten großen chinesischen Demokratiebewegung, war er ein junger Dozent an der China University of Political Science and Law in Beijing, und floh 1990, zunächst nach Macau und Hong Kong. Im gleichen Jahr reiste er in die USA.

Eine Wiedereinreise nach China - als chinesischer Staatsbürger - hätten ihm die Behörden später durchaus gestattet; allerdings zu Bedingungen, die für ihn nicht annehmbar waren. Im November 2012 versuchte er die Einreise, ohne die Bedingungen anzunehmen - inzwischen nicht mehr als chinesischer, sondern als amerikanischer Staatsbürger, und unter einem englischen Namen.

Wu Renhua blieb 42 Tage lang bei seiner Familie in der Provinz Zhejiang. Unbemerkt blieb sein Aufenthalt aber offenbar nicht. Weitere Familienbesuche werde es für ihn nicht geben, gaben ihm der Website Seeing Red in China zufolge Mitarbeiter der Staatssicherheit zu verstehen.

Offiziell ist das Tian'anmen-Massaker bis heute in China kein Thema. Die englischsprachige "Global Times" versuchte den 4. Juni im Mai 2009 historisch neu einzuordnen (und sprach den Begriff dabei auch explizit aus), aber das blieb offenbar ein Experiment, das zudem auf englischsprachige Leser beschränkt war.

An der Namensgebung - Tian-An-Men-Massaker - wurde ein Jahr später in der ausländischen Presse Kritik geübt, unter anderem und vielleicht zuerst von Jay Mathews, einem Mitarbeiter der "Washington Post".

In den nächsten Wochen werde ich versuchen, den einen oder anderen Teil eines Berichts ins Deutsche zu übersetzen, den Wu Renhua 2011 als eine Folge von Tweets veröffentlichte. Einen ersten Teil davon übersetzte ich 2012 ins Englische, und ein zweiter Teil folgt in diesem Jahr. Dabei sollte man beachten, dass es sich um eine Erzählung von vielen handelt. Und wie jede solche Erzählung über die Demokratiebewegung 1989 wird auch die Wus in China nicht besprochen. Eine öffentliche chinesische Debatte wurde in den vergangenen Jahrzehnten zwar in Ausnahmefällen angemahnt, ist aber in absehbarer Zeit kaum zu erwarten.

Selbst wenn ich mich auf Wu Renhuas Bericht konzentriere, werden diese Übersetzungen Stückwerk bleiben. Es kommen zu viele Namen darin vor, die ich selbst vorher nie gehört oder gelesen habe. 1989 war ich Oberschüler und dachte an ganz andere Sachen als an China. Und in der Zeit zwischen damals und heute ging das Thema nicht nur in China, sondern auch im Ausland, ziemlich unter - außer in den einen oder anderen Stichtagserinnerungen oder in der einen oder anderen Reportage aus persönlicher Perspektive.

Wus Erinnerungen helfen vielleicht, einige Lücken zu füllen.

Fortsetzung folgt.

Fortsetzung hier.

China 1989 - eine Demokratiebewegung

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14:47 12.05.2013
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