Dumpfbacken-Sprüche?

Zweierlei Maß ---
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Ein »Post vom 17. Oktober muddelt viel zusammen, was nicht zusammengehört. Machen wir uns an die Denkarbeit:

Die dort beklagte Kündigung des Azubi ("Wie sieht der durchschnittliche dFC-Forist den Fall eines jugendlichen Autohaus-Azubis ...") war rechtens. Ob es für den Arbeitgeber die einzig mögliche Entscheidung war, ist per Ferndiagnose kaum zu klären - auch nicht unter Berücksichtigung der Selbstkorrekturversuche des gerade mal Siebzehnjährigen.

Außer sich selbst ist der Autohersteller so allerdings niemandem gerecht geworden. Oder vorsichtiger ausgedrückt: politisch und sozial gesehen ist die Entlassung des Azubis ein unbefriedigendes Ergebnis. Aber Unternehmen - zumal Großunternehmen ohne örtliche Bodenhaftung und ohne Gesichter, die man ansprechen könnte - sind keine Orte, an denen vorherige Fehlentwicklungen in Familien, Kindergärten, Schulen und Cliquen zum Besseren korrigiert werden. Eigentlich stellt man sich den "durchschnittlichen FC-Foristen" als einen vor, der sich in dem Punkt keine Illusionen macht, und sie dem Bundeswirtschaftsminister überlässt.

Aber so kann man sich halt täuschen.

Drei gesellschaftlich relevante Felder wurden in diesem Zusammenhang miteinander verknüpft: Rechtsextremismus und "Antifanten", Arbeitsverhältnisse, und der Missbrauch psychiatrischer Einrichtungen. Ich beschränke mich auf die Verknüpfung der ersten beiden.

Es wurde Azubis und jungen Mitarbeitern schon aus schlechteren Gründen gekündigt als aus denen, die Porsche für seine Entscheidung anführte. Es sei denn, Diebstahl am Arbeitsplatz wiege schwerer als ein Hass-Posting jener Gewichtsklasse. Und weder die "Süddeutsche Zeitung" noch ein FC-Blog verlieren - in der Regel - viele Worte über weniger "spektakuläre" Einzelschicksale.

Will sagen: wer sich an der Porsche-Entscheidung stört - und es gibt selbstverständlich Gründe, sich daran zu stören -, sollte über den konkreten Fall hinausschauen. Und noch etwas: man darf hoffen, dass es sich bei dem damaligen Posting um einen "Dumpfbacken-Spruch" handelte. Wissen kann man das nicht. Hinge meine Sicherheit oder die meiner Angehörigen oder Freunde von einer korrekten Einschätzung dazu ab, würde ich allenfalls sehr zögernd zu einer Einschätzung hierzu kommen.

Das Unbehagen an der Art, mit der das politische Establishment - Medien inklusive - mehr oder weniger uniform auf "Pegida oder auf "Montagswachen" reagiert, ist berechtigt. Der Verdacht , dass mit dem Verzicht auf neutrale Berichterstattung selbst in den öffentlich-rechtlichen Medien Grundrechte ausgehöhlt werden sollen - nicht zuletzt Versammlungs- und Meinungsfreiheit - ist ebenfalls berechtigt.

Aber das in diesen Komplex hineingemischte Posting des österreichischen Auszubildenden und die Reaktion seines Arbeitgebers darauf sind eben keine Frage der Meinungs- und Ausdrucksfreiheit. Wer das im konkreten Fall glaubt, sehe sich das in Rede stehende Statement nochmal an. Möglichst mit Verstand.

Note

Dieser Blogger bloggt. Kommentieren wird er erst wieder ab 01.01.16. Etwaige Fragen an PM-Ersatz: duibudui@hotmail.de.

16:28 20.10.2015
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