Handelskrieg, Luxemburg

Wochenendlinks Kriegsschiffe zum Selberbauen / Handelskriegsschäden / Agrarmindestpreise / warum der Iran verhandelt / Malaysia setzt Projekte aus / Reiseabenteuer
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Australien

Eine Werft bei Adelaide soll ab 2020 neun Fregatten bauen, von denen die erste ab 2027 im Einsatz sein soll. Das Design stammt vom britischen Rüstungsunternehmen BAE. Die Fregatten sollen feindliche U-Boote, Flugzeuge und Raketen orten und zerstören können. BAE Systems setzte sich im Wettbewerb um den Auftrag gegen italienische und spanische Wettbewerber durch. Der Auftragswert liegt laut Radio Australia's "The World Today" vom 29.06. bei 35 Milliarden australischen Dollars. Es handle sich um das größte Kriegsschiffbauprogramm in Australiens Friedenszeiten, so der Sender.

Laut einem Wikipedia-Artikel (Stand 06.07.18) zu den projektierten Fregatten geht das Programm auf ein Weißbuch der Regierung Kevin Rudd (Labour) zurück, laut dem acht neue Fregatten mit einem Schwerpunkt auf Anti-U-Boot-Kriegsführung gebaut werden sollten. Der "Sydney Morning Herald" mutmaßte, BAE Systems habe das moderneste Design geboten, aber auch ein australischer Wunsch, seine engen Beziehungen zu Großbritannien "in einer Zeit globaler strategischer Unsicherheit" abzustützen, schlügen sich in der Entscheidung der Regierung Turnbull nieder.

Ein leitender Mitarbeiter des "Australian Strategic Policy Institute" erklärte in einem Interview mit Radio Australia, die Arbeit nach BAE-Design und unter BAE-Leitung werde - gelingendenfalls - einen Weg für Australiens Industrie in den Kriegsschiffbau öffnen. Neben den Komponenten, die Australien für die "Hunter-class"-Fregatten der Royal Australian Navy baue, könne es dann auch die gleichen Teile für die acht Fregatten gleichen Typs liefern, die in Großbritannien für deren Royal Navy gebaut würden - und, sofern BAE sich auch im Wettbewerb um einen kanadischen Auftrag durchsetze, obendrein für fünfzehn dort geplante Fregatten.

Handelskrieg / Luxemburg

Amerika und China befinden sich im Handelskrieg. Aber das macht sie nicht automatisch zu den hauptsächlich Geschädigten in der Auseinandersetzung, wenn man einem von einer Anlagenverwaltungsgesellschaft entworfenen Modell folgt, das die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorstellte.

Die Berechnung basiert auf dem Grad, mit dem verschiedene Länder der Welt an der "globalen Wertschöpfungskette" beteiligt sind. Diesen Beteiligungsgrad definiert die Welthandelsorganisation (WTO) als die Summe ausländischer Wertschöpfung, die in die Exportleistung eines Landes eingeht (also zuvor von diesem importiert wurde), und die Wertschöpfung, die das Land den Exporten anderer Länder hinzufügt.

Ein altes Beispiel von vor 13 Jahren: ein Unternehmen in den USA produziert elektrische Zahnbürsten. Die Platinen dieser Zahnbürsten werden in den Philippinen zusammengesetzt; die einzelnen Transistoren und Resistoren werden dazu aus Malaysia geliefert.

Die Zulieferungen aus Malaysia gehören damit zur Summe ausländischer Wertschöpfung, die nach ihrem Import in die Philippinen in die philippinische Exportleistung eingehen. Die Philippinen wiederum fügen den Zusammenbau der Platinen dem Export der USA als Wertschöpfung hinzu - aber hier gilt (offenbar) eine Einschränkung. Soweit nämlich die elektrischen Zahnbürsten im US-Binnemmarkt verkauft sind, zählen sie nicht zum Beteiligungsgrad der Philippinen an der globalen Wertschöpfungskette. Sie werden nur hineingerechnet, soweit die Endprodukte - also die gebrauchsfertigen Zahnbürsten - wiederum exportiert und an Endverbraucher außerhalb der USA verkauft werden.*)

An diesem Beteiligungsgrad gemessen stehen Luxemburg, Taiwan, die Slowakei, Tschechien, (Süd)korea, Singapur, Malaysia, Island und Irland ganz oben auf der Hitliste der Verwundbaren. Deutschland stünde erst an dreißigster Stelle.

____________

*) Keine Garantie für die Richtigkeit. Wer hier für seine Doktorarbeit klaut und dann herausfindet, dass ich etwas falsch verstanden habe, ist selber schuld.

Indien

Laut All India Radio (AIR) beschloss das indische Unionskabinett am Mittwoch, die Mindestpreise für landwirtschaftliche Monsunfrüchte (Kharif crops) auf das anderthalbfache der Produktionskosten anzuheben. Während AIR - was der Normalfall ist - eher unkritisch über die Regierungspolitik berichtet, räumt der indische "Financial Express" zwar ein, dass die Mindestpreiserhöhung für die landwirtschaftlichen Betriebe notwendig gewesen sei, verweist aber darauf, dass dies auch (in schwer vorhersehbarem Umfang) inflationär wirken könnten.

Iran

Der Unternehmer Bijan Khajehpour, der sich seit Jahren mit der Frage beschäftigt, "warum der Iran verhandelt", bot dazu am Mittwoch im ORF-"Journal um acht" eine aktuelle Interpretation.

Die iranische Politik sei sehr auf Ölexporte fixiert. Um aber Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum zu schaffen, sei aber Technologietransfer das Hauptthema. Das Nuklearabkommen sei für den Iran nicht obsolet, nur weil größere europäische Unternehmen sich aufgrund amerikanischer Sanktionsdrohungen aus den iranischen Märkten wieder zurückzögen. Die EU müsse sich allerdings auf Technologietransfers festlegen.

Während der Präsidentschaft Ahmadinejads habe man geglaubt, China und Russland könnten praktisch alle Technologien anbieten, die der Iran brauche.

Die Erfahrung ist, dass sie das nicht machen können. Ich glaube, es gibt eine wichtige Dimension dieser Beziehungen - der Iran-EU-Beziehungen. China und Russland verhalten sich ganz anders, wenn de Iran iene Alternative hat, und die Alternative ist Europa. Wenn der Iran keine Alternative hätte, würden sie Iran ganz anders behandeln.

Malaysia

"Wir werden mit China befreundet sein, aber wir wollen nicht bei ihm verschuldet sein," hatte Malaysias langjähriger (und im Mai überraschend aus der Pension heraus noch einmal gewählte) Premierminister Mahathir Mohamad am 11. Juni in Japan gesagt.

Laut NHK forderte er nun chinesische Unternehmen auf, ihre Arbeit an einigen milliardenschweren Projekten in Malaysia einstweilen auszusetzen. In einem Fall, dem Bau der längsten malaysischen Bahnstrecke (laut NHK Teil des "Seidenstraßenprojekts"), befanden die Behörden demnach die Kosten zu hoch; in einem anderen entsprach die Zahlungsweise an einen chinesischen Auftragnehmer nicht den "allgemein akzeptierten Grundsätzen".

Laut "South China Morning Post" (Hong Kong) will Mahathir voraussichtlich im August Beijing besuchen.

Schnell & gern vergessen

Kulinarische Reiseabenteuer.

Gleiches gilt natürlich für Brandenburg.
21:10 06.07.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

JR's China Blog

Marxisten können die Zukunft vorhersagen. Das mit der Vergangenheit ist komplizierter.
JR's China Blog

Kommentare